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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-08-07 · 63 (7.8.1934) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
63 (7.8.1934)
Date
1934-08-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Berlin Dienstag, 7. August 1934 . Preis 20 Pfg. Nr. 63 — 14. Jahrgang gflr Deutfdjes 3irt>cwtmn uitD rcligiöfett «Uufbau Herausaeber:Hannc I npwonctoin Die „Jädlsth-liberale Zeitung“ erscheint zweimal wöchentlich ■ Dienstags und Freitags Dem großen Toten V Von Heinrich Stern' - ' ,ßoch was ein Mann kann wert sein, habt Ihr schon erfahren“ —. . Schiller. Ein Menschenleben 'verglommen —, und wie ande£s ,sieht die Welt aus!- Wir 'wußten, er war in der Welt, — und so durften wir hoffen und vertrauen, wie in den Tagen, da er unsere Heere führte, aufrecht und stark, so als er, ein pater patriae, in den Zeiten herber, ernster Arbeit sein ehrwürdiges Haupt noch einmal erhob und der Mittelpunkt seines ganzen Volkes wurde. Als wir, eine schwere Batterie, im September 1915 aus Kowno an die Front zogen, die-letzte Abteilung der Heerestrupp'e, die seinen Namen trug, just in dieser Stunde des Auszugs, hatten wir das Glück, ihm zu begegnen, als er mit seinem Stab das erste Mal in die besiegte Feste einzog. Ganz schlicht, ohne vorherige Ankündigung, war er gekommen,, und es riß' uns alle durch und durch, als. sein Blick auf uns fiel, das Auge eines Führers und Vaters. Niemand kann diese Begegnung vergessen haben. Gott, Pflicht und Vaterland, ein gewaltiger Dreiklang, rauschte vor uns auf. Diesem Dreiklang blieb sein Leben getreu. Jeder, der dieses irdische Dasein nicht nur ansieht als ein mechanisches Kräftespiel, das abrollt wie ein Uhrwerk, sondern der sein Leben unter einen, ewigen Leiter stellt, dem vertrauend er sich beugt, — jede gläubige Seele wird dieses große Menschenleben als ein Zeugnis der Gottesliebe erkennen und heilig halten. Dreimal ward er uns gesendetes der Feind ins Land kam, als die Feldschlacht verloren war, und als das Reich des großen Symbols einigender Verehrung bedurfte. Dreimal rief ihn Gott; Pflicht und Vaterland, dreimal folgte er dem Ruf, dreimal hat er sich' bewährt. An ihn werden wir denken müssen, denken dürfen, gerade auch wir deutschen Juden, wenn die Zeit uns ernst und fremd anschaut. Auch er, der alte - Krieger und Sieger, hat in der schwersten Stunde seines Lebens nicht beiseite gestanden, sondern das Rechte getan, auch wo sein eigen Selbst dagegen sich aufbäumen mochte, zurück zu müssen. Die Pflicht gebot, das Vaterland verlangte es, er hat den Gottesruf gehört und befolgt. Auch uns — die wir mit der Nation in Reih und Glied stehen — hat oft der Blick auf ihn, den großen, stillen, ernsten Führer, den rechten Weg geführt; so wird uns das Sein-Gedenken, wird sein Beispiel uns weiter führen. Auch der größte Mensch muß sterben, Gott, Pflicht und Vaterland sind ewig. Die Reicluveitretung der deutschen luden zum Ableben des Reichspräsidenten Tiefe innige Trauer ^r^" Em.pflnde" de[, deutschen Juden Ausdruck zu geben, haf die Reichsverireiung der deutschen Juden folgende Depesche an das Büro des Herrn Reichspräsidenten gerichtet: "g schen_ D - ,""'5e Tr“ner d“ Heimean* des Reichspräsidenten erfüllt die deutschen Inden Als ein Mann Persönlichkeit dem Gedanken der tapferen Pflicht seine Wirklichkeit gab, als ein Main, der AlterduTe Bewahrung eines Lebens erwarb, seine Oröße verlieh, als ein Mann, der das gemeinsame Ganze immer «2r£m£ dir wll/lnd« T«lade tkIhlt<e’ 8,8 ein M#nn der Geschichte, stand Hlndenbmg vor der Welt. In der Treue der deutschen Juden wird sein Bild allezeit bleiben. - Die Reichsvertretung der deutschen Juden Bneck Hirsch Kundgebung des Reichsbundes indischer Frontsoldaten ~ Mahnruf aus der Ewigkeit , Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten erläßt zum Tode des Reichspräsidenten folgende Kundgebung: Trauer Hegt über Deutschland. . “ . „. a Au Tagn ü,°r *wanz‘2 J®hren Deutschlands Armeen aufbrachen zum schicksalhaften Kampf, Ist Paul.von Hindenburg, Deutschlands erster Soldat, zur großen Armee elnbernfen worden1 - Wie wir als ehemalige Jüdische Frontsoldaten zn dem Generalfeldmancball als dem Führer im großen Weitkrieg in rückhaltlosem Vertrauen empoigeblickt haben, wie wir in Ihm als dem Reichspräsidenten Hat ewige Gesetz von Vaterlandsliebe und Gerechtigkeit lebendig wirken sahen, so wird, in uns fortleben der Mahnraf, der auch an» der Ewigkeit von ihm zu uns hinüberklingt: Die Treue ist das Mark der Ehre! Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Trauerkundgebungen der Berliner Jüdischen Gemeinde Trauerfeiern der Berliner Jüdischen Gemeinde Die Berliner Jüdische Gemeinde wird Sonntag, den 12. August, vormittags 10.30'Uhr, Trauerfeiern anläßlich des Ablebens des Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg in drei Gemeinde-Synagogen veranstalten. Beileidstelegramm des RjF. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hat an den Söhn des verstorbenen Reichspräsidenten folgendes Telegramm gerichtet: „Herrn Oberst von Hindenburg, Neudeck. Seines großen Führers im Weltkriege gedenkt in-tiefer Trauer und soldatischer Treue Reichsbund jüdischer Frontsoldaten.“ An Oberst von Hindenburg Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin hat an Herrn Oberst »von Hindenburg folgendes Beileidsschreiben gerichtet: Durch das Ableben des Herrn Reichspräsidenten Generalfeldmarschall von Hindenburg ist auch die Berliner Jüdische Gemeinde• in tiefe Trauer versetzt - ■worden. Unerschütterlich stand der rtun in Gott ruhende Herr Reichspräsident an der Spitze des Reiches, nachdem er es in dem. größten Kriege aller Zeiten gegen eine Obermacht von Feinden verteidigt hatte, ln ihm verbanden sich heilige Vaterlandsliebe mit Lauterkeit und Reinheit des Wollens und mit dem Wunsche, das Wohl alter Bürger des Reiches zu sichern. In ihm. verkörperte sidh für das ganze deutsche Volk die Einheit und die Macht des Reiches'. Die tiefe Treue, die Generalfeldmarschall von Hindenburg dem deutschen Volk entgegenbrachte, wurde von der Gesamtheit des Volkes mit Liebe und Hingebung erwidert. Der Heimgang des Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg ist ein schwerer Verlust, der das ganze deutsche Volk und jeden Einzelnen in ihm trifft. Namens der Berliner Jüdischen Gemeinde sprechen wir Ihnen, hochgeehrter Herr Oberst, und der Familie unser herzlichstes Beileid aus. Vorstand der Jüdischen Gemeinde Heinrich Stahl. An die Raichsregiorung •Mit allen Teilen des deutschen Volkes steht auch die Berliner Judenheit tief erschüttert an der Bahre des heimgegangenen Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg. Ein Vorbild begeisterter Vaterlandsliebe, hat er in Krieg und Frieden die Einheit des Reiches erhalten und gefördert, ln ihm konnte das. ganze deutsche Volk derrBürgen für seine Kreise und eine glückliche Entwicklung des Vaterlandes sehen. Mit der gleichen Treue, in der er sich alten Kreisen und Schichten des Volkes verbunden fühlte, brachte ihm das Volk irr seiner Gesamtheit und jeder Einzelne ln ikm Vertrauen und Liebe entgegen. In schmerzlicher Trauer beklagt auch die Berliner Jüdische Gemeinde den für Volk und Vaterland schweren Vertust. Das Gedächtnis an das segensreiche Wirken, des großen Verklärten wird in der Berliner Jüdischen Gemeinde nicht verlöschen. '. Vorstand der Jüdischen Gemeinde ' Heinrich Stahl. Weitere Beileidsbezeugungen zum Tode des Reichspräsidenten Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat an-die''Reichsregierung das folgende. Schreiben gerichtet: . Der Heimgang des Reichspräsidenten von Hindenburg, zu dem "alle Deutschen in größter Verehrung,, aufgeblickt haben und in dessen Person sich die Treue verkörperte, hat uns mit tiefer Trauer erfüllt. Das Andenken an diesen Mann, der falschen Schein mied und dessen Wesen Wahrheit und Gerechtigkeit war, wird im Herzen der deutschen Juden für alle Zeiten fortleben. Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden. Wolf f.

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