Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 65 (14.8.1934)
- Date
- 1934-08-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Religiöses Urerlebnis Zeitgedanken von Herbert Connor Wir stellen. die folgenden Ausführungen zur Diskussion, ohne zunächst dazu Stellung zu nehmen. Es ist ein Fundamental-Irrtum der zünftigen Theologie, daß sie glaubt, die Religion abgelöst von den Zeihunständen betrachten zu können. So gewiß es ist, daß es absolute religiöse Werte gibt, die unabhängig vom Wandel der Zeiten ihre Gültigkeit bewahren, so sehr liegt es auf der Hand, daß sich die Formen des religiösen Bewußtseins mit den Zeiten ändern, ja ändern müssen, wenn ihr ideeller Gehalt nicht in toten Dogmen und Doktrinen erstarren soll. Was suchen nun, bewußt oder unbewußt, die Indifferenten aller Länder, Konfessionen und Stände? Sie suchen das religiöse Urerlebnis, ohne welches es keine wirkliche’ Religion gibt. Religion ohne das lebendige Erlebnis Gottes ist eine mechanische Nachbetung aufgestellter Dogmen. Die Besten unter den suchenden, ringenden Menschen lehnen derartige Ersatzwerte ab. Lieber irren sie zwischen den mannigfachen Philosophemen und Weltanschauungen umher, um sich dort Trost und Stütze zu holen, als daß sie sich einem für sie leeren, uncrlebten Dogma unterwürfen. . * Unter den Menschen, die sich heute in Deutschland zur jüdischen Konfession bekennen, gibt es viele, die nur durch äußere, gewohnheitsmäßige Bande an das Judentum geknüpft sind. In diesen Indifferenten das Bewußtsein ihrer selbst zu wecken — ist vielleicht die wichtigste und schönste Aufgabe ' der heutigen Leidenszeit. Diese Aufgabe wird wohl von allen Verantwortlichen freudig anerkannt und bejaht werden. Was freilich die Ansichten über die Wege anbetrifft, die . eingeschlagen werden müssen, so werden diese erheblich . voneinander abweichen. Ehe man in eine Diskussion darüber eintritt, erscheint es notwendig zu sein, sich kurz Rechenschaft über die religiöse Gesamtsituation der Ze,it abzulegen, nicht zuletzt deswegen, um die Fehlerquellen auszumerzen, die sich aus einer allzu .absoluten, theologischen Betrachtung des- Problems ergeben. Daß die Religion in der ganzen Welt schwere Kämpfe zu bestehen hat, wird niemandleugnen können. Man braucht nur an Sowjetfußland zu denken, wo unter dem Deckmantel des Sozialismus das religiöse Bewußtsein der Menschen auf das brutalste -vergewaltigt wird. Juden und Christen befinden sich dort gleichermaßen im Abwehrkampf gegen einen lebensabgelösten, selbstherrlichen Rationalismus, der glaubt, sich über die metaphysischen Bedürfnisse des Menschen mit einem Hohnlachen hinwegsetzen zu können. Das Beispiel Sowjetfußlands zeigt deutlich die Situation, in welche die religiösen Menschen aller Konfessionen hineingedrängt , worden sind. Ob Juden oder Christen — sie bilden eine Schicksalsgemeinschaft, .deren Kennzeichen der gemeinsame Abwehrkampf gegen den heidnischen Massenmenschen ist, der alles Ewige, Göttliche leugnet und an seine Stelle den Traktor und die Maschine setzen’ will. Wie weit der überspitzte Kapitalismus der letzten Jahrzehnte sich an dieser Entwicklung mitschuldig gemacht hat, ist hier nicht der Platz zu untersuchen. Tatsache ist, daß, je mehr die Weltwirtschaftskrise fortschreitet, desto mehr auch die Religion in breiten Kreisen der Bevölkerung an Kredit verliert. " _ * Angesichts - einer solchen Weltlage der Religion scheint es mehr als. überflüssig zu sein, die Zeit mit theologischen Spitzfindigkeiten zu vergeuden. Das Judentum der ganzen Welt hat heute wieder eine gewaltige Aufgabe vor sich, eine Aufgabe, der es durch Jahrhunderte treu geblieben ist: Hort der Religion zu sein. Indem sich das Judentum in einer Zeit als Bewahrer und Hüter ewiger religiöser Traditionen fühlt, bildet es gegen den drohenden Bolschewismus ein geistiges Bollwerk, wie man es sich stärker und geschlossener nicht vorstellen kann. Der messianische, auf die Botschaft des Friedens, der Gerechtigkeit und Gewissensfreiheit gerichtete Gedanke des Judentums gewinnt wieder neue, ungeahnte Bedeutung. Nun kommt es darauf an, daß sich die jüdischen Menschen dieser Zeit voll und ganz dieser'Bedeutung bewußt . werden, um im Sinne des Ewigen und Göttlichen wirken zu können. Wie aber kann der jüdische Mensch mit dazu beitragen zur Stärkung und Regenierung des allgemeinen religiösen Bewußtseins? Durch treue Befolgung des Ritus, durch pünktliche Einhaltung der Feiertage, durch Pflege der Tradition im Familienkreise, durch regelmäßigen Besuch des Tempels? All diese Faktoren, die von vielen als die Grundlagen der jüdischen Religion angesehen werden, sollen keineswegs unterschätzt werden. Wohl dem, der fest verwurzelt ist im Traditionellen — denn ihm bleiben viele Umwege erspart. Aber eines ist sicher:, daß die bloße Befolgung der traditionellen Vorschriften noch keinerlei Gewähr abgibt für ein wi rk 1 ich religiös gestaltetes Leben. Jene Indifferenten, deren Einreihung in die jüdische Gemeinschaft so wünschenswert ist — glaubt man wirklich, sie durch Bibelstudium und Wahrung traditioneller Gebräuche zu religiösen Menschen zu machen? Wenig, werden ihnen die Sprüche der Väter und die - Psalmen sagen, wenn sie nicht des religiösen Urerlebnisses teilhaftig geworden sind. * Das religiöse Urerlebnis besteht in einem Bewußtwerden der in. uns wirkenden — geheimnisvollen Lebensurkraft. Dieses Erlebnis ist an und für sich allgemeinmenschlicher Natur. Wenn das Judentum einen Anspruch machen kann, so ist es der, der Menschheit erstmalig Kunde von dem Walten dieser unteilbaren, ewigen Urkraft, die keine andere Macht neben sich duldet, gegeben zu haben. Dieser Anspruch ist denn auch von allen großen Geistern aller zielten, angefangen von Lessing, Schiller und Goethe bis zu Kardinal Faulhaber, rückhaltlos anerkannt worden. Die Lehre vom Wesen des einigen Gottes'ist bis zum heutigen Tage Grundlage der ganzen abendländischen Kultur geblieben. Gewiß hat auch der chinesische Denker Laotse vor ca.. 2500 Jahren vom quellenden Urgründe und Sinn des Lebens gesprochen. Aber sein kleines aphoristisches Büchlein ist bis zum heutigen Tage nicht über eine Schicht von philosophisch Gebildeten hinausgedrungen, während das gewaltige Weltanschauungsgebäude der mosaischen Religion dazu berufen war, die Plattform einer Weltreligion und Weltkultur abzugeben. Es wäre ein Irrtum anzunehmen, daß das jüdische Gotteserlebnis nur in der christlichen Religion einen Niederschlag gefunden habe. Die gesamte moderne Lebensphilosophie ist ohne es undenkbar. Man neiime Klages, Prinzhorn, Jung — überall wird man Spuren des jüdischen Gottesgedankens finden. Eines der größten Erlebnisse der letzten Zeit war für mich die Bekanntschaft mit den Ideengängen des großen Schweizer Gehirnanatomen von Monakow. Was Monakow über die „Biologie der Instinktwelt“ sagt, über den ethisch-religiösen Instinkt als Kulminationsleistung des menschlichen Organismus, deckt sich oft auf das erstaunlichste mit der jüdischen, biblischen Vorstellung vom Wesen Gottes.. Es ist notwendig, auf diese scheinbar abseitsliegenden Dinge einzugehen, weil sie zeigen, daß der moderne jüdische Mensch sich heute nicht allein auf die Tradition beschränken kann und darf. Er muß die Resultate dieser Wissenschaften in sich aufnehmen und mit den absolut gültigen Wahrheiten seiner Religion in Einklang zu bringen suchen. Lessing nannte einmal die Bibel „das Elemcntarbuch“. Er verband mit dieser Definition die Vorstellung eines Buches, das sich gleichermaßen durch Allgemeinverständlichkeit, Knappheit und Überzeugungskraft des Ausdrucks auszeichnct. Gleichzeitig wies er die Grenzen auf, die ein solches Buch notwendigerweise für den philosophisch gerichteten Geist haben müßte, wobei er jedoch ohne weiteres zugestand, daß das Wunderbare der Bibel gerade darin liege, daß sie nicht in Widerspruch stehe zu der analysierenden Vernunft, sondern im Gegenteil auf das erstaunlichste mit ihren Ergebnissen übereinstimme. Die.-Gültigkeit dieser Anschauung auch für unsere Zeit liegt auf der Hand. Der moderne jüdisch^ Mensch wird und darf nicht aufhören, die Gebote seiner-Vätcr, die in Wirklichkeit. Gebote der in ihm wirkenden Lebenskraft sind, zu achten und zu befolgen. Aber er wird und muß sich freimachen von dogmatischen Bindungen, die ihre Daseinsberechtigung in der heutigen Zeit-verloren haben. Wie weit er dabei gehen darf — wage ich nicht zu entscheiden, wage ich auch nicht in mißverständlicher'Kürze auszudrücken. Doch meine ich, daß jeder, der ein lebendiges Bewußtsein jüdischer Weisheit besitzt und das Walten des einigen Gottes, der neben sich keine anderen Götter duldet-, anerkennt, das Recht hat, sich Jude zu nennen. Was in jedem Fall der jüdischen Religion jn der Heutigen 'Situation not tut, wäre ein Rcligionsphilosoph vom Schlage Kierkegaards, ausgerüstet mit dein Rüstzcugc der modernen Psychologie. Vielleicht, daß sich danu die Masse jener indiffe*2 renten Gebildeten freudiger und ehrlicher zum Judentum bekennen würde, als sie es heute unter dein Drucke der-Verhältnisse tut. Zum Schluß sei noch ein Gedanke ausgesprochen, der vielleicht wert ist, einmal im größeren Zusammenhänge erläutert zu werden. Der große deutsche Denker Lichtcuberg propagiert in seinen Schriften u. a. die Idee einer Univcrsalreligion der Zukunft, die. alle Menschen in ihrem Schollevereinigen solle. Ist es Zufall,-wenn Ljchtenberg den Ansatzpunkt einer solchen Univcrsalreligion im Spinozismtis sieht? Das pantheistische Weltgefühl Spinozas, das aus einem wahrhaft prophetischen Erlebnis der göttlichen Allheit und Einheit erwächst, wird von nicht wenigen freireligiösen Menschen-als zugleich jüdisch und überkonfessionell empfunden. Wie, wenn das Judentum in dieser Richtung hin mehr für ein Wiedererwachen des religiösen Bewußtseins der Menschheit zu leisten imstande wäre, als durch alles betont Dogmatische? Warum der. erste jüdische Einjährige in Preußen nur Vizewachtmeister wurde Samtlietittfliriete... Nicht nur in den entscheidenden Dingen, auch in manchen kleineren haben wir durch die Geschehnisse der Zeit einen nützlichen Anstoß bekommen. Die Familienforschung zum Beispiel gehört zu ihnen: in einer Welt, der die Gegenwart und die Zukunft alles zu bedeuten schienen, die Vergangenheit nur sehr wenig galt, waren mit allen auch wir Juden zumeist in den Fehler verfallen, allzuwenig nach Herkunft und Abstammung zu fragen. (Wenige Ausnahmen und auch das Wirken der sehr segensreichen Gesellschaft für. jüdische Familienforschung besagen da nichts!) Wir brauchen uns deswegen heute nicht anzuklagen; es gibt keinen Grund, der uns vor diesem Fehler der Allgemeinheit bewahrt hätte, zumal dasalles für uns wegen des Fehlens übersichtlicher Stammbücher usw. viel schwieriger war. Aber wir sollen das Versäumte nach Kräften nachholen, und es erweist sich erfreulicherweise, daß viele mm den "Willen dazu haben. Die Ergebnisse des Suchens sind oft erstaunlich genug; mancher, der glaubte, gar nichts über seine Familie zu wissen, findet in seinem Bücherschrank alte Familienpapiere, oft schon gesehen und niemals eigentlich beachtet, die ihn schon einen guten Schritt weiterbringen. Und nicht selten sind Aufzeichnungen darin enthalten, die uns alle angchen, wie es ja überhaupt im Leben der deutschen Juden heute wenig Privates und viel die Gesamtheit Betreffendes gibt. Darum soll hier von einem solchen Fund berichtet werden; es ist wohl mehr als ein Zufall, daß er eben erst an das Tageslicht kam, da er ja schon jahre- und jahrzehntelang in der Wohnung lag. Ein Onkel hat für eine Eingabe wichtige Papiere zusammengeheftet und einbinden lassen und dann das Ganze mit stolzen Goldbuchstaben „Curriculum vitae“ genannt. Ein Lebenslauf freilich ist es nun gerade nicht, und der wäre auch vielleicht gar nicht so interessant, denn für die Allgemeinheit war der Betreffende wohl kaum von so sehr großer Bedeutung, sein Schicksal erfüllte sich in privaterem Kreis. Der Anlaß, aus dem heraus die Papiere - gesammelt wurden, ist merkwürdig und hörenswert: der, auf den sich, die Zeugnisse und Atteste beziehen, war der erste jüdische Einjährig-Freiwillige in -Preußen, und als er aus dem Heer entlassen wird, erhielt er nicht, wie er in Anbetracht seiner Leistungen zu hoffen berechtigt zu sein glaubte, die Qualifikation zum Offizier, sondern nur zum Vizewachtmeister. Das war im Jahre 1847, und man wird wohl nicht fehlgehen in der Meinung, daß die jüdische Abkunft viel zu dieser Entscheidung des Bataillonskommandos beitrug. Der kommandierende General des Posener Generalkommandos allerdings erwiderte auf die eingereichte Eingabe, daß „bei der Erteilung des Qualifikationszeugnisses für Julius S. sein Glaubensbekenntnis völlig unbeachtet geblieben . ist“. Es habe, ihm, meint der General, vielmehr noch zum : Teil an den äußeren Formen gefehlt, die von einem Offizier zu verlangen seien. ' Es mag wohl sein, daß es ihm an der Gelegenheit . fehlte, diese Formen zu erlernen; denn vor seinem Dienst im Heer war der Petent Julius S. — Landwirtschaftsinspektor. Als solcher aber war er nach vorzüglicher Ausbildung offenbar hervorragend tüchtig, was für einen deutschen Juden der damaligen Zeit immerhin erstaunlich war. Aber die Zeugnisse sowohl der Güter, auf denen er tätig war, wie die staatlicher Institutionen sprechen eine deutliche Sprache: „. . . nicht nur hinsichtlich der Feldwirtschaft sichtbare Leistungen gezeigt, sondern auch die häusliche Wirtschaft und die Kasse mit Fleiß und Treue geführt . . . tätig und umsichtig bei der praktischen Führung der Wirtschaft bewiesen ... als umsichtiger und zuverlässiger Beamter gezeigt, so daß er sich stets meine größte Zufriedenheit erworben hat . . .“ , . Und wenn es ihm auch an „den feinen Manieren“ noch gefehlt hat, ein ganzer Mann war er jedenfalls, was ein Zeugnis beweist, das der Landrat des Kreises Thorn dem Dreiundzwanzigjährigcn ,4850 ausstellt: „Der Wlitsehattsinspektor Herr Julius S. zu Neuhoff hiesigen Kreisen-hat sieh in der Zeit, da-dic" Bewohner von der Cholera heimgesucht waren, während dieser Zeit mit einer ebenso menschenfreundlichen als furchtlosen Thätigkeit, Umsicht und Einsiaht der Leidenden angenommen, und nach Kräften im polizeilichen Interesse gewirkt, daß ihm das-amtliche .Anerkenntnis hierüber erteilt wird. Thorn, den 25. Februar. Der Landrat.“ Und es will mir heute dieses Zeugnis wertvoller und schöner erscheinen als selbst ein von ihm noch so sehr ersehntes Offizierszeugnis. Denn Manieren kann man fernen, Charakter nicht. Und auf den Charakter kommt es an. H.S. Was eine Porzellantasse verriet Hausnummer 168 — Jüdische Hluser im alten Berlin — Wie sa bei Henriette Here aussah In das Berliner Märkische Museum gelangte kürzlich eine Biedermeiertasse, deren Bild die Hausnummer 168 trägt. Mit Hilfe alter Adreßbücher und Stadtpläne hat man feststellen können, daß das Gebäude aut der Schau-Seite dieser Tasse aus altberliner Porzellan die sonst nirgends abgebildetc, längst abgerissene einstige Villa des Schufzjuden und Bankiers Daniel Itzig in der Copenicker Straße darstellt, jenes Landhaus, dessen ausgedehnter Park zu den bedeutsamsten Oartcnanlagen in Berlin“ gehörte. Als im Jahre 1865 dieser ganze Besitz 'zur Versteigerung kam, da verhallte der AppeH der „Vossischen Zeitung“ an das . künstlerische und historische Gewissen aller Kunstfreunde ungehört. . Aber, da ist im Märkischen Museum eine Alt-Berliner ' Ansicht, eines jener Panoramen, die den Bück auf den alten Lustgarten wiedergeben. Zur Rechten führt über die Spree die große Pomeranzenbrücke. Das langgestreckte Gebäude hinter der Orangerie gehörte Frau Sarah Levy, einer Toclides Bankiers Itzig, dessen anderes Palais in der Burgstraßean der Stelle der jetzigen Börse auf einem anderen Abschnitt desselben Alt-Berliner Panoramas im Märkischen Museum zu sehen ist. Es war ein sehr interessantes Haus: hier verkehrte Achim v. Arnim und Bettina’Brentano, und. im Garten haben sich beide verlobt. Frau Levy. mußte von diesem Orundstück zwecks Erbauung des „Neuen’ Museums“ einen Streifen abtreten. Den Westflügel ihres Besitzes aber konnte sie sich nicht entschließen, für den Bau dieses Kunstinstituts zu opfern, und so erklärt sich eine gewisse Unregelmäßigkeit in Stüicrs Grundriß. Von der Madame Lcyy gibt es jene schöne Bleistiftzeichnung von Henschel,. ein feinsinniges Porträt der _ Besitzerin des Hauses hinter der Orangerie, der Frau, die Fanny Lewald in ihren Lebenserinnerungen beschreibt, „die die Eigenschaft besaß, eiiies der Wahrzeichen von Berlin zu .sein, in gewissem Sinne ebenso wie die Hofrätm Herz für sich in Anspruch nehmen konnte“. . Fanny Lewaldberichtet zu gleicher Zeit von ihrer Freundin, der Gattin, von Marcus Herz, und sie beschreibt die Wohnung auch dieser bekannten Berliner Jüdin; nicht jenes rühmlichst oft genug erwähnte Haus in der Neuen Friedrichstraße nahe der - Königstraße, sondern die Wohnung der -jungen Henriette: „Sie wohnte, als ich sie kenncnlernte, in der ' Markgrafenstraße in dem ersten Stockwerk eines alten und ziemlich verfallenen Hauses. Über eine finstere Treppe und einen ebenso finsteren Flur trat man durch eine kleine, kaum möbliert zu nennende einferistrige Stube in das zweifenstrige Wohnzimmer ein, das mit der höchsten Einfachheit eingerichtet war. Keines von den modernen Möbeln, die wir jetzt beinahe zu den Unentbehrlichkeiten rechnen, keine Fauteuils, keine Causeusen, kein großer Spiegel, kerne Nippessachen waren darin zu sehen . . . Und doch vermißte man nichts, sondern Johannes THOM, Halensee, Eisenzahnstr.45 Auto-Reparatur-Werkstatt Abschleppen tär unsere Kunden gf*u»l H 7 Wilmersdorf.07251 H 7 Wilmersdorf 79681 Tu- —i toefcW—t I