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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-05-22 · 41 (22.5.1934) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
41 (22.5.1934)
Date
1934-05-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Eine Stunde in der Rechtsberatungsstelle „Wir empfehlen Ihnen .. In Zeiten des sich wandelnden Rechtes; gibt es nicht wenige, die gezwungen sind, sich vor lebenswichtigen Handlungen über die Rechtslage sachverständig zu unterrichten. Die Berliner Jüdische Gemeinde hat zu diesem Zweck im Rahmen ihrer Wirtschaftshilfe eine ' Rechtsberatungsstelle eingerichtet. Wer die Räume betritt, glaubt zunächst in die Sprech- . stunde eines Anwalts geraten zu sein, um jedoch bald Zu erkennen, daß hier nur außerhalb der anwaltlichen Tätigkeit liegende Rechtsangelegenheiten behandelt werden. Es dreht sich dabei fast immer um juristische Auskünfte in arbeitsrechtlichen iind sozialrechtlichen Fragen, auch um Mietfragen sowie um die Auslegung erlassener Gesetzesbestimmungen. Da erscheint etwa ein junger, erwerbsloser Vertreter. Seine frühere Firma ist,ihren Verpflichtungen ihm gegenüber nicht ganz nachgekommen. Assessor Brasch, der die Rechtsberatungsstelle leitet, empfiehlt, äh die Firma ein zweckentsprechendes Schreiben abzusenden, das dem jungen Mann entworfen Wird. Ein Handwerker, der sich in einem Mietsprozeß selbst vor' Gericht verteidigen will, hat einen Schriftsatz angefertigt. Er-bittet um Durchsicht des Schriftstücks, das ihm mit einigen Korrekturen wieder zurückgegeben wird. Unaufhörlich klingelt währenddessen das Telefon. Die Post bringt Stöße von Briefen, die erledigt sein wollen. Etwa 25 Personen werden durchschnittlich;pro Tag beraten. Dem Sachbearbeiter werden die für die nächsten Fälle erforderlichen Unterlägen vorgelegt. Um eine eingehendere Beratung zu ermöglichen, haben die Abteilungen der Wirtschaftshilfe eine Neuerung eingeführt, die sich sehr bewährt hat. Wer die Wirtschäftsstelle in Anspruch nehmen will, muß dies der in Frage kommenden Abteilung schriftlich anzeigen. Der . Ratsuchende erhält dann eine Mitteilung, in der ihm die Zeit bestimmt wird, zu der er seine Angelegenheiten Vorbringen kann. Von neuem öffnet sich die Tür, eine ältere Dame betritt Achi-Meir wegen mangelnder Beweise freigelassen Stavsky wird unter Eid vernommen dium war. 27 Jahre lang hat sie dort Hoteldiebstähle bearbeitet. Bei ihrem im vergangenen Jahr erfolgten Abgang wurde ihr erneut die Anerkennung für ihre Tätigkeit ausgesprochen. "Der Sachberater hat nicht immer einen leichten Stand gegenüber seinen „Klienten“. Da kommen auch Leute, die sich ihre eigene Rechtsauslegung machen, und die sich durch sachliche Argumentationen, nicht überzeugen lassen wollen. Glücklicherweise sind derartige Besucher in der Minderzahl. Der Rechtsberater atmet auf, wenn gegen zwei Uhr der letzte Besucher abgefertigt ist, und er sich in Ruhe auf die Fälle des nächsten Tages vorbereiten kann . . . Julius Waller. Kumtabende in Dresden .. Dresden- Unsere Künstlerhilfsorganisation konnte die Reihe ihrer Veranstaltungen nicht erfolgreicher beschließen als mit. einem Auftreten von Dela Li p i n ska j a. Die beliebte Disease kam, sang und siegte auch diesmal wieder, mit Recht - jubelte: ihr der gutbesetzte Saal zu. Dabei waren es gerade die altbewährten „Nummern“ wie z. B. der Jackie Coogan, die aufs neue wieder zündeten, und die man auch in dem ' durch einige Neuheiten bereicherten Programm nicht missen mochte. Gern überhört man auch Mängel der Stimme, so unerhört packend, so ganz jaus der Fülle ihres persönlichen Empfindens heraus weiß diese Frau, die so sparsam in ihren Gesten' ist, um desto: intensiver durch Ton und Minenspiel zu wirken, selbst kleine Gewagtheiten durch den Charme ihres Vortrags zu veredeln. Ein Genuß für sich wieder, schon figürlich, ihre russische, den höchsten Maßstäben standhaltendc Dorfschöne. Die Lipinskaja, die in Valter Lajtai mit einem guten Klavierspieler bekannt machte, ist eine der besten Vertreterinnen jüdischer Kunst. Zu erwähnen ist noch der Kunstabend, äh dem Professor .Landsberger über das Schaffen unseres Altmeisters Max Liebermann sprach. Die Verwendung von Lichtbildern machte den Vortrag besonders für die Jugend wertvoll. Dem besonderen Charakter als jüdischer Kunstabend hätte von •Prof. Landsberger vielleicht dadurch Rechnung getragen werden können, daß er die verschiedenen biblischen Stoffe, so wie sie Liebermann geschaut und mit seinem Pinsel verlebendigt hat, einer näheren Betrachtung unterzog. reb. ... und in Frankfurt a. M. Frankfurt a. M. Die endgültige Konstituierung des Kulturbundes Rhein-Main, ist nunmehr erfolgt. Dem Vorstand gehören ■ maßgebende Persönlichkeiten der jüdischen Öffentlichkeit an. Den Vorsitz führt Sanitätsrat Dr. Ettlinger, die künstlerische Gesamtleitung liegt in Händen von H. W. S-tcin- . berg. Als Wichtigstes erscheint bisher die Gründung eines aus etwa 35 Musikern bestehenden Berufsorchesters, das namentlich in seinem Streichkörper über erstklassig!!" Kräfte verfügt. Das erste' Konzert findet bereits Ende Mai - statt, und zwar mit Werken von Händel (Concerto grosso), i Mendelssohn (Violinkonzert) und Beethoven (1. Symphonie). Erwähnung verdient eine Weihestunde fn der (liberalen,;. Westendsynagoge, die ihre besondere Note durch Erstaufführung von Kompositionen einheimischer jüdischer Tonsetzer erhielt. Eine Rhapsodie für Violine und Orgel von Bernhard i Sekles verarbeitet in geistvoller Weise zwei jüdische Fest- . tagsweisen, wobei jedoch mehr der spielerische als der religiöse Gehalt der Melodien unterstrichen wird. Rosy Geiger- | K u 11 m a.n n läßt in ihrem „Lobgesang" für Baritonsolo, : Streichtrio und Orgel die schlichte Größe eines Gebetfextcs : in feierlich-erhabener Musik aüfklingen. In dem Orgelstück i „Variationen und Fuge über Kol nidre“ erweist sich Siegfried Würzburger als gewiegter Satzkünstler. Alte Sabbatgesänge (Semiraus) gewinnen in der geschickten Chorfassung * Frank Rothschilds, des verdienstvollen Leiters des Abends, neuen Reiz. Vorklassische Musik von Friedeinanii Bach, Rossi und Händel sowie .eine Hymne von Mendelssohn ergänzten das ^Programm. Unter den Mitwirkenden seien neben dem Chor und Jugendchor der Wcstendsvnagoge genannt: Hilde Ruhm (Berlin), Benno Ziegler, Hans Assen- \ heim, Theo Rafner, S. Würzburger und Erich Wolff. Rezij tationen von Edith Herrnstadt-Öttingen, die tiefen Eindruck : -hinterließen, trugen wesentlich zur Bereicherung der Veranstaltung bei. 1 ■ ■ - —rk. Jerusalem- Im weiteren Verlauf der Zeugenvernehmung im Arlosoroff-Mordprozeß wurde Subhi Zablawi vernommen, jener arabische Sträfling, der nach Adbul Medschids Behauptung den Vermittler zwischen diesem und Stavsky- Rosenblatt gemacht hat. Zablawi sagte aus, er habe Stavsky, Rosenblatt und Achi-Meir im Jaffaer Gefängnis getroffen. Später, im Jerusalemer Gefängnis, habe er mit Abdul Medschid über den Arlosoroff-Mord gesprochen und ihm 1000 Pfund für den Fall angeboten, daß er die Schuld aut sich nehme. Der Regierungsanwalt Musa el Alami fragte hier Zablawi: „Wer trug Ihnen auf, Abdul Medschid dieses Angebot zu machen?“ Zablawi erwiderte: „Ein jüdischer Sträfling namens Urphali, der im Zusammenhang mit den Unruhen im. Herbst 1929 wegen Tötung von zwei Arabern bei Tel Aviv verurteilt worden war, versprach, daß Abdul Medschid 1000 Pfund erhalten werde, falls er die Schuld am Arlosoroff- Mord auf sich nähme, und daß ich aus der Haft kommenwerde.“ . Zablawi wurde dann gefragt: „Was veränlaßte Sie, Abdul Medschid zu bewegen, daß er die Schuld auf sich nehmen sollte?“ Zablawi: „Daß mir versprochen wurde, man werde, falls Abdul Medschid ein Geständnis ablegt, ihm 1000 Pfund und mir 500 Pfund geben; die 500 Pfund brauchte ich als Entschädigungssumme in der Sache, um derentwillen ich verurteilt worden war.“ Wird die Polizei überzeugt sein? Subhi Zablawi erzählte weiter, die Verhandlungen zwischen ihm und Medschid seien im Gefängnis zu Jaffa fest abgeschlossen worden. Der Zeuge fuhr fort: „Abdul Medschid erzählte mir, daß er mehrmals mit Stavsky und Rosenblatt gesprochen habe. Am nächsten Morgen sagte er mir, die angeklagten Juden hätten ihm ein Angebot gemacht, daß er die Schuldauf sich nehmen solle. Wir begannen über den Fall Arlosoroff zu sprechen, und Medschid sagte' mir, Stavsky und Rosenblatt hätten ihm berichtet, Arlosoroff sei" um 9 Uhr abends in Tel Aviv eingetroffen. Medschid sagte, er werde aussagen, er und Derwisch seien gegen zelbn. Uhr abends nach Tel Aviv gegangen. Am 'Strande hätten sie Dr. Arlosoroff und seine Frau getroffen und seien ihnen bis zur Holzbaracke nachgefolgt. Dort hätten sie sich zum Aus-, ruhen hingesetzt, während Arlosoroff -und Sima an der anderen Seite der Baracke saßen“. Dann standen, fuhr Zablawi fort, Medschid und Issa auf, gingen an jenen vorbei und sahen sie sich an. Arlosoroff und Sima standen nun auf, um zurückzukehren. Medschid und Derwisch folgen ihnen. Einer leuchtete mit der Taschenlampe, der 'andere zog den Revolver. Der mit der Taschenlampe fragte: Wie spät ist es? Der andere bemerkte, wie Arlosoroff die Hand nach dem Revolver ausstreckte, deshalb feuerte er, woraufhin beide, Medschid und Derwisch, davonrannten. Sie kehrten über den Weg Friedhof nach Jaffa zurück. Ich habe es ihnen beigebracht, daß sie diesen Weg als ihre Fluchtlinie angeben sollen. Medschid sprach zu mir auch von den Projektilen. Ich sagte ihm: Alles, was Du sagst, wird die Polizei nicht davon überzeugen, daß Du wirklich der Täter bist. Medschid erwiderte, er sei in der Lage, bei einer Konfrontation mit Sima die genaue Stellung aller vier Personen an der Mordstelle zu demonstrieren. Medschid bat mich, ich möge die Polizei über unsere Unterhaltung informieren. Ich erwiderte ihm, ich würde die Polizei nicht informieren, bevor ich nicht seinen Bruder Hamid gesehen habe. Wir jgingen zu Hamid in die Zelle, ich sprach mit Hamid und berichtete dann über alles dem Gefängnisverwalter, der mich zu Hauptmann Rice schickte, vor dem ich alles wiederholte. Ins Gefängnis zurück-' gekehrt sagte ich Medschid, ich hätte Rice über alles in Kenntnis gesetzt. Medschid erwiderte, er sei zur Aussage bereit. Am nächsten Tage wurde ich im Büro von Rice Medschid gegenübergestellt, der mich lächelnd ansah. Ich sagte ihm: Fürchte Dich nicht. Erzähle weiter! .Daraufhin wurde ich ins Gefängnis zurückgeschickt. Subhi Zablawi im Kreuzverhör Jetzt nahm der Verteidiger Samuel den Zeugen Subhi Zablawi ins Kreuzverhör. „Erinnern Sie sich, fragte er ihn, daß Medschid von einem „Bedeutenden jüdischen Doktor“ sprach?“ Zablawi: „Ja.“ Verteidiger: „Sagte Ihnen nicht Medschid, daß, .wenn Issa Derwisch die Teilnahme am Lutfi-Mord leugnet, noch ein anderer Mord da "ist, den die beiden begingen?“ Zablawi: „Ja.“ Verteidiger: „Fragten Sie Medschid, welcher zweite Mord gemeint ist?“ Zablawi: „Dies ist in dem Protokoll meiner Aussage verzeichnet.“ Rechtsanwalt Samuel verliest nun Subhis Aussage: „Medschid gab zuerst nicht an, Lutfi ermordet zu haben, weil er hoffte, daß dieser Mord, wie ein ähnlicher früherer Mord, unaufgeklärt bleiben wird.“ Verteidiger: „Wer versprach Ihnen die 5U0--Pfund?“ Subhi Zablawi: „Urphali hat Personen beauftragt, eine Kaution für mich zu stellen.“ Richter Corrie verlas aus dem Polizeiprotokoll über Subhis Vernehmung folgende Stelle: „Medschid sagte mir, daß sein jetziges Verbrechen ebenso unaufgeklärt, bleiben wird, wie ein früheres.“ Subhi erklärte nun vor Gericht: „Ja, Me’dschid sa.gte mir diese Worte im Gefängnis.“ Rechtsanwalt Samuel: „Sagte er Ihnen, daß der frühere Mord in Tel Aviv begangen wurde?“ Als Antwort verliest Corrie die bezügliche Stelle aus Subhis Aussage vor der Polizei: „Medschid sagte mir, es war der Arlosoroff-Mord.“ Zu Corrie gewandt, sagt nun Subhi: „Es stimmt, ich habe so vor der Polizei ausgesagt, jedoch habe ich später -die Aussage widerrufen.“ Von Samuel ins Kreuzverhör gezogen, wiederholte Subhi die Schilderung Medschids, wie er, Medschid, über den Mord aussagen werde, und fügte hinzu: „Medschid sagte noch, er und Issa haben, als sie Arlosoroff und Sima zur Baracke folgten, Sima sagen hören, sie fürchte sich, sie sollten nun . zurückkehren. Medschid und Issa folgten ihnen weiter. Medschid leuchtete und Issa feuerte.“ Rechtsanwalt Samuel: „Versuchte der jüdische Mann, Issa den Revolver zu entreißen?“ Subhi: „Ja.“ Samuel: „War es Issa, der feuerte?“ Subhi: „Ja. Die Frau schrie auf, und der Mann fiel hin.“ Samuel: „Sagte Ihnen Medschid, daß er nach Transjordanien zu fliehen gedachte?“ Subhi: „Ja. Ich habe der Polizei auch erzählt, daß Medschid mir sagte, er wolle den Arlosoroff-Mord gestehen . und auch, daß Issa mit einer Nickel-Roß-Waffe geschossen habe.“ Samuel: „Erinnern Sie sich, gesagt zu haben, daß Medschid nicht nach Transjordanien floh, weil er hörte, daß ein Jude als des Mordes verdächtigt verhaftet wurde?“ Subhi: „Ja.“ . Richter Corrie: „Sie sagten aus, Sie sollten 500 Pfund bekommen,' wenn Medschid gesteht.“ Subhi: „So ist es.“ Corrie: „Was sollten Sie vor Erhalt dieser Summe tun?“, Subhi: „Ich sollte Medschid dahin beeinflußen, den- Mord an Arlosoroff zu gestehen, und darüber auch der Polizei berichten.“ Abdul Medschids Bruder als Zeuge In der nächsten Verhandlung wurde'Abdul Hamid, der Bruder Abdul Medschids, gegen dessen Vorladung als Zeuge der Verteidiger vergeblich Einspruch erhoben hatte, vernommen. Er sagte aus, er habe sich in derselben Zelle wie Abdul Medschid befunden und gesehen, daß Stavsky und Rosenblätt zwei- oder dreimal an-einem Tage mit Medschid sprachen, doch habe er nicht verstanden, was gesprochen wurde, da er nicht Hebräisch könne. Später habe ihm'Abdul Müdschid gesagt, Urphali habe mit ihm unterhandelt, um ihn zu bewegen, sich als Schuldigen Dr. Arlosordffs zu bezeichnen. Nunmenr versuchte der Verteidiger aus 'dem 'Zeugen herauszubekommen, daß Abdul Medschid sich mit ihm beraten habe, und daß Abdul Hamid seinem Bruder zugeredet habe, den Mord an Dr.. Arlosoroff einzugestehen. 'Abdul Hamicf gab auf diese Frage zu, daß Abdul Medschid ihm anvertraut habe, er sei bereit, ein Geständnis abzulegen;'dagegen stellte es der ‘Zeuge in Abrede, 'däß er seinem Bruder in dieser Angelegenheit irgend einen Rat erteilt habe. Das Protokoll des Hanptmanns Rice Dann s'tand Hauptmann R i c e, der'Leiter des ‘Kriminalbüros der Palästina-Polizei, als Zeuge vor Gericht. Bevor er seine Aussagen machte, wurde Abdul Hamid nochmals von den Richtern Valero und Piunkett einem Kreuzverhör unterzogen. Er erklärte, er glaube nicht,'daß Abdul Medschid und ‘Issa den jüdischen Doktor getötet' haben. Hauptmann Rice verlas zunächst das Protokoll, das er wenige Stunden nach _der Ermordung Dr. Arlosordffs, um zwei Uhr morgens, mit Frau Arlosoroff aufgenommen hatte. Dieses Protokoll stimmt mit der Aussage Frau Arlosoroffs vor Gericht vollkommen überein, mir der Bericht über den Verlauf der Mordszene enthält in dem Protokoll noch ein weiteres Detail. Danach hat Dr. Arlosoroff, als seine Gattin rief „Juden haben auf ihn geschossen!“ in deutscher Sprache zu ihr .gesagt: „Nein, Sima, nein.“ Weiter bekundete Häuptmann Rice, daß er an dem gleichen Sonn- . abend um ,9 Uhr abends Frau Arlosoroff zehn verschiedene Photographien voriegte. Frau 'Arlosoroff habe sofort das Bild Stavskys. als das des einen'der Attentäter bezeichnet. Auf seine Aufforderung, s'ie möge noch andere Photographien aussuflien, von denen sie glaube, ‘daß die dargestellten Personen einem der Angreifer ‘ähnlich sehen, habe Frau Arlosoroff die Bilder 10 Minuten lang betrachtet, . ohne ein weiteres aussondern zu können. 'Am Montag sei Stavsky ausfindig gemacht und verhaftet worden. „Abdul Medschid ist nicht der Mörder“ Hauptmann Rice schilderte dann, daß er am Montag nachmittag nach dem Mord im Jaffaer Gefängnis 16 Juden und Araber vor Frau Arlosoroff antreten ließ. Ais diese an Stavsky herankam, sei sie in Ohnmacht gefallen. Die zweite Identifizierungs-Vorführung habe im Gefängnishof stattgefunden. Diesmal seien die 16 Gefangenen an Frau Arlosoroff vorbeigegangen, die erklärt habe, sie erkenne Stavsky, an der. Gangart als einen der Täter. Später wurden einige der 16 Vorgeführten,in ein Zimmer gebracht, wo Frau Arlosoroff Stavsky aufforderte, die Worte „Kama Haschaah“ auszusprechen. Als Stavsky diese Worte sprach, habe sie zu Hauptmann Rice gesagt: „Haben Sie bemerkt, wie er seine Stimme verstellt hat?“ Im Verlauf seiner weiteren Aussagen teilte Rice mit, daß Frau Arlosoroff am 29. Juli in seinem Büro Rosen b lat t, der unrasiert gewesen sei, getroffen habe. Nachdem sie ihn einige Minuten angesehen hatte, erklärte sie, ihn mit Sicherheit erkannt zu haben. Als später Abdul-,Medschid und Issa el Derwisch mit anderen Gefangenen Frau Arlosoroff vorgeführt wurden, erkannte diese keinen der Vorgeführten als einen der Täter. Als sie dann mit Abdul Medschid allein konfrontiert wurde und dieser vor ihr Einzelheiten des Mordes schilderte, habe Frau Arlosoroff nach Abführung des Häftlings zu Hauptmann Rice gesagt, Abdul Medschid sei nicht der Mörder. Achi-Meir freigelassen Der der Aufreizung und’ Anstiftung zum Mord an Dr. Arlosoroff angeklagte Führer der revisionistischen Jugend Palästinas, Abba Achi-Meir, wurde auf Beschluß des Geschworenengerichts freigelassen. Nachdem um 5 Uhr nachmittags die Vernehmung der . von der Anklagebehörde geführten Zeugen abgeschlossen worden war; entschied der Gerichtshof auf Grund eines Antrags des Verteidigers Horace Samuel, daß das gegen Achi- Meir vorliegende Beweis-materialunzureichend ist, und daß der Beschuldigte deshalb sofort freigelassen werden muß.. Daraufhin wurden Achi-Meir die Handschellen abgenommen und ihm die Erlaubnis zum Verlassen .des Geriehtsgebäudes gegeben. Die Freilassung "Achi-Meirs, die genau elf Monate nach der Ermordung Dr. Arlosordffs erfolgte, gestaltete sich zu einem dramatischen Augenblick. Achi-Meir trat aut Stavsky und Rosenblatt zu, umarmte und küßte sie und verabschiedete sich mit einem Händedruck vom Verteidiger. Stavskys Mutter fiel dem Freigesprochenen mit. einem hysterischen Aufschrei um den Hals. Mit Mühe gelang es, sie zu beruhigen. Zufälle. Das Verfahren gegen sie‘wird demnach fortgesetzt. In der darauftolgenden Verhandlung wurde 'Abraham Stavsky vernommen. Auf seinen Wunsch wurde er unter Eid verhört und machte deshalb seine Aussagen nicht von der Anklage-, sondern. von der Zeugenbank aus. Am Tage, an dem Dr. Arlosoroff ermordet wurde, sei er um 6 Uhr mor-, gens nach Jerusalem gefahren, um seine Visum-Angelegenheiten zu regeln, da er nach Polen zurückfahren wollte. Das Rückreisevisum sei ihm jedoch verweigert worden. Stavsky schilderte hierauf, wie er jede Stunde seines Aufenthalts'in Jerusalem verbrachte. Am Nachmittag habe er ein Bett im Turgeman-Hotel bestellt, sei kurz nach 8 Uhr abends zu Bett gegangen und wenige Minuten später eingeschlafen. Wdmersdorf'; Ldtung^IeVAnzefgenaMeiL^^'dena^h\C|^d^eitr„^ln'"n!.^0rti‘ S; ft," ff"?!6" Inbalt: D r_E V n T a" " en.bau *?}. B"Iin‘ infolge besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückerstattung der entsprechenden Bezugsgebühren!

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