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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-06-05 · 45 (5.6.1934) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
45 (5.6.1934)
Date
1934-06-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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um so eher bereit, unsere Zugehörigkeit zur jüdischen Welt zu fühlen, auch wenn wir unsere Bindung an die deutsche Kultur nicht zu lösen gewillt sind. . '. .*st stets ein Merkmal unserer Andacht gewesen, daß in nur unsere persönliche Sehnsucht, unser Hoffen und Furchten zu religiösem Ausdruck gelangen, unser Gottes- ' haus bringt uns auch unseren religiösen Kulturbesitz zum Bewußtsein, m dem nicht allein unser geschichtlicher Beitrag zur Menschheitskultur, sondern auch unsere Berufung und Sendung enthalten ist. Die Synagoge hat uns immer auf unsere Aufgabe hingewiesen, zu der Gott uns erwählt hat, oje Ideale der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens in der Menschenwelt zu verwirklichen. So lange diese Gedanken bei den Menschen, wenn auch nur theoretisch, Anerkennung gefunden haben, haben wir diese Aufgabe des Gotteshauses u LCr. ganzen Größe empfunden. In unserer heutigen weltjedoch hat sie. eine erhöhte Bedeutung gewonnen. Je entschiedener die biblische Richtung der Humanität in unserer Umwelt abgelehnt, wird, desto nachdrücklicher weist uns die Synagoge auf unsere religiöse Sendung hin. Wir empfinden die Von jüdischem Wort Das Sch’ma - Kernstück des jüdischen Gottesdienstes ist jene Aufeinanderfolge von Bibelversen, die nach dem Eingangswort des ersten Verses das „Sch’ma“ genannt wird. Diese Verse, 5. B. M. VI, 4—9, wurden einst, nach der Überlieferung von den „Männern der großen Versammlung“; d. i. rund 400 vor der gewöhnlichen Zeitrechnung, als tägliches persönliches .Gebet angesetzt. Damit wurde zum ersten Male in der Geschichte jüdischer Religiosität ein regelmäßig wiederkehrendes persönliches Gebet des Einzelnen angeordnet; das war die Geburtsstunde der persönlichen praktischen Frömmigkeit und im Grunde war damit der, Priester schon aus seiner Rolle des Mittlers und Wahrere der Frömmigkeit verdrängt. Der erste Vers dieses Gebetes hat außerdem noch eme besondere Stellung im Gottesdienst; er ist in die Keduscha des Sabbats und der Festtage eingebaut, er erklingt im ostdeutschen und polnischen Ritus beim Herausheben der' Thöra, du gleichen. Ritus hat er eine betonte Stelle im Ablaut 'der Bußgebete, insbesondere am Versöhnungstage; mit dem Verse wird der Versöhnungstag beschlossen, und mit ihm begleiten in der Sterbestunde eines Juden -die Umstehenden die abscheidende Seele.' Er erklang auch als Letztes aus dem Munde der vielen Märtyrer unserer Geschichte. Wie lautet das Gebet? Es sei zuerst im Ganzen wiedergegeben: „Höre Israel, Adonaj unser Gott, Adonaj ist einzig. So liebe denn Adonaj deinen Gott mit deinem; ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft. Es seien diese Worte, die ich dir heute gebiete, auf deinem Verpflichtung, für unsere jüdischen Ideale zu wirken jetzt um so stärker. Und weil man unser jüdisches Selbstbewußtsein brechen, sucht, ist auch die' Bedeutung der Synagoge gewachsen, die in uns das Bewußtsein unserer Erwählung und Berufung und damit das Gefühl unseres Wertes stärkt. Das Judentum hat sich niemals damit begnügt, im Gotteshaus religiöse Stimmung zu wecken. Es stellt die tyenschenseele in ihm dem heiligen Gott gegenüber, lehrt uns in der Erfüllung sittlicher Pflichten, in dem niemals beendeten Streben nach Vollkommenheit den Sinn unseres Lebens zu sehen So lange wir in äußerem Wohlstand leben durften, hat das Gotteshaus seine erzieherische Wirkung nur in geringem Umfang entfalten können. Auch im liberalen Judentum» das in den sittlichen Lehren der. Bibel den Kern unserer Religion .erblickte, war von einem intensiveren sittlichen Streben nicht viel zu entdecken. In der Not und Enge unseres heutigen Lebens aber ist die idealistische Lebensanschauung, die die Synagoge verkündet, die einzige, die uns fähig macht uns über unser Schicksal zu stellen und uns unser Leben als lebenswert erscheinen läßt. und jüdischem Brauch Herzen. Einschärfe sic deinen Kindern, rede von ihnen, wann du sitzest in deinem Hause und wann dü gehst auf den Weg, wann du dich legst, und wann du dich erhebst. Knüpfe sie zu einem Zeichen an deine Hand, sie seien zu Gebind zwischen deinen Augen, schreib sie auf die Pfosten deines Hauses und an deine Tore.“ . In der Ansetzung dieser Verse als tägliches Gebet offenharte sich eine ganz bestimmte Auffassung vom Wesen des Gebetes. Als Kern der Gebetsstimmung wird hier nicht der Wille, etwas zu erbitten, überhaupt nicht das Sicheinsctzeu mit Gott empfunden, als die Hauptsache wird die d i a l o g i - Sehe Situation empfunden. Selbstdialog des Menschen mit sich selbst, Anrede, in der der Betende sich selbst die Forderung Gottes wiederholt. Und indem er sich die Rede Gottes wiederholt, macht er sich selbst empfänglich, macht er seine Seele aufgeschlossen für das ewige Aufgerufenwerden des Menschen durch Gott, .begründet er. das Verhältnis Gottes¬ und des Menschen zueinander als das eines An- und Aufrufens und eines Antwortens. Es ist klar, daß damit nicht nur eine ganz besondere, eigenartige Ge bets Stimmung, erzeugt worden ist, eben jene durch welche das Beten in der Synagoge seinen unvergleichbaren Charakter hat, sondern daß damit, vom Beten ausgehend, aber über es hinausreichend eine besondere Eigenart der Religiosität, der FrÖmmigkeitsstimmung ängebahnt wurde. Wissen, daß man aufgerufen wird und antworten, entsprechen muß, daß jedes Hincingestelltsein in eine Lebenssituation eine Anrede uottes ist, auf die man zu erwidern hat, macht den Menschen in gewissem Sinne selbständiger, härter, wachsam und verantwortungsbewußt. Wenn man aus der unendlichen Fülle der in der Bibel gegebenen Möglichkeiten grad diese Verse heraushob, sie wählte, so geschalt das auch iif Hinsicht der einzelnen Sätze nicht ohne Absicht. Mit jedem sollte ein bestimmtes Ziel erreicht werden, jeder war als ein Programm gedacht und bleibt ein solches, jeder hatte seinen Inhalt. Wir haben uns —* davon Rechenschaft abzulegen, auch wenn man die Fülle nicht •'*' völlig auszuschöpfen vermag. „Höre Israel, Adonaj dein Gott, Adonaj ist einzig.“ Eine Vorbemerkung zunächst, wir übersetzen das Adonaj nicht, weil weder die Übertragung „Herr“ noch die Wiedergabe „der Ewige“ der Bedeutungsfiille des hebräischen W'ortcs gerecht wird, alle geben nur einen Teil des Ganzen wieder. Und damit kein Mißverständnis entstehe: das. „dein“ Gott hat nie heißen sollen, daß Gott in einein besonderen Sinne der Gott Israels ist, im Sinne eines Nationalgottes, eines Volksgettes, sondern es sollte und soll heißen: „der von dir». Israel, bekannte“, ,;der Gott, zu dem du, Israel, dich bekennst, von dem du in der Welt Zeugnis ablegst, ist einzig. Ist es noch notwendig, auszubreiten, was die Aussage: Gott ist einzig, es gibt außer Gott keine Macht in der Welt und über die Welt, bedeutet? Der eine Jjott ist zugleich der Gott der sittlichen Forderung, nur er kann es sein, alles* Heidentum war sittlich indifferent, der eine Gott verlangt von dein Menschen das Streben nach Einheit der sittlichen Personhchkeit^ der eine Gott verlangt die eine Menschheit. Mit dem eitieti'(wtt und dem Bekenntnis zu ihm ist der Dualismus V1°,1 Gut u«d Böse als gleichwertig herrschender Mächte-in der Welt geleugnet, wird das Böse nicht als eine selbständige Macht in der Welt anerkannt, soudern als etwas, das man besiegen, das der Mensch in sich, und um sich bekämpfen kann. Mi| dem Bekenntnis zur Einheit wird die Zerlegung der Lebensordnung in getrennte Bezirke bekämpft, wird auch die Einheit des Irdischen und Himmlischen, des Religiösen und des Weltlichen gefordert. Als inan diesen Vers in den täglichen Gottesdienst einbaute, sollte inmitten einer heidnischen zum Abfall lockenden Umwelt der Wille der Juden zur Treue, zum nie zu erschütternden Bekenntnis zu dem einen Gott nach den Erfahrungen der vorexiiischen Zeit erreicht* werden.- Unermüdliche tägliche Wiederholung trug ihm Früchte. Seit dem täglichen Sch’ma erst ist die Masse der Juden unerschütterlicher Jrägcr des Monotheismus. Die Welt rings um uns her hat langst aufgehört, heidnisch zu sein, aber unverinindert bleibt die Notwendigkeit, aufzurufen zur Einheit der sittlichen Persönlichkeit, zum Bau an der einen Menschheit, zur. Empfindung der Einheit religiöser Forderung undirdischer Lebensordnung; unvermindert auch die Notwendigkeit, das Bewußtsein zu begründen, daß hierin Israels Aufgabe und Recht und Pflicht seiner Selbstbehauptung beruht. Sch’ma ist nicht Bekenntnis. Man legt als Jude nicht ein formuliertes Bekenntnis ab, Sch’ma ist Wiedergabe einer* Forderung! einer Anrede. Anrede und Forderung setzen sich fort, der Aufruf zum Hören, zum_ Hinhorchen Ist ein steter und beschränkt sich nicht auf ein .Bekenntnis, er muß Folge und Ausdruck haben. Darum die anderen Sätze-des - Gebetes.. Von ihnen im Nächstenl M, D. TiscHLKitKi „DAS GUTE MÖBEL' (i. I, O IS E Ji - A. I) I T T M A N N . INNEN AIICUITKKTKN ltEltr.IN.SCII(')NEllElMi, WAKTISUIMiäTIt. 40, KKKNMIF U I, II509 BERLIN tmpfehimsutecte!Beziufsque££eu BERLIN Johann Selter, Berlin W 62 Schillstr. 8, B 5 Barbar. 5229 Feine Herrenn. Damenmoden Aenderungen, Modernisieren FelneDamen-MaBschneiderei Hfint.l — Klald.r- Ko.tam. Emil Seidenzahl W 30, Goltzstr. 34 am Winterfeldtplatz I KMiori eieg. Damen-u. Oorontlerk «rslkb AusfOhrunf Otto Görig, str.22>n«heK*Isera^l I Nau irWfmtl- Obst, Räncberwaren, Delikatessen Engelhardt ‘ Johann Oeorgstr.14 Usfrfi fwl Hw» Handbdnhi CharfoMeabafff SeUmtmB« 21 . la MaSarbalt» Änderungen . Cbttn. Reinigen B. GnybowäJd'EnMtn, Schot Idtnutr, IWIlln WerksBti C1 Stellplatz Donk Goldberg-Hoden itten für feinste Maßarbeit 5969, Charlbg. KmtttnB. 120-121 1 Drogenhaus Rinke Heu Klaanzahnstr. SS Ecke Paulsbornerstraäe ■ Tel. J 7 Hochmeister 1301 IUtiron-Reparatur«!, I sachgexnAB und billigst I Paul Knlppal I Joachimsthalcr Strafe 38» hoebpart. | L T«l(h«rt. 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