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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-08-03 · 62 (3.8.1934) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
62 (3.8.1934)
Date
1934-08-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Berlin Freitag, 3. August 1934 i HÄr-SÄfl zu Berlin. Preis 20 Pfg. Ä Nr. 62 — 14. Jahrgang 3ür heutiges Suöentum uitb religiöfen Aufbau Herausgeber:Hanns Loewenstein Die „Jüdisch-liberale Zeitung“ erscheint zweimal wöchentlich: Dienstags und Freitags Hindenburg Kurz bevor die vorliegende Ausgabe der „jüdisch-liberalen Zeilung“ in Druck geht, wird die schmerzliche Kunde vom Ableben des verehrungswürdigen Reichspräsidenten von Hindenburg bekannt. Bis zu seinen letzten Atemzügen begleiteten die Wünsche der ganzen Nation das greise Reichsoberhaupt, daß die Natur noch einmal ihre unerbittlichen Ansprüche zurückstelle, daß die Gefahr in letzter Stunde noch einmal abgewendet werde. Das Schicksal wollte es anders. Es hat Deutschland das teure Gut dieses Lebens entrissen. Wir deutschen Juden, die wir nie .aufgehört haben, Deutschlands Schicksal als das unsrige zu betrachten, die wir unserer'Heimat trotz grollten Leides, die Treue hielten, haben in tiefer Erschütterung von dem Heimgang des Reichspräsidenten von Hindenburg vernommen. Wenn je eine Nachricht Schmerz auszulösen vermochte, so ist es diese. Hindenburg ist nicht mehr. Die Welt neigt sich in- Ehrfurcht vor der Bahre dieses Recken, und wir Juden, — auch in dieser Stunde sei es gesagt, -- immer und immer seelisch mit unserem Lande verbunden, empfinden diesen Verlust bis in das Tiefste der Seele. Erinnerungen steigen auf. Erinnerungen deutscher Juden, die auf den Schlachtfeldern Masurens kämpften, die an der Westfront sich schlugen, die überall dort, wo Vplker im Weltkriege miteinander rangen, ihre Pflicht erfüllten, Schulter an Schulter mit alten ihren - nichtjüdischen Kameraden- Hindenbutgs Name war O^iSdS^Ä^de^itS'ShS? St-‘v" aUf bCi Ü"S SÜ'en: diC W" die Nachkriegsiahre "dt wacher Seele erlebten. Hindenburg, kein Tag deutscher . T.y Di'^~:Shmfe^soH;; nicht dazu bestimmt sein, der Verdienste Hindenburgs als i Staatsmann und "als Heertflhrw i.i nachzulassen im Ringen der Juden um Deutschland. Hindenburg hat so oft geäußert, daß er den'Anteil und'dt* Verdienste'der ■vollauf anerkannte, daß wir ihm Dank schulden. . ■ . ’ . - - "•! Der näch sten Ausgabe dieser Zeitung sei es Vorbehalten, Hindenburgs in ausführlicher Form zu gedenken. Heute nw sei gesagt, daß Hunderttausende deutscher Juden den Schmerz einer Nation, den Schmerz einer Welt teilen, daß auch ihnen eine Wunde geschlagen wurde, die sich schwer nur'schlie Ben kann. Der Davidsstera Wenn sich unter dem Samthimmel der Chuppah ein jüdisches Paar zum Lebensbund zusammenfindet, ■dann leuchtet auf dem blauen Grunde der helle Davidsstern. Sein heiliges Zeichen trägt der schwarze Wagen des Todes, der vor dem Trauerhause hält. Den Vorhang der Bundeslade schmückt es und die Fenster der Synagoge. Aber nicht nur das Würdigste ist heute mit der Würde dieses jüdischen Symbols bekleidet. Es dient auch Vergnügungslokalen als Aushängeschild. Es ist zum entwerteten Wertzeichen für den Geschäftsverkehr, zu einem Markenar*‘kel geworden. Ein bekannter Vortragskünstler trägt es sogar, wenn .er Heinesche Gedichte rezitiert, an seiner Russenbluse. In verschiedenen Zeitungen war kürzlich die Abbildung einer holländischen 12i/2-Cent-Briefmarke zu sehen. Sie zeigte innerhalb zweier — nach Artdes .Davidsschildes — ineinander gefügter Dreiecke einen Kreis, eine Taube und ein Schwert. Es lag nahe, daß manche Interpreten diesem Zeichen eine tendenzmäßige, wenn auch wohl nicht ganz ernst gemeinte Auslegung gaben.' Nämlich die: daß der „allmächtige Stern Juda“ über die Welt (Kreis) herrsche und daß Juda über Krieg (Schwert) und Frieden (Taube) entscheide. . * . Der Davidsschild ist ein jüdisches Symbol. Wie die Menora, der siebenarmige-Tempel-Leuchter. Wie — auf Grabsteinen — die zum Priestfersegen gespreizten Hände. Wie die beiden Bundestafeln. Vielmehr: Er ist es .erst geworden. Während die sieben Flammen des Leuchters schon im Heiligtum ihr Licht zum Himmel sandten, wurde der Mögen Dovid erst im Mittelalter zu einem Wahrzeichen des Judentums, um von da an die Menora an Synagogen und Kultgeräten allmählich -zu verdrängen. Erst um die Mitte des 16. Jahrhunderts, als Isaak Lurja die Lehren des Sohar, des klassischen Hauptwerks der Kabbala, in die religiöse Praxis umzusetzen begann, erhielt das Hexagramm, längst bekannt im Hinduidismus, bei den Pythagoräern, bei den Alchimisten als Sinnbild für den „Stein der Weisen“ gebräuchlich, seine Bedeutung für das Judentum. Symbol der innigen Verknüpfung von sichtbarer und unsichtbarer Welt. Vielfältig ist die Sinngeschichte des Davidsschildes. Nach einer Legende der Kabbala hat David beim Bau des Tempels die aus der Tiefe hervorbrechenden Wasser gebannt, indem er den Stein mit dem heiligen Namen Gottes versiegelte. In althebräischer Schrift sind das die Zeichen des Hexagramms. Dieses Siegel wurde von da an Davids Schild genannt. ' Wie im Lichterbaum der Menora, dessen Licht-} zweige in den Himmel streben, dessen Wurzel aber dem Boden verhaftet ist, wirkt sich symbolisch auch in der zusammenschließenden Kraft der beiden Dreiecke des Davidsschildes eine Vereinigung der Gegensätzeaus. Es offenbart sich darin — um einen Buberschen Ausdruck zu gebrauchen — das Geheimnis der Gemeinschaft, das darin besteht, daß nicht nur der Niedere des Höheren bedarf, sondern auch der Hohe des Niederen. Ein Symbol will viel sagen, und es soll viel sagen. Ohne Umschweife und Verwirrung. Es will einfältig zum Sinn sprechen. Leibniz meint einmal: „Wir haben Zeichen nötig, nicht nur um unsere Meinung anderen anzudeuten, sondern auch unseren Gedanken selbst zu helfen.“ Der Symbolgehalt des heute notwendiger denn je. Davidsschildes ist uns Nicht nur weil wir aus iy': der- Zeit einer, hohen^ Angelegenheiten Judäas^ aus dcwrOegeriä*tx,yoo%pqt&-^ ' tischem und religiösem, Innerlich ffommem und Äuflee* lieh weltlichem Leben entwickelten. Oder’ von1 den - Kindern Israels in der Wüste. Kaum ist der Mann, der sie aus Ägypten geführt hat, auf dem Berg Sinai verschwunden, um die zehn Bundesworte entgegehzunehmen, da laufen sie .zu Aaron und machen ein Kalb aus den Ringen ihrer Frauen, Söhne und Töchter, das sie singend umtanzen. In einer autobiographischen Skizze Bialiks, die wir kürzlich veröffentlicht haben, schildert der Dichter, wie er als Kind in jedem hebräischen Schriftzeichen ein individuelles Wesen erblickt habe. Eine -Talmud-Sage weiß sogar von einem Streit der beiden ersten Buchstaben des hebräischen Alphabets zu erzählen, von dem jeder haben wollte, daß die Heilige Schrift mit ihm beginne. Einheit anzustreben unter den Lagern jüdischer Menschen wäre ein unmögliches Unterfangen. Aber Einigkeit! Sie ist notwendig, ebenso nach innen wie nach außen. * - Es scheint, als ob die jüdischen Sportverbände den praktischen Anfang dazu gemacht hätten, ln Darmstadt hat die „Arbeitsgemeinschaft jüdischer Turn- und Sportvereine Südwestdeutschlands“ eine Entschließung gefaßt, in der der Oberzeugung Ausdruck gegeben wird, daß bei dem guten Willen aller Beteiligten unter Aüfrechterhaltung der religiösen und weltanschaulichen Einstellung ein Zusammenarbeiten aller jüdischen Sportvereine in ganz Deutschland möglich und zu erstreben sei.- In diesem Sinn sind auch Vereinbarungen zwischen dem deutschen' Makkabider Sphäre eines anderen Sinnzeichens ausgeschlossen Kc&ts und dem Jüdischen Tum- und Sportklub 1905 sind. Sondern weil es auf jüdischem Weg als Wahr/getroffen worden, und im jüdischen Sport Hamburgs Zeichen des Gemeinschaftsgefühls leuchtet. Leuchten wurde gleichfalls ein Friede geschlossen. sollte. Das Wort Gemeinschaft hat einen neuen Sinn bekommen. Bei uns Juden. Und in der uns umgebenden Welt, Es gibt Einheitsfanatiker unter uns, die den neuen jüdischen-Einheitsmenschen züchten möchten, die nach dem jüdischen Führer rufen. Sie sind auf falschem Wege. Sie wissen wenig von der jüdischen Geschichte. Sie wissen nichts etwa von jenen Parteien, die sich während des zweiten Tempels, in Aber noch sind wir von einer Einigkeit im deutschen Judentum weit, weit entfernt. Bedürfte es sonst der nachdrücklichen Mahnung der Reichs- . Vertretung der deutschen Juden, die ihr Präsident, Leo Baeck, mit diesen Worten unterstrichen hat: „Die unentbehrliche Zusammenarbeit der verschiedenen Richtungen im deutschen Judentum setzt für eine jede von ihnen ein Doppeltes voraus: Festhalten an der eigenen Überzeugung und Achtung vor der Ober-

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