Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 63 (7.8.1934)
- Date
- 1934-08-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus den Gemeinden Karlsruhe. Das Orchester des Kulturbundes Deutscher luden unter Leitung des ehemaligen Generalmusikdirektors Steinberg gab hier ein Konzert, in dem vor allem die meisterhafte Wiedergabe der „Verklärten Nacht“ von Schönberg in der Bearbeitung für Streichorchester einen gewaltigen Erfolg, brachte. Umrahmt war dieses Werk von der B-dur-Symphonie von Schubert und der Ersten von Beethoven, Dirigent und Orchester zeigten ein beachtliches künstlerisches _Nivcau. Kassel. Lehrer Siegmund Jäckel, Schüler des Berliner Lehrerseminars, beging das Jubiläum seiner 25jährigen Tätigkeit als Kantor und Religionslehrer der Kasseler Gemeinde. —.Der hiesigen Ortsgruppe des RjF. ist es gelungen, eine jüdische Jugendherberge einzurichten, die allen jüdischen Organisationen zur Verfügung stehen soll. Die Jugendherberge, die einen großen Schlaf raum mit 25 Betten, einen ’ Tagesraum sowie Waschräume aufweist, wird jüdischen Sportlern und Wanderern einen angenehmen Aufenthalt bieten und um so mehr freudige Benutzung finden, als die allgemeinen Jugendherbergen den jüdischen Wanderern verschlossen Wiesbaden. Die Errichtung einer jüdischen Schüße, die vom Jüdischen Schulverein nach vorbereitenden Beratungen, an denen.auch Vertreter der Reichsvertretung der deutschen Juden teilnahmen, eifrig propagiert wurde, ist so jvieit gesichert, daß im Herbst mit ihrer Eröffnung gerechnet . werden kann. Es sind bereits mehr als 100 Kinder für die jüdische Schule angemeldet worden. —1-- l ’-i ' Der „Breslauer Kulturkreis“. Trotz sommerlicher Hitze sind die Vorbereitungen künstlerischer Veranstaltungen für den kommenden Herbst und Winter in allen Abteilungen des „Kulturkreises“ in vollem Gange, fm Herbst findet eine behördlicherseits genehmigte Kunstausstellung jüdischer Maler ' und. Graphiker statt, die in Gemeinschaft mit dem Breslauer Jüdischen Museum im Oktober, eröffnet wird. Mit derselben Intensität ist auch die Abteilung „Theater“ des Kulturkreises am Werk. In ihrer Programmgestaltung sind gleichzeitig alle Veranstaltungen eingeschlossen, die der Kulturbund -Deutscher Juden in Berlin dem Breslauer Kuiturkneise zur Verfügung stellt. . Im Kulturkreis wird eifrig erwogen, ob sich nicht in Breslau mit Hilfe der jüdischen Jugend ein1 Sprechünd "Bewegungschor aufstellen ließe, der etwa 150 Mitwirkende umfassen würde. Der Oberspielleiter des Berliner Kulturbundes, Dr. Fritz Jeßner, hat sich bereit erklärt, die Einstudierung dieses Chores in Breslau zu überwachen. Zu -iden Aufgaboi des Kulturkreises gehören auch die musikalischen Veranstaltungen. Hier wird der Kulturkreis wohl mit mit dem hiesigen .Jüdischen' Musikverein aufs engste Zusammenarbeiten. R. Ti. Kleinkunstabend Im Kulturbund Rhein-Ruhr. In diesen Hochsommertagen veranstaltet der Kulturbund in den Städten des Rheinlandes und'Westfalens einen jüdischen Kleinkunstabend. Alfons-Fink serviert drei Gänge; 1. Gang: Tanz, Gesang und Finks verbindende Erzählung. Im zweiten Gang kommt der ewig junge Offenbach zu wort. Nach seinen -Melodien wird wiederum getanzt und gesungen und von Heinemann am Flügel begleitet. Der Nachtisch wird ausschließlich von den lustigen Einfällen Finks bestritten.— in Reimen, Prosa, Pantomime und sogar etwas Gesangsähnlichem.’ Der Erfolg des Abends war unbestritten groß. Man würde sich ganz besonders freuen, die junge Tänzerin Susanne L e v i n g e r wiederzusehen und in ihrer weiteren Entwicklung zu verfolgen. Der gesangliche Teil wurde von Emmy Joseph aus Mannheim (Koloratursopran) und Max L i p m a n (Tenor) bestritten. In einem Sketsch wirkte noch Eugen Streußler mit. Uneingeschränktes Lob gebührt den beiden Leitern des Abends: Alfons Fink und Kurt Heinemann. Hugo Israel, Trauerfeier des RjF. Baeck ehrt Hindenburg Als anf Sonntag vormittag unter feierlichen Orgelklängen die umflorte Fahne des RjF. durch das Gotteshaus in der Prinzregentenstraße zum Almemor getragen wurde und die endlose Zahl der Bundesmitglieder, mit Orden und Ehrenzeichen geschmückt, und die Mitglieder .des Militärverems deutsches Vaterland, gleichfalls unter Vorantragung ihrer Fahne, ihren Einzug in die mit ernstem Blattgrün umrahmte Synagoge hielten, war dies weihevoller Auftakt für die Trauergedenkfeier, die die Bundesleitung des RjF. in Gemeinschaft mit dem Landesverband Berlin und Mark veranstaltete. Rabbiner Dr. Leo Baeck, der als einer der ersten nach Ausbruch des Krieges als Feldrabbiner an die Front gegangen war, hielt die Gedenkrede. Wir deutschen Juden, begann er, trauern aus tiefstem Herzen um den Heimgang des Reichspräsidenten. Dankbarkeit und treue Verehrung erfüllt uns, wenn das Bild des Heimgegangenen vor uns tritt, dem so mancher unter uns. ins Auge Micken dürfte, seine Gestalt, die jedem von uns vertraut ist. Wenn in dieser Stunde sein Bild vor uns erscheint, dann taucht ein anderes vor uns auf, eines, das der Prophet formte, als er an den Heros Abraham dachte, ein Prophetenwort, das am letzten Sabbat verlesen wurde: „Blickt hin auf den Fels!“ Ein Fels — so stand Hindenburg, stark, sicher in sich selbst, unvermittelt aus der Ebene aufragend. So ward er geschichtliche Größe. Es gibt Wandelsterne und Fixsterne in der Menschenwelt, fuhr Dr. Baeck fort. Ein Fixstern, ein Mann, der in sich die Gewißheit trug von seinem Gottvertrauen, von seiner Frömmigkeit, von seiner Überzeugung' und damit Regel und Ordnung seines Lebens erhielt — ein solcher Mann war Hindenburg. Darum ist es für uns Juden ein ganz Besonderes, wenn wir zu diesem Felsen hinschauen. Denn für uns ist es Gesetz, daß wir nicht Planeten auf Erden sind, wandelnd und umwandelnd, sondern Gewißheit in uns finden in der Zuversicht auf Gottes Verheißung. Uns kann Hindenburg das Gesetz unseres Lebens erklären und .verkörpern. Das war das Große an diesem Mann 'dieses Felsenhafte in ihm, der sich immer treu sein konnte. Darum stand er über den Parteien und über der Politik. Er hat in seinem Leben nur wenige Seiten geschrieben. Aber weniges ergriff in seinen Lebenserinnerungen so sehr wie dies, daß er niemals einen Gegner herabgesetzt hat, daß er niemals die Treue, die Ehrlichkeit, die Vaterlandsliebe angezweifelt und selbst einen Feind nie herabgewürdigt hat. Wir sollten oft aut diese vornehme Gestalt blicken. Dankbarkeit ist ja nicht Sache der Worte. Sie besteht in der Treue, die das Wesen eines Menschen versteht. Wie oft werden wir diesen Mann herbeisehnen, daß er in unserer Mitte noch lebte. Wenn dankbares Sehnen ' uns bewegt, dann sollten wir auf das hinschauen, was groß an diesem Mann gewesen, geschichtlich groß und menschlich groß, und wir sollten dankbar sagen, daß wir deutschen' Juden an unserem Platze stehen werden, wenn wir uns der Große zu bewähren suchen, die Hindenburg hatte, die Vornehmheit und Geradheit und Selbstlosigkeit, wenn wir uns bewähren durch Tat und in der Bewährung des Charakters — Blickt bin auf diesen Felsen I“ Während sich die Fahnen senkten, sang. Oberkantor Friedmann vor der geöffneten Lade das El mole rachamlm. Dann ergriff Dr. Fraenkel von der Bundesleifung des RjF. das Wort. „Senkt die Fahnen und erhebt die Herzen, denn ein Großer ist geschieden aus dieser Welt“, leitete er seine Ansprache ein, mit der er im Namen der ehemaligen jüdischen Frontsoldaten Abschied nahm von dem Reichspräsidenten, dem Generalfeldmarschall, dem Staatsoberhaupt, gegengebracht bekamen, und er schilderte in großen Umrissen aas Leben dieses Mannes, das reich war an Ereignissen, an Siegen und Erfolgen, aber ebenso an Stärke der Gesinnung und Kraft des Charakters. Als nach den Worten Dr. Fraen-- kels das Abschiedslied des Krieges aufklang, „Ich hatt’ einen Kameraden“, ging eine tiefe Ergriffenheit durch die Reihen der versammelten Frontsoldaten, mit denen sich. Vertretei* aller, jüdischen Organisationen zu dieser schlichten Gedenkfeier vereint hatten. - * Zur gleichen Stunde hielt auch die Jüdische Reformgemeinde in ihrem Gotteshaus in der Johannisstraße einen würdig verlaufenen Trauergottesdienst ab. letzte Naritmhlen Abschluß des Zürcher Schachturniers Zürich. Bei dem internationalen Schachturnier wurde wiederum Dr. Aljechin mit 13 Punkten aus 15 Partien Weltmeister. Dicht darauf folgt mit 12 Punkten der junge 1'üdische Meister Salo F l o h r. An vierter Stelle steht )r. Emanuel Lasker mit 10 Punkten, dem sich die jüdischen Großmeister Bernstein und Nimzowitsch mit Köpenidcer Wäscherei Ernst Richter Köpenick, Mahlidorfer Straße 90 F 4 Köpenick 0260 Telef. Bestellungen täglich, außer Freitag u. Sonnabend, schonendste Behandlungje 9 Punkten anschließen. Dr. Lasker hat durch seinen großartigen Sieg über den Weltmeisterschaftskandidäten Dr. Euwe bewiesen, daß es der Fünfundsechzigjährige noch mit einem jeden fm Schach aufnehmen kann. Dem Altmeister wurden zahlreiche Ehrungen zuteil. Judenfeindliche Propaganda in Smyrna Konstantinopel. In Smyrna hat' sich in den letzten Tagen eine verstärkte judenfemdHche Propaganda bemerkbar gemacht, die zu einer Anzahl kleinerer Zwischenfälle führte. Die Gründe für die Bewegung sollen im wirtschaftlichen Konkurrenzkampf liegen. Malerei K. Kubig, so 36, Manteuffelstr. 28 Jff Ausführ. sämtl.Malerarb.Treppenfi.,Fassad.,Wohnungen, Reklame ''Sß$ ——■ %% I MalorelgaschÖft Haler- und Tapezierer- Arbeiten A. BEHREBDS Charlbg., Leibnizstr. 27 I Ratatgug, Kmnbtopferei PJfssde, Hohlsaom CLARA FABIAN Plotowstr. 12 V\hdü OTTO HENKEL lerel n. Reparaturwerkstätten JtefwMtuiig vra'Htbcln NW 87, AUonaarstraO. IS T. Passauers tr- 13 HARTHA SCHULZ Lieferung und Abholung frei Haue. ERNST ULRICH Färberei, Chem. Reinig., Wäscherei CMb, bummntr. 14, C 4 Willi. 244« ' Abholung — Lieferung frei Maßu. Reparatur-Werkstatt M. Mayer. 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