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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-06-19 · 49 (19.6.1934) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
49 (19.6.1934)
Date
1934-06-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Baer für den Rest seiner aktiven Boxerzeit seine Ohren durch große Wattebausche gegen die Lockrufe Hollywoods verschlösse. Ausklang 'Das Jahr 1934 hat den ersten jüdischen Sdmergewichtsweltmeister des modernen Boxrings gebracht. In Baer hat - kein „Kopfboxer“, sondern ein Naturfighter reinsten Wassers gewonnen. Wir wollen nicht verfehlen, noch einmal darauf hinzuweisen, daß der jüdische Leichtgewichtsmeister Barney Roß vor kurzem durch einen Sieg über den Champion im Weltergewicht Jimmy Mac Larnin auch dessen Titel gewonnen hat. Im Verlauf weniger Tage zwei acut jüdisch e T i te 11 rä g e r. Sie haben sich nicht vorgedrängt, sie haben sich durchgekämpft, von Stufe zu Stufe, in bitterepi Ringen, bis ihnen endlich der größte Erfolg vergönnt war. Sie gaben, was sie hatten;-sie wuchsen über sich selbst hinaus, sie. kämpften und siegten als Juden und als Ame- . rikaner. Hoffen wir, daß auclr deutsche Juden bald wieder in allen sportlichen Disziplinen für ihr Vaterland kämpfen dürfen. . Jim Krnncr. griftliite Sltbeit in Sofftebt 3unoe *Dlenföjen föjaffen einen Sbodbfafc Die Hamburger Sportgruppe „Schild“ hat ln Lokstedt, einem Vorort, eine 20 0ÜU Quadratmeter grolle Sportplatzanlage, die bis vor kurzem von den Fußballvereinen ,,Eintracht“-Lokstedt und ,,GrQn-Gold-Griin4< benutzt worden ist, für* sich-»»rworbeii. Dieser Platz soll — zusammen mit den angrenzenden brachliegenden Grünflächen —. zu einer vorbildlichen Anlage ausgebaut werden: ein großes Fußball- und Hockeyfeld mit Aschenbahn, ein gesonderter Fußballplatz, eine Grünanlage mit Tischen, Sprunggruben und eine große Unterkunftshalle sollen hier errichtet werden. Es soll hier gezeigt werden, wie die — von jungen Menschen in freiwilliger Arbeit geleisteten — Umgestaltungsarbeiten vor sich gehen. * „Was wir brauchen, sind Menschen, die wieder die. - Schippe in die Hand nehmen!“ — das waren die Worte eines unserer Verbandslei.tcr, die er kürzlich bei einer Wenn Sie Kisten aller Art benötigen, so wenden Sie sich an die ■ Kistenfabrik Oskar Kämpfe I Berlin S 42, Wassertorstr.42 a 7D8nhoK33i I ■ — Diese liefert auch Holzwolle engros - * Kundgebung im „Gabriel-Rießcr-Saal“ aussprach. So ist es! Uns sind Menschen not, die — in jeder Beziehung unkompliziert— wieder die Urform des Menschlichen zurückgewinnen, — selbstverständlich ohne dabei ihre geistigen Werte zu verlieren. Mit einer Reihe junger Menschen fuhr ich hinaus jmf das große Gelände: unseren zukünftigen Sportplatz. jeder von uns hat sich aucli innerlich schon umgestellt, aller Augen leuchten ein wenig heller, aller Fäuste straffen sich schon unbewußt. Wir werden — draußen angekommen — von dem Gärtner freudig empfangen, denn die Arbeit ist nicht leicht, und zwei Dutzend Hände mehr können sie gar wobl gebrauchen. Idyllisch liegt dieser Platz: rings umgeben von ‘grünen Hecken, den Hintergrund bildet ein kleines Gehölz . . . Schnell packen alle zu; unsere Aufgabe ist es; das Umkleidehäuschen quer über den Platz zu transportieren und einen Teil der Grassoden, schmale lange Grasflächen,, die zur Überhöhung verwandt werden sollen, dorthin zu schaffen, wo später die Grünanlage entstehen soll. Eigentlich hat dieses Häuschen gar nicht, so schwer ausgesehen, Wie es doch — nach den ersten Versuchen — zu sein scheint. Aber das Gefühl der gemeinsamen Arbeit stärkt uns — es ist ein solches Gefühl wahrer Kameradschaft, das es bei uns auslöst, den Ersten Vorsitzenden neben dem Wassersportler, den Landessportleiter neben dem Jugendlicher schuften und schwitzen zu sehen. Dicke Bohlen müssen wir unter das. Haus legen, um es dann langsam Zentimeter zu Zentimeter — vorschieben zu können. Das noch etwas hügelige Gelände macht' uns ordentlich zu schaffen. Und doch, schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit haben wir es erreicht. * Weiter. In hohem Schwung werfen wir die Grassoden in die Loren oder geben größere Brocken von Mann zu Mann. Eine Lore ist gefüllt und rollt ab. Bis eine Weiche kommt und uns zwingt, abzustoppen, den Wagen auf die große runde Scheibe zu fahren, — eine reciilwinklige Drehung: er läuft weiter, in das Gelände hinein, in dem sich künftig die Kleinen — in der Sandkistc und drum herum — tummeln sollen. Angclangt! — Wir lösen die Hebel. Ein Stoß, — die Lore kippt! Wir stemmen uns dagegen und schieben sie langsam die Schienen hinunter, damit die Soden herausrutschen . . . Das wiederholt sich von Mal zu Mal. Ein steter Wechsel: hin — zurück! Und doch — trotz der scheinbaren Einförmigkeit —: allen macht die Arbeit Freude! * Es ist doch tief befriedigend, hier draußen, in der prallen Sonne arbeiten zu können — wirklich so arbeiten, daß man den Erfolg sieht. Ein befreiendes Gefühl, hier mit Kameraden zusammen zu schaffen und sich nicht darum sorgen zu müssen, ob die Faktura Grünbaum & Co. schon bereinigt ist oder Kontokorrente zu führen. Alle diese jungen Menschen, die mit mir zusammen hinausfuiiren, um in freudiger Bereitschaft miteinander einen Sportplatz zu bauen — junge, allen Geschicken zum Trotz auch fröhliche junge Menschen — wirken in tatsächlicher Hingabe an diese Arbeit, denn es ist doch letzten Endes i h r Platz, den sie da schaffen. - Ala. Hauskonzert bei Georg Bertram. Zugunsten der Altersliilfe der Jüdischen Gemeinde gab Georg Bertram in seinen Räumen ein Konzert, dessen Programm er selbst und Wilhelm Guttmaifn bestritten. Bertrams Anschlag ist von höchster Kultiviertheit, dabei von jener Farbigkeit, «hne die Chopinsche und Scliumannsche Klavierkunst ihr eigentliches •Leben nicht enthüllt. Eine Hauptstiinme leuchtet auf, und um sie herum webt sich ein Klanggewand von Nebenstimmen, deren Tongebung völlig entmaterialisiert, befreit vom Körperhaften des Klavierklanges, erscheint. Und in alledem bleibt doch die Zielsicherheit des Aufbaus stets gewahrt. — Gleiche Meisterschaft bewährte Bertram auch im Klavierpart Schubertscher Lieder; besondere Erwähnung fördert die hinreißend musikantische Begleitung des „Musensohns“. Wilhelm Guttrnanns Ausdruckskraft wußte ganz besonders den „Erlkönig“, aber auch die heiteren Stücke zu eindringlicher Wirkung zu bringen. t'. Bunter Abend. In dankenswerter Weise hat die Konditorei Moritz D ö b r i n jüdischen Künstlern Arbeitsmöglichkeit durch die Einrichtung von Kabärettabenden in ihren Räumen in der Königstraße geschaffen. Der erste Abend war ein voller Erfolg. Helmut Wolffs witzige Ansage trug viel zum Gelingen des Abends bei. Erwin Hepner, ein Kunstpfeifer, erörfnete den Reigen. Die reizende fnge Herper, jüngster Nachwuchs, erntete mit ihren Vorträgen Riesenapplaus. -Hanni Rosen stellte in hervorragender Weise Berliner Typen dar und fand damit dankbares Publikum. Marion Koegel. trag ihre Chansons meisterhaft vor. Als dann Walter Steiner mit seinen humoristischen Vorträgen erschien, war die Stimmung des Publikums auf dem Höhepunkt., Auch Annemarie Haase erfreute mit ihren glänzend ‘charakterisierenden Chansons. Die musikalische Begleitung besorgte Ericli Ronis bestens. . /. \v. „Dame Kobold“ in Köln. Die Wahl der reizenden „Dame Kobold“ für den Kulturbund Rhein-Ruhr muß rechtglücklich genannt werden. Durch Hofmähnsthals freie Bearbeitung des alten Lustspieles von Calderon ist eine richtige Neuschöpfung entstanden. Die Regie Fraenkei-Froons brachte den tiefen dichterischen Gehalt des Stückes voll zur Geltung, und das Ensemble hielt das künstlerische Niveau, ohne daß das Spielerische zu kurz kam. Diese Note glückte besonders Friedl Münzer als Donna Angela, Dame von spanischer^ Sitte und reizender Kobold in einer Person. Hermann Schindler war ihr ritterlicher Partner, ein mäinitichstarker Liebhaber, ohne ins Schablonenhafte zu verfallen. Für Donna Beatrix, die liebenswürdige Kupplerin zwischen Manuel und Angela, fand die schöne Liselotte Rosen den richtigen Ton. Besonders gelungen war die schauspielerische-Leistung von Alfons Fink als drollig-tölpelhafter Diener Cosine. Das Publikum dankte.Regie und Spielern mit herzlichem Beifall. O. S. Kulturbund Mecklenburg-Lübeck. Im Rahmen des Kulturbundes deutscher Juden hat sich in Mecklenburg-Lübeck der. Kulturbund deutscher Juden gegründet. Aus der Erkenntnis heraus, auch den kleinsten Gemeinden Pflege aller Kulturgüter und jüdisches Wissen zu vermitteln, wurdtl 'diese Kulturarbeit begonnen. Leiter des Bezirks Mecklenburg- Lübeck des Kulturbundes deutscher Juden jst Herr Wilhelm Levv, Schwerin. Briefe von Franz Rosenzweig. Der Schocken-Verlag bereitet die Herausgabe einer Auswahl von Briefen Franz Rosenzweigs vor. Besitzer von Briefen, insbesondere solcher vor dem Jahre 1923, werden gebeten, sie an Frau Edith Rosenzweig, Frankfurt a. M., Wolfgangstraße 4, zu senden. Um die Gebetssprache Im Anschluß, an eine auch von uns wiedergegebene ITA-Meldung über eine Versammlung des Verbandes nationaldeutscher Juden wird uns von diesem Verband folgendes mitgeteilt: „Die Forderung, daß die Gebetssprache künftig nur deutsch sein solle, ist nicht von einem Mitglied des Verbandes nationaldeutscher Juden, sondern von einem Gast in der Debatte aufgestellt worden. Der Versammlungsleiter, Dr. Naumann, hat daraufhin sofort erklärt, daß es nicht auf die Gebetsspraclic ankomme, sondern auf den Geist, in dem der Gottesdienst und der religiöse Unterricht gehandliabt würden. Die Bemerkung des Herrn Professor Sandkuh! lautete wörtlich nur dahin: er würde es aus ästhetischen und kulturellen Gründen bedauern, wenn das Hebräische aus dem Gottesdienst verschwinden würde. Als daraufhin ostentativer Beifall einiger' Zionisten einsetzte,' hat Professor Sandkuh! sofort erklärt, daß er sich diesen Beifall verbitte, daß er mit Zionisten und Alljuden nichts zu tun haben wolle, und daß er mit den Bestrebungen des Verbandes nationaldeutscher Juden in jeder Hinsicht übereinstimme.“ Der Friseur im aimuinöiaiu für die Dame, dm Herrn, da* Kind Salon Alben). Spex. Kosmetik, Pediküre, Massage, Individ. Bedienung',-kostend. 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