Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 42 (25.5.1934)
- Date
- 1934-05-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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stattet Rabbiner Dr. Dienemann, Offenbach,.einen Bericht über die Tätigkeit des Allgemeinen Deutschen Rabbiner- Verbandes in den letzten Monaten. Sodann hielt Rabbiner Dr. Lauer, Mannheim, einen Vortrag über „Die halachischen Voraussetzungen zur Restaurierung eines Synhedrions in Palästina“. Der Referent betonte, welchen Segen eine solche Institution gerade im heutigen Judentum stiften könnte. Zum Schluß berichtete der Vortragende über die in den letzten dreißig Jahren unternommenen Versuche, die Ordination wieder einzuführen. In Anbetracht der außergewöhnlichen Aktualität dieses ganzen Gebietes infolge des augenblicklich überall immer starker hervortretenden Wunsches, Ordnung in das Leben der heutigen Judenheit zu bringen lind in Übereinstimmung milder sich an dieses Referat anschließenden eingehenden Aussprache -wurde beschlossen, die präge der Errichtung eines für die gesamte Judenheit maßgebenden Synhedrions zur öffentlichen Diskussion zu stellen. Zum Schluß wurden noch Fragen der jüdischen Schule und der Ausbildung der Lehramts-Anwärter ausführlich besprochen. Religionsunterricht soll „entjudaisiert“ werden „Verschont die Kinder mit den Zehn GebotenP In der Zeitschrift „Die Völkische Schule“, 1. Maienheft, Folge 6/1934 veröffentlicht Ernst Hauck, Neustadt (Koburg), einen größeren Artikel „Zur Frage des Alten Testaments“, der „Kernstücke aus einer Vortragsreihe“ enthält. Darin heißt es. u. a.: „Es dringt in breiten Schichten unseres Volkes immer mehr die Erkenntnis durch, daß es ein Widerspruch ist, Bühne und Lichtspiel, Lehrstuhl und Richtertisch vom Judentum zu' säubern, ihm die Fangnetze der Freimaurerei und der Ernsten Bibelforscher zu zerreißen — seine Stellung in der Schulstube aber gänzlich unangetastet zu lassen. Unser auflebendes Rassebewußtsein muß sich unheilvoll verwirren, wenn entgegen dem 4. Satz des nationalsozialistischen Parteiprogramms „Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksichtnahme auf Konfession. Kein. Jude kann daher Volksgenosse sein“ — die Bildungsstätten unserer Jugend an Hand des Alten Testaments weiterhin durch judäergeist heimgesucht' werden ... Das Alte Testament ist das Geschichtsbuch der Hebräerkaste, ist ihr Erbauungsbuch und politisches Lehrbuch , . . Sollte ein solches Buch wirklich unentbehrlich für die deutsche Jugenderziehung sein .-. .?“ Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen richtet der Verfasser die verschiedenartigsten Angriffe gegen das Alte Testament. Selbst Martin' Luther wird nicht verschont. Es wird ihm nämlich zum Vorwurf gemacht, daß er „die wechselnden Götternamen wie Melech, Adonai, El Schaddai, Elohim, Zebaoth, Jaho, Jahve und Jehova gutgläubig mit „Herr“ übersetzte und auf diese Weise einen Weltbetrug stützen half, nämlich die Vereinerleiung des erdichteten hebräischen Nationalgottes mit der unerforschlichen Gottheit selber“. . Besonders scharf aber ist die Abneigung des Verfassers gegen die Zehn Gebote. Er zitiert zunächst Pastor Andersen, der schreibt: „. . . Man verschone die Kinder vor. allem mit den Zehn Geboten. Unser heutiges deutsches Empfinden verträgt es nicht mehr von solch einer tiefstehenden Religion wie der jüdischen sich sittliche Vorschriften geben zu lassen . . .“ Dann fährt Hauck fort: „Hoch über dem Mosesgesetz steht das urarische Neu'ngebot, das nach Erbt .Weltgeschichte auf rassischer Grundlage1 lautet: ,Ehre die Gottheit! Ehre die Eltern! Ehre die Toten! Ehre die Gäste! Halte dich rein! Töte nicht! Schände nicht! Stiehl nicht! Sei wahrhaftig!* Der Volkswirt Nüse hält dafür, daß uns das altdeutsche ,Tue recht und scheue niemand* viel mehr sagt als die Zehn Gebote insgesamt.“ Einen ähnlichen Angriff auf das Alte Testament im . christlichen Religionsunterricht finden wir in der Zeitschrift der Gesellschaft für germanische Ur- und Vorgeschichte „Nordische Welt“, Heft 4. Darin wird über eine kürzlich in Berlin stattgefundene „Zweite Tagung über das heidnisch religiöse Ringen unserer Tage“ berichtet. Auf dieser Tagung sprach u. a. auch Dr. von Leers über „Geist der Hochrasse una Geist der Gegenrasse“. Dem Bericht darüber sei fol- . gendes entnommen: - ,,. . . Der Vortragende gab dann ein Bild der Entstellung der Gegenrasse und ihrer Geschichte, der Juden, in denen das .absolut rassisch Minderwertige* sich zusammenschloß. Er schilderte sie nach den Zeugnissen und Wunschbildern, die sie von sich selbst im Alten Testament gegeben haben, von Abraham bis Joseph, und nach den Berichten der- Ägypter, Griechen und Römer, die sie als ,odium humani generis* bezeichnet haben. Dieses Rassengebilde stieß zur Zeit Karls des Westfranken' (gemeint ist Karl der Große), der zwar blutig die Sachsen bekehrte, aber die Juden bei ihrem Glauben ließ, mit den Germanen zusammen. Der Redner gab dann einen Überblick über das Eindringen der Juden in die Wirtschaft, vom Hehlerprivileg, das ihnen Heinrich IV. gab, bis zum Finanzmagnatentum unserer Tage, eine Entwicklung, die zur Katastrophe aller arischen Kultur führte. Leers sieht in unseren? Kampf den Kampf des ewigen Bauern gegen den Parasiten, der Arbeit gegen den Profit. Mohammed sagt im Koran, man könne aus einem Juden so wenig einen ehrlichen Mann : machen, wie aus einer Dirne eine Jungfrau. Die christliche Theologie verlangt von uns, daß wir die jüdischen Gestalten des Alten Testamentes unseren Kindern .als Vorbilder zeigen, und empfiehlt uns, in diesem Buche zu lesen. Das deutsche Volk kann es nicht weiter ertragen, in seiner Religion das Wesen der jüdischen Gegenrasse weiter als etwas Göttliches und Heiliges mitzuschleppen, während es zugleich aus seinem staatlichen und kulturellen Leben den Juden ausweist. Endloser Beifall folgte dem spannenden Vortrage. Mehrfach kam der Wunsch zum Ausdruck, ihn sämtlichen deutschen Religionslehrern zum Studium zugehen zu lassen, damit endlich der Religionsunterricht der Schulen entjudaisiert wird.“ Man kann dem eigentlich nur die Worte entgegensetzen, die kürzlich der Missionar Christian Keysser in der Zeitschrift „Zeitwende“, Heft 3, schrieb: „Hütet euch die Botschaft selbst, die Bibel, im besonderen auch das Alte Testament, zu verwerfen, ihr habt den Völkern der Erde nichts Besseres zu bieten.“ Was ist der Talmud? Stavskys.und Rosenblatts Vernehmung Achi-Meir im Hungerstreik Jerusalem, Der Führer . der palästinensischen Jungrevisionisten Abba Achi-Meir wird trotz seiner Freisprechung im Arlosoroff-Mordprozeß weiter in Haft behalten, eine Maßnahme, die von der Polizei damit begründet .wird, daß gegen ihn noch ein zweites Verfahren schwebe. Zum Protest gegen seine weitere Gefangenhaltung ist Achi-Meir in den Hungerstreik getreten. Im weiteren Verlauf seiner Vernehmung schilderte Stav-' s k y im einzelnen, wie er den Tag nach der Ermordung Arlosoroffs verbracht habe. Am Montag, also zwei Tage später, in aller Frühe sei bei ihm eine Haussuchung vorgenommen worden. Im Anschluß daran sei er auf der Polizei einem. zweistündigen Verhör unterzogen worden. Stavsky erklärte: „Ich hatte nichts mit dem Mord zu schaffen. Ich hatte keinen Grund, Arlosoroff zu ermorden. Ich hatte ihn nie gesehen, seine Fotografie sah ich zum erstenmal am Sonnabend nach dem Mord.“ Er habe auch niemals von Abdiil Medschid verlangt, daß er die Schuld auf sich nehme. Er habe gewußt, daß Ben ütiriou und Arlosoroff Arbeiterführer, ater nicht, daß sie die Hauptfiihrer seien. Stavsky führte weiter aus, er habe mit Achi-Meir wenig gesproclieii,. obwohl er mit ihm dasselbe Zimmer bewohnte. Aut weitere Fragen erklärte er, er habe als Revisionist Arlosoroff nicht töten können, da terroristische Methoden, insbesondere gegen Juden, dem revisionistischen Programm widersprächen. Der sodann ebenso wie Stavsky unter Eid von der 'Zeugenbank aus. vernommene Angeklagte Zwi Rosenblatt bekundete, er habe Stavsky vor seiner Verhaftung nie gesehen. Auch er betonte, daß er unschuldig sei und niemals von Medschid gefordert habe, daß er die Schuld an,der Ermor- . düng Arlosoroffs auf sich nehme. Bühnenstücke gesucht! Preisausschreiben des jüdischen Kulturbundes Rhelnjjtuhr Der Jüdische Kulturbund Rhein-Ruhr fordert die jüdi- 1 s c h e n Sc h ri f t s tc 11 e r, vor allem der jungen Ge-’ neration, auf, Dramen aus allen Lebciisgcbieteii, besonders aber mit indischem Gehalt, eiir/ureichcn. Das Theater-des Kulturbundes ist eine Wanderbühne. Deshalb müssen die Stücke von höchstens 8—12 Darstellern und mit einfachen dekorativen Mitteln spielbar sein. Als ersten Preis setzt der Jüdische Kulturbund Khcm-kuhr_die Aiiffühningsgaraiitie für das beste eingesandte bühnenreife Werk zu den Normaltantiemen aus, vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung. Die Aufführung findet innerhalbder Winterspiclzcit 1934/35 statt. (Die Normaltanticmcn entsprechen einem Betrag von 250 Mark.) Für das nächstbeste bühnenreife Stück wird ein Geldpreis von 100 Mark ausgesetzt. Das Preisrichter-Kollegium setzt sich zusammen aus: Dr. Paul Moses, Köln; Dr. iur. Julius Hcrzfeld, Essen; Dr. jur. Heinz Kahn’, Wuppertal; Willibald Fraenkel-Froon, Köln; Fritz Worm, Lindlar o. Köln; Dr. phil. Trude Rosenthal, Köln; Gerhard Walter^Rosenbaum. Köln. Als letzter E i ns en dun gstc.rm in ist der 15. August 1934 angesetzt. Die Einsendung der Manuskripte wird unter Kennwort ohne Namensnennung erbeten: "An den Jüdischen Kulturbund Rhein-Ruhr (Preisausschreiben), Köln, Dischhaus, Zimmer 433. Die Adresse des Autors ist .unter Nennung des Kennwortes zu hinterlegcn bei Herrn Rechtsanwalt Dr. Kurt Alexander, Krefeld, Königstraße 140. Vor einigen Jahrzehnten erschien ein Buch unter dem Titel: „Was muß man vom Talmud wissen?“ Ein Mann, der gerne witzig sein wollte, fragte den Autor: „Muß man denn überhaupt vom Talmud etwas tvissen?“ Die Frage, die nur scherzhaft gemeint war, entbehrt jedoch keinesfalls eines sehr ernsthaften Kerns: die überwiegende Mehrzahl der Juden, besonders der westeuropäischen und der ihnen zivilisatorisch gleichstehenden Juden Amerikas und anderer Erdteile wird ganz ernsthaft die Frage verneinen. Ja, sie muß verneint werden, weil die allerwenigsten Juden überhaupt etwas vom Talmud wissen, und von diesem Werk nicht mehr kennen, als den Titel. Gesehen, geschweige denn gelesen haben sie es nicht. Der Talmud, noch vor einem Jahrhundert ein gerne studiertes Buch, hat immer mehr an Aktualität und damit an Interesse verloren. Selbst Fachgelehrte — unter ihnen nicht wenige jüdische Theologen — besitzen nicht viel mehr als eine oberflächliche Kenntnis des Talmud. Es scheint tatsächlich immer mehr Juden zu geben, die ebenso naiv-erstaunt fragen ‘können: „Muß man denn etwas vom Talmud wissen?“ Nein — nicht unbedingt. Diese Kenntnis gehört ebensowenig zur Bildung wie zur Religion. Man kann, ohne die griechischen und römischen Klassiker im Urtext lesen zu können, ein gebildeter und , auch ohne den Talmud lesen zu können ein religiöser Mensch sein. Ohne Zweifel. Aber: die Klassiker sind k ein Angriffsobjekt, der Talmud ist es. Man behauptet nicht, jeder Gemeindeschüler kenne den Cicero oder den Sophokles — aber es wird gesagt, ein jeder Judekenne den Talmud und handle nach seinen Gesetzen. Der Talmud sei das wirkliche, geheime Gesetzbuch der Juden! Der Wirkliche Geheime Rat trägt den Titel Exzellenz und steht in hoher Achtung. Ob er aber wirklich etwas im Geheimen zu raten hatte, das hing nicht vom Titel ab. Der Talmud ist auch eine Art Exzellenz — aber er ist weder geheim — wer aramäisch und hebräisch kann, ist auch' imstande, ihn zu lesen — noch hat er viel zu raten. Was religionsgesetzlich drin steht, das-ist bloß eine Erklärung und Auslegung der.biblischen Gebote. . Wenigstens was die „M i s c h n a“ betrifft. Der Talmud besteht aber außer der Mischna auch aus der G e m a r a. Und diese ist den eigentlcichen Angriffen ausgesetzt. Was ist Gemara? Sie ist das Protokoll über die, Diskussion zu einer Gesetzesvorlage. Aber eine Diskussion mit tausend Rednern —.oder mehr? — eine Diskussion, die sich aut achthundert Jahre erstreckt — von 588 vor bis 220 nach der gewöhnlichen Zeitrechnung. Wer hat sich an der Diskussion beteiligt? Die Lehrer und die Schüler. Da es aber damals keine Diplomlehrer und keine eingetragenen Schüler gab, so konnte jeder lehren, der glaubte* etwas lehren zu können, und es konnte jeder Schüler sein, der noch etwas lernen wollte. Disziplin gab es kaum, eine Geschäftsordnung auch nicht immer. Meinung stand oft gegen Meinung, und es ging recht lebhaft zu in den Lehrhäusern, die immer Debattierhäuser, in günstigsten Augenblicken Seminare waren, kaum jedoch Hörsäle oder gar Schulklassen, in denen ein strenger Professor Regiment führte. Am häufigsten war es jedoch ein Parlament. Nicht von gewählten Abgeordneten, sondern eine Volksversammlung, in der aber jeder das Wort ergreifen, jeder dazwischen rufen, jeder reden konnte, was, wie und wie lange er wollte oder konnte. , * ■ . Man stelle sich nun vor: irgend ein" Stenograph hätte 800 Jahre lang gelebt und getreulich alles mitstenographiert, was da gesprochen und gestritten und dazwischengerufen wurde. Das wäre der Talmud. Aber es gab keinen Stenographen, der achthundert Jahre gelebt" hat. Es gab überhaupt keine Stenographen, die aramäisch oder hebräisch stenographieren konnten. Auch die Hörer konnten es in ihre Kolleghefte nicht. Man notierte aus dem Gedächtnis. Achthundert Jahre lang notierten Tausende von Hörern aus dem Gedächtnis — mit allen Hörfehlern, Miß- und Unverständnissen, die ja in der Schwäche der menschlichen Unvollkommenheit liegen. So entstand der Talmud. Die Mischna,. waren die Gesetzesvorlagen oder das Thema, die Gemara die Diskussion im Plenum, die seminaristische Durcharbeitung. Wann? Wo? Am 26. Mai spielen 2 Schüler-mannschaften der Fußballabteilung der Berliner Sportgemeinschaft 1 9 3 3 im Sportbund des RjF. gegen Wacker 05, am 27. Mai 3 Seniorenmannschaften gegen Wacker 05. Am 2. Juni 2Schülermaimscliaften gegen. Nördliche Spielvereinigung und am 3. Juni 3 Seniorenmannschaften gegen Nördliche Spiclvereinigung. Am 10. Juni findet das Rückspiel gegen „Schild"- Hamburg auf dem Sportplatz im Orunewald statt und am 17. Juni das Rückspiel der 1. Mannschaft gegen Norden- NordwesFund 3 weitere,Spiele gegen diesen Verein. Außerdem fährt am 3. Juni eine komoinierte Maraischaft-nach Dresden, um dort gegen „Schild“ ein Freundschaftsspiel auszutragen. ~ Am 5. Juni, abends 8 Uhr, veranstaltet das Kinderheim Ahawah ein Konzert in der Singakademie, um seinen hundert Zöglingen auch in diesem-.Jahr eine Ferienerholung bereiten zu können. Cs haben sich das Neue Streichquartett (Willy Frey, Hans Prager, Rud. Meyer, Herrn. Weil), Paula Lindberg (Gesang), Generalmusikdirektor Josef Rosenstock' (Klavier), Rudolf Levy (Kontrabaß) freundlichst zur Verfügung gestellt. Eintrittskarten zu 5,' 4, 3, 2 und 1 Mark im Vorverkauf bei Musikhaus Riedel, Uhlandstr. 38 (J 2 Oliva 895),. Frau Minna Mühsam-, Maaßenstr. 11-(B 7 Pallas 6658), Frau Eily Abrahamsohn, Brückeaallee 6 (C 9 Tiergarten 0434), Frau Margret Schürmann, Hohenzoilemd. 111 (H 9 Schmargendorf 3061), Frau Dr. Eskeles, Meinekestr. 3 (J' 1 Bismarck 5138); Büro der Ahawah (D 1 Norden 1311). Wenn jemand die stenographischen Protokolle des deutschen Reichstages durchlesen würde, mit all den klugen und dummen Reden der Abgeordneten seit dem Jahre 1871 — und das sind noch nicht achtzig Jahre! — mit all den Anpöbelungen einzelner Parteien und Abgeordneten gegeneinander, mit all den witzigen, ater auch beleidigenden Zwischenrufen, mit den Parlamentsblüten, und der Leser dann sagen würde: das ist die Geschichte des deutschen Volkes? — ■Wenn man alle Vorlesungen auf deutschen Hochschulen, alle Seniinafübungen, alle Disputationen aüTgeschrieben hätte, alle Kathederblüten der Professoren, alle Bemerkungen aller der Studenten und äll das zusammen mit den Weisheitslehren bedeutender Wissenschaftler und den Ausführungen kluger, begabter Schüler, wenn man das alles — ater nicht stenographiert, sondernaus dem Gedächtnis frei achthundert^ Jahre lang niedergeschrieben und gesammelthätte und es genannt hätte: die deutsche Wissenschaft? — Es existieren Sammlungen von Kathederblüten und von Parlamentsblüten, es existieren seltsame Abgeorilnctenreden und sonderbare Doktordissertationen: aber man betrachtet sie als das,'was sie sind — als Kuriosa. Die Geschichte den Wissenschaft steht gesondert. Es gab auch - schon immer gute Uebersetzungen des .Talmud in lateinischer, deutscher und auch in anderen Sprachen; Uebersetzuqgen, die nicht nur von jüdischen, sondern auch solche, diel von sehr angesehenen christlichen Gelehrten angefertigt wurden. Es gab genug christliche Gelehrte von Weltruf — es sei nur an’ die Namen Strack, Nöldeke, Wünsche, Delitzsch, Kittel, — um nur einige Namen zu nennen — erinnert, die den Talmud sehr gut zu lesen und zu verstehen vermochten, und für die — wie der Ordinarius an der Berliner Universität Obcrkonsistorialrat Prof. Dr. D. Hermann Strack sehr richtig sagte — es keine „jüdischen Geheimgesetze“ gab. Stracks „Einführung in den Talmud“ gilt mit Recht als eines der besten Lehrbücher aut •diesem Gebiete und wird von jüdischen Theologen ebenso gerne benutzt wie von christlichen, soweit sich diese überhaupt mit dem Studium des Talmud befassen wollen. Es gibt 'Euch. Auszüge aiis dem Talmud. Aber der Talmud — an sich — ist noch immer das Riescnprotokol! m achthundert Jahren frei aus dem Qedächtnis von tausend Leuten Schlecht und recht niedergeschrieben. _ Weshalb gibtes noch keinen Tajmud, der .Weizen — er enthält sehr viel Weizen — von Spreu, der sein Oold — er enthält sehr viel Gold — von der .Schlacke trennt? Wer soll solch ein Buch schreiten — wer es lesen — wer, das ist für den Autor und besonders für den Verleger nicht unwichtig — wer soll es kaufen? Würde man bei dem -Angebot nicht die Antwort bekommen? „Muß man denn 'etwas voni Talmud wissen?“.. . Doch! Man müßte-eigentlich.-Und besonders alle diejenigen müßten — nicht etwas, sondern alles — vom Talmud wissen, die gerade heute wieder über ihn reden, über ihn schreiben und ihn zitieren, ohme ihnzukennen. . ■ Scfi: » Chemische Reinigung" Erl«ii Krause Kaiserallee 13 Ecke Meierottostraße Wollkleid 2,50 bis 3,— Seidenkleid 3,50 bis 4,— Rufan Sl* im J 8 Oliva 8341 II