Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 58 (20.7.1934)
- Date
- 1934-07-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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wetteiferte hierin. Aus ihr und ihrem engeren Kreise spricht „ein Judentum ohne Adjektiv, das nicht Schicksal, nicht Bestimmung, sondern eine Aufgabe“ sein will —: ganz Israel, hat sich für religiöses Leben verantwortlich zu fühlen. Bei tropischer Hitze Ein Mann von tiefster Wissenschaft und überzeugender hinreißender Rednergabe ist der schon bejahrte Rabbi Dr. Samuel Schul man, New-York. Sein Vortrag über „Judentum und die Bestimmung des Individuums“ ist_ als Meisterwerk geistig-religiösen Schaffens zu bezeichnen. Nur deshalb war es möglich, daß der Redner am späten Abend bei tropischer Hitze mehr als anderthalb Stunden das Ohr der Versämmelten finden konnte. Ich hatte Gelegenheit, bei einem zu Ehren der Delegierten gegebenen Gartenfest mit ihm zu plaudern. Er erinnert sich gern seiner vierjährigen Berliner Studienzeit. Er liebt' Deutschland und die deutsche Wissenschaft. Aber es gelang meiner Überredungskunst leider nicht, ihn für einen Vortrag nach Deutschland zu verpflichten. Es ist nicht möglich, alle. zu erwähnen, die sich um die Tagung verdient gemacht haben. Nicht vergessen aber soll werden das unermüdliche, rastlose Schaffen unseres Vorsitzenden Heinrich o t e r n, Berlin. Er hat sich ebenso verdient gemacht um die Grganisation der Tagung wie als Fremdenführer, der darauf bedacht war, daß jeder von uns etwas von. dieser Weltstadt mit nach Hause nehmen konnte. Aber ebenso war er auch am Verlauf der geistigen Debatte beteiligt, ausgleichend und vor-; wärtsstrebend. .Drei Tage, angefüllt mit Vorträgen und Diskussionen, trotz Hitze und der Riesenentfernungen der Weltstadt. .Der religiöse Liberalismus lebt und befindet sich in. einer Entwicklungsperiode. Das ist die Erkenntnis, die alle gewonnen haben als Ansporn für ihre weitere Arbeit. Der .Jugend aber sei gesagt: Bleibt fest in der Arbeit der neuen Phase im religiösen Liberalismus, um die Schaffung fester Normen des Glaubens, des religiösen Erlebens, des jüdischen Geisteslebens. Es wäre. schade um die Jugend gewesen, wenn das als fertiges Präparat hätte gegeben werden können. Nicht Kampf mit anderen Richtungen, sondern Arbeit an den Quellen des Judentums, in Bünden und Leh'rhäusem, Teilnahme an Gottesdienst und allen, religiösen Institutionen wird Euch dem Ziele näherbrihgen. - Leo Grunebaum, Köln. Großer Erfolg des ITSC 05 beim Sportfest in Köln Berliner in Köln Köln. Man geht mit dem Begriff ‘ Großkampftag iin jüdischen Sport oft allzu - verschwenderisch um, aber zu den Veranstaltungen, die diesen Titel unbedingt führen können, fehörte das Sportfest des Kölner ITV 190 2. Allein schon urch die Teilnahme des im deutsch-jüdischen Sport führenden ITSC 05 Berlin, ferner durch die Beteiligung der RjF-Sportgruppen aus Darmstadt, Bonn, Krefeld, Münster, Düsseldorf, Aachen Duisburg, Düren und Köln wurde die Veranstaltung zu einem denkwürdigen Ereignis. Es herrschte eine ausgezeichnete Stimmung, die ihren Niederschlag in den Leistungen fand, die überaus gut waren und auf beachtlicher Stufe standen. Den Löwenanteil der Preise holten sich die Berliner, wenn auch das Reich mit' Spitzenleistungen dem ITSC 05 in einigen Konkurrenzen den . Weg zum Siege verlegte. In einer Konkurrenz aber waren die Veranstalter nicht zu schlagen. Nirgends können Sportler eine herzlichere und bessere Aufnahme finden, als die Berliner sie hier erfuhren. Man merkte die Begeisterung, die Sympathie, die die Sportler am! dem Reich mit den Berliner Gästen verband. Dies kam auch hinreichend in den Begrüßungsworten des Vorsitzenden des Kölner Klubs, Herrn Schweitzer, zum Ausdruck, dessen Worte eine starken Widerhall in der Ansprache des Berliner Sportwarts Askanas fanden. Man schied im besten' Einvernehmen. * Die Leistungen auf der Aschenbahn wurden von dem Fluidum des Tages befruchtet, sie standen auf hoher Stufe. Überraschend war der Sieg des jungen Fröhlich im. 400-Meter-Lauf, nachdem er schonvorher. die 800 -Meter gewonnen hatte. Bei seiner großen Energie stellt er eine starke Hoffnung des ITSC 05 dar. In den Sprüngen wurden die Berliner glatt geschlagen. Die technischen Übungen scheinen überhaupt im ITSC 05 nicht allzu sehr beliebt zu sein. Dagegen setzten sie sich in allen Staffeln überzeugend durch. Auch um den Nachwuchs ist es in Berlin nicht schlecht bestellt. Auch hier setzten sich die ITSCer mit zum Teil ausgezeichneten Leistungen glatt durch. Als Phänomen ist hier Gerhard Cohn zu bezeichnen, der neben den 3000 m auch die 100 m und beides mit gutem Erfolge bestritt. Wie üblich waren die Frauen des ITSC wieder besonders erfolgreich. Gut waren neben der jeweiligen Siegleistung aber auch die Leistungen der Plazierten. H- N. Es wird gemeldet: Professor Karl Flesch, der bekannte Violinvirtuose, wird vom 1. Oktober ab nicht mehr an der Staatlichen Hochschule für Musik in Berlin-Charlottenburg tätig sein. Flesch, der seinen ständigen Wohnsitz in Baden-Baden hat, wird, statt dessen im Laufe des nächsten Winters in verschiedenen europäischen Hauptstädten 12wöchige Meisterkurse für Violinspiel veranstalten. ~~ Aus Wien wird'gemeldet: Die in der Taborstraße in dem von Juden stark bewohnten Bezirk Leopoldstadt gelegenen Hotels „Continental“ und „Central“ sind durch Bombenanschläge stark beschädigt worden. Im Zuge der beruflichen Umschichtung der deutsch-jüdischen Jugend hat, wie aus Kaunas berichtet wird, der ORT-Verband unter Mitwiricung des litauischen ORT-Komitees einen Kursus für Elektrotechnik bei den ORT-Schulen in Kaunas eröffnet. Die erste Gruppe der Kursusteilnehmer ist vor einigen Tagen aus Berlin nach Kaunas abgereist. - Die Vereinigten Verbände für Auswandererhilfe (HJCEM) berichten, daß in der Zeit vom 1. Januar bis 30. Juni 1934 unter ihrer Kontrolle in Zusammenarbeit mit den Hilfskomitees anderer Länder 1021 aus Deutschland ausgewunderte Personen nach außereuropäischen Ländern abgefertigt wurden. Davon gingen 561 nach Palästina, 316 nach Brasilien, 54 nach Nordamerika und Kanada, 28 nach. Paraguay, Uruguay, Peru und Chile, 22 nach Argentinien, 15 nach Mittelamerika, 11 nach Südafrika. 10 nach China und 4 nach Persien. \ In Jerusalem wurde das Berufungsverfahren im Stavsky-Prozeß vor einem ausschließlich aus englischen Richtern bestehenden Gerichtshof eröffnet. Wie aus Paris gemeldet wird, ist dort die Tochter Albert Einsteins, Frau Ilse Kayser, gestorben. Sie litt seit längerer Zeit an einer unheilbaren. Krankheit. * Nach einer Meldung aus Warschau leben dort etwa 350 000 jüdische Seelen, die 30 Prozent der ^allgemeinen Bevölkerung der polnischen Hauptstadt ausmachen. Nach der Schaffung eines jetzt geplanten Oroß-Warschau, wodurch sich die Zahl der hauptstädtischen Bevölkerung verdoppeln wird, wird der Prozentsatz der Juden kaum noch die Zahl 15 erreichen, da in den neueinzubeziehenden Ortschaften nur wenige Juden wohnen. Bialiks Beisetzung Tel Awiw. Der Tag der Beerdigung. Bialiks wurde von der Judenheit Palästinas als nationaler Trauertag begangen. An dem Sarge des Dichters, der in. der Stadthalle von Tel Awiw aufgesteQt worden war, zogen während des ganzen Vormittags, fünf Stunden lang, die Massen vorüber. Von 2 Uhr nachmittags an ruhte in Tel Awiw das Geschäftsleben vollständig, um 3 Uhr wurde der Straßenverkehr eingestellt. Während des Begräbnisses in der Zeit von 4 bis 6 Uhr nachmittags . ruhte jede Arbeit hn ganzen Lande. Die rituelle Beerdigungszeremonie auf dem Friedhof fand auf Wunsch der Witwe Bfaliks in einfachster Form statt. Es wurden keinerlei Grabreden gehalten. Nur das „El mole rachamim“ würde rezitiert. Nachweis der arischen Abstammung für alle Bewerber um Beamtenstellen * In einem Runderlaß stellt der Preußische Minister des Innern noch einmal ausdrücklich' fest, daß jeder Bewerber um eine Beamtenstelle einen Fragebogen über die arische Abstammung usw. auszufüllen und die dort.yorgeschriebenesi Urkunden für sich und gegebenenfalls 'seine Ehefrau vorzulegen hat. Alle Personen, die zwar bei Bekanntgabe des Runderlasses vom 14. 4. 1934 schon im Beamtenverhältnis standen, aber erst nach dem 1. 7. 1933 in. dieses berufen worden sind, einschließlich der Beamten auf Probe, Kündigung, Widerruf oder im Vorbereitungsdienst und der Beamtenanwärter, haben, soweit dies noch nicht geschehen ist, nunmehr unverzüglich die Formblätter und Urkunden beizubringen. Weiter hat der Minister darauf aufmerksam gemacht, daß alle Beamten, die künftig heiraten wollen, vor der Eheschließung ihrer .Vorgesetzten Dienstbehörde den Nachweis der arischen Abstammung der künftigen Ehefrau zu erbringen haben. Alle nachgeordneten Behörden der Staats- und der Selbstverwaltung sind eindringlich ersucht worden, die Durch- IWenn Sie Kisten aller Art benStlgen, so wenden Sie sieh an die ■ Kistenfabrik Oskar Kämpfe I Berlin 8 43, Waasertarstr. 43 A7D8nhoH334 I Diese liefert auch Holzwolle engros ss= | führung dieser Bestimmungen, insbesondere bei "jeder Neueinberufung in das Beamtenverhältnis sowie bei jeder künftigen Eheschließung zu überwachen. Glückwünsche für Wilhelm Marcus Wilhelm Marcus, der langjährige erste Vorsitzende des Zentralverbandes der jüdischen Handwerker Deutschlands, Präsident des -Reichsverbandes des jüdischen Mittelstandes und Repräsentant der Berliner Jüdischen Gemeinde, hat Sich gestern mit Frau Ema'Bi rn Baum, der bewährten Leiterin der jüdischen Darlehnskasse, vermählt. Seine stete selbstlose Hilfsbereitschaft im Dienste der jüdischen Gemeinschaft, sein unermüdliches Eintreten für eine Bessergestaltung der wirt- .schaftiichen, kulturellen und sozialen Existenzgrundlage jüdischer Menschen haben ihn in die vorderste Front der führenden Persönlichkeiten im jüdischen Lebensraum gestellt. Wir wünschen Wilhelm Marcus, der in seiner Lebensgefährtin eine kluge und verständnisvolle Förderin seiner Ideale-gefunden hat, zu seinem Ehrentag. noch eine ungezählte Reihe von Jahren ungebrochener Kraft und Hilfsbereitschaft im Dienste des gesamten deutschen Judentums: letzte Nathriihten Für Einigkeit im jüdischen Sport ' Frankfurt a. M. In Darmstadf fand eine Hauptversammlung der „Arbeitsgemeinschaft jüdischer Tum- und Sportvereine Südwesitdeutschlands“ statt, auf der einstimmig eine,- Resolution an die Reichsvertretung der deutschen Juden beschlossen wurde. Es wird darin festgestellt, daß eine Zusammenarbeit aller jüdischen Sportvereine auf rein sportlichem Gebietunter Aufrechterhalturig der .religiösen und weltanschaulichen Einstellung möglich ist. Eswird'dann der Überzeugung Ausdruck gegeben, daß bei dem guten Willen aller Beteiligten die gemeinschaftliche sportliche Arbeit sämtlicher jüdischer Tum- und Sportvereine-in ganz Deutschland möglich .und zu erstreben ist. Ein Urteil des Darmstädter Sondergerichts Darmstadt. Vor dem hiesigen Sondergericht für Hessen hatten sich mehrere Nörgler und Kritikaster zu verantworten. Der 41 Jahre alte, aus Jugoslawien und Preußen ausgewiesene und jetzt staatenlose Alexis Hepp, der G reue Im ä rchen verbreitet hatte und einen j üd i sc hen Kauf m ann ungerechte rw e.i s e arischuidigte, wurde vom Sondergericht wegen falscher- Anschuldigung zu zweieinhalb Jahren 'efängnis verurteilt. Der jüdische Kaufmann ist freigesprochen worden. Der Etat in der Berliner Repräsentantenyersammlnng' Über die vor kurzem in der Repräsentanten Versammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde erfolgte Beratung des Etats, über den sich Wilhelm Marcus in unserem Blatte-bereits ausführlich geäußert hat, wird jetzt ein offizieller B e r 1 c h t ausgegeben. Wir werden in der nächsten Nummer darauf noch zuruckkommen. Die Lage der Danziger Jaden . Danzig. In der jüdischen Bevölkerung Danzigs waren, wie berichtet, hinsichtlich der Behandlung wegen ihrer Abstammung und ihres Glaubens Befürchtungen laut geworden, die von dem Senatspräsidenten Dr. Räuschning als völlig unbegründet zurückgewiesen worden waren. Mit Rücksicht .darauf, daß' diese Erklärung der tatsächlichen Lage der Juden in Danzig, wie sie sich bisher unter Außerachtlassung der Richtschnur der Gesetze gestattet hat, nicht Rechnung trägt, hat der Vorstand der jüdischen Oemeinde ein Schreiben an den Senat gerichtet, in dem der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, daß die von ihm mit Dank begrüßte Erklärung des Senats für die Zukunft eine grundlegende Besserung der Lage der Juden In Danzig einlejten möge. (Aufnahmen in di»M Rubrik kostatiJ©*.) Herrn Max R a b i n o w i t z und Frau Margarete, geb. Zamory,, in Lauen bürg (Pommern) wurde eine Tochter geboren. Herr Heinrich HiIIer in Neustadt (Haardt) feiert am 20. Juli seinen 80. Geburtstag. . — Herr Nathan Berg, Berlin-Schmargendorf, beging am 15. Juli seinen 70. Oeburtstag. In' Hoof, Bez. Kassel, fand die Verlobung von Fräulein Schirling (nicht Schisling,. wie es kürzlich infolge eines Druckfehlers an dieser Stelle hieß) mit Herrn Paul Vogel aus Rhaden statt. r—~ —— “ ' Wilhelm. Marcus Erna Marcus geb. Gatmann '■ Vermählte “■ Berlin, den 19. Juli 1934 l , . > | Haßaicd, Hino, Stebtauxantb | .Maria Fehl ho giüaea Zweig Im Hause der Scala, Lutherstr. Internation. Spezialitäten-Kücbe CoadHarei-taK Fnsx Wedsdi (früher M. Dobrin) am Spittelmarkt 15 erwartet Ihren Besuch Alles in bester Qualität A 6 Merkur 2065_' . Speisahaus Charlott seit 18 Jahren Charlottaaatr. Sl Konditorei Paul Poehl Angenehmer Aufenthalt" Lothringer Str. 94^_ Konditorei, Eisdiele Winkler NW Flensburgentr. 5. EckeCtaudlusstr. Feinste QnalMten Eisbomben Angenehmer Aufenthalt ^^a!£-Restaurant w .wittelsbach* Bayerischer Platz a die gute Küche _zeitgemäße Preise _ nh. Osfrar Aberbai!J i n.Maritnbader Konditorei nerneiz n. Keriitxt.Art Bln.-Charl. .Grolmanstr. 29 u. Wilmersdorferstr. 104 j 1 2537 Bs-Konditorei Passauep-EcK PuUHntr, Eckt Anisbutontr. Aaarichtea vaa FesttlchUltea Jagt. Art la n. Saflor fl. Hause net. Aufs. fl. jgfl. Beet. Bernhard Rosenbaum OckaMe d. Beritoer Loge* HAU. 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