Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 46 (8.6.1934)
- Date
- 1934-06-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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14. Jahrgang Nummer 46 3&öifdMUtetaie Geltung Beilage 8. Juni 1934 Als beutfdje Uübin in Amerika Ein melandjoliJdjer Brief von Fannie Sdjuelein New York, Ende Alai. Es gibt auswanderungsinstige Leute, denen man immer wieder sagen muß, daß das „Glück im Wolkenkratzer“ nicht so eitel-Sonnenschein ist, wie man es-vielfach anzuriehmen scheint, und daß auch im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten (wie das schöne Wort anno dazumal lautete) nur mit Wasser gekocht wird— Genau wie in Deutschland, so zieht auch das amerikanische jüdische Mädchen es vor, einen . Mandelslehrkurs zu besuchen, um sich auf eine Bürostelle vorzubereiten! Ich erinnere mich noch, wie ich als verrücktes Hulm bezeichnet wurde, als ich das Kindergärtnerimieii- Examen machte, um als Erzieherin in einer Familie tätig zu sein. Ich habe meine Berufswahl jedoch noch nie bereut, wenngleich ich es als deutsche Jüdin in einem amerikanischen Haushalt nicht gerade leicht habe. Man muß als Hausangestellte manches in Knni nehmen. Doch da man Wohnen und Essen frei hat (was man von den Hausherren öfter zu hören bekommt), so führt man ein herrliches Leben — nach Ansicht der Herrschaften. Dienstbereitschaft bei Tag und bei Nacht, wenn man als Kinderfräulein oder Erzieherin .angestellt ist. Nursery-governess nennt man es, wenn man das leibliche und geistige Wohl der Zöglinge im Auge haben muß. Die nurse (Pflegerin) ist stets weiß gekleidet, führt und fährt die Kinder aus und „enlire Charge", das bedeutet, inan hat das oder die Kinderzimmer mit Bad lmter sich, die Kinderwäsche -und -kleider. Die einzige Erholungszeit ist im Park. Da sitzen dann die Pflegerinnen — meist nach Nationalitäten getrennt — beisammen und tauschen ihre Erfahrungen aus, lesen Briefe und planen allerhand kleine Freuden für den „day off“, den Ausgehtag. Die Pflichten dieser Art von Angestellten zu schildern, erübrigt sich. Sie sind -genau die gleichen wie in Deutschland, nur — daß die Kinder meist recht verwöhnt und anspruchsvoll sind. Die Eltern, besonders der Vater,- verzieht seine Erben nach allen Regeln der Kunst, und die Kinder — zeichnen sich in 90 Prozent aller Fälle durch ziemliche Rücksichtslosigkeit aus — sowie sie aus dem Baby-Alter heraus sind. Wohlgemerkt, ich spreche liier aus meiner Erfahrung und der meiner Kolleginnen, und dies bezieht sich in erster Linie auf reiche Familien mit mehreren 'Angestellten, von denen alle ein volles Maß an Pflichten und ein winziges Eckchen von Rechten habeii.. Mittelstandsleute mit einem „Mädchen für Alles“ oder einer „Mutterhilfe“, mother’s lielper, erziehen ihre Kinder meist vernünftiger, wenngleich die amerikanischen Eltern ausnahmslos eine Art von Affenliebe für ihre Kinder hegen. Was nun besonders die jüdischen Mädchen betrifft, so macht die „lady" keinerlei Ausnahme. Sic wird genau so eingespannt, und nur in ganz wenigen Häusern gibt es eine freie Zeit, um die Synagoge ru besuchen, währendman den katholischen Hausgehilfinnen, gleichviel ob sie irisch, schwedisch, spanisch oder deutsch sind, die Kirclienzcit gewährt. Unter den nurses, governesses und Kiudcrgartcnteacliers sind etwa 80 Prozent Deutsche — von. den übrigen sind ze|m Prozent Irinnen und Engländerinnen, fünf Prozent Französinnen und Schweizerinnen, die restlichen sind spanischer, italienischer und amerikanischer Herkunft. Letzterezumeist von dunkler Hautfarbe, da die Amerikanerin lieber im Büro sitzt, im Warenhaus stellt oder im Sdiönheitssaloii' tätig ist, denn als Dienstmädchen arbeitet. Und unter so. vielen Deutschen eine verschwindende Minderheit von Jüdinnen.. Ehemalige Sekretärinnen, Kiavierlelirerinuen, Verkäuferinnen — sie alle versuchend im Erzieluingsberuf, aber fast alle landen als Köchin oder Zimmermädchen. Wohl soll es Familien geben, die ihr jüdisches „Fräulein“ als Familienglicd betrachten; die ihr besonderes Interesse den Neu-Zugereisten zuwenden; aber — ich habe allerdings noch keinen solchen Glückspilz getroffen. Viele Amerikanerinnen — die Eltern oder Großeltern stammten meist aus Osteuropa — kommen sich ungemein wohltätig vor, wenn sie eine deutsche Jüdin beschäftigen, meist aber ist der Grundgedanke; ich spare 10 bis 12 Dollar pro Monat, wenn ich ein greenhom nehme. Wenn man mit Leuten spricht, so bemerkt man immer wieder die Auffassung, daß die deutschen Juden erst unter dein Druck der Verhältnisse ihr Judentum so stark betonten, während sie vordem in erster Linie als Deutsche gelten wollten. Wie dem auch sei. Hier heißt’s die Zähne zusammenzubeißen und viel Ärger und Ungerechtigkeit liinuntcrzuschlucken! Das klingt paradox, aber diejenigen, die das Land des Dollars als Zufluchtsstätte wählen, müssen sich darin üben — neben den Sprachstudien; denn ohne Sprachkenntnisse herüberzukommen, ist sehr riskant. - Augenblicklich ist leider unsere Muttersprache nicht so beliebt; — es dauert oft eine Woche, bis ich ein bißchen deutsch sprechen kann. Es muß das aber gesagt werden — als Dämpfer für allzu kühne Auswanderer nach den U.S. Mit je weniger Hoffnungen man hier landet, desto nüchterner und kühler steht man der Tatsache gegenüber, daß sie nicht besonders erwünscht ist — die deutsche Jüdin als amerikanische Hausangestellte. Geistige Gastfreundschaft Ein Appell an die jüdische Gemeinschaft / Von Herbert Connor Es war schon immer so, daß nichts so.gering bewertet wurde wie die eigentlich schöpferische, geistige Arbeit. Lessing, Mozart, Hölderlin — sie alle konnten ein Lied singen von der Existenznot und -Unsicherheit, zu der die menschliche Gesellschaft sie verdammt hatte. Dachkammern und ausgefranste Hosen gehörten nun einmal nach dem Sittenkodex'dieser Gesellschaft von jeher -zu den notwendigen Requisiten eines schöpferischen Menschen. Die Nachfrage nach geistigen Werten sank in demselben Maße, wie die Sorge um das tägliche' Brot wuchs. Für den schöpferischen Menschen bedeutet dies eine Frage nach seiner Existenzberechtigung überhaupt. Er hatte die Wahl, entweder kompromißlos umerzugehen oder einen tnodus zu finden, durch den er sich über Wasser halten konnte. Es ist klar, daß man diese allgemeine, zeitbedingte Situation des geistig Schaffenden im Auge behauen muß, wenn man die . richtige Einstellung zur Lage speziell dtis jüdischen Künstlers und Schriftstellers im Heutigen Deutschland finden will. Dieser jüdische Künstler und Schriftsteller hat nicht gerade die Existenznot und -Unsicherheit für sich allein gepachtet. Was ihm aber die Stiuation so ungeheuer erschwert, ist dies, daß er auf der einen Seite von seinen früheren Wirkungsmöglichkeiten abgeschnitten ist auf der anderen Seite in der jüdischen Gemeinschaft noch nicht den Platz gefunden hat, der ihm zukommt. - Lassen wir Beispiele sprechen: Ein bekannter deutschjüdischer Komponist, dessen Opern über die bedeutendsten deutschen Bühnen gegangen sind, ist, dem Zuge der Zeit entsprechend, von allen ötfentlicheii Konzertprogrammen gestrichen worden. Die Folge davon ist, dall er keine Auttührungstantiemen mehr erhält. Nebst einigen . wenigen Stundenhonoraren waren diese Lizenzen die einzige Grundlage seiner Existenz gewesen. Seine alten Werke werden nicht mehr aufeeführt, für seine neuen findet er keinen Verleger. Was bleibt ihm als Mann von fast 6U Jahren zu.tun übrig r Dabei liegt der Fall noch nicht einmal prinzipiell so ungünstig. handelt es sich doch um einen prominenten Namen und darüber hinaus um einen Komponisten^ der zwei jüdische Opern geschrieben hat. Daß es nun aber trotz seines Namens und trotz seiner jüdischen Opern nicht gelungen ist, im Kreise der jüdischen Theatergememscliaft aufgeführt zu werden, das zeigt schlagend, wie unge- klärt und wie wenig beachtet bisher das Problem des jüdischen Schaffenden geblieben ist. Ein anderer Fall: Ein junger, unprommenter jüdischer Schriftsteller schreibt seit anderthalb Jahren an einem Buch Ob das Buch gut oder schlecht, geschäftlich brauchbar oder unbrauchbar ist, steht hier lucht zur Diskussion. Tatsache ist daß er für sein Werk heute, m Deutschland keinen Verleger finden wird. Die Auslandsverlage aber sind uberlaufen und haben genug damit zus^n.’f.ci‘®|{/°"?A"e,nZFrnt"f“j bringen. Was soll der junge Schriftsteller tan. Er wird versuchen, Gelegenheitsarbeiten zu machen.. Ein“ ** jedoch bestimmt so wenig können wie sein prominenter Kol lege von der Opernfakultät: 'aufhören zu schreiben. Denn damit würde er sich selbst aufgeben. Aus diesem heroischen Kampf, den heute zahllose geistig schaffende, jüdische Menschen in Deutschland führen, erwächst der Gemeinschaft eine große Verpflichtung, die sie einsehen und zu der sie sich bekennen muß. Mit dem Schlagwort „Umstellung“ ist es hier keinesfalls gef an., Umstellen kann für den geistig Schaffenden immer nur heißen: sich mühselig auf irgendeine Weise sein nacktes Leben zu verdienen, um seine wesentlichen Aufgaben, so gut es gehen will zu erfüllen. Nie aber kann es für ihn ein grundsätzliches Abweichen vom einmal eingeschlagenen Wege geben. Die Verantwortung liegt heute — das muß einmal klar ausgesprochen werden — nicht auf Seiten des Schaffenden, sondern aut Seiten der Gemeinschaft. Die Gemeinschaft muß versuchen, den schaffenden Künstlern genau so Brot zu verschaffen wie sie es anderen verschaff hat, sie muß ihnen genau so Hilfe und Asyf gewähren, wie sie es anderen gewährt hat. Keinesfalls darf es dahin kommen, daß der schaffende jüdische Mensch, einem alten Brauch zufolge, bestenfalls als Luxus-Dekorationsangelegcnhcit behandelt wird. Für uns jüdische Menschen jedenfalls bedeutet Kultur vorläufig noch kein Luxus, sondern eine Selbstverständlichkeit. Die Erhaltung unserer besten produktiven Kräfte ist für uns nicht nur eine Pflicht der Menschlichkeit den Lebenden gegenüber, sondern auch eine Ehrenpflicht jener Nachwelt ur£L[6nübcr, cJic von uns cininsl dsrüber Rechenschaft \trlangen wird, in welchem Maße wir uns für geistiges Judentum eingesetzt haben.: Was für gangbare Wege gibt es nun, um den jüdischen Künstlern und Schriftstellern zu helfen? Zunächst müßte eine Zentralstelle geschaffen werden, die sich systematisch mit allen neuen einlaufenden Manuskripten befaßt. Von -liier aus würden die in Frage kommenden musikalischen Werke, Dramen und Bücher an jüdische Verlage und Bühnenbetriebe weilergeleitet werden. Jedes Manuskript müßte sorgfältig auf seine Verwendbarkeit hin geprüft und gegebenfalts auch an Veranstalter und Ausübende weiterempfohlen werden. Die ganze Organisation' eines solchen Unternehmens hier im Einzelnen zu beschreiben, würde zu weit führen. Nur eines noch: Er ist eine Frage der Selbsterhaltung, daß in demselben Malle,. wie jüdische Autoren aus der deutschen Geisteswelt ausgeschaltet werden, sich ein spezifisch jüdisches Verlagswesen und eine eigene Autorenschutz- und Lizenzstelle bildet. Je eher die Notwendigkeit der Schaffung einer solchen Organisation eingesehen wird, umso besser für die Produzierenden. Soweit die Hilfe für diejenigen; die bereits durch die Tat bewiesen haben, daß: sie mit Recht den Namen der „geistig Schaffenden" tragen. Aber die jungen Talente, die Unbekannte-«, Unpromincntcn — was geschieht mit ihnen? Natürlich können und sollen sie ihre Manuskripte ■ ebenfalls an eine Zentralstelle wie die v or geschlagene zur Begutachtung einsenden. Aber wer gibt ihnen denn überhaupt erst einmal die Möglichkeit, ihre Arbeiten in Ruhe ausreifen zu lassen? Hier liegt der schwierigste Punkt des ganzen Problems, dessen Lösung j£ic "Hilfsbereitschaft aller erfordert, die noch über Mittel um! kulturelles Verantwortungsgefühl verfügen. Es hat sich unter dem Drucke der Verhältnisse die alte . schöne Sitte wieder herausgebildet, Künstlern in häusliliehen V. e r a u s t a 11 u n g e n WirkungsiiiögUchkcilcn zu geben. Leider* ist bei diesen Veranstaltungen iter Produzierende wieder dem Nacliseliaffeiülen gegenüber im Nachteil. Dies kann unter anderem wettgemaelit werden dadurch, daß der Begriff der g e i s t i g e u U a s t f r e u u d s c h a f t wieder auflebt, wie sie in -früheren Zeiten Schriftsteller oft ihr halbes Leben lang in Anspruch genommen haben. Was für eine Wohltat für einen jungen Komponisten, für einen jungen Schriftsteller würde es bedeuten, wenn mau ihm für .eine ' gewisse - Zeit ein kleines Zimmer zur Verfügung stellen, wenn man ihm. vielleicht überdies -noch Gelegenheit gehen - würde, sieh sein tägliches Brot durch einige Sluiideu seihst zu verdienen. Welche»- Ciliiek, endlich einmal geraume Zeit nicht von den täglichen Sorgen geplagt zu sein mid sich ganz der Vollendung seines Werkes widmen zu körnten! _ Es erhellt sieh die Frage, ob der Wert einer derartigen Gastfreundschaft einigermaßen i iu_ r i e h t i ge u Verhältnis stellt.zum Wert des entsprechenden künstlerischen Produkts. Hier ist zu sagen, daß - Kunst keine Heringsware ist, auch wenn sie scheinbar de.i Gesetzen von'Nachfrage und . Angebot folgt, in einem jungen Menschen, der jahrelang mit zäher Verbissenheit unbeirrbar seinen Weg gegangen ist, ‘ mag er Sonaten, Romane oder Aphorismen schreiben, ist - immer etwas von jener Kraft lebendig, die den wallten Künstler ausmacht. Diese Kraft zu fördern, sic in die richtigen Bahnen zu lenken zum Nutzen und Frommen aller'— ist Pflicht der Gemeinschaft. _ In diesem Sinne sollen alle aufgerufen werden, die guten Willens und dazu imstande sind: Helft den jüdischen. Schaffenden aller Fakultäten, daß sie nicht untergeben lin ■ Kampf um das tägliche Brot, sondern ihrer - Berufungnacligeheu können! Gebt ihnen Verdjcnstmögiiclikcitcn, geht ihnen Obdach, gebt ihnen Gelegenheit, ihre Wetke zu vollenden t Was diese Menschen schaffen — schaffen sie für Euch! Denkt daran und etkennt Eure Pflicht, denen behilflich zu sein, die das Glück ihres Lebens daran "geben, fijr die jüdische Kultur; für den jüdischen Namen zu schaffen und zu wirken! 'Bunter Abend im Kulturbund Padrona, Puppen und Pantomime Zu Beginn des Abends erzielte Intendant Dy. Singer einen Heiserkeitserfolg. Für den erkälteten Liebhaber trat er als Scheidungsanwalt auf und machte den_programmatisch festgelegten „heiratsantrag“ rechtsungültig. Als Abstandsleistang wurde von zwei Streichorchestern und einer Pauke Mozarts Serenata Notturno unter dey einfühlsamen Leitung des jungen Dirigenten Kurt Havelland geboten. Dann: „La Serva Padrona“. Es sind jetzt rund zweihundert Jahre her, daß der neapolitanische Mcislier Giovanni Battista Pergolese mit diesem Intermezzo das Vorbild für die italienische.Ppera buffa und die spätere französische komische Oper geschaffen hat. Eine heitere Nichtigkeit von einem Ehegegner, der von seiner Wirtschafterin mit listiger Eifersucht für die che eingefangen wird — doch voller Grazie und musikalischem Humor. Oetragen von hur zwei. singenden Personen und einem stummen Diener, der nur den Mund aufmacht, um seine Blödheit zu offenbaren. (Mit weicher Routine Julius Kuthan solche trottelhaften Gestalten auf die zittrigen Beine bringt, hat man .erst wieder, bei Offenbach und Shakespeare gesehen.) Wie entzückend das alles mit geringsten orchestralen Mitteln charakterisiert wird! Wie der Humor aus Kehlköpfen und Notenköpfen sprühtl Des Widerspenstigen_ Zähmung besorgt Fritzi Jokl'niit kammerkätzchenhafter Falschheit und Kratzbürstigkeit. Sie bringt nicht nur ihre perlenden Zälmc und ihre perlenden Koloraturen an den Mann (und an das Publikum), sondern,, dirigiert auch die Maskerade ihres Dienerkollegen zum-glückliehen Ende. Oerhard Pcciiner ist der belustigende baritonale Haustyvann, dein die Gallensteine des Unmuts vom Herzen fallen, wenn cs sich, nicht ohne Brachialgewalt, in Verliebtheit seiner Serpina öffnet. Reizend das alles unter der rhythmisch betonten Regiekunst Bauinanns und der.Musizier- Freudigkeit Hugo Strelitzers. Uann.wirds ernst. Spaß beiseite! Blutiger Ernst tänzelt durch die „Sc h i eß bu d c“, die Karl Vollmöller und Jaap Kool aus Tragik und Groteske, aus Kitsch und Verschmocktheit errichtet haben, in die Buntheit Condellscher Farhcn getaucht, Voilmöliers Erzählungen. Oder der Scliidlhiidenbesitzer als Leichenträger. Oder Wachsmänn als Erzieher. Schießbudenfiguren, denen ihr Meister Lebensodem cinblies, werden von der eifersüchtigen Frau Gemahlin (Lilli Kann) an einen Nabob (Martin Brandt) verkuppelt. Sie zerbrechen ain Leben und werden von dem Künstler mühsam, wieder geflickt. Schon fängt sein Licblingsgescliopf, die Tänzerin, an, sich zu bewegen, da knallt sie die Frau Gemahlin meuchlings nieder . . .' Oder: auf Knall und Fall. Im Gegensatz zu der genußreichen Primitivität der beiden.. Opemakfe, hiergrelles Raffinement. Nicht ohne Fantasie. Nicht ohne Tragik. Nicht ohne Spannung.. Aber die Konstruktion knarrt, wie es die Instrumente in Kools Orchester tun. Auch seine Musik, durchaus nicht reizlos, erschöpft sieh -in Äußerlichkeiten. -! Ausgezeichnet die Aufführung: das von Dämonie und tragischem Duldertum durchsetzte Spiel des Regisseurs Kolnli Ra-y, die. zerbrechliche .Bescliwiligtheit der Itappe Nelly H i r t li, die ergreifende Tierhaftigkcit der Ruth Anselm als das Affenwcibchcn, das den Schießbudenbesitzer auf die Spuren der Verbrecher hetzt. Auch Kurt Havelland holte aus dem Orchester alle grotesken und grausigen Wirkungen der bald quäkenden, bald stillen' Musik heraus. " Alles in allem: ein fesselnder Abend. Eilt lauter und lauterer Erfolg. E. 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