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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-07-24 · 59 (24.7.1934) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
59 (24.7.1934)
Date
1934-07-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Berlin Dienstag, 24. Juli 1934 zu Berlin. Preis 20 Pfg. Nr. 59 — 14. Jahrgang iberaleDemm gflr heutiges gnbenfam unb religiösen Stuf bau Herausgeber-Hanns Loewenstein Die .Jüdisch-llberale Zeitung» erstell»« zweimal w6<henill<h, i der Jugend Bereitschaft Von Hans Samter Wenn es möglich ist, eine Weltanschauung in einer Grußform deutlich werden zu lassen, ist der Grußjder deutsch-jüdischen Jugend das treffendste und deutlichste Wort, den Weg zum Verständnis dieser Jugend zu eröffnen. Er heißt „Bereitschaft“, und hinter der Weite und Lebensoffenheit dieses Wortes verbirgt sich ein Wille, der es mehr als eine Phrase sein läßt. Der Gruß freilich einer der Kleineren Sondergruppen der jungen jüdischen Menschen, der „Bereit für Deutschland“ lautet, scheint Stavsky freigesprochen Jerusalem. Der Jerusalemer Appellationsgertchtsbof unter dem Vorsitz des Oberrichters Mac Donnell hat das Urteil in dem zur Revision des am 8. Jnni gefällten Todesurteils gegen Abraham Stavsky wegen -Mitschuld an der Ermordung Dr. Arlosoroffs eingeleiteten Bernfungsveifahren verkündet Das Urteil des Berufungsgerichtes spricht StavskyJrei. zu schaffen. Es ist ja nun, um es kurz noch einmal anzudeuten, festgelegt, daß alle geistige, hündische, berufliche Arbeit an der , deutsch-jüdischen Jugend dem. „Bund“ zufällt, aller Sportbetrieb dem RjF. Damit ist eine Einheitsfront der deutsch-jüdischen Jugend geschaffen, der es nur noch an der Eingliederung kleinerer Gruppen fehlt, die auch noch gelingen Es ist notwendig zu sagen, daß eben diese kleineren Gruppen in den Gesprächender Jugend eine große Rolle spielen. Sie machen wesentliche Problematiken deutlich, die für alle gelten. Die hündische Gruppe „Das schwarze Fähnlein“ zum Beispiel hat ein Werbeheft erscheinen lassen, dessen Gesinnung und Haltung man von deiltsch-jüdischer Anschauung aus nur freudig bejahen kann. Von frohen Fahrten durch deutsches Land, vön nachdenklichen Nachtspaziefgängen ist darin die Rede, und auf Bildern zeigt sich eine jüdische Jugend, die in nichts hinter anderen zurücksteht. Hinter anderen . . . Als man das Heft beiseitegelegt hat, geht es einem durch den Kopf, daß man nicht wüßte, es-handelt sich um eine jüdische Gemeinschaft, wenn nicht in einem seheergreifenden Bericht vom Tode eines Jungen einmal erwähnt wäre, daß er Jude ist. Sonst findet sich wederein Wort noch ein Geist, der von Jüdischem zeugte.. Sinn und Wert dieser Bewegung werden heute m Gesprächen der Jugend,lebhaft diskutiert. Daß Zionisten ihr und speziell einer Ausdrucksform ablehnend gegenüberstehen, wie sie dicses-Hcft bcdeutet, ist selbstverständlich; aber auch in deutachjudischen Kreisen wird oft die Frage gestellt, ob wir nicht und ob nicht gerade die Jugend heute Immerdas Jüdische in ihr erkenntlich werden lassen mußte. . .ii Due "?5iaien Gespräche über Dinge enden freilich mit der Erkenntnis, daß in solchen Dlnsen nicht genug an Angleichung, erfolgen könne, da et ^^erschied bedeute, ob Jüdische oder nichtjüdische Jugend auf- Wanderungen usw. das Land Es wird gemeldet: eindeutiger- und bestimmter zu sein; ihm fehlt aber, was jenen anderen so einzigartig und .wertvoll macht und ihm geeignet erscheinen läßt; nicht nur die Gruppe der deutsch-jüdischen Jugend, sondern die gesamte jüdische Jugend zu kennzeichnen: die Verbundenheit und Nähe zu allen Dingen und Erscheinungen des Lebens. Gewiß ist die jüdische Jugend Deutschlands, so wie die gesamte deutsche Judenheit, — und vielleicht eben darum noch viel leidenschaftlicher und bewußter, weil £s für sie nicht nur eine geistige Auseinandersetzung, sondern um die Grundfrage auch der. sozialen Existenz geht — in zwei große Lager gespalten. Und wie jeder jüdische Mensch unter seinem Umgang Zionisten und Nichtzionisten hat, so stoßen auch in der Jugend beide Kreise immer wieder aufeinander. Wer es versteht, den Weg zu der Jugend zu finden, kann auf Sportplätzen und Bildungsstätten, in den Einrichtungen der Gemeinde und bei den Veranstaltungen des Kulturbundes an Gesprächen teilnehmen, die zeigen, was es bedeutet, dem Leben „bereit“ zu sein, an denen er sieht, wie sehr dieser Gruß für alle Jugend gilt. Und so vielfältig alle diese Unterhaltungen nach Form und Inhalt zu sein scheinen, kreisen sie. im Grunde immer nur um eins, versuchen, der Jugend die Klarheit des Denkens und Fuhlens zu geben, deren sie zum Leben bedarf. Es ist kaum zweifelhaft, daß eine ungeheure Schwierigkeit/hier immer neu sich eröffnet: der, dessen Leben nach <• ungefähr feststehenden äußeren, sozialen und ökonomischen Gesetzen verläuft, mag leichter und selbstverständlicher auch gewisse geistige und seelische Entscheidungen treffen als ein anderer, in dessen Sein noch ungefähr alles fragwürdig ist. So kam es, daß geraume Zeit die deutsch-jüdische Jugend der zionistischen in diesen Gesprächen unterlegen war, ihr nicht gleich die Stärke und Bewußtheit entgegenzusetzen wußte, die jene durch die Klarheit ihrer Situation und Möglichkeiten hatte. Das ist nun anders; dies festzustellen bedeutet nicht, moralische Werturteile abzugeben, was am allerwenigsten im . Sinn der deutsch-jüdischen Jugend läge, die zwar froh und stolz ist, zu sich selbst gefunden zu haben, aber die Schwere, unter der auch ihre Gegner im innerjüdischen Lager zu ihrem Standpunkt gekommen sind, viel zu gut kennt, als daß sie zu Triumphgesängen sich angeregt fühlte. Glücklich allerdings und wirklich stolz ist die deutsch-jüdische Jugend darüber, daß es ihr nun gelungen ist, durch die — ja bereits berichteten — Abmachungen zwischen, dem Bund deutsch-jüdischer Jugend und dem RjF. eine sichere Grundlage für die zukünftige Aufbauarbeit Aus Deutschland Der frühere Leiter der Röntgen-Abteilung des Horst- Wessel-Krankenhauses in Berlin, Dr. Max Cohn,'der 33 Jahre lang-im Dienste der Stadt Berlin stand,.ist als Gastprofessor an die University of Chicago für das Fach der medizinischen Röntgenologie berufen und zugleich Direktor der Röntgenabteilung am Mount Sinai-Hospital geworden. -- « Wie aus Neckarsulm gemeldet wird, wurde der jüdische Viehhändler. Max Maier aus Horkheim vom Amtsgericht . Neckarsulm wegen Tierquälerei zu 60 Mark Geld- . Strafe verurteilt.!’* . Der ehemalige Vorsitzende des Engeren Aktionskomitees . •der zionistischen Organisation und Leiter des landwirtschaftlichen und botanischen Instituts in Palästina, Prof. Dr. Otto W a r b u r g, der bis zu seiner Übersiedlung nach Palästina ■ als Professor der Botanik in Berlin lebte, feierte in Berlin, wo er sich vorübergehend aufhält, seinen 75. Geburtstag. Aus dem Ausland In Kopenhagen findet in der Zeit vom 5.-8. August der Jahreskongreß der jüdischen Jugendorganisationen Skandinaviens statt. An der Tagung werden 10 jüdische. Jugendvereinigungen aus Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland teilnehmen. Die Hauptreferate halten Rabbiner Dr. Markus Melchior-Kopenhagen und Julius Samuel-Malmö. Bei der Industriellen Bezirkskommission in Wi en, einer, staatlichen Institution zur Regelung der Arbeitslosen-Fürsorge, ist 18 Angestellten gekündigt worden, unter denen sich 1.5 J uden. befinden. _ In Budapest sind Bestrebungen im Gange, die auf eine Vereinigung der Kultusgemeinden von Pest und Ofen hinzielen. Abgesehen von praktischen Gesichtspunkten, wird eine solche Vereinigung auch vom Standpunkt der Einheit des ungarischen Judentums gewünscht. Nach Berichten aus Warschau wurde von den in den letzten Tagen in Galizien erfolgten verheerenden Überschwemmungen-auch die jüdische Bevölkerug schwer betroffen. Die Zahl der obdachlos gewordenen jüdischen Familien in den Dörfern beträgt etwa 200. In Chrzanow sind fünf Juden in den Flirten umgekommen. Auch in Neusandec sind mehrere Juden unter den Ertrunkenen. * In Linz wurden von Polizeiorganen in sämtlichen Buchhandlungen Razzien nach dem Nachschlagewerk von Fritsch „Handbuch der Judenfrage“ veranstaltet. -Alle zum Vorschein'kommenden Exemplare wurden beschlagnahmt. . Bei den großen Internationalen Festspielen in Venedig wurde unter der Regie von Max Reinhardt der „Kaufmann von Venedig“ aufg«führt. Der Kronprinz von Italien , sowie eine Reihe von Ministern und hohen faschistischen Würdenträgern, darunter der Staatssekretär inr^AuBcmuintsterium, Suvitsch, wohnten der Aufführung bei. Wie aus New-York gemeldet Wird, hat ein bekannter Klub In Chicago den-jüdlschen Bildhauer Henry Ollcebstein beauftragt, eine Bronzestatue des Präsiden te nR o os e v el t zu schaffen. Jüdische Kreise von Stambu 1 .haben eine Sammlung eingeleitet, aus deren Erträgnis ein Flugzeug als Geschenk der türkischen Judenheit an die türkische Armee erbaut werden soll. - . - __ Die Zahl der infolge der Ausschreitungen im Dardanellengebiet in - Konstantinopel eingetroffenen Flüchtlinge wird auf 4000 bis 5000 geschätzt. Nur sehr wenige thrazische Juden haben sich bisher entschlossen, weder in ihre Heimatorte zurückzukehren. Nach einer Meldung aus New-York ist der kurz'nach - seiner Ernennung, zum Leiter-einer Abteilung eines Krankenhauscs in Montreal -(Kanada) durch_einen Streik der. antisemitischen Unterärzte zum Rücktritt gezwungene jüdischeArztDr. Rabinowitsch in gleicher Eigenschaft an das Mount Sinai-Hospital in Baltimore berufen — worden. . ’ Wie aus Moskau berichtet wird, beantragte der Leningrader Staatsanwalt in einem Prozeß gegen 57 Angeklagte wegen Sabotage, Antisemitismus und Gegenrevolution; gegen fünf Angeklagte die Todesstrafe, gegen 46 Angeklagte Gefängnisstrafen von eins bis zehn Jahren und gegen die übrigen. Freispruch. Vergessen Sie nidtt die Einlösung der Abonnements-Quittung ffir August. — Nur pünktliche Einlösung sichert regelmäßige Zustellung der „JllCisdi-liberalen Zeitung".

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