Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 57 (17.7.1934)
- Date
- 1934-07-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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I Der Leiter eines Umschichtungskursus gibt Ratschläge Mechaniker in Gruppen Von Ing. Curt Gehr In langen Abhandlungen ist bisher über die Berufsumschichtung von Beteiligten und leider auch Unbeteiligten geschrieben worden. Trotzdem hat sich nichts geändert. Trotzdem warten allein, in Berlin noch Hunderte von jungen Leuten auf ihre Einweisung in einen Umschichtungskursus. ' Als Mann der Praxis, seit einiger Zeit Leiter eines Umschichtungskursus, will ich, selbst gelernter Mechaniker, meine Erfahrungen und Pläne, die sich auf Berufserfahrungenstützen, hier mitteilen. „Wer soll umschulen, und was soll man lernen?“ Eine Stellungnahme zu dieser Frage scheint mir am allerwichtigsten. Hier wird ein Schlosser, dort ein Elektriker und woanders wiederum ein Schmied, dort wird ein tüchtiger Radiofachmann und hier wieder ein Autoschlosser verlangt. Ein wahres Handwerkerwort sagt: „Ein Mechaniker kann alles!“ Was liegt also näher, als sich eine handwerkliche Grundlage als Mechaniker zu verschaffen? Und wer soll das? Ein Mensch, der zuerst einmal seinen ganzen Willen auf das zu Erlernende konzentrieren, kann, der sein seidenes Oberhemd (und die dazu gehörige Gesinnung) zuhause läßt und für den schmutzige Finger keine. Hemmungen hervorrufen, und vor allen Dingen, der sich vor keiner Arbeit scheut, auch wenn sie mal nicht in „sein Fach“ schlägt, der soll und kann umschulen. Und wenn' hierzu noch ein großes Streben nach schnellstem Erreichen des Ziels tritt, dann, aber nur dann, ist es möglich, in etwa einem Jahre das zu erlernen, wozu 14- und 16jährige drei und vier Jahre benötigen. _ Die Grundlage handwerklicher Arbeit ist Ordnung, Pünktlichkeit und klarer Kopf. Wie aber steht es nun mit dem Lehrpersonäl? Zumeist hat man am Anfang wahllos jeden mit der Umschulung betraut, der angab, etwas davon zu verstehen. Heute allerdings sind viele Fehler revidiert, aber auch ein Mangel an Lehrkräften zu verzeichnen. Wie ist dem abzuhelfen, wie ein neuer Kursus aufzuziehen? Es ist vor allen Dingen den Leitern der Berufsumschichtung in den wenigsten Fällen möglich, vor Beginn der-Umschichtung die Eignung des einzelnen Praktikanten zu erkennen. Das soll und muß erste Aufgabe des Kursusleiters sein. Wie schon gesagt, halte ich' die Ausbildung eines Mechanikers für die beste, da'hier die Möglichkeit besteht, fast in jedem1 Handwerkerberuf arbeiten zu können. Ein Kursus dieser Art müßte in einem Fabrikgebäude eingerichtet werden, das Platz für 30 bis 40 Mann bietet und einen ausreichenden Maschinenpark hat, mit dem alle einschlägigen Arbeiten ausgeführt werden können. Dieser Kursus müßte z. ß. mit 10 Mann beginnen, die zuerst mit Arbeiten betraut werden,' die nach einem Schulungsplan (z. B. der der technischen Berufsausbildung, Berlin) für Schlosser, Mechaniker usw. vorgeschrieben sind. Das ist z. B. erst das Feilen eines Würfels. Es werden sich nun von den 10 Leuten einige absondern, die mit dieser ersten Arbeit zuerst fertig sind. Diese sogenannte S p i t z e erhält nacheinander die nächste Auszeichnungen von Juden Dr. Willi Michaelis- Leipzig, der bis zum Jahre 1933 Vorsitzender des ' Deutschen Ärztebundes zur Förderung der Leibesübungen war, ist von dem italienischen Sportärztebund, der Federazione italiana degli Medici sportivi, zum Ehrenmitglied ernannt worden. Die Königliche Akademie der Wissenschaften in Mantua hat den jüdischen Sanskritforscher Dr. Umberto Norsa in Anerkennung seiner Leistungen durch Übersetzung wertvoller Sanskritschriften ins Italienische durch Verleihung eines hohen G e 1 d p r e i s e s ’ ausgezeichnet. Dr. Norsa, der Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Mantua ist, hat bestimmt, daß. diese Geldsumme an die Armen der Stadt Mantua verteilt werde. Dem Rechtsanwalt am Landgericht1 Berlin Dr. Emst Frankenstein wurde die hohe Auszeichnung der Ernennung zum Kommandeur des Ordens der italienischen Krone zuteil., Dr. Frankenstein ist eine der ersten Autoritäten auf dem Gebiet des internationalen Privatrechts. Nittagstisch für jüdische Künstler Im Rahmen der Künstlerhilfe der Berüner Jüdischen Gemeinde und unter der rührigen Leitung eines von Frau Dr. London geführten Damenkomitees, wurde in den . behaglichen Räumen eines Privathauses in der Wielandvorgeschriebene Arbeit, z. B. die Herstellpng eines Zirkels. Hierbei wird schon mit Drehbank, Bohrmaschine und eventuell auch Fräsbank gearbeitet. Unterdessen ist der Kursus um weitere 10 Mann erweitert worden, und nach und nach ist der Kursus, wenn nach diesem Prinzip der besten Leistungen verfahren wird, voll besetzt. Der Kursusleiter kann sich gerade im Anfang dem Einzelnen somit mehr widmen, und es werden Kosten für das Ausbildungspersonal gespart. Durch dieses Leistung's-Gruppen-Prinzip ergibt sich, daß der einzelne immer zur ersten Gruppe gehören möchte. Da' aber jeder , Mensch verschieden ist, der eine besser als der andere lernt, müssen die einzelnen Gruppen von Zeit-zu Zeit größer und kleiner werden. Die Ausbildung im ganzen Kursus geht nun so weiter,- daß die theoretische Unterweisung zuerst gemeinsam und, wenn dieses nicht mehr durchführbar, in Gruppen stattfindet. Ist nun die Spitzengruppe mit dem geplanten Arbeitspensum, das auf ungefähr ein halbes Jahr verteilt sein soll, fertig, dann wird sie langsam in irgend ein Spezial-Fachgebiet eingeführt. Ich denke hier z. B. an das Radiofach. Es ist wohldas einzige, in dem mechanisch und elektrisch an den Einzelnen sehr große Ansprüche gestellt werden und das auch in einem geschlossenen Kursus gut durchzuführen ist. Hier gibt es Gelegenheit, viele Teile in eigener Werkstatt selbst, herzustellen und damit die technischen Fähigkeiten des ein- . zelnen zu schulen. Die anzuschaffenden Apparate-Teile lassen sich nach Ausbau für die nächste Gruppe immer wieder verwenden. Trotz des großen Kursus kann jeder so viel er will und kann, lernen, der Kursusleiter ist entlastet, und die Kosten sind geringer. Vor allem aber besteht die Möglichkeit, die Ausbildungszeit je nach Befähigung zu verkürzen oder zu verlängern, da der Kursus ja nach den ersten Entlassungen von Umgeschulten, reibungslos und ohne die noch umzuschulenden Praktikanten zu stören, neue_ Praktikanten aufnehmen kann.. Nach menschlichem Ermessen ist anzunehmen, daß ein derartiger Kursus für beide Teile, Umschulungsleitung und Praktikanten, den gewünschten Erfolg hat. - Viel bleibt aber. auch noch in der Verwaltung der Umschichtung zu tim. Vor allen ,Dingen müssen die Praktikanten keine wesentlichen' finanziellen Sorgen haben. Der Wohlfahrtsapparat muß gerade für diese Menschen besonders schnell arbeiten. Noch immer ist nicht erkannt worden, daß nur der umschichten soll, der bereits einen Beruf hatte. Mit 18 und 19 Jahren gehören junge Leute noch in die Lehre und nicht in die Umschichtung. Akademiker und Angehörige der Berufe, die durch den Arierparagraphen in erster Linie betroffen waren, sind besonders zu berücksichtigen. Zum Schluß soll noch auf die Aussichten eingegangen werden, die ein Umgeschulter in Deutschland haben kann. Sollte-es den Gemeinden nicht gelingen, alle Umgeschichteten, die in Deutschland bleiben wollen, unterzubringen, so haben diese jungen Leute zuallererst "einmal praktisch arbeiten und anfassen gelernt, sind an Ordnung und Pünktlichkeit gewöhnt und somit für den Kampf um ihre Existenz gestärkt worden. Dieser Faktor ist beinahe ebenso wichtig wie alle sonstigen ideellen Gründe der Berufsumschichtung. Und noch eines wird die richtige Berufsumschichtung zur Folge haben: die. Achtung vor der Handarbeit! straße 25/26 - ein Künstler-Mittagstisch eröffnet. Engagementslosen Bühnenkünstlern, Schriftstellern, Malern ist damit eine. Gelegenheit geboten, bei einem außerordentlich bescheidenen Preis in einem gepflegten Milieu an fünf Tagen der Woche ein aus zwei Gängen bestehendes - Mittagessen einzunehmen, ohne daß sie dabei die drückende Empfindimg des Wohlfahrtscharakters dieses Künstlerstammtischs haben. Hoffentlich gelingt es bald, Privatmittel bereitzustellen, so daß diese verdienstvolle Einrichtung, die bisher für etwa 20 Personen gedacht ist, erweitert werden kann. . - Südwestdeutsche Arbeitsgemeinschaft jüdischer Kulturorganisationen Mannheim. In Karlsruhe fand aut 'Anregung der Mannheimer, Karlsruher und Pforzheimer Kulturorganisationen unter dem Vorsitz von Emil Levinger-Pforzheim eine Tagung von Vertretern südwestdeutscher Kulturorganisatiönen statt. Auf dieser Tagung wurde u. a. Folgendes beschlossen: Die jüdischen Kulturorganisationen der südwestdeutschen größeren Gemeinden bilden eine Arbeitsgemeinschaft. Die Aufgaben der Südwestdeutschen Arbeitsgemeinschaft bestehen in der Förderung der den einzelnen jüdischen Organisationen obliegenden kulturellen Aufgaben, in der Arbeitsbeschaffung für die kulturell tätigen jüdischen Kräfte und in der Betreuun g kleinerer Gemeinden. Die angeschlossenen Gemeinden bzw. Organisationen wahren im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft ihre volle . Selbständigkeit. Die Arbeitsgemeinschaft bildet eine Geschäftsstelle und einen aus fünf Personen bestehenden Hauptausschuß zur Erledigung ihres Aufgabenkreises. Aut Vorschlag des Vorsitzenden wurde Mannheim als Vorort gewählt. Der Südwestdeutschen Arbeitsgemeinschaft sind bisher folgende Gemeinden bzw. Organisationen beigetreten: Bruchsal, Freiburg i. Br., Heilbronn, Karlsruhe, Konstanz, Mannheim, Pforzheim, Stuttgart, ferner sind Kaiserslautern und-Worms— der Arbeitsgemeinschaft angeschlossen. ' —nn. Maßnahmen gegen antisemitischenjerror in Polen Warschau. (Ita) Sämtliche Verbände der National- Radikalen, des von der national-demokratischen Partei abgesplitterten extrem antisemitischen Flügels, sind wegen Bedrohung" der öffentlichen Ordnung behördlich a u f g e 1 ö s.t— worden. Die Auflösung dieser Verbände, denen die Schuld an den letzten judenfeindlichen Ausschreitungen in Warschau und anderen Städten zufällt, wird damit begründet, daß die - Tätigkeit der National-Radikalen, die sich u. a. auf die Hervorrufung von Straßenunrahen, Verbreitung von Rassenhaß und Propaganda gegen die Regierung erstreckt, in Widerspruch zum Strafgesetz steht. Wegen Teilnahme an Ausschreitungen gegen Juden in Czenstochau wurde eine Reihe von Mitgliedern der national-demokratischen Jugendorganisation zu Gefängnis verurteilt. In der Urteilsbegründung heißt es: die Jugend'- organisation wolle durch Zerstörung jüdischen Eigentums und Überfälle auf Juden einen gewaltsamen Umsturz herbeiführen. Berliner Boftesbienfte _ Freitag, 20. Juli: Lülzowslraße 6.30 Uhr. Im Anschluß an Heu HauptgottesHicnst Jugendfeier. Prinzregentenstraße- 7.15 Uhr. Alle übrigen Synagogen mit neuem Ritus 7 Uhr. Predigt: Lützowstraße : Dr. Wiener. Ansprachen: Neue Synagoge: Dr. Warschauer. Undenstraße: Dr. Plotile. Fasanenstraße: Dr. Seligsahn. levctzowstraße: Dr. Prinz. Friedenstempel: Hamburger. Schmargendorf: Dr. Hirschberg. Prinzregentenstraße: Graf. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162, wegen Renovierung bis 10. August geschlossen. Liberale Synagoge Osten, Kaiserstraße' 30, 7.30 Uhr; Zimet. Liberale Synagoge Nordost, Prenzlauer. Promenade 176, 7JO Uhr: Brasch. Liberale Synagoge 'Westend, Kaiserdamm 73, 7.15 Uhr: Goetz. Jüdische Religionsgemeinde, Charlottenburg, Schulstraße. 7, 7 Uhr. Jüdische Reformgemeinde, Joachimsthaler Straße 13, 6 J0 Uhr: Dr. Gottschalk. Sonnabend, 21. Juli: Hauptgottesdienst in alten Synagogen mit neuem Ritus 10 Uhr. Jüdische Religionsgemeindc, Charlottenburg, 0.30 Uhr. Außerdem Frühgottesilipnst 7.30 Uhr in den Synagogen Lindenstraßc, Levctzowstraße, Prinzregentenstraße. Sonntag, 22. Juli: Jüdische Reformgemeinde, Johannisstraße 16,. 10.30 Uhr: Dr. Gottschalk. Jüdische Relfglonsgemeinde Charlottenburg (Tischo b’aw) 7 Uhr vormittags. Letzte Hartiririiten - Ehrenkreuz tür Kriegsteilnehmer Zur' Erinnerung an die unvergänglichen Leistungcq den deutschen Volkes im Weltkrieg 1914/1918 hat Reichspräsident' von H ind en bu r g ein Ehrenkreuz für alle Kriegsteilnehmer sowie für_die Witwen und Eltern gefallener, an, den Folgen von Verwundung oder .in Gefangenschaft gestorbener oder verschollener Kriegsteilnehmer gestiftet. Als Kriegsteilnehmer gilt jeder Reichsdeutsche, der auf deutscher Seite öder auf Seite der Verbündeten Kriegsdienste geleistet hat. Frontkämpfer ist jeder reichsdeutsche Kriegsteilnehmer, der bei der fechtenden Trappe an einer Schlacht, einem Gefecht, einem Stellungskampf oder einer Belagerung teilgcnommen i hat,. Es werden drei ATten von Ehrenkreuzen verliehen: das Ehrenkreuz "für Frontkämpfer, für Kriegsteilnehmer sowie für Witwen und Eltern. Das Ehrenkreuz wird nuraut Antrag verliehen. Der Antrag ist bis zum 31. März 1935 bei der für den Wohnort des Antragstellers zuständigen Ortspolizeibehörde zu .stellen. Dabei sind vorgeschriebene 'Vordrucke zu verwenden. Näheres darüber wird noch bekannt gegeben. Sensationelle Wendung im Stavsky-Prozeß? Jerusalem. Rechtsanwalt Dr. Eliash hat dem Ocricht eine beschworene Erklärung eingereicht, der .zufolge dem jugendliche Araber Abdul Med sc lud aut der Richtigkeit seines ursprünglichen Geständnisses' besteht, wonach Issa el Derwisch der Mörder Dr. Arlosoroffs, er selbst der Begleitmann . sei. Die Polizei hat die Untersuchung in dieser Richtung wieder auf genommen. Schändung eines jüdischen Friedhofs Czernowltz. Unbekannte Täter sind in den jüdischen , Friedhof der Stadt-Radautz eingednmgen und haben dort furchtbare Verwüstungen angerichtet. Grabsteine -wurden zertrümmert, mehrere Gräber geschändet. Eine Untersuchung ist eingeleitet. - Keine Einheitsvertretung: der polnischen Judenheit Warschau. Hier hat eine Beratung jüdisch-polnischer Führer stattgefunden, um in dieser Zeit jüdischer Not eine autoritative Repräsentanz der gesamten polnischen Judenheit" zu schaffen. Die Bemühungen mußten jedoch vorläufig aufgegeben werden. j__ BERLIN tmpfeMensmecte J5ezuqsqueMw 1 QualitBtswflodi« Brusendorf | Kflponldt Bsrtsostr. 4t |, ■ liefert im Freien getrocknet» scbBM- , welBe Wische, seboeendste Behsadla.. . AucbPfundwlsebe 25 Pf. an F 4 1541 , FeineDamen-Maßschnelderei Mantel — Kl.ld.r — Kostüm« Emil Seidenzahl - W 30, Goltzstr. 34 am Winterfeldtplatz -• Bandagen. — Orthopädie GEORG ANTON« Bsndsflat Berlin NO .55, Elblnger StrmBe 57 Bruchbänder, Leibbinden, Senkfuss-Einlagtn wnc. nur nach Mae», Langjährig. Mitarbeiter von Puitermocher, Augebgetr. Cham. Ralnlyen Entdadtan — Farben aller Arten Herrenn. 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