Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 58 (20.7.1934)
- Date
- 1934-07-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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triste Tröpfe, die vom Geiste der Unwissenheit besessen sind. Weder das Nichts noch das All, ebensowenig das Wort, wie der Atem oder gar der Wille, sondern einzig und allein die die Allmacht Gottes steht am Anfang der Zeiten. Dieses beschwör1 ich als die lautere Wahrheit, und alles andere, ist leeres Gewäsch.“ Noch viele Stunden stritten untereinander die sechs Weisen so, redeten alle’auf einmal, ihre Stimmen wurden immer kreischender, ihre Gebärden immer wütender. Wie weiße Kähne auf wildbewegter See wogten und schaukelten die Turbane auf den Köpfen, die grauen Bärte bauschten sich und wallten wie Segel im Sturmwind, und die hellen Hände flatterten gleich Möyen auf und nieder. .Nach und nach ermatteten sie und hockten sich zu Füßen. des Königs. Dieser hatte, auf hohem Throne sitzend, dem Wortgezänk und .Geplärr mit leisem Lächeln gelauscht; jetzt winkte er einen seiner Hofleute zu sich heran und sagte: „Eile in die Stadt, Lieber, und hole sechs Blinde herbei, so schnell du vermagst.“ — Dann wandte er sich zu einem anderen: „Geh in den Marstall, Lieber, und laß einen Elefanten hierher führen.“ Es dauerte nicht lange, bevor ein Wärter mit dem Elefanten kam, und bald danach brachte auch, der erste Hofmann die sechs Blinden herbei. Jetzt stieg der König selber die Stufen seines Thrones hinab, nahm, einen der Blinden an die Hand, führte ihn zum Elefanten und ließ ihn den Rüssel befühlen. „Nun sage mir,- Guter, was es ist, das du da betastest.“ Ohne zu säumen erwiderte der Blinde: „Eine Wagendeichsel, Majestät.“ „Und du?“ fragte der König den Zweiten und ließ ihn einen Stoßzahn fassen. „Ein Trinkhorp, Majestät", meinte der Blinde. Der Dritte hielt mit allen zehn Fingern eines der Vorderbeine umspannt, fuhr daran auf und ab und sagte: „Eine verwitterte Säule.“ ' Der Vierte strich mit den Händen rund um die Wölbung des Bauches, klatschte einmal, patschte zweimal darauf, Damptw&schercl Schnabel. Köpenick. Grünanmtr. 46.. Tel. F 4 Köpenick 1605 Sorgfältigste Behandlung! In drei Tagen zurück. PfundwBtche Lieferung - Abholung Montag u. Donnerstag frei Haus schnalzte mit der Zunge und riet fröhlich aus: „Ein volles Weinfaß.“ . Der Fünfte befühlte ein Ohr, fächelte sich damit Kühlung zu, - pustete - ein wenig und schnaufte: „Ein . Palmenblatt.“ Zuletzt wurde der Sechste an den Elefanten geführt und bekam den Schwanz zu halten. „Jetzt sage du mir, Guter, was du da befühlst und •^betastest“ — ■— redete der König ihm zu. Der Blinde besann sich nicht lange, schwenkte den Schwanz auf und ab, als wollte er seine Brauchbarkeit erproben, und brummte verdrossen: „Ein alter abgenutzter' Malerpinsel, Majestät — dieses allein ist die Wahrheit, und alles andere ist Schwindel und Oewäsch.“ Und der König, der im Buche der Bücher „Der weise König genannt wird, wandte sich gegen die sechs Philosophen. „Dort seht ihr Geehrten! Wie die Blinden über den Elefanten, also urteilt ihr über Gott und die Welt — je nach dem Zipfel, den ihr davon erwischt habt.“ Der Jüdische Religions-Verein F riedenau, Sieglitz and U mg. e. V. vcransialiet an den hohen Festtagen liberale Gottesdienste im AlUrcchish'bf, Steglitz, Schlopslraßc 82/83 und konservative Gottesdienste im Betsaal Friedenau, Stierslraße 21 l. Preise der Plätze 2 bis 8 Mark. Kartenverkauf Stierstraße 21 l, von 10 bis 12 Uhr. Mnrfnenn 'Und alles was dazu gehört moderne PIODei Teppiche, «taffe. Blas, Porzellan BmUUung von Wothtnendliäutem *. vernünftig. 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In dem soeben erschienenen Juniheft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, die auch sonst wertvolle Beiträge enthält, weist der Hallenser Professor Dr. Guido Kisch nach, daß dies Moses Salomon Gumpertz aus Metz gewesen ist, dessen Promotion im Jahre 1721 in Frankfurt a. O. stattfand. _ Er war der Sohn des Frager jüdischen Uemeindearztes Salman Gomperz, der selbst an der Universität ‘Leyden studiert und mit einer Dissertation, die die Gattungen, Entstehungsursachen und Heilmethoden des Kopfschmerzes behandelte, die Würde eines Doktors der Heilkunde erworben' hatte. Nach kürzerer Tätigkeit in Metz,' Mannheim und Wien ließ er sich in Prag nieder, wo ihm seine ärztliche Kunst und strenge Gewissenhaftigkeit bald in und außerhalb der Judenstadt großes Vertrauen und hohes Ansehen verschafften. Kaiser Leopold I. befreite ihn im Jahre 1702 vom Tragen des Prager Judenabzeicheris, einer großen Halskrause. Er starb im Jahre 1728. Die Grabinschrift rühmt von ihm, daß er zur Zeit des Wüteus der Pest die Gemeinde nicht verlassen und sein eigenes Leben in die Schanze geschlagen habe, um das anderer zu retten. Zu seinem Nachfolger in der Stelle eines j üd isdien Gemeindearztes wurde Moses Salomon Gumpertz berufen, der bereits zu Lebzeiten seines Vaters als Adjunkt bei ihm tätig gewesen war. Nachdem er bei seinem Vater praktische Unterweisung in der Heilkunst erhalten hatte, unterzog er sich vor der medizinischen Fakultät in Prag einem Examen, das er glänzend bestand. Freilich konnte Moses Gumpertz damals das Doktorat an der Prager Universität noch nicht erlangen, da an dieser Anstalt von strengkatholischem Charakter sämtliche Nichtkätholiken von Studium und akademischen Graden und Würden ausgeschlossen wären. Gumpertz ist daher zu der Funktion des Adjunkten beim jüdischen Gemeindephysikus nur tauglich erklärt worden, „sofern er den Gradum doctoratus medici aut einer'solchen Universität, wo dergleichen Religionsleute promoviert zu werden pflegen, erhalten möchte“. Nachdem er vom König die Erlaubnis und einen Schutzbrief erhalten hatte, erfolgte in Frankfurt ,a. O. am 22. Juli 1721 seine Eintragung in die Matrikel der Mediziner. Noch keiner der bisherigen Studenten hatte bis zii diesem Zeitpunkt . die Doktorwürde angestrebt. Dazu war in Preußen bis zum Jahre 1784 für jeden — nicht etwa bloß für die jüdischen — Doktorkandidaten eine besondere Bewilligung des Königs notwendig, die durch das Oberkuratorium in Berlin eingeholt werden mußte. Als die medizinische Fakultät das entsprechende Majestätsgesuch abfaßle, war sie sich dessen bewußt, daß die erstmalige Erteilung eines derartigen „Konzessionsreskripts“ an einen Juden ein außergewöhnliches Ereignis darstellte, dem grundsätzliche Bedeutung zukam. In einem -ausführlichen Schriftsatz wurde der neuartige Vorgang historisch erläutert und , sachlich begründet. Die königliche Bewilligung blieb nicht aus. Sie ebnete noch 28 weiteren jüdischen Medizinstudenten den Weg zur Erlangung der Doktorwürde. Am 4'. September 1721 konnte Moses Salomon Gumpertz die Thesen seiner Inauguraldissertation in der Frankfurter. Universität öffentlich verteidigen. Ein feierlicher Promotionsakt scheint darauf nicht mehr stattgefunden zu haben. Der Verzicht auf die solenne Promotionsfeierlichkeit lag offenbar im Interesse des jüdischen Doktoranden, dem dadurch neue Formalitäten, Schwierigkeiten und Zeitverlust erspart blieben, die ihm andernfalls zweifellos hätten entstehen müssen. Denn die Promotionen wurden damals noch in der Frankfurter Kathedralkirche abgehalten, von wo sie erst 1734 „wegen Menagierung unnötiger Kosten“ in das große Universitätsauditorium verlegt worden sind. Als die Prager Judenschaft anläßlich der Geburt des spateren Kaisers Joseph II. im Jahre 1741 einen Festzug veranstaltete erschien auch der Judendoktor Moses Salomon Gumpertz, .dem ein Läufer und zwei als langbärtige Türken verkleidete Männer gravitätisch voranschritten, als Vertreter des ärztlichen Standes in dem Zuge. Ein Jahr nach-jener Feier, am 11. Mai 1742, starb Moses Salomon Gumpertz, der erste an einer deutschen Universität promovierte Jude und fand auf dem alten Prager Judenfriedhof seine letzte Ruhestätte. Mein Boot . Sc‘t einiger Zeit trage ich mich mit dem Gedanken, mir ein Boot zu kaufen; an und für sich ist das keine Angelegenheit von allgemeinem Interesse, es wäre meine private Sache, aber . . . Also ich habe ein. Heer von Sachverständigen aufgeboten. Da ist mein Freund Georg, er gibt vor, Spezialist im Motorenbau zu sein, da ist Fritz, der schon ein paar Mal mit seiner Jolle gekentert ist; infolgedessen also besonders kompetent sein muß. -Dann ist mein Bruder zugegen für den Fall, daß ein notarieller Akt aufgenommen werden muß. Wir stehen alle am Ufer des Sees in angeregter zünftiger Unterhaltung. Die Luft ist angefüllt mit Fachausdrücken, und wir stehen da, die Stummelpfeifen im Munde, wie die richtigen Seebären, wie Männer von der Waterkant, die sich den Wind haben um die Nase wehen lassen und die manchen „Köhni“ hinter die Binde gegossen haben. Der Vertreter der Werft gesellt sich zu uns.- Das Boot wird versuchsweise ins Wasser gelassen. Das Boot zieht Wasser, der Motor springt nicht an, aber das siiid Kleinigkeiten, wie der Bootsmann überzeugend bemerkt. Wirklich, das sind Kleinigkeiten. Wir beschließen, uns darüber keine Sorge zu machen, und schlendern am Strande des Sees entlang. Sorge macht uns jetzt die .Namensgebung, das' Boot muß einen Namen haben, das ist Vorschrift. Es wird doch ein „jüdisches Boot“ sein. Ein biblischer Name? „Moses“ — nein, das klingt zu prätentiös, der wäre gut für einen 60 000 Tonner. „Maimonides“, — ich fürchte, die Umwelt wird sich über den etwas griechisch anklingenden Vornamen wundern. „Carmen“? Bizet war zWar Nichtarier, aber zuviele „Carmina“ haben meinen Lebenspfad gekreuzt, und alte Erinnerungen stimmen wehmütig. „Wintermärchen“ — das klingt an Heine an, aber eine potentere Schiffahrtsgesellschaft hat diesen Namen bereits für sich usurpiert. Ich werde das Boot d x (das Unendlich-Kleine) nennen; das ist ein guter Name; immer im Leben fehlt einem eine Kleinigkeit, das dx, und so ist das dx ein Symbol, ein jüdisch e r Name! Es wird über den Preis gesprochen. Wir zählen die Barschaft, wobei sich herausstellt, daß uns auch liier eine Kleinigkeit fehlt: das Geld, es zu kaufen. Und so ist das Boot ein hypothetisches dx, und der Bootsmann hat 'wirklich recht: unter diesem Gesichtspunkte ist es vollständig gleichgültig, ob das Boot leckt oder nicht lepkt, ob der Motor läuft oder streikt. Dr. T. Simon. . Die Arbellsge m ei lisch aff für füdfsr he Erbforschung and Erb pflege/heiter Dr. IV. Nußbaum j, Berlin IV 57, Potsdamer Straße 92, bittet uns um Veröffentlichung des nachstehenden Aufrufs; „Familien, die bereits um das Jahr 1800 in Deutschland ansässig gewesen sind, werden gebeten, sich bei der obigen Arbeitsgemeinschaft unter Angabe ihrer genauen Adresse zu melden. Diese 'Meldungen sind im Interesse der wissenschaftlichen Forschung' des deutschen Judentums dringend erforderlich.“ Der Jüdische Kulturbund Rhein-Ruhr veranstaltet folgende Kleinkunstabende; Köln; 23., 2J, und 29. Juli, 20.30 Uhr, Rheinlandloge; Wuppertal; 25. Juli, 20.30 Uhr, Weißer Saal der Stadthalle; Aachen; 26. Juli; 20.30 Uhr, Weinsaal des Stadt. Konzerthauses. 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