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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-06-01 · 44 (1.6.1934) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
44 (1.6.1934)
Date
1934-06-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Jüdische Jugend berichtet Die Freie Jüdische Volkshochschule gab dem Reichsausschuß jüdischer Jugendverbände Gelegenheit, vor einer größeren jüdischen Öffentlichkeit über seine Arbeit zu berichten. Die Vortragsreihe wurde eingeleitet durch ein Referat des Vorsitzenden des Reichsäusschusses jüdischer Jugendverbände, Friedrich Brodriitz. Der Redner ging kurz auf die Geschichte des Reichsausschusses ein, der vor acht Jahren aus sozialer Arbeit heraus entstanden ist. Eine besondere Bedeutung gewann er durch die Ereignisse des Jahres 1933. Denn min vvurde aus dpr Zusammenfassung einzelner jüdischer Verbände die behördlich anerkannte Vertretung der organisierten jüdischen Jugend nach außen. Heute sind 97 Verbände — der Redner wies auf diese bedauerliche Zersplitterung hin — mit"55 000 Mitgliedern im Reichsausschuß zusammengeschlossen. Brodnitz hob das große Maß des Entgegenkommens hervor, das die Reichsjugendführung dem jüdischen Reichsausschuß gezeigt hat. Dank ihrer Mithilfe war es den einzelnen Bünden überhaupt erst , möglich zu arbeiten. Für die Arbeit nach innen beschäftigen den Reichsausschuß in erster Linie drei Dinge: Die Förderung des Sports, die Betreuung der KI e in g em ei nde n und die Berufsumschichtung. Seit der nationalsozialistischen Revolution sind . die jüdischen Jugendherbergen jüdischen Wanderern verschlossen. Der Refchsaussehuß hat sich mit Erfolg - um die Beschaffung von Übemachtungsangelegenheiten für die wandernde jüdische Jugend bemüht; auch hierbei fand er die Unterstützung der Reichsjugendführung. Die, Frage, ob gern eins ame A rbeitsgebiete für die Jugend der verschiedenen Richtungen beständen, bejahte Dr. Brodnitz ohne Einschränkung. Besteht aber auch, eine Gemeinsamkeit in Haltung und Gesinnung? Eine Verneinung dieser Frage hielt der Redner für oberflächlich. Denn, wenn auch große Meinungsverschiedenheiten zwischen den einzelnen Verbänden bestehen, so wird doch .der Kampf — wenigstens in sachlicher Beziehung — weniger scharf geführt als in der -älteren Generation. Auf der anderen Seite hat aher die jüdische Jugend eins vor den Alten voraus, daß sie schon lange vor dem äußeren Umschwung den historischen Sinn dieser Zeit, erkannt hat: Nämlich den Obergang von individualistischer zu kollektivistischer L e b e n s gest a 1- - lang, die Erkenntnis, .daß man die individuelle. Freiheitaufzugeben hat, um sie in der Gemeinschaft wiederzufinden. Aus dem Bewußtsein, ein gemeinsames Schicksal und eine gemeinsame Verantwortung zu tragen, ergibt sich die gemeinsame Ltnie, auf der sich die jüdische Jugend aller Richtungen findet. Das eine Ziel aber, muß immer voranstehen: Sicherung der Zukunft für die jüdische Jugend! Wie diese Zukunft gedacht ist, wird man hoffentlich aus den folgenden .Einzelreferaten erfahren. Einen Anfang dazu machte das Vorstandsmitglied des Makkabi-Kreises, Dr. Friedenthal, der über die Bedeutung des jüdischen Sports sprach. Mit einer auch von unserem Standpunkt aus erfreulichen Deutlichkeit lehnte der Redner jede „verwaschene Neutralität“ ab. Der Sport sei für die Juden nicht nur ein körperliches, sondern mehr noch ein geistiges Erziehungsmittel. Zusammenhänge zwischen den geschichtlich bedingten mangelhaften Körperausbildung und mitunter allzu starker Betonung des Geistigen wurden sichtbar. Der Redner ging dann auf die (jüdisch-)nationale Bedeutung jüdischer Sportbetätigung ein. , —mi—. Ein Jude dankt dem Wohlfahrtsamt Ein jüdischer Öberspielleiter in Hannover, dessen-Name,-um ihm-in-seinem* Wohnort fteine Ungelegenheiten zu bereiten, nicht genannt wird, hat. an das Städtische Wohlfahrtsamt Hannöver.nachfolgenden Brief-ge- „Da ich genötigt bin, aus wirtschaftlichen Gründen und um der öffentlichen Wohlfahrt nicht noch werter zur Last zu fallen, Deutschland auf einige Zeit zu verlassen, fühle ich mich verpflichtet, leider nur auf diesem Wege, dem Städtischen Wohlfahrtsamt meinen tiefempfundenen Dank für die mir gewährte Unterstützung während sechs Monaten abzustatten. Nicht nur die Unterstützung allem verpflichtet mich zum Dank, sondern-die Art, wie diese gewährt wurde. Obwohl Jude und Ausländer, wurde mfr jede Wohltat erwiesen, ohne nach wie oder wieso gefragt zu werden oder wegen meiner nichtarischen Abstammung irgendwelcher Mißachtung ausgesetzt worden zu sein. Ich. werde, nicht ermangeln, in meinem Der Herr, Die Dame Elegante Maßschneiderei A. 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Er hat in einem spannenden Volksbuch „Der Weltkrieg** neben den militärischen Vorgängen auch die Einflüsse des Krieges auf allen Gebieten des Lebens auf das ganze Weltgeschehen der Jahre 1014 bis 19.18 Beschrieben. In diesem Buch findet sich auch ein Kapitel „Krieg und Dichter“, aus dem ein Berliner Blatt einen kurzen Auszug gibt. Neben der vielleicht ersten Grabinschrift der Welt auf den „Unbekannten Soldaten“,-Gedichten der Arbeiterdichtcr Lersch und Bröger wird auch ein Gedicht abgedruckt, das berühmte österreichische Reiterlied „Drüben am Waldesrand hocken zwei Dohlen“, das als die „weitaus bedeutungsvollste Dichtung des Weltkrieges“ bezeichnet wird. Der Name des Dichters wird in dem Blatt nicht genannt. Wir dürfen aber wohl mit Genugtuung und Stolz hinzufügen, dall es der Dichter Hugo Zuckermann ist, der im Weltkrieg gefallene österreichische Reiteroffizier. Jüdische Künstler aus Deutschland, stellen in London aus London. In den Parsons-Galleries in London wird dieser Tage eine Ausstellung von Werken in Deutschland. lebender jüdischer Künstler eröffnet, die ihr Zustandekommen der Initiative von Prof. Dr. Franz Landsberger -verdankt. Das Patronat über, die Ausstellung haben führende Persönlichkeiten Londons übernommen. Die Auswahl der zur Ausstellung zugelassenen Kunstwerke wurde von den Malern Bato, Bloch und Spiro vorgenommen. U. a. werden sich Max Liebermann, Ludwig Meidner, Eugen Spi ro, Julie Wolfthom, Martin Bloch, Paula Neufeld, Josef Bato, Alexander Opp- 'ler, Aschheim und Rosenbaum an der Ausstellung beteiligen. luden nicht erwünscht Am Eingang zum Garten des Nürnberger Maxfeldkellers war in den Tagen um den ersten Mai ein Schild angebracht, mit der Aufschrift: „Juden nicht erwünscht.“ Die „Fränkische Tageszeitung“, der wir diese Nachricht entnehmen, schreibt dazu: „Als aber die Feiertage und mithin der Massenzulauf vorüber waren, war es am Maxfeldkeller auch vorüber mit der, Unerwünschtheit der Juden, denn das Schild verschwand wieder. Was sagt wohl die Turngemeinde Nürnberg zu diesen sauberen Pächtersleuten? Sollte die Sehnsucht der Juden nach ihren einst von der Turngemeinde gemieteten Räumen so groß sein, daß sie sich immer noch zu dem Maxfeldkeller hingezogen fühlen? Deutsche Volksgenossen werden sich gewiß nicht mehr dort wohlfühlen können, wo man ein Schild, „Juden unerwünscht“'entfernt.“ •" Die Aufklärung erfolgte bereits einen Tag nach Erscheinen dieser Notiz. Denn der Wirt Pilhofer vom Maxfeldkeller teilte der Schriftleitung des Blattes mit, daß das Schild „Juden nicht erwünscht“ von fremder Hand abgerissen wurde und daß er bis zum Erscheinen der Randbemerkung in der Zeitung noch nicht bemerkt habe, daß das Schild fehle. Auf einem Sprechabend, der in Nürnherg unter dem Titel „Der Kampf gegen die Juden“ stattfand, führte, der „Fränkischen Tageszeitung“ zufolge, der Redner, Stcininger, u. a. folgendes aus: Der Jude sei der Störenfried der Völker. Er . sei auch maßgeblich fast in der ganzen Welt an der Rüstungsindustrie^.beteiligt. Abgesehen von dem allgemeinen Kampf gegen die Juden, passe ihnen an sich aus vorgenannten Gründen die friedliebende Einstellung der deutschen Regierung nicht. Sogenannte anständige Juden gäbe es nicht, der Jude sei und bleibe Jude. Wir müssen den Juden kaltstellen, wo wir nur können dadurch, daß wir nichts bei ihm kaufen und ihn nicht für uns beschäftigen. Mache der Jude kein Geschäft mehr, verschwinde er ganz von selbst. Juden seien Nomade» mid wanderten immer dorthin, wo sic vorbereiteten Bodenfänden. Kritik an dem amerikanischen film „Das Haus Rothschild*1 Die „Leipziger Abendpost“ läßt sich aus * London von ihrem dortigen Vertreter melden: „Seit Mittwoch abend läuft in London der amerikanische-Film „Das Haus Rothschild**. Die „Times** bezeichnen ihn als eine »vollkommene offene Propaganda für die Juden, und in zweiter Linie gegen ihre deutschen Verfolger**. Der „News Chroniclc“ nennt ihn . eine „Apotheose auf das Haus Rothschild und einen leidenschaftlichen Appell für*die* jüdische Rasse“. Diese englischen Urteile* treffen durchaus zu. De.r Film ist ausgezeichnet gemacht und für die^ jüdischen Hauptrollen hat man meist n i c h t j ü d i s c h e Schauspieler gewählt, die auf der- Leinwand sympathischer wirken. Der Film strotzt von kleinen und grollen GeschichtsfatscHungcn, aber das fällt dem Durchsclmittspublikuin nicht auf. Besonders geschickt aut die angelsächsischen Zuschauer berechnet ist der Trick, daß der Held des Films, Nathan Rothschild, der englische Ableger der fünf Frankfurter, noch besonders als intimer Freund des ■ englischen Natioiialhcldcn Lord Wellington hingestellt wird. Die antideutsche Tendenz des Films kommt vor allem darin zum Ausdruck, daß als Huuptgegcnspieler der Rothschilds und als Inspirator von Judenverfolgungen in Frankfurt ein deutscher Staatsmann namens Wowoth auftritt, der die als harmlos hingeslellten Metternich und Talleyrand zii antisemitischen Schlechtigkeiten verführt. Das angelsächsische -PubTP~ _ kum merkt diesen Schwindel natürlich nicht, da der erfundene deutsche Graf neben den historischen Persönlichkeiten erscheint. Ejn weiterer übler Trick ist es, daß die Finanz-, geschäfte der Gebrüder Rothschild ausschließlich von dem Wunsche diktiert shid-, Europa von Napoleon zu befreien und ihm den Frieden wiederzugeben. .Nathan Rothschild setzt in dem Füm«2u diesem Zweck sein ganzes Vermögen aufs Spiel und wird zum Schluß.von dem englischen Prinzregenten zum Lord ernannt, was gleichfalls ein Schwindel ist. Der Film, der in London unter dem Protektorat der Frau de Rothschild „zum Besten jüdischer Frauen und Kinder in Deutschland“ läuft, ist zweifellos das geschickteste Propagandamachwerk der letzten Zeit.“ Wir können uns nicht vorstellen, daß der Film die Tendenzen verfolgt, die der Londoner Berichterstatter in Ihm vermutet, um so weniger, .als der Referent selbst zugibt, daß das Durchschnittspubhkum, für das ja der FUm m erster Linie gedreht wurde, davon nichts bemerkt. Mensa Academica iudalca Die Gasträume der Mensa Academica Judaica, Rosenthaler Straße 40/41, die vor kurzem die Bezeichnung „Akademikerheim Meier Hildesheimer“ erhalten hat, sind, täglich, auch an. Sonnabenden und Sonntagen und jüdischen und anderen Feiertagen, geöffnet und stehen nicht nur Akademikern, sondern auch allen männlichen und weiblichen Werktätigen, die ja gerade in dieser Gegend besonders zahlreich sind, Lesezirkel ausländischer Zeitungen Wien Prag Zürich Basel London Paris Manchester Franz Sdftttm, Schöneberg, geiziger Straße 8, O I Stephan 8663 sowie jüdischen Familien, in denen der Wunsch besteht, die Hausfrau einmal von der Küchenarbeit zu entlasten, zum gleichen geringen Preise (0,60 RM.j offeh. Auf Wünsch werden für Kinder kleinere Portionen zu ermäßigtem Preis-ausgegeben. Am 3. Juni, vormittags 10.30 Uhr, findet im Ootteshauac der Jüdischen Reformgemeinde Johannisstraße 16, eine Oedenkfeier-für den verstorbenen Vorsitzenden, Herrn Paul “ Pi neus, statt. Predigt: Rabbiner Dr. Oottschalk. Bad Kissingen *• praktizieren San.-Rat Dr. P. Münz Dr. Alfred Münz Up Ifstv Treuhänderu. Hirtmfm Ml4 sehafls - SaehvertL , Bcrirn W 30, Bayrtotherafr. 2* TeL: B 6 Bjrbirom 4692 stellt eich (0i die Beretungf von Beteiligungen Im Inu. Auajend unter Beachtung der gesetzlichen Devteenvorecbr. zur Verlegung. | Zigarren. Zigarette«, MarkenfabrikaU im gr Auswahl MargretHlreeirfeld,SaMaatorg, Mercner Str. 4, gegenüber cLIUt.ü l, 74VZ | <0ftr Stammhino | Emser Lichtspiele am Ludwigklrchplatz Heute abend bei mir Jenny Jugo, Paiil Hörbiger. Theo Llngen OHva-E.iditspiele OUvatf Platz Sein grauer Irrtum (Originslfassuag) Corso-Cichtspiele Uhlanditr. 48 Ecke Pariser Str. Ein MM dien mit Prokura mit Oerda Maurus Studio ' TauenUlenatr. 7a ab 11 Uhr vorm.: Wie Da Rldi wflRschst (Origlnalfatsung) mit Greta Oarbo U nterricht .Amerikaner lehrt.En«Usch . Berlin NW 87, Lessingstr. 31 Einzelstundc — Kleine Zirkel Cbem* Laboratorium, staatl. anerksoote Cbemiesehule, Dr. Hermann Rom Monbljouplatz 10, Weldendamm 8100 Berulsumichlcht, Kurse I.-Laboranten I. cbem. Qewerbe (»♦ B. 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