Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 65 (14.8.1934)
- Date
- 1934-08-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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14. Jahrgang Nummer 65 3ttftif(NttetaIe Reifung .Beilage 14. August 1934 Begabung und. Belastung in jüdischen Familien Von Krankheiten, Ehen, Kindern und nervösen Herzen Von Dr. Arthur Czellltzer Ein unterscheidendes Merkmal, das allen Juden zukotnmt, assoziieren, rational zu handeln und sich in fremde Wesensart und nur den Juden zukommt, aber keinem Nichtjuden, gibt es einfühlen zu können. Wo solche Eigenschaften in einer nicht. Sowohl in körperlicher wie in geistiger Beziehung Familie besonders intensiv als Familientypus konstant auftfeten, ist sowohl Begabung wie auch Belastung festzustellen. Begabung, denn wir werden bei solchen Menschen sehr oft stellen die Juden Mischtypen dar. Die Verwandtenehe Die Verwandtenehe, die sog. fnzucht, die bei Juden besonders häufig ist, übt als solche keine spezifische Wirkung, d. h. sie läßtkeine neue Eigenschaften entstehen, die-nicht schon vorher, in dpr Erbmasse enthalten waren. Aber sie ist ein ausgezeichnetes Mittel, um rezessive also überdeckte Eigenschaften wieder zu Tage kommen zu lassen; diese werden „herausgemendelt“, .wie der Erbforscher in seinem entsetzlichen' Deutsch sagt. Es gibt ■ z. B. eine bestimmte Form der Taubstummheit, die rezessiven Erbgang hat. Ein Mensch, der diesen Erbfaktor T im Blute hat,-wird nur dann taubstumm sein, wenn er reinerbig TT ist, hingegen ist er scheinbar ganz gesund, wenn er mischerbig' die Formel TN .hat, weil das N, d. h. der normale Faktor, über das T-taubsfumm dominiert. Heiratet ein solcher Mann TN eine ebensolche Frau, so können diese beiden scheinbar gesunden Menschen ein taubstummes Ki nd TT bekommen. erfolgreiches Wirken in geistigen Berufen beobachten. Das sind die P h i 1 o s o p h c n, die M a t h e m a t i fc e r, die Börsianer, die Juristen, die Schauspieler, die J'o ti rnalisten, die sich zu führenden Stellungen aufschwingen konnten. Aber das sind auch die Menschen, die in der preußischen Statistik etwa doppelt so viele Geisteskranke stellen als die Nichtjuden. Charakteristisch für diese Geistesart ist der Vorsprung, den rasche Assoziation und Gewecktheit dem jüdischen Schulkinde verleihen. Gerade in den untersten Klassen wird es ihm leicht, den ersten Platz in der Klasse zu erreichen. ■ In London vorgenommene psychoteclmlschc Untersuchungen haben gezeigt, daß das siebenjährige Judenkind an geistiger Reife dem achtjährigen Engländer entspricht, und das achtjährige dem neunjährigen Engländer. Aber das ändert sich bald; der Unterschied gleicht sich rasch aus. Viele .Judenkinder erwecken den Eindruck, daß man ein Genie vor sich hätte. Aber später werden sie Durch- Grade-dieses; ist aber kein erdichteter Fall; Sondern im Lebert Schnitts m ensc hen , oder höchstens Talente, weil eben vorkommend,:, denn bei Juden finden - wir tatsächlich Taubstummheit anderthalbmal so, häufig , wie. bei Nichtjuden (in der Preußischen Statistik). Wir .erklären uns das so, daß bei irgendeiner seltenen Krankheit die .meisten Menschen NN sind; in der Familie eines TN aber werden wir natürlich noch mehr andere solcher, TN-Menschen antreffen und die Wahrscheinlichkeit, daß ein solcher Belastungsüberträger bei, der Heirat auf eine Schicksalsgenosse trifft, Wird viel‘größer, wenn ein Cousin eine Cousine heiratet. Das; gilt aber nicht nur für Krankheiten, sondern, für alle Eigenschaften, die .rezessiv vererben. Also auch für bestimmte Begabungen; so ist die M u s i k a 1 i t ä t, eia' rezessives Merkmal und die. Wahrscheinlichkeit, hervorragende -Musiker;/zn-. produzieren, wird ebenfalls bei blutsversvandtedEhehsteigen müssen: - Wenn, es ' möglich wäre, einem MenschenVahzüseheri oder durch: irgendwelche Untersuchungen festzustellen, welche7 überdeckten ^'rezessiven Faktoren “in ihm stecken,; wäre eine blutsverwandte Ehe im "Prinzip-unbedenklich. Man .würde sie,eben.nur denen, verbieten,’. die die gleiche Belastung mit; unerfreulichen sog. negativen Faktoren aüfw.eisqi;,abec.S.ogac.empfeJiIeri^_im_Falle gleicher Begabung,' also bei.erwünschten positiven Erbfaktoren. Leider ist diese Feststellung nicht möglich/' Selbst der Umstand, dä0:z.-B. iu.jdeü-.Ietzten 'yier Generationen (und weiter zurück werden wir kaum je'lückenlose;. Kenntnis aller Verwandten; besitzen!) irgendeine solche rezessive Krankheit wie Taubstummheit iöder, erbliche; Blindheit, durch Netzhautenfartung öder dergl. nicht vorgekommen'ist, gibt keine Gewähr dafür, daß jeder-.Nachkomme NN .ist, also reinerbig normal. Wir wissen aus Experimenten mH Tier und Pflanze, zum Genie mehr gehört, als rasche Assoziation. „Judenkrankheiten“ Eine ganze Reihe von Krankheiten beruhen aut dieser nervösen Labilität, auch abgesehen von den eigentlichen Geisteskrankheiten. Das nervöse Herz kann zum Herzfehler führen oder doch zur Kreislaufschädigung, und wir kennen viele Judenfamilien, in denen. der Herzschlag die typische Todesursache ist. Die Zuckerkrankheit (Diabetes)' und der grüne Star (Glaukom) gelten in diesem Sinne mit Recht als sog. Judenkrankheiten. Aber für diese wie andere Anomalien ist diese Bezeichnung irreführend, insofern als sie hiebt nur bet Juden beobachtet werden, sondern bei Städtern mit geistiger Beschäftigung. Würde man nicht, wie dies fälschlich oft geschieht, die Juden mit der Gesamtbevölkerung vergleichen, sondern mit der entsprechenden sozialen Schicht, so würden viele solcher Unterschiede verschwinden. Man würde erkennen, daß es sich nicht um Rasseneigenart handelt, sondern um sozial bedingte Differenzen. Als Beispiel darf ich anführen, daß die angeborene Hornhautverkrümmung, der sog. Astigmatismus, m sehr vielen Lehrbüchern als, Eigenart der jüdischen Rasse bezeichnet wird. Ich habe durch Vergleich von etwa tausend Juden mit ebensovielen Nichtjuden der gleichen sozialen Schicht, nämlich Berliner Kaufleute, Akademiker und Beamte, festgestellt, daß die Prozentzahlen in beiden Gruppen gleich groß waren. Freilich beide viel höher als in der allgemeinen Bevölkerung! Bei ähnlichen Untersuchungen würde man wahrscheinlich noch eine ganze Reihe von positiven und negativen Eigenschaften, also sowohl Begabungen wie Belastungen, als sozial, nicht aber als rassenmäßig bedingt finden. daß-der verhängnisvolle Faktor..-latent, also unerkannt durch lange Zeiträume sich forterben kann, wenn-sein Träger sich Die Ahnentafel der Hundertjährigen stets niit .NN verbihtlef, d.-.h., wenn'in solthe Familie stets. Eine von solchen Einflüssen fast unabhängige Eigen- Normale hineinheiraten.?. - . schaft, die sich in manchen Jüdenfamilien als Typus findet, Daher wird der erbkundige, Ärzt jveitte von einer dje Langlebigkeit. Wenn man für“Hundertjährige bluts ve.rwan.dt en Ehe . ab ratenT--wie. es unsere Ahnentafel aufstellt, findet man fast immer, daß schon Vorfahren auch.taten, freilich aus'ahdepen Motiven und mit jhre vorfa|,ren außerordentlich hohe Lebensdauer erreichten, wesentlich geringerer-Erfassung der Blutsverwandtschaft. Die Eine spezifisch jüdische Eigentümlichkeit kann keinesfalls hier talmudischen Ehevorschriften verbieten Ehe von vprijegen, sondern eben 'nur ein bestimmter Familientypus, Geschwistern, Haibgeschwisteiu, Tante—Neffe, erlauben aber der ßg,- Nichfjuden, aber seltener, findet. Man Onkel-^-Nichte und Cousin und Cousine, was natürlich am erklärt'dies gewöhnlich mit der durch Alkoholmißbrauch und; häufigsten-yorkommt,.. Im. .Gegensatz "hierzu* sind gewisse Geschlechtskrankheiten bewirkten Lebensvcrkürzung, die bei jüdische .Sekten ■.wie.^e Saddiizäer .oder die. Samaritaner oder [ms ‘ausWeiw> Alle mit dem Alkoholismus sowie mit der die Karä^er 'vteLl'strengefi^de^t bei ihnen erstreckt sich das . Syphilis ..zusammenhängenden Schäden sind in jüdischen Inzucbbverbot auch auf die Ehe:; Onkel—Nichte und Cousin— Familien seltener. Mindestens darf diese Regel bis an die Cousine. ■ Schwelle des laufenden Jahrhunderts gelten, waren doch Säufer ebenso selten unter unseren Vorfahren wie Geschlechts- Die erbliche Belastung kranke, wobei übrigens als besonders merkwürdig zu ver- Wenn . bestimmte jüdische .Familien; als belastet er-. ist; daß. ßie Juden niemals beim Alkohol strenge scheinen;-so sind es nicht immer, solch, erbliche Gebrechen Abstinenz übten; vielmehr verstanden sie es, Maß zu halfen, wie Blindheit oder Taubheit, sondern in sehr viel häufigefem was so viele Abstinenzfanatiker als generell unmöglich bc- Maße eine Disposition, d. h. eine Bereitschaft, in bestimmter ze;c|lncn jvVit dem Fehlen beider Keimgifte hängt es auch Weise zu erkranken, sobald gewisse -Süßere Schädigungen zusammen, daß Juden tropenfester sind als alle anderen Zwei Gedichte Von Frieda Mehler Noch einmal _ wünscht’ ich mir ein Kind zu sein, Ein krankes Kind, gepflegt von Mutterhänden. Ich schließe träumend meine Augenlider Und höre meiner Mutter" Schritte wieder, Die leisen, müden Schritte. An meinem Bette steht sie horchend still Und neigt sich über mich,- Des Kindes Atemzüge zu belauschen. Die Augen schließ’-ich fest, Daß sie mich schlafend glaubt Und selbst zur Ruhe geht. Ich fühle ihre Hände, Die harten, doch so -weichen Mutterliände, . Die ich so gerne hätte halten mögen / Und küssen. Warum icli’s nie uetan, ich weiß cs nicht. Ich war so scheu rund so verschlossen Und wagte keine Zärtlichkeit. Nun, da ich selber Kinder habe,' Geht oft mein Träumen in die ferne Zeit zurück, Als ich — ein Kind — zu Mittlers Füllen saß. Und all die Liebe, die ich ihr nicht gab, Die geb’ ich ihnen. . — Den Kommenden Ein jüdisch Kind in'diese Welt von Leid hineingeboren, Im Mutterleibe schon verfemt, verloren, Und doch -ein Wunder, süß, geheimnisvoll. Das seine Augen erst dem Lichte öffnen soll. Du Menschenkind, Du Gottesktnd, ,so schön und rein, Du trägst Dein Schicksal mit in diese kalte Welt hinein, Doch trägst Du auch die Kraft In Dir, zu sein, Zu leben 1 Deine Menschenrechte, Die eingeborenen, kann Dir niemand nehmen, Du brauchst Dich Deines Blutes nicht zu schämen. Mit Deinem ersten Schrei, mit“ Deinem ersten Schritt Bringst Du Dein Mensch-geworden Teil der Gottheit mit. (Ans dem im Vertan BerthaUl Levy erschienenen Gedichlband „Vom Wege" van Frieda . Melder.) - Wie Tolstoi BerthoM äuetbach kernen leinte _ Ober die Bekänntechaft-Leo T.ol»tols mit drin deutsch», jüdlschen Dichter.:Berthold Auerbachcrtährt marCeln interessantes Detail aus den nachgelassenen Tagebüchern des ■ russischen Dichters,’ aus denen das Berliner Tageblatt einiges bisher Unbekannte veröffentlicht. Auf einer Reise durch Deutschland, die er im Sommer 1860 unternahm, faßte er plötzlich den Entschluß, Berthold Auerbach in Berlin aufzusuchen, der ein Jahr zuvor seinen Wohnsitz dorthin verlegt hatte. Tolstoi hat oft In seinen Tagebüchern erzählt^ daß er seinen Entschluß, eine Schule für Bauernkiisder ln Jassnaja ■ Poljana zit gründen _und zu leiten, eigentlich den, Werken Bertho-Id'!:Äu'er-b-a-chs verdankte. 'Den. größten Eindruckjuachte auf ihn Auerbachs Roman „Neues. Leben“, in dem er seine pädagogischen Ideale sufgestellt. hatte. ■ . Als Leo Tolstoi in das Arbeitszimmer Auerbachs hereinkam, sagte er kurz: „Ich bin Eugen BaumaDer deutsche Dichter, vor dem ein Ausländer, ein breitschultriger Russe mit einem ungepflegten Barte, stand, schien verlegen zu sein. Toistoi beritte, sich daher, hinzuzufügen: „Nein, mein Name ist nicht Eugen Baumann, aber mein Charakter entspricht Ihrem. Romanheldcn.“ Bald befreundeten sich beide Dichter und plauderten mehrere Stunden lang. Daa— ' Hauptthema des Gespräches war, wie Tolstoi in seinem Tage-, buche kurz notierte, das deutsche werktätige Volk, doch berührten sie auch die Fragen der Religion und Kants philosophische Lehre. Am nächsten ..Tage besuchte Tolstoi den berühmten deutschen Pädagogen', damals Direktor des Volkslchrerscminars, ■ Dicsterweg. Ober seinen Eindruck schrieb er kurz im Tage» buclie: „Diesterwpg.jst klug, aber strömt Kälte aus.“ Ober Auerbach notierte "er'aber: „A u e r bach l De r prachtvollste Mensch I“, und versah sowohl diese Zeile, .wie - eine zweite, mit lauter Ausrufimgszcichcn. Angehörigen der weißen Rasse, mindestens aus Europa. (Aas der in den nächsten Tagen im Philo-Verlag erscheinenden Schrift „Mein Stammbaum, eine ' genealogische Anleitung für deutsche Jaden“ von Dr. Arthur Czellitzer.) eintreten. 'Dies: gilt in erster Reihe für.; eine Labilität des Nervensystems, die bei .drii Aufregungen und Anstrengungen des Erwerbslebens-zn mehr "oder weniger starken Störungen führen kann. . Man braucht gar nicht die Jahrhunderte des Gh et toi eben s mit seiner überstarken Konkurrenz - bei unhygienischen Lebensbedingungen anzuklagen, urii hieraus’ eine angebliche Vererbung erworbener Eigen- ■ , schäften zu konstruieren.. Es genügt, daran zu denken, daß Eine neue Bibelübersetzung diese Art, zu tebrii’uiid: zu arbeiten, eine scharfe Auslese Als. dritte Veröffentlichung der Jüdischen Buchbedeutete Die rasche Korabinatiohsgabe, die geistige Bewegve re i n i gung'erscheint im Laufe des Monats September lichkeit und Wendigkeit, der scharfe Verstand, waren geradezu ^mtschen^ifä-Ober^tzungt'der den Pentanotwendlg, wenn der Ghettojude sein Leben fristen teuch enthält. An der Übersetzung haben mitgearbeitet:, wollte Die robusten Menschen mit triebhafter Einstellung Elias Auerbach, Emil Bernhard-Cohn, Julius Galliner, Sally ar-n: <» äTiäss äfe und eine Fanulie begründen, pflanzten sich also in geringer m seligmann, Max Wiener. Professor Dr. Torczyner von der Maße fort. In gleicher Weise wirkte die. Beschäftigung mit Universität Jerusalem hat die einzelnen Teile zu einer stilidem Talmud, nämlich, den Verstand schärfend auf Kosten fischen Einheit zusammengefügt. Das Buch wird in einer .- AP^ns.'VLFtsSi. aLmh» Genies »o*. Dml,srtmltaa~te. / fÄÄtiÄ! IÄS"-Ä“Ä' "Was Bohtbärt ais ZWeckbedachtheit der Judeif Mitgliedern der JBV zum Preise von RM. 20,— zur bezeichnet ist nichts anderes, als diese. Fähigkeit, rasch zu Verfügung stehen. Lächelnde Weisheit Verschieden. Jn einer größeren Gesellschaft stand das Thema „Frauen“ zur Debatte. Einer der Anwesenden machte die ßamerkung, daß letzten Endes doch alle Frauen gleich seien. Darauf die Gattin eines Xiemcinderabbincra: „Ich-kann . eine‘gegenteilige.Meinung aus männlichem Mundp dazu an-’ führen. Mir sagte einmal jemand:’ „Alle Frauen sind verschieden, wobei er hinzufügte, nur meine nicht.“ * . We r ist gemein t? Ein Frankfurter Rabbiner pflegte seine Ansprachen an die Gemeinde mit folgenden Worten zu beginnen: „Rabfaaussai, wenn ich darschene (predige), meine ich keinen, wenn aber einer meint, ich hätte ihn gemeint, dann habe ich ihn gemeint.“ . Das Rezept. Ein Rabbiner wurde gefragt, wie eine. Predigt beschaffen sein müsse, um. bei der Oemcinde Anklang, zu finden. Er. sagte: „Kurz und gut ist gut — kurz und schlecht ist auch gut —nur kurz.“