Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-05-18 · 40 (18.5.1934) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
40 (18.5.1934)
Date
1934-05-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2613366-2613519-2613555--4932-2616675
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Berlin, 18. Mai 1934 Uktar-tatar zi Berlin. Einzelnummer 20 Pt. Nr. 40 gfitde^[^tö^ubMrtumunbcdi2iö[en^Aau Bezugspreis: Monatlich 1,35 RM. zuzüglich Bestellgeld. Einzelnummer 0,20 RM. Abonnements werden bei allen Postämtern angenommen. — An-, zeigen nach Tarif. — Bei Nichterscheinen infolge Streiks oder höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückerstattung der entspre-: chenden Bezugsgebühren. 14. Jahrgang Herausgeber: Hanns Loewenstein Die „Jüdisch-liberale Zeitung“ erscheint zweimal wöchentlich* Dienstag und Freitag Dle~>Jüdisch-liberale Zeitung" erscheint' Dienstags und Freitags. — Redaktion, und Geschäftsstelle: Berlin-Charlottenburg 4, MommsenätraSe 40. — Fernruf: I 6 Bleibtreu Sammelnummer 1545. — Bankverbindung: Kreditverein für Handel und Oewerbe e. O. m. b. H., Berlin N 24. — Postscheckkonto: „Jüdisch-liberale - Zeitung", Berlin 22764. Bisher 80 Todesopfer Verheerende Naturkatastrophe in Tiberias Die verwüstete Stadt im Dunkel — Die Flucht der Bevölkerung Jerusalem. Innerhalb von 24 Stunden ist die biblische Stadt Tiberias von einer furchtbaren Unwetterkatastrophe heimgesucht worden, die nach den letzten Meldungen 80 Todesopfer gefordert hat. Die ungeheuren Regenmassen, die sich über die Stadt ergossen, hatten zur Folge^ daß die Straßen innerhalb kurzer Zeit völlig unter Wasser gesetzt waren. Zum großen Teil wurden in der Altstadt die Fundamente der Häuser unterwaschen, so daß Einsturzgefahr droht. Möbel, Wagen, Tiere und vor allem Kinder wurden von den reißenden Fluten fortgerissen. Der Wolkenbruch setzte mit solcher Gewalt'ein, daß die Bevölkerung vollkommen.überrascht wurde und kaum Vorkehrungen treffen konnte, sich in Sicherheit zu. bringen. Unter der Bevölkerung herrscht Panik, so daß die Behörden, die die Räumung der inneren Stadt anordneten, die Bewohner in die höher gelegenen Vorstädte abtransportierten. 1500 Soldaten sind aufgeboten worden, um mit starken Abteilungen der Polizei die Aufräumüngsarbeiten vorzunehmen. - Wie weiter aus Jerusalem gemeldet wird, sind der Naturkatastrophe Mohammedaner, Juden und Christen zum Opfer gefallen. Unter den tödlich Verunglückten befinden sich nach den bisherigen Feststellungen 11 Kinder. Zu dem sofon aufgenommenen Rettungswerk wurden neben Polizei und Militärabteihingen auch jüdische Kolonisten 'aus der* Umgebung von Tiberias mobilisiert. Die Rettungsabteilungen hatten nicht nur die Einwohner der überschwemmten Stadtteile und, soweit es ging, auch deren Habe in Sicherheit zu bringen, sondern mußten auch eine Anzahl von Häusern, deren Grundmauern unterwaschen waren, demolieren, um Unglücksfällen bei dem zu erwartenden Einsturz vorzubeugen. Die aus den überschwemmten Stadtteilen Geflüchteten wurden z. T. im Schweizer Hospital und im Rabbi Meir Bai Ness-Armenhaus außerordentlich groß. Wasser-' und Lichtleitung wurden beaußerordntlich groß. Wasser- und Lichtleitung wurden behördlich abgesperrt, so daß die grauenhaft verwüstete Stadt abends in tiefes Dunkel gehüllt war. dann wäre ich vergangen m meinem UM" Zum Fest der Offenbarung Von Rabbiner Dr. Norden, Elberfeld Wenn in unseren Gebeten das Schowuaus-Fest bezeichnet wird als das Fest, das wir feiern zur Erinnerung an die Zeit, da uns die Thora geschenkt wurde, so denken wir zunächst an die Thora im engeren Sinne des Wortes, an die fünf Bücher Mose. Ja, wir denken sogar an die Thora im allerengsten Sinne, nämlich an die zehn Bundes Worte, welche sieben Wochen nach der Befreiung aus der ägyptischen Knechtschaft am Berge Si na i verkündet wurden, und deren Verkündung uns am ersten Tage des Festes durch feierliche Verlesung in Erinnerung gerufen .wird. : Und in der Tat: besäßen wir nichts weiteres als die zehn Worte des Bundes, es wäre schon Grund genug für uns, ein Fest zu feiern aus Freude über ihren Besitz. Bilden doch die zehn Gebote die Grundlage aller menschlichen Gesittung; bilden sie doch die Grundlage aller Gemeinschaftsgesinnung. Die wuchtigen Verbote „Töte nicht, buhle nicht, stiehl nicht, lüge nicht, begehre nicht“, sie fordern, daß jede Selbstsucht, jeder Eigennutz bedingungslos zurückzutreten hat hinter dem Wohl der Allgemeinheit, eine Forderung, die gerade in unseren Tagen Es wird gemeldet: Nach einem soeben ergangenen Erlaß des Preußischen Unterrichtsministers sind künftig Bewerber und Bewerberinnen nichtarische r Abstammung zu den Prüfungen für die Aufnahme in Wohlfahrtsschulen, sozial-pädagogischen Seminaren usw. nicht mehr zugelassen. Ober die- Behandlung der Meldungen von nichtarischen Ausländem entscheidet der Minister. * In’ einem im Namen des Gesamtministcriums veröffentlichten Runderiaß des .Preußischen Finanzministers werden die reichsrechtlichen Bestimmungen für verheiratete weibliche Beamte auch auf die Beamtinnen und Lehrerinnen in den Ländern, Gemeinden und sonstigen Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts ausgedehnt. Weibliche Beamte, die nach dem 1. Juli 1933 mit e.inem Nichtarier die Ehe eingegangen sind oder künftig eingehen, werden entlassen. Eine Abfindung. wird nicht gewährt. * Wie aus New York gemeldet wird, hat das Gericht in Jersey City den zweiundsiebzigjährigen Charles B. LaCroix, der aus Deutschland eingeführte judenfeindliche Plakate an Schaufenstern anklebte, zu 90 Tagen Gefängnis verurteilt. * Vor dem Administrationsgericht in Königshütte hatte sich der Ingenieur Stanislaw Miancwski, der in einerSitzung der Polnischen Jung-Nationalisten die Mitglieder aufgefordert hatte, an tis eni it isch'e-Z w is'chen f alle hervorzurufen, zu verantworten. Er wurde zu 100 Zloty Geldstrafe oder fünf Tagen Haft verurteilt. Mehrere Mitangeklagte der. Organisation, die sich an den Ausschreitungen beteiligt haben, erhielten Geldstrafen von fünf bis zehn Zlotv. An der im Comodore-Hotel zu New York unter dem Vorsitz Felix M. Warburgs abgehaltenen Versammlung, mit mit der die amerikanische Hillskampagne für deutsche Juden eröffnet wurde, nahmen 2700 geladene Gäste teil. Der vom Völkerbund eingesetzte Oberkommissar für Auswandererfiirsorge James G. MacDonald hielt von Rom aus durchs Telefon eine Ansprache, in der er u. a. betonte, Amerika müsse al|e Anstrengungen machen, um die religiösen, philanthropischen und kulturellen Einrichtungen der Juden in Deutschland zu: unterstützen. Schwierig bleibe die Lage der Ausgewanderten m den an Deutschland angrenzenden Ländern. * Wie der Kopenhagener Ita-Vertreter erfährt, sei die dänische Regierung nicht abgeneigt, den bereits in Dänemark lebenden Auswanderern aus Deutschland dauerndes Aufenthalts recht zu gewähren, sofern Bcschäftigungsmöglichkeiten für sie vorhanden sind. Die dänische Regierung nimmt jedoch zunächst noch eine abwartende Haltung ein, in der Erwartung, daß andere Regierungen sich entschließen, an einer Stabilisierung der Lage mitzuarbeiten. * Wie aus Barcelona gemeldet wird, wurde auf einem jahrhundertealten Gutshof iq der Nähe der Stadt eine vollkommen erhaltene T h o r a r o 11 e aufgefunden, die noch aus der Zeit der spanischen Inquisition stammt. Sie war zusammen mit verschiedenen Lehr- und Gebetbüchern in einem etwa sechs Meter unter der Erde gelegenen Raum untergebracht, in dem die Juden ihren Gottesdienst abhielten. * Wie aus Paris gemeldet wird, ist der amerikanische Tonfilm „Das Haus Rothschild“, über dessen erfolgreiche Uraufführung in New York wir vor längerer Zeit berichteten, von der französischen Zensur verboten worden. Aut Einspruch der Herstellungsfirma wird jedoch der Film .noch einmal auf seine Zulassung geprüft werden. Wie aus Gröbzig gemeldet wird, wird das dortige anhaitische Heimatmuseum von der dortigen Jüdischen Kultusgemeinde die leer stehende Synagoge auf dreißig Jahre kostenlos zur Erweiterung des Museums erhalten. Nach Ablauf dieser Frist fallen Synagoge , und Friedhof kostenlos an die Stadt. wieder mit allem Nachdruck erhoben wird, die aber schon eine Errungenschaft ist aus uralten Tagen, aus jenen Tagen, da Israel soeben ein. freies, selbständiges Volk geworden war. ■ Dennoch bleiben wir nicht Stehen bei dem ällerengsten Sinn des Wortes Thora, auch nicht bei den fünf Büchern Mose, an die wir gemeinhin bei dem Wort Thora denken. Im weiteren Sinne des Wortes verstehen wir unter Thora das ganze Gedankengut unseres Judentums, wie es in dem biblischen und dem nachbiblischen Schrifttum niedergelegt ist. Greifen wir einmal aus dem fast unübersehbaren jüdisch-religiösen Schrifttum ein einziges Buch heraus, das Buch der Psalmen, das Buch, das gleich den zehn Geboten den Kreis des Judentums gesprengt hat und das zum religiösen Gesangbuch der Welt geworden ist. Als Lobgesänge, als Dankgesänge, als. Bittgesänge ertönen die Psalmen überall. „Ober die ganze Erde geht ihre Rede, und bis an das Ende des Weltalls dringen ihre Worte.“ ' In außerjüdischen Kreisen gibt es manche, die nicht wissen oder nicht-daran denken, auch manche, die wohl daran denken, aber es verschweigen, daß es jüdisches Gedankengut ist, das aus diesen— Liedern spricht, .jüdische Gottesfurcht, jüdische Sittlichkeit, jüdische Herzensreinheit, jüdischer Oesinnungsadel. Demgegenüber hat es aber auch' in, nichtjüdischen Kreisen, niemals an Stimmen gefehlt,' die die Psalmen als jüdische Leistung gebührend anerkannt haben, und solche Stimmen ertönen auch in der Gegenwart. In einer Sammlung „Elfen-Büchlein, Ausgcwähltc Kleinodien der Gegenwarts-Literatur“ ist unter dem Titel „Die goldene Harfe“ (im Bergland-Vcrlag, Elberfeld, lü'28) ein kleines Buch der christlichen Schriftstellerin Henriette Brey erschienen, das den Psalmen gewidmet ist. Das- Buch stellt sich dar als ein begeistertes Loblied 'auf die religiösen Dichtungen unserer jüdischen .Psalmensänger. „Ja, in diesen Liedern voll Kraft und Wucht, weht der Atem der Ewigkeit! Sie-muten uns an wie ragende Dome über verwirrendem Kleingetriebe. Sie haben etwas vom Brausen des Sturmes, von der Weite der-Wüste, von der Uncrmeßlichkeit des Sternenhimmels, von der Tiefe des Ozeans. Gegenüber der Ichbctontheit unserer* eigenen kleinen Seele mit ihren tausend kleinen Anliegen und Bedürfnissen tritt uns in den Psalmen die G o 11 b e t o n t h e i t entgegen. Nicht das menschliche Ich mit seinen Nöten steht im Vordergründe, sondern Jahwe, der Vater-Gott, der Herr- Gott, der Schöpfer-Gott, sein Wesen, seine Werke, seine anbetungswürdigen Eigenschaften, seine Liebe!“ An anderer Stelle heißt es: „Wahrlich, die Psalmen sind die Gebete der objektiven großen Linie, des Vergessen Sie nicht die Einlösung der Abonnements - Quittung, für Juni. - Nur pünktliche Einlösung sichert regelmäßige Zustellung der „Jfldlsdi-liberalen Zeitung“.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.