Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 41 (22.5.1934)
- Date
- 1934-05-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Zwei Nachrufe auf jüdische Persönlichkeiten Albert Silberberg Ein Gedenkblatt von Hermann Falkenberg Ach, sie habeil einen guten Mann begraben! Und mir war er mehr! : (Claudius.) Mit Albert Silberberg ist ein Mann dahingegangen, dessen Tätigkeit von weitreichender Bedeutung für die handwerkliche, insbesondere gärtnerische und landwirtschaftliche Erziehung der jüdischen Jugend war,, ein liebenswerter Mensch, für den Freunde und Berufsgenossen warme Zuneigung empfanden, ein Erzieher, dem die Herzen seiner zahlreichen Zöglinge impulsiv, zuflogen, und dem sie in Liebe anhingen, auch wenn sie längst seiner Erzieherhand entwachsen waren. Mehr als drei Jahrzehnte leitete Albert Silberberg die Israelitische.Gartenbauschule in Ahlem, und mit seinem Wirken ist die Entwicklung dieser Anstalt fast von ihrem Entstehen an verknüpft. Er stand noch in ganz jugendlichem Alter, als ihm der Gründer der Anstalt, der schon lange dahingegangene Konsul Simon, die Leitung anvertraute. 'Als Schüler Michael Holzmans hatte er in der Berliner Lehrerbildungsanstalt den Geist Pestalozzis erfassen gelernt, im „Erziehungshaus Pankow“ (dem jetzigen II. Waisenhaus der Jüdischen Gemeinde Berlin) hatte er sich die ersten pädagogischen Sporen verdient. In ihm' war pädagogischer Instinkt , und praktisches Geschick mit-idealer Auffassung des Erzieherberufes, der den. ganzen' Menschen fordert, aufs glücklichste vereint,- und dies sein harmonisches Wesen, sein warmes Herz, seine, lachenden'Augen ’ gewannen ihm ebenso die Zuneigung seiner Zöglinge und Mitarbeiter wie die Schätzung der Vorgesetzten und Behörden: Dabei war ihm Pedanterie und kleinliche Sorglichkeit gänzlich fremd, seinem unbesiegbaren Optimismus entsprach vielmehr eine gewisse unbeschwerte' Großzügigkeit, die zuweilen die Erfordernisse der Wirklichkeit übersah, so daß ihm Rückschläge aus den Fehlern dieser seiner Tugend nicht erspart blieben. Aber seine liebenswerte, gewinnende Art ließ diese Schwäche gern übersehen. Silberbergs Interesse blieb nicht in dem engen Kreis seiner Anstalt; er stand in der Welt, und er besaß die glückliche Gabe, die Anstalt mitten hineinzustellen in die Welt,' das Interesse der Menschen, wo sie auch lebten, wo sie gesinnungsmäßig standen, für das Gedeihen der Anstalt einzuspannen. Denn er hatte — gleich Simon — schon vor langen Jahren vorausgesehen, welche Bedeutung die Anstalt für die berufliche Zukunft der jüdischen Jugend in Deutschland wie in der Welt gewinnen tvürde. Was-die Israelitische Gartenbauanstalt in Ahlem in all den Jahrzehnten geschaffen und geleistet, das haben, ihre Zöglinge weit hinausgetragen in alle Welt, und überall wirken — in vielfach bedeutenden Stellen — Menschen, die ihre Ausbildung unter Siiberbergs Einfluß genossen haben. So ist ihm Erfolg und Anerkennung in reichem Maße zuteil geworden. Aber auch das Leid ist ihm nicht erspart geblieben. Das Schwerste traf ihn, als vor mehreren Jahren mitten in vollem Schaffen der' plötzliche Zusammenbruch : seiner Körperkraft ihn zwang, seine Lebensarbeit aufzugeben. Von diesem Schlag hat er sich körperlich und seelisch nicht mehr ganz erholt. Nun hat sein Heimgang ihn vor langem Siechtum ■ bewahrt. Mit der Ahlemer Anstalt bleibt sein Name unauflöslich verbunden, in den Herzen seiner Zöglinge lebt er fort als der treue Fürsorger ihrer Jugend, und seine Freunde bewahren dem Genossen, der mit seinem glücklichen Temperament säe oft genug aus dem Alltag des Lebens herausgerissen hat, ein warmes Gedenken. — „Und mir war er mehr!“ Znm Tode Justizrats Dr. Julius Jacobson Ein jüdischer Patrizier In Berlin ist vor kurzem der langjährige Kurator der weltbekannten, für das liberale deutsche Judentum so bedeutungsvollen Jacobsonschule zu Seesen a. H., Justizrat Dr. Julius Jacobson, im Alter von 77 Jahren nach kurzer Erkrankung verstorben und wurde liier an der Seite . seines berühmten Großvaters Jsrael Jacobson auf dem Schönhauser Friedhof in aller Stille ohne Ansprachen und olui.e Blumen — wie er es gewünscht hatte — beigesetzt. Sein letzter Wille kennzeichnet sein Wesen und seine Lebensarbeit. : Während des 120jährigen Bestehens der Anstalt gehörten vier Söhne und drei Enkel des Stifters dem Kuratorium an, unter denen eines der am längsten und am tatkräftigsten wirkenden Mitglieder der Verblichene svar. Er verwaltete dieses Ehrenamt 37 Jahre lang, von 1S85 bis zur Verstaatlichung der Schule, Trotz seiner vielseitigen Inanspruchnahme durch seinen Beruf als Anwalt widmete er sich, unter Einsetzung seiner ganzen Persönlichkeit der Förderung dieser im besten Sinne wohltätigen und gemeinnützigen Stiftung. Die glänzende Entwicklung, welche die Schule und das Internat im Laufe der Jahre seiner Amtstätigkeit genommen hat, war im wesentlichen sein Verdienst. Er hat für die Errichtung und Ausstattung schöner und zweckentsprechender Schulgebäude und für die Berufung von arbeitsfreudigen und für die tragende Idee des Jacobsonschen Erzichungswerkes begeisterten Direktoren und tüchtigen Lehrkräften gesorgt, so daß die Anstalt unter ihm die höchste Blüte erlangte. - Getreu dem menschenfreundlichen Grundsätze seines großen Vorfahren hat er die Freistellen im Schülerheim ohne Rücksicht auf Herkunft, und Glaubensbekenntnis an unbemittelte Bewerber vergeben. Für ihn war die Betreuung der. JacobSönschule Inhalt und eigentlicher Beruf seines Lebens. Groß [war daher seine Besorgnis, als durch die Not der Inflationszeit für sie die Gefahr des Zusammenbruchs drohte. Mit aller Entschiedenheit wehrte er sich gegen den Gedanken, ihre Selbständigkeit durch deren Abtretung an den braunschweigischen Staat aufzugeben. Aber schließlich mußte er sich in das Unvermeidliche fügen, da er einsah, daß die Erhaltung des schönen Erbgutes seines Großvaters Israel Jacobson in der alten Form für die Dauer nicht möglich war. Wehmütig schied er am Tage der Auflassung,- am 1. April 1922 von der ihm so geliebten, altehrwürdigen Jacobsonstiftung und überließ die Verwaltung des kleinen Überrestes seinem jüngeren Bruder, dem Bankherm August Jacobson zu . Hamburg. .Justizrat Dr. Julius Jacobson war ein Mann von opferbereiter Treue für die große deutsch-jüdische Vergangenheit allgemeiner .Menschenliebe, ein Mann von bestem Wollen, klarer Einsicht und anspruchloser Schlichtheit, abhold allen Dankes- und Ehrenbezeugungen für seine Person. Er tat das Gute -um des Guten willen — ein jüdischer Patrizier. Oberstudiendirektor i. R. Prof. Dr. Friedland. ' Das „Tagesheim Risch Grunewald“ der Selbsthilfeorganisation des Reichsverbands israelitischer Schwerhöriger E. V.,. Höhmannstraße 8, ist für Schwerhörige und Angehörige täglich ab 8 Uhr geöffnet. (Gelegen-., heit zu Liegekuren, Spielzirkel usw., Kochgelegenheit.) Dor 582 lafjeen Am, 26. Mai 1352 erneuerte König Karl IV. dem Rat. von Nürnberg die Freiheit, wieder Juden ln die Stadt zuzulassen. Die Urkunde hat folgenden Wortlaut:. Wir, Karl, usw. erklären öffentlich durch diesen Brief allen, die ihn sehen oder lesen hören, daß wir nach rechter' Überlegung und nach dem Rate unserer Getreuen .zum Nutzen des . Reichs dem Schultheißen, dem -Rate und den Bürgern insgesamt zu Nürnberg befohlen haben und befehlen, mit Kraft dieses .Briefes, daß sie in ihrer Stadt Juden aitfr nehmen, schirmen und schützen sollen, unsert- und des Reiches wegen. Dagegen geloben wir kraft unserer königlichen Gnade dem Schultheiß, dem Rate, den Bürgern insgesamt und den Juden, zu Nürnberg, daß wir die jährlichen Zinsen utul Gefälle, die uns von den dortigen Juden zusteh'en, niemandem verschreiben, verpfänden oder zusprechen wollen, sondern sie bei unserer .und des Reiches Kammer behalten wollen. Haben wir. darüber bereits Briet erteilt, so sollen diese ohne Kraft sein. Zur Urkunde dessen versiegelt mit unscrin königlichen Siegel, gegeben zu Piirgleins (bei Nürnberg) im fahre 1352, am Pfingstabeiul,' im. sechsten Jahre unserer Reiche. Gottesdienste Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Frei« 5., abds. 7,15 Uhr. Predigt: Dr. Säuger. Sonnabend, 20. 5., vorm, lü Uhr. Lit.:*I)r. Sänger. — liberale Synagoge Osten, Kaisersfr. 30. Freitag, 25. 5., abds. 7.30 Uhr. Predigt: Dr. Heymami. -7 Liberale Synagoge Nordost, Prenzlauer Promenade 176. Freitag, 25.'5., abds. 7.15 Uhr. Predigt: Prasci- — Liberale Synagoge Westend, Kaiserdamm 78. Freitag, 25. 5., abds. 7.15 Uhr. Predigt: Graf: — Uberaie Synagoge Wedding-Reinickendorf, Scestr. 44. Freitag, 25.' 5., abds,. 7.30 Uhr. Predigt: Zimet. —: Jüdische Rcfo/mgemelnde. Freitag,25. 5., abds. b.3ü Uhr, Ehemaliges Logenhaus, Joaelnmsthaler Straße 13, Predigt: Dr; Ootfschalk; Sonntag, 27. 3., Vorm. 10.30Uhr, Johamiisstr. 16, Prcd.: Dr. Rosenthal. Am Mittwoch, 23. Mai, veranstaltetdie Jugendgenie in s ch af t der Jüdischen R e f or m g e in e i nde Abet,u Collegium musicum, Leitung Dr. Hermann Schildberger. Abends 8 Uhr bei Dr. Gottschalk, Nicbuhrstraße 75. Donnerstag, 24. Mai, Gemeinschaftsabcnd (Aussprache und Unterhaltung) bei Lotte Hanf, W 50, Rankestraße 14. Abends 8 Uhr. II Chemische Reinigung Erich Krause Kaiserallee 13'Ecke Meieroltostraße Wollkleid 2,50 bis 3,— Seidenkleid 3,50 bis 4,— •»Wuffgn ll> tm J 8 Oliva 8341 1 (Aufnahmetkzln diese Rubrik kostenlos.) Sanitälsrat Dr. Paul S a in t e r, Berlin, ein steter Vorkämpfer deutschen Judentums und treuer Anhänger des religiös-liberalen Gedankens, jahrelanges' Mitglied des Liberalen Vereins, feierte am 18. Mai seinen 70. Geburtstag. In Breslau fand die Verlobung von Herrn .Richard Pacyna und Frau Anny, geh. Silbcnnann, statt. In Oberhausen im Rheinland verlobten sich Fräulein Ilse Engel und Herr Kurt O p p en h eim e r aus Bussum in Holland. Die Barmizwah ihres Sohnes Günther geben Herr Moritz Rosen mann und Frau Hedwig, geh. Levy, in Münchenbekannt, ' - In Neutrcbhin fand die Barmizwah von Gerhard, dem Sohn des Herrn Arno Weinberg und Frau Hanni, geh. Oppenheimer, statt. In Detmold feierte. Herr Prediger Rttlf die Barmizwah seines Sohnes Erich. IDer Frisettr im BismarckSaus I fiir die Dame, den Herrn, das Kind I Salon AM frsMo Spex. Kosmetik.. Pediküre, Massage. I Indh'id. Bedienung, kostenL Beratung ■ Tischlerei R. Flint W- 30, Eisenacherstr. 1 OTTOKENKEL Tiuhlerei u. 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