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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-05-22 · 41 (22.5.1934) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
41 (22.5.1934)
Date
1934-05-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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14. Jahrgang Nummer 41 libetale 5citung Beilage 22. Mal 1934 Fünf Kleinigkeiten und ein Geburtstag Übrigens ... „Während der Sommer- ”Es 1,at silh vkles gewandelt." ._ _ ... . -Diesen Satz haben wir im vermonate geschlossen . . , . _r, “ gangciicn Jahr des öfteren — mehr oder weniger tiefsinnig -• ausgesprochen. — Doch jel/t will ich ihn in einem anderen Sinn gebrauchen. I:s hat sieh vieles gewandelt: die Tage werden länger, die Sonne steht hell und leuchtend am Himmel; eine andere' Jahreszeit ist' gekoi.eil. Ls ist nur zu verständlich, dal! es uns jetzt hiuauszieht, in die Natur, ins ITeie. Das will auch sagen: wir haben die Lust verloren,'Vorträgen, Referaten und Debatten zu lauschen I Die Arbeitsgemeinschaften und tiefgründigen Betrachtungen werden in eine geistige Ubcrsouuucruiigsschachtcl gepackt; im Herbst kann mail sie daun wieder hervorholeu ... Die Säle werden leerer, immer kleiner die Schar der Zuhörer.' ■Das Interesse ist erlalunt. Ist das so unverständlich? War es nicht schon immer so,, dall die lliilmcu au ihrem Liugang ein Schild aufhäuglen: „Während der Sommermonate geschlossen!“ Warum beachten wir dies heule und stellen cs in den Mittelpunkt? Weil es eine U e f a h r in. sich birgt! Weil cs manchmal fast scheinen will, als hätten wir auch unser Judentum in eine solche Dbersominerungsschachtcl gepackt, als warteten wir bis zum nächsten Herbst, es 'wieder liervorzuliolen! Das darf-nicht sein! Wir beweisen unsere geistige Gläubigkeit nicht damit, dall. wir den Winter über uns'diesem Judentum nähern, uns geistig schulen und uns seine Urkräfte füllten lassen. Es darf keine Sache der Saison werden! ■ Es darf keine Angelegenheit einiger Monate sein -. . . Gewiß, es ist wahr, daß wir uns unseres Judentums bewußter geworden, — erkenntnisreicher geworden sind. Dennoch ist die Gefahr der Oberflächlichkeit heute größer denn je. Viel größer .. . . E. Ma. war ein Appell au die unverwüstliche Lebenskraft unserer Gemeinschaft, wie mau ihn sich eindringlicher und kraftvoller nicht vorstellen kann. Nicht nur die. Prominenz, auch der Nachwuchs kam zu seinem Hecht. Hier fielen besonders lues Elken (die „beste Leistung“ des konferierenden Papa Elken) durch ilire schöne Musikalität und Hcdi Haas durch den natürlichen Charme ihrer Ghausonvorträge auf. Man sollte in Zukunft den Jungen mich mehr als bisher Gelegenheit geben, im Halimen derartiger Veranstaltungen ihr Können zu zeigen. ~or. Sdiönberg — Bruch — Beethoven Im Programmheft des Konzerts, das der KuHiirhtmd Deutscher Juden veranstaltet hatte, lesen wir: „Iler' spätere Schöuherg . . . wird /u jenen Luxus-Lrsdieimmgen der Kunst, die nur noch von wenigen tiingeweiliteii verstanden um! empfangen werden kann.“ < aalten heethuveu, Makler und Heger — um hier nur Liinige ni nennen — fiir ihre Zeitgenossen nicht auch (zuerst) als „Luxns-Drscheinnngen der Kunst“? .Und wie wurde die „Verklärte Nacht“ von Schon* herg seinerzeit -• hei ihrer Uraufführung vor 25 Jahren von den Zeitgenossen empfangen? Ls gnh Skandals/eueu . . . Und heute jubelt das Publikum der Konzerte diesem herrlichen Werk der Komautik in ihrer höchsten Konzentration. - ja 'sogar Übersteigerung /u! Doch die Hesucher unserer Konzerte iilnTscImUeteu das Orchester und seinen Leiter Josef It u s e n stack mit Beifall für die hervorragende Aufuihruug dieses fur uns nicht mehr prohlematiscneu — wundervollen lieüichtes tut Streichsextett (b/\v. Orchester), lind bewunderte inan den Wohlklang Und die Durchsichtigkeit des Orehesterspiels im Schönhergschen Werk, so war das Publikum von der sprudelnden Khythmik der beglückenden „Siebenten“ von Iteethoven völlig hingerissen. ln der Solistin des Abends, llcrlhu K a h u , haben wir eine Oeigeriu kennen gelernt, die mit vollendeter IVthiiik und weichem schönen Ion das bekannte Vmlm-k.m/ori •ü-moll vou Max Bruch sehr musikalisch vnrtrug: Auch da. viel Beifall. L. B. /\ ÖElax ßroö: nur eine t(i Um oüi paau ÖucQjtaban Der Präger Dichter Max Br ad wird am 27. Mai 50 Jahre alt. Während ihm in früheren Jahren das Judentum der vielen Erscheinungsformen des Lettens war, hat er sich später in seinem dichterischen Sehalten ganz dem'Zionismus zugewandt. Schon zu der Zeit, da er im Staatsdienst tätig wtn’^den er /V2-, verließe hat er indische Problematik in seinen Werkin behandelt; so in seinen frühen Romanen „Art Jüdinnen", in dem Drama „Eine Königin Estherin dem es sich um eine Svmbolisieruna des tlibei und pnblizislist'hcu * “24 als Sekiionsrat Arnold Heer' und - Bibetstoffes handelt. Rabbi Low zeigt, iWe Tycho Br alle das Ahasver-Schicksal des Tatmudvolkes in steh fühlt. Stoße JJcutAcitc itöer da& Judentum Wenn irgendein Volk nicht geeignet war, eine erobernde Macht .zu bilden, so waren es die Juden. - Das Stammesgefühl war der Kern ihres Staates. Im Namen Jehovas, der keine anderen Götter neben sich duldete, ließen sich Völker, welche solche anbeten, nicht wohl beherrschen, und ein starkes Königstum , lief den Gewohnheiten der Stämme überhaupt entgegen. Gewöhnt an ein friedliches Regiment,. wie denn die Herrschaft der Richter immer sogleich nach erfochtenem Siege zurückgetreten war, empfanden sie. die Staatsveränderung, die in der permanenten Autorität eines Königs lag, als eine überaus drückende. Nicht dazu hatten sie sich einen König erbeten, um -fremde Völker zu überwältigen, sondern nur um sich zu verteidigen und dann einen gerechten Richter in ihren eigenen Streithändeln.über sich zu haben. Leopold von Ranke Aus; Weltgeschichte Bit. I Zwei Antworten ben Akibas „Was ist das Kennzeichen des vollendeten Menschen?“, wurde ben Akiba gefragt. Er antwortete: „Nicht das Wissen, nicht die Gelehrsamkeit zeichnen den vollendeten Menschen aus, sondern die Demut und Schicksalsergebenlieit. Gerät er in einen Zustand, der ihm Mißbehagen und Pein verursacht, so beklagt er sieb nicht, sondern versucht, seine Lage 211 deuten. Indem er dies tut, lernt er die Fingerzeige Gottes verstehen und ihnenfolgen.“ . Ein andermal wurde ben Akiba von einem Ehrgeizigen gefragt, was eigentlich die Bestimmung des Menschen wäre, ben Akiba deutete auf einen Obstbaum, der in der Nähe stand, und sagte: „Die Bestimmung dieses Baumes ist es, Früchte zu tragen, die des Menschen, weise und gut zu werden. Wenn der Mensch weise und gut wird, fallen ihm die Früchte seiner Wesenheit von selber in den Schoß. Wenn er aber krampfhaft darauf sinnt, wie er etwas Großes und Bedeutendes werden könne, vergißt er seine natürlichsten Pflichten Gott und den Menschen gegenüber und. gleicht so einem Obstbauine, der Früchte tragen will, ohne geblüht zu haben.“ Herbert Connor. Tyclvos Aufmerksamkeit wurde in diesem Augenblick höchsten Zornes von drei-sonderbaren Gestalten ergriflen, die aus den inneren Empfangsräumen des Kaisers Kamen. Es waren Juden, wie man an inren schlichten langen Kleidern und den gelbenbreitkrempigen Hüten erkannte: der Kabbi Löwben BezaleL nebst zwei Begleitern, dem soeben die unerhörte Auszeichnung widerfahren war, vor den Kaiser berufen, zu werden. Tycho, der schon bei seinem erstcn Auienthalt in Prag unbefangen genug gewesen war, den gelehrten Rabbiner der Prager Gemeinde in seiuer Wohnung aulzusuchen, besann sich auch hier keinen Augenblick, dem schnell' dahiiisclireilenden Greis, der sich offenbar der plötzlichen Stille und der deutlichen Verachtung aller ■ Anwesenden mög- Hochgeachtetc seines Volkes,.seiner Familie und sich mutvoll uett lou.“ ■ hörte Tycho zu. Und' nun' erschien Lim wirklich das- Volk der Juden heimatlos und flüchtig wie er* Biets -angeleiudet wie er, in seiner Lehre mißverstanden wie er, und dennoch' an ihr ' testhaltend, ausgeraubt und verwundet wie er, dieses Volk der Mißerioige, törmlich als ein Symbol seines eigenen Lebenswandels, t» fiel ihm «in, daß er sich scholl früher einmal mit Ahasverus, dem ewigen Juden, verglichen hatte. Heute aber mußte sieh das Rätsel lösen, das lülilte er, von diesem Kabbi halte er „Auskunft über die Wurzel seines Schicksals zu erbitten, über den Gr und all seiner verfehlten . Unternehmungen, über alle Kränkungen, liehst rasch zu entziehen suchte, freundlich entgegenzugehen, Beleidigungen, Gefahren innen und außen, die er seiner Lenre. ihm -die Hand zu reichen und ihn zu allgemeinem Erstaunen wegen erlitt,, und heftig rief er aus: „Nun sagt mir abcE" in die Vorhalle zu begleiten, indem er sprach: „Ich hoffe, daß wie ist es möglich, so viel Leid zu erdulden? Wie ist es Ihr bei der Majestät des Kaisers Gnade gefunden habt und möglich, dies alles auszuhalten? Und all dies um ein Nichts, beglückwünsche Euch dazu." Der Rabbi schaute uin sich und atmete auf, da er die Höflinge nicht mehr sah. Die fleckige Röte seiner Wangen verriet, daß er eben eine bedeutungsvolle Stunde hinter sich hatte, und wie es großen Männern ziemt, bemühte er sich auch gar nicht, seine Aufregung zu verbergen, so daß sein langer weißer Bart und die braunen Augen mit ihrer stillen Würde zu seiner hastigen Stimme gar nicht passen wollten. Er erzählte, daß ihn Fürst Bertier, der Vertraute des Kaisers, sehr freundlich empfangen und in einen Saal geführt habe, wo er ilm mit auffallend lauter Stimme nach gewissen kabbalistischen Methoden fragte. Die laute. Stimme habe auch einen guten Grund gehabt, denn der Kaiser sei hinter einem Vorhang Verbürgen gewesen und habe die ganze Unterredung angehört. Zum Schluß habe sich dann der Vorhang überraschend geteilt, der Kaiser sei hervorgetreten, haue von Angesicht zu Angesicht einige Fragen an ihn gerichtet uiid •sich dann wieder hinter den Vorhang zurückgezogen. „Und-das war alles?“ sagte Tycho und konnte sich eines Lächelns nicht enthalten. Der Rabbi erwiderte das Lächeln mit einein traurigen Kopfnicken: „Ich verstehe Euch wohl, Herr de Brahe, wir brauchen darüber nicht viele Worte zu wechseln. Euch scheint es eine kleine Gunst. Ich aber dankedem Ewigen, gepriesen sei er, daß zum erstenmal seit .Jahrhunderten ein Mächtiger der Erde sich herbeiläßt, unsere Lehre zu erforschen. Möge hierdurch mein bedrücktes Volk erhöht werden, tim aller Menschen willen, wie geschrieben steht: das Wort um ein paar Buchstaben?“ „Es ist gar nicht die Frage, wie wir es aushaltcn," sprach der Alte mit weicher Stimme, die sich wänrend des Gespräches mehr und mehr besänftigt hatte, f,wir haben eine. Lehre: Gott ist nicht um des Gerechten willen da, um inm zu dienen und ihn zu stützen, sondern der Gerechte ist da, um Gott zu dienen und um Ihn zu stützen.“ „Steht,das wirklich in Euren Büchern?“ riet Tyclio, in sei neu-gell ei nisten Ahnungen .angerührt. . „An vielen Stellen. So ist uns im Trsklat Berachoth überliefert, daß der Hohepriester einmal in das- Innerste des Innern eintrat, um Räucherwerk darzubringen, da sah er den Ewigen, gepriesen sei er, auf einem hohen-Stuhle sitzend, geschmückt mit seinem Namen „Akatriel“, das ist: „Der in Unendlichkeit Gekrönte“, und der Ewige sprach: jischmael, mein Sohn, segne mich! Und als der Priester ihn zu Ende gesegnet hatte, da neigte Gott, der Herr der Meerschaum; das Haupt gegen ihn. Hieraus. lernen wir zweierlei: daß der Herr den Tempel gewürdigt hat, sich in ihm niederzulassen, und daß er den gerechten Menschen sogar würdigt, ihm, dem Heiligen, die Wohltat eines Segens anzutun“. Ranbi Löw war eifrig geworden und dabei, in jene seltsam singende Betonung der Sätze gekommen, mit welcher der Talmud vorgetragen wird. Er hatte, wie in Verzückung, die Augen halb geschlossen, und wiegte den Oberkörper in langsamen Rhythmen hin und her. Sein Antlitz drückte zugleich Inbrunst des Gefühls wie Scharfsinn der Unterscheidung aus, welch .let/tvte ■aber keine leere Spitzfindigkeit, sondern freudige Sorgfalt des Herrn wird wieder von Zion ausgehen und die Lehre von war, der Erhabenheit des Gegenstandes angemessen. So war 30 Künstler zeigen ihre beste Leistung Die Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde rief — und alle, alle kamen. Weit über tausend Personen waren im Obersaal des Cafe Leon versammelt, um über den Darbietungen der prominentesten jüdischen Kabarettisten die Sorgen des Alltags zu vergessen. Dreißig Künstler zeigten „ihre beste Leistung“, darunter Camilla S p i r a, Joseph Plaut, Willy P ra g e r und Eugen T r a n s k y. Die beste Leistung Pragers — was sollte es anderes sein als das nun schon fast Legende gewordene Rothschild-Lied. Transky sang mit seiner ganz und gar nicht kabaretthaften, ausgeglichenen Konzertstimme einen Schlager von Harry Hauptmann, der; vor nicht allzu langer Zeit noch von der Ufa mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden war. Der Clou des Abends aber wohl die urwüchsige, von heiterstem Frohsinn beseelte Camilla Spira, die unvergessene Wirtin des „Weißen Jtößl“. Was sie an diesem Abend bot — das ging weit über den Rahmen bloßer Unterhaltung hinaus, das Jerusalem.“ Tycho betrachtete erstaunt den Mann, dein das Volk den ehrenden Beinamen des „Bescheidenen“, aber auch des „liolieii Rabbi Löw“ gegeben hatte. Er verstand nun diese Verbindung, und da er in seiner aufgerüttelten Seele alles mit sich in Bezug zu setzen neigte, sah er plötzlich in diesem Juden ein edles Beispiel der Festigkeit und des Stolzes bei äußerer Erniedrigung. Mit welcher Natürlichkeit nahm der Kabbi für seine gering geschätzte Nation gar ein Lehramt vor der ganzen Menschheit in Anspruch! Dies nun tand Tycho freilich etwas übertrieben, doch hätte er gern mehr davon erfahren. Er bedauerte in diesem Augenblick wieder einmal, daß er so wenig von jüdischen Sitten und Denkwürdigkeiten wußte, obwohl er schon mehrmals mit Juden in Verkehr getreten war und sich stets für dieses seltsame Volk interessiert hatte. So nahm er die letzten Worte des Greises aut und fragte: „Bedrückt? Wer bedrückt denn Euer Volk so sehr?“* „Da mögt Ihr Euch freilich nicht leicht hineindenken liier im Dienst Gottes aus dumpfer Innigkeit und Bewußtheit, aus ebendenselben widerstrebenden Richtungen, die Tychon Seele zerrissen, eine lebendige Einheit geworden, die sich - unmittelbar auf Tycho übertrug und ihn als etwas Naheverwandtes schon dureli den bloßen Tonfall der Worte überzeugte: „Ist denn Gott nicht allmächtig?“ -zitterte Tycho. „Bedarf er unserer Hilfe, unseres Segensspruches?" Rabbi Löw fuhr fort: „Auf eben dieses weist' Rabbi Tarfoit hin, indem er die Worte der Schrift anführt: Bauet mir ein Heiligtum, und sodann will ich da wohnen. — Und sodann! Das heißt also: Nicht ehe das Heiligtum für meinen Dienst entstanden ist. Wei'm Ihr aber wollt, so sage ich: das, was Kabbi Tarfon sagt; ist mehr als das Vorige. Denn vom Hohepriester wurde nur ein einmaliger Segen verlangt, vom ganzen Volk aber die große Arbeit des Baues. — Woraus aber kann man eriehen, dall der Ewige, gepriesen sei er, unsere Hilfe nicht nur befiehlt, sondern auch klagt, wenn sie nicht geleistet wird? Wir haben die Lehre: Als Kabbi Josi einmal .auf Reisen war und in den Ruinen Jerusalems betete, L . » »4. . „a u. m O „ 4 t* tS 4 —* - - .. -.*z u 11 —- - E a .__ ■ - - .. —— .1 ...:_ können“, erwiderte Rabbi Löw. „Die Geschichte der Völker da hörte er ein Bath Kol, eine göttliche Stimme, girrend wie ritzt in ihre Tafeln unsere Prüfungen nicht hesnnHers tief ein. eine.Taube, und sie sprach: Bei deinem Leben und bei''dem Leben deines Hauptes! Nicht in dieser Stunde allein spricht ritzt in ihre Tafeln unsere Prüfungen nicht besonders tief ein, so werden sie denn leicht ausgelöscht. Wir aber können nicht vergessen, was unsere alte Gemeinde Prag, die man eine „Mutter in Israel“ nennt, erduldet hat. Wir lesen ja Jahr_ für Jahr am Versöhnungstag das Klagelied des gelehrten' Abigdor Kara, eines Vorgängers in meinem Amte — seine Verdienste mögen uns beistehen in dieser Welt und in der künftigen Welt! Und worüber klagt er? Darüber* daß der Pöbel in die judenstadt eindrang, mit Axt und Beil bewaffnet, als gelte es einen Wald zu fällen, wie es in dem Liede heißt. Und weiter heißt es: Die Bewohner fanden sich mit Familie und Gesinde im Gotteshause ein, und an heiliger Stätte fielen sie durch Schwert und Flamme. Es heißt auch noch: Wir bejammern den Tod des frommen Rabbi, seines Bruders und einzigen Sohnes", kein Weiser, kein Gelehrter ersteht wie er, mit ihm ging Würde und Glanz zu Grabe! Um zier sicheren Schändung zu entgehen, gab er, der geistige Lehrer, der es so, sondern . Tag für Tag dreimal spricht es so: Wohl dem Könige, den man preist in seinem Hause. Was aber bleibt ilem Vater, den seine Kinder verlassen haben?“ — Des Rabbi Augen weiteten sich und leuchteten bei diesen Worten in heiligem Weh auf, von Tränen erfüllt. — Beide Männer standen einander stumm gegenüber, sie fühlten miteinander. Endlich setzte der Rabbi noch hinzu, indem er umnerklich lächelte: „Verzeiht, es. war nicht nötig, vor Euch, einem Weisen, so viele Worte zu machen. Ich bin ein alter Mann und vergesse, was ich selbst einmal geschrieben habe: Die Weisheit aller Völker ist vom Ewigen, der' sie ihnen von seiner Allweisheit mitteilt.“ Tycho drückte ihm die Hand. Ein. Kammerdiener war an der Türe der Galerie erschienen, das Zeichen, daß er sich für die Audienz fertig machen solle. aisü

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