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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-06-15 · 48 (15.6.1934) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
48 (15.6.1934)
Date
1934-06-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Produktive Sozialpolitik Zum 10 jährigen Bestehen der jüdischen Darlehnskasse in Berlin Das Streben jeder gesunden Sozialpolitik muß sein, eine Teilung der Hilfsbedürftigen yorzunehmen in solche, denen nur durch eine Wohlfahrtspflege geholfen werden kann, und solche, welche über alle Voraussetzungen zur Selbsterhaltung ihrer Existenz verfügen, unter der Ungunst der Zeiten aber nicht die nötigen Geldmittel aufbringen können, um ihre Arbeit zu. produktivieren. Wenn es gelingt, die Wohlfahrtspflege auf diese Weise wirtschaftlich zu gestalten, dann trägt sie allen Beteiligten Rechnung und führt zu einer großen finanziellen Entlastung der Gemeinden. Ein Mittel auf diesem Wege ist, durch mittelfristige, d. h. ein-, bis e i ne in ha 1 b j ä h r i ge Kredite Menschen zu unterstützen, die über Kenntnis und Fähigkeiten in ihrem Beruf verfügen, denen aber, zum Beginn ihrer Tätigkeit die. notwendigen Betriebsmittel fehlen. Das trifft insbesondere für Handwerker und kleine Gewerbetreibende zu, die teils im Zusammenbruch der letzten zwanzig Jahre ihre Betriebsmittel verloren haben, teils mittlerweile als Nachwuchs sich soweit ausgebildet haben, daß sie daran denken, ihre Existenz verselbständigen zu wollen. Das Bedürfnis nach einer Einrichtung, welche diesen Menschen vorübergehend eine wirkungsvolle Hilfe bieten kann, ist seit Kriegsende immer größer geworden. Der Zentralverband jüdischer Handwerker Deutschlands e. V. hat die Notwendigkeit einer Organisation, die in diesem Sinne arbeitet, am ehesten erkannt, weil unter seinen Mitgliedern der Niedergang in den letzten zwanzig Jahren in erschrekkendem Maße deutlich wurde. Er hat deshalb auf seinem großen Verbandstag in Breslau bereits im Jahre 1924 eine Entschließung angenommen und den jüdischen Gemeindeverwaltungen im Reich übermittelt, die die Gründung von jüdischen Darlehnskassen forderte. Als erste jüdische Darlehnskasse entstand auf Anregung von Wilhelm Marcus dieijüdische Darlehnskasse in Berlin, die am 13. Juni auf eine zehnjährige Tätigkeit zurückblicken konnte. Dieses Jubiläum bietet Anjaß, einmal zu prüfen, ob das, was gewollt war, erfolgreich in die Tat umgesetzt und wieweit es erreicht worden ist. Die Entwicklurtg der Berliner Jüdischen Darlehnskasse in diesen zehn Jahren hat gezeigt, daß der Gedanke nicht nur richtig, sondern seine praktische Durchsetzung unbedingt notwendig war. Ja, man darf sagen, daß die produktive Wohlfahrtspflege ohne die Einrichtung der Darlehnskasse heute überhaupt nicht mehr gedacht werden kann. Die Darlehnskasse hat im ersten Jahrzehnt ihrer Tätigkeit eine außerordentlich umfangreiche und zugleich segensreiche Arbeit geleistet. Sie hat Tausenden von Angehörigen des jüdischen Handwerker- und Mittelstandes eine Jiilfe zuteil werden lassen, ohne die diese durch die Wirtschaftsnot gefährdeten Existenzen unfehlbar dem völligen Ruin preisgegeben gewesen und damit der ständigen Wohlfahrtspflege zur Last gefallen wären. Sie hat im Verlaufe dieser zehn Jahre zehntausend Da r 1 e 1\nsgesuche geprüft und Mit tiefer Bewegung zeigen wir an, daß unser lieber Freund, das langjährige Vorstandsmitglied der Unterzeichneten Vereinigung, Herr Erich Bayer aus Breslau seinen langen .Leiden erlegen ist. Der so früh Dahingeschiedene hat auf allen Gebieten der religiös liberalen Arbeit seit dem Kriegsende in vorderster Rejhe gestanden. Aus der Jugendbewegung hervorgegangen, hat er, auch nachdem er unsere Breslauer Ortsgruppe als Führer übernommen hatte, das innere Feuer echter Jugend sich bewahrt. Tief durchglüht von wahrer Religiosität hat er in Haus, Gotteshaus und Gemeinde in Wort und Tat den Oedanken eines aufbauenden liberalen Judentums vertreten. Echt und wahr in seiner Gesinnung, treu seinen Freunden, unermüdlich, wenn es Hilfe für andere galt, steht er vor uns als der beste Vertreter der jüngeren Generation des liberalen Judentums. Seine Lücke in unserm Kreise, in der Schar der Führer des deutschen Judentums, wird nicht zu schließen sein. Solange wir denken können, werden wir seiner gedenken. Der Vsntaml der Vereinigung für das reUgifis-Uberale Judentum E.V. Heinrich Stern. Vorsitzender | Haßaiettf Hinof Jle&tautantö ... TANZtSTIMMUNG Wo können wir uns gut amüsieren! „Caf€ Trianon“ inh. Bomstein Bayerischer Platz 1, Tel. B 6 0835 Mltgl. d-jüd. Gemeinde Täglich nachmittags und abends TANZ * Eintritt frei Anerkannt beste Wiener Köche bei ganz billigen Preisen. Wochentags nacbm. I Tasse Kaffee 33 Pf. Oedeck 55 Pf Abends t Tasse Kaffee 46 Pf. 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Rund 1,6 Millionen Reichsmark Darlehen wurden an Hilfesuchende in dieser Zeit ausgezahlt. Die Umsätze der Darlehnskasse stiegen von Jahr zu Jahr und erreichten, mit mehr als 200 000 Mark für das Jahr 1930 ihren Höhepunkt. Unzweifelhaft war die Geschäftsleitung in den letzten Jahren, insbesondere im Jahre 1933, vor die schwere Aufgabe gestellt, die Betriebspolitik so zu •‘gestalten, daß sie einmal der wachsenden Not gerecht wurde, andererseits aber auch darauf Bedacht nahm, daß die Kasse in ihrer langfristigen Existenz gesichert blieb. Die Abwicklung ihrer Geschäfte in dieser Zeit hat bewiesen, daß sie diese unerwartet starke Belastungsprobe auszuhalten und sicher durch alle Stürme hindurch zu steuern vermochte. Nichts spricht mehr für den Erfolg im Ablauf dieser zehn Jahre, als daß die Berliner Einrichtung für die Begründung der heute schon bestehenden 3 6 jüdischen Dar-, Lehnskassen im Reich, die seit einiger Zeit von der zu diesem Zweck neu geschaffenen Zentralstelle für jüdische Darlehnskassen gemeinsam betreut werden, ein nachahmenswertes Muster geworden ist. Die jüdische Gemeinschaft, insbesondere aber die Gemeinden, haben allen Grund den Männern dankbar zu sein, die für die Schaffung und den Ausbau des jüdischen Darlehnskassenwesens so mutig und weitschauend eingetreten sind. An allererster Stelle muß Wilhelm Marcus für die Anregung überhaupt, für die Begründung der Berliner Darlehnskasse und für deren zehnjährige ehrenamtliche Leitung, die er gemeinsam mit dem verdienstvollen Hermann Aron in Händen hat, genannt werden. Ein Jahrzehnt lang hat auch Adolf Schoyer sich um das Wohl der Darlehnskasse als Vorstandsmitglied große Verdienste erworben. Der unvergeßliche. Leiter des Wohlfahrtsamtes, Eugen Casparv, der den Aufbau und die Ausgestaltung der Darlelinskasscn mit aller Kraft mitschaffenhalf, hat sich in der Darlehnskasse ein ehrenvolles Denkmal gesetzt. Er fand in Heinrich S t a h I, dem Vorsitzenden der Berliner Jüdischen Gemeinde, einen würdigen Nachfolger. Eugen Casparv aber, dessen bei diesem Anlaß besonders gedacht werden muß, fand für seine Arbeit keinen besseren Lohn, als daß diese Hilfscinriehhing sich so erfolgreich bewährte und sich aus sich selbst lieraus ständig erneuert. Dr. Herbert Kahn. Straße 2 die nächste Versammlung der Selbsthilfegruppe der j ü'd i s c h e n Blinden statt. Herr Robert Hirschfetd wird einen Vortrag über „Anfänge der jüdischen Geschichte“ hatten. Sonntag, am 10. Juni er., erlöste ein sanfter Tod von schwerem Leiden den Vorsitzenden unserer Vereinigung, Herrn. * Erich Bayer. Tief erschüttert stehen wir an der Bahre des Verblichenen, der ausgestattet mit überragenden Geistesgaben und erfüllt von .tiefster Religiosität seit mehr als zwei Jahrzehnten an führender Stelle wegweisend mitarbei- _tete an den heiligen Aufgaben, die der religiöse Liberalismus innerhalb des deutschen Judentums zu erfüllen bestrebt ist. Ein aufrechter deutscher Jude, fest verwurzelt in der deutschen Heimat und voll glühender Liebe zum angestammten Väterglauben, ist auf der Höhe seines Schaffens von uns gegangen; unersetzlich ist der Verlust, den wir erleiden. Sein edles Menschentum und unermüdliches Wirken sichern ihm unser dankbares unauslöschliches Gedenken. Der Vorstand des ReUgHs-Ubenlee Vereins der Synagogengemeiode Breslau ' Öhr Stammhino Emser Lichtspiele am Ludwigklrchplatz . Frühllngsmärchen mit IdaWüst, H.v.Meyerlnck, Cläre Fuchs Corso-E.ichtspiele Uhlandstr. 48 Ecke Pariser Str. 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Man vergegenwärtige sieh, so erklärt« Dr. Goebbels, dem „Bericht des „Völkischen Beobachters“ zufolge, daß vor unserer Machtübernahme die Juden in Deutschland das ganze geistige Leben mallgehlich beeinflußten, dal! sie vüber den Groliici! des im Lande investierten mobilen und immobilen Kapitals. verfügten, dal! sie Presse, Literatur, Bühne und. Film absolut und uneingeschränkt in der Hand hatten, dal! sie in grolJen-Städten, wie beispielsweise Berlin, manchmal 75 Prozent des gesamten Arzte- und Juristenstandes stellten, dall sie durch ..übermäßige Zinsforderungen die Landwirtschaft au den Rand des Ruins brachten, daß sie die öffentliche Meinung machten, die Börse maßgeblich beeinflußten, das Parlament und seine Parteien unter ihrer Obhut hatten, dabei nur 0,0 Prozent der Bevölkerung waren, und man wird verstehen, daß die Gegenwehr dagegen geradezu zwangsläufig war. Auch in be/tig auf das jüdische Problemhaben wir die Wahrheit nicht zu scheuen. Wir inöchteu aber wünschen und hoffen. daß der ehrliche Kampf um die Wahrheit nicht von vornherein vergiftet wiriL durch Greuelmärchen und manchmal fast grotesk amnutende Emigrantenlügen, die einer objektiven Prüfling nicht im mindesten Stand zu halten vermögen. Strandverbot für Juden in Arendsee aufgehoben Wie wir bei Redaktioifsschluß von der Reiclisvertretung derJLknitschen Juden erfahren, ist das S t r an d v e r bot fiir Juden in Arendsee, über das wir au anderer Stellt: des Blattes berichten, wieder /. u r ü e k g e n o m in e n worden. Wann? Wo? Am 17. Juni spielt die Berliner Sport-Gemein - Schaft 1933 in Lichtenberg, Bornitzstraße, gegen Sportclub Stern 2 0 Lichten berg in einem Clubkampf mit 3 Handball- und 4 Fußballmannschaften. Beginn der Clubkämpfe 9 Uhr, des Spiels der 1. Fußball-Mannschaften 16 Uhr. * Am 18. Juni, abends 20.15 Uhr, findet im ehern. Logenhaus, Joachimsthaler Str. 13, ein Liederabend der Altistin Else Seli.gmann statt. Am-Flugel: Paul Lichtenstern. * Am 19. Juni, abends 8 Uhr, findet im Plenarsaal RoscniiiuiniuiiiM Spittelmarkt 16/17 Tel. A 6 Merkur 8215 Beratungen in allen Rechts¬ und Steuer-Angelegenheiten, - Inkassobüro, Auswanderungsberatung, Hausverwaltungen KOFFERFABRIK A. D I E T Z E Inluber: Carl D letze BerHnC2, Hoher Steinweg 15 Fernsprecher: B 1 Berolina 1788 Leihkoffer, Autokoffor. gebrauchte Koffer, Reparaturen osw. AatefnfevMritb, Etttmmporte. UazSge, Baplekvarfcahr C 4. 5887 Chalottenb., (Caleerr8emm 2 Bad Kissingen praktizieren San.-Rat Dr. P. Münz Dr. Alfred Münz Konditorei Paul PoM Angenehmer Aufenthalt- Lothringer Str. 04 Zigarre«. Zigarette«. UarkmfabrikaU in or Auswahl Margret HlmhfaM, likNakan. Jferaner Str. 4, gegenüber d, Poet, 01,74HA ||a Vafra 7VruAäni#r'u. TA frt- III« Rfll£ schafls - Saahvsrst. Berlin W 30. Bayrenthmtr. 26 Tela B 5 Barbarossa 4592 stellt sich für die Beratung von Beteiligungen im ln* u. 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Berlin- Wiimeredorf; Leitung der Anzeigenabteilung und verantwort!, für den Inhalt der Anzeigen: Georg Michaelsohn, Berlin-Charlottenburg. — Redaktion und Geschäftsstelle: Ber- Iin-Charlottenburg 4, Momrasenstraße 40; Fernruf: J 6 Bleibtreu Sammelnummer 1545. Bankverbindung: Kreditverein für Handel und Gewerbe e.Q.m.b.H., Berlin N 24. Postscheckkonto: „Jüdisch-liberale Zeitung** Berlin 227 64. DA. V/34,5125. — Druck: Sonnendruckerei G. m.b. H- (Felix Wolf), Berlin-Charlottenburg 4,-WeiraareT Straße 18. — Bezugspreis: Monatlich 1,35 RM. zuzügl. Bestellgeld. Abonnements werden bei allen Postanstalten angenommen. Anzeigen nach Tarif. Bei Nichterscheinen infolge Streiks oder höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückerstattung der entsprechenden Bezugsgebühren.

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