Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 57 (17.7.1934)
- Date
- 1934-07-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Beruf, der wie. alle eine gründliche Ausbildung braucht. Wenn Sie Jiciralen wollen, so müssen Sie ganz'bewußt Ihre . Interessengebiete, mit Rücksicht auf dieses Ziel, verlegen. Sie sind nicht als perfekte Hausfrau auf die Welt gekommen, aber mit Verstand, Fleiß und Freude können Sie schon vor der Ehe den Ruf einer vollendeten kleinen Hausfrau besitzen. Statt der Universität besuchen Sie besser eine Haushaltung»- schule, in der Sie nicht nur gründlich kochen und nähen lernen, sondern auch wie man der grollen Wäsche zu Leibe geht, ob man in klarem Wasser oder mit Waschpulver einwcicht, ob man zum Fensterputzen unbedingt ein feines Leder braucht oder ob auch eine Zeitung genügt, ob der Teppich mit Schnee oder mit Sauerkraut abzureiben ist, wie man Wäsche ausbessert und ein Stück Stoff einsetzt. Und wenn eine Frau perfekt schneidert, so ist das in der Ehe höher .zu bewerten, als wenn sie mit Logarithmen rechnen kann. Säuglingspflege ist wohl eines der wichtigsten und schönsten Gebiete, die eine Frau beherrschen soll. Wenn. Sie einmal ein halbes Jahr lang Schwester auf einer Säuglingsstation gewesen sind, wird es später für Sie kein Problem sein, Ihre eigenen Kinder aufzuziehen. Junge Mädchen, die keine Möglichkeit haben,' Haushaltungsschulen zu besuchen, werden als Haustöchter in einer Familie au pair aufgenommen und erlernen gleich auf praktische Art und Weise das Wesen eines Haushalts. Natürlich muH so ein Haushaltslehrling bereit sein, eine gewisse Selbständigkeit aufzugeben und.sich dem grollen 'Ganzen unterzuordnen. Auch kami man. bei schönem Wetter nicht immer ins Freie fahren, wenn in der Küche sich Berge von Stachel- und Johannisbeeren türmen. Und bis Sie selbst glücklich „unter die Haube kommen“, meine Damen, liegt es in Ihrem Belieben, diese Vorbereitung auf die Ehe als Beruf aufzufassen.. Sie können in einem gröfleren Haushalt als Wirtschafterin tätig sein, Sie können in einer Pension den Posten einer. Wäschebeschliellerin übernehmen, lauter Berufe, die Sie-mehr und mehr befähigen, später Ihrem eigenen Haushalt vorzustehen. Von jeher waren Blaustrümpfe unter den Mädchen nicht geschätzt, und jeder Mann,' der sich einen Hausstand gründen will, ist darauf bedacht, ein häusliches Mädchen zu heiraten, das zu wirtschaften versteht — hauptsächlich mit dem kochtopf. Die Liebe der Männer geht — wenn auch nicht hundertprozentig — doch zum grollen Teil durch den Magen. Und mit Recht. Wenn der Gatte abends nach Tages Last und Mühen mit Sorgen beladen, nach Hause kommt, kann er erwarten, daß -das Essen pünktlich fertig und mit Liebe und Sorgfalt zubereitet ist. Aber die Tüchtigkeit-einer Hausfrau zeigt sich erst daim, wenn der Mann nicht Zeuge ihrer Arbeitsfreudigkeit sein muß. Die Stunden, die der Gatte in seinem Heim verbringt, gehören ihm und nicht dem Haushalt. Eine Frau soll nicht „hausbacken“ sein und ganz und gar in ihrem Hauswesen auf gehen, sie soll im Gegenteil die Interessen des Mannes teilen und trotz vieler körperlicher Arbeit, die ein Hausstand mit sich bringt, noch die . Energie aufbringen, ihren Körper sportlich zu kräftigen und elastisch zu erhalten. - Nun wären alle Voraussetzungen für eine glückliche Ehe gegeben, und cs fehlt nur noch der Manu. Die Frau jedenfalls. findet.er unter den jungen Mädchen, die, den veränderten Lebensbedingungen entsprechend, erzogen sind und die sich mit frohem Gesicht in jeder Lebenslage zurechtfinden, und geeignet sind, die Tradition des sprichwörtlich gewordenen guten jüdischen Familienlebens fortzusetzen. Wenn Sie bald heirateil wollen, dann denken Sie auch ein wenig an Ihre Aussteuer, und wenn Sie auch nicht wie in grauen Zeiten am Spinnrocken sitzen sollen, so ist es doch für eine angehende junge Frau eine schöne Beschäftigung, sich selbst ihre Wäsche anzufertigen. Natürlich müssen Sie dann schon sehr bewandert im Nähen sein; denn der Zeitraum zwischen Verlobung und Heirat ist heute kürzer bemessen als im biblischen Zeitalter, in dem Rahel 14 Jahre aut ihren jakob warten mußte, so viel Geduld bringen junge Mädchen des zwanzigsten Jahrhunderts nicht mehr auf. Wenn sie sich entschlossen haben zu heiraten, worden die Eltern vor die Tatsache gestellt und können nur mehr ihren Segen dazugeben. . Szk. Keine Heiratserlaubnis ohne „Judenporzellan" ln der Geschichte der Berliner Juden spielt das söge-, nannte -J u d e n p o rze 11 a n der frideri/.ianischen Zeit eine gewisse Rolle. Gab doch im Jahre 1769 Friedrich der Grolle zur Hebung der einheimischen Industrie jene Verordnung heraus, auf Grund deren kein Jude die Heiratserlaubnis erhielt, bevor er nicht ein Service aus der Berliner Manufaktur bezogen „hatte, dessen Wert nach dem Vermögen bestimmt wurde. Es gibt über derartige Lieferungen noch heute Quittungen und Belege. Bei dein „JudenporzeIlan“.-handelte es sich keineswegs um eine besonders für den jüdischen Haushalt eingeführte keramische Mischung, die diesen für die jüdischen Abnehmer bestimmten Erzeugnissen der Manufaktur ein völlig anderes Gepräge gab. Man hat sich daran gewöhnt, anzunehmen, die heute noch iin Besitz von Berliner Familien befindlichen Porzellane seien eigens hergestellt worden und besäßen daher nicht den Glanz und die Eleganz der Formen, die Friedrichs des Großen Keramiken auszeichnen. Es muß hier gesagt werden, daß Untersuchungen des in Frage kommenden Ma-. terials ergaben, daß die als „Judenporzellan“ bezeiclineten Stücke zum allergrößten Teil gar.nicht aus den Jahren 1769 bis 1787 stammen; Formen und Bemalung weisen in den Beginn des 19. Jahrhunderts, da Friedrich Wilhelm II. den Befehl seines Vorgängers längst wieder aufgehoben hatte. Vor allen Dingen brachte die Dessauer Mendelssohn- Ausstellung 1929 die Erkenntnis, daß die beiden Porzellan-Affen, die Moses Mendelssohn an seinem Hochzeitstage von der Berliner Manufaktur hatte abiiehinen müssen, gar nicht Berliner Fabrikat sind, sondern in der Meißener Fabrik entstanden, was der Stempel der Sächsischen Manufaktur erzählt und die Tatsache verstärkt, daß die Figuren nach Modellen des dort berühmten Modelleurs Kändler geschaffen wurden. Hinzu kommt, daß in den Akten der Berliner Porzellanfabrik, die über alle Vorkommnisse genau Buch geführt hat, keinerlei Rezepte und Hinweise für die Herstellung des „Judenporzellans“ zu finden sind. Weder die Bestellbücher noch die Sessionsbücher Friedrichs des Großen vermögen uns irgendwelche Aufschlüsse zu geben. Es scheinen rein äußerliche Gründe maßgebend zu sein für die Ausstattung der für die alten Berliner Familien bestimmten Porzellane. Wer in der Lage war, sich für viel Geld ein Service zu bestellen, der konnte sich.eben Dinge gestatten wie die Stücke, die der große König für seine Schlösser unfertigen ließ. Teller, Terrinen, Platten und Tassen, deren Eleganz in Form und Bemalung die Leistungen Alt-Berlins zu einem besonderen Anziehungspunkt für Sammler und Kunstfreunde machen. Die Arbeiten, die sich der Durchschnittsbürger bestellte, müssen naturgemäß weit einfacher beschaffen gewesen sein. Und bedenkt, man, daß um diese Zeit viele Berliner Juden über wenige Kapital verfügten, so wird man begreifen, daß auch die Beschaffenheit der Porzellane bei der Gründung eines Haushaltes nicht immer sehr hervorragend sein konnte. Es ist jn diesem Zusammenhang vielleicht lohnend, einen kurzen Blick auf die anderen, vor allen Dingen zeitlich 'konform gehenden Betriebe Friedrichs des Großen zu werfen. Da ist zunächst die keramische Fabrik von Glienitz, die um dieselbe Zeit wie der Betrieb in Proskau von Friedrich ■ dem Großen in Schlesien ins Leben gerufen wurde. Die Vorgänger und zuletzt Zeitgenossen der eleganten, rokokofrohen Porzellanschöpfungen waren nicht nur in Deutschland jene reizvollen Fayencen, in denen man zuallererst das chinesische Porzellan — vergeblich — nachzuahmen suchte. In schlesischem Privatbesitz befindet sich noch heute ein Suppenteller eines Brautaustattungsservices mit der hebräischen Inschrift „Ch. D. K.“. Die jüdischen Vereine besaßen für ihre Festmahlzeiten eigenes Geschirr, das sie bei Hochzeiten gelegentlich auch an Glaubensgenossen vermieteten und 'verliehen. Der Fayenceteller, der ain Ende des 18. Jahrhunderts in der ülienitzer Manufaktur entstand, zeigt als Bemalung farbige Blümenzweige zwischen manganfarbigem Gitterwerfti Er unterscheidet sich in nichts von den übrigen Erzeugnissen der Fabrik. Dasselbe gilt von einer Sederdcckschüssel, die die Breslauer Jüdische Ausstellung 1929 zeigte. Auf heller Glasur sind bunt.e, der Zeit geläufige Streublümchen gemalt. Der Deckel trägt sechs halbkugelförmige Schälchen mit den hebräischen Aufschriften in Unterglasurblau: Knochen, Ei, Bitterkraut, Latwerge, Eppich, Kren (statt Kren müßte es eigentlich Salzwasser heißen). Die zylindrische Wandung der Schüssel ist an einer Seite offen ziim Einlegen und Herausnehmen der drei Mazzoth. Die sehr interessante Schüssel stammt aus dem Beginn des IQ.-Jahrhunderts. ""i Um auf den Ausgangspunkt zurückztikommen: in Berlin entstanden zu Beginn des 19. Jahrhunderts zahlreiche mit jüdischen Motiven dekorierte Porzellane, die noch in unseren ■ Tagen in mancher jüdischen Familie erhalten sind. Sie sind durchweg in einer Periode gearbeitet worden, in der der Befehl des Großen Königs längst aufgehoben war. Und es geht daher nicht,an, sie mit dem Namen .„Judenporzellan“ zu bezeichnen, kulturhistorisch interessant eine Tasse der Scliinkelzeit mit der Ansicht der alten Synagoge in der Heidereutergasse, zwei. Gefäße .in der Jüdischen Kunstsammlung Mainz niit stark ornamental wirksamer Inschrift verziert, einst für den Gemeindepräses Borch in Berlin in Auftrag gegeben, eine Bechertasse mit reicher Vergoldung und ausradiertem Rankenornament mit dem farbig gehaltenen Brustbild des Bankiers Anselm Mayer Rothschild, Porzellanschälchen mit hebräischer Inschrift „Gehörig der Genossenschaft der mitternächtlichen Gebete“ (die um die Wiederherstellung Zions Gebete rezitiert), schließlich nach einem Alt-Meiliener Vorbild ein sehr gut erhaltener Ostenschild. sDr. O. B. Wann? Wo? Am 25. Juli, 9 Uhr abends, veranstaltet der Jüdische T he a t e r-V e re i «* „Rheingold 19“ im Restaurant Hermann, Jägersirafie 18, eine Pallenberg-Gedenkfeier. Sonntag, 29. Juli, Autofahrt hach treienwalde. Am 23. Juli wird Rosa Va'leiti als Abschluß ihres Juli-Gastspiels mit „Weekend“ im Berliner Theater als SonderveränstalUing einen „B'unien Abend“ geben, in dem sie die' Hauptrolle in zwei Einaktern spielen und eine Anzahl von Chansons zum Vortrag bringen wird. KöpenfckerWäscherei Ernst Richter Köpenick, Mahlsdorfer Straße 90 F 4 Köpenick IW63 Telef. Bestellungen täglich, außer Freitag u. Sonnabend, schonendste Behandlung K|ilP=^« Bucti-AnKaul ARNOLO, Uhtandstnfi« V7 H 7 Wllra. 1392 Möbel- Kamerling N, Kastanienallee 56 E. FchrbeUlnerStr. Eigene Werkstatt Schreibtische billigst, verkauft Tischlerei Weinbergsweg .22 Reparaturen, Änderungen. Modernisieren s&mtl. Möbel Ankauf, Verkauf von Möbeln, NadiWswwn, Wäsche, Porzellan, Glas Frau ANNA JANK Uhlanöstf« 62_ II Moderne Bau-, Möbel-, Polsteruad Dekorationswerkstitten BARESBL — WANK ChqrlotUnburg 4. Biswdrckstr CbI 1 O-Oyglen. Kleiderpflege Handbügeln. Chem. 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