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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-05-15 · 39 (15.5.1934) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
39 (15.5.1934)
Date
1934-05-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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In der Philharmonie: Hänbels „Uubas Hlaccabäus“ imH fH3" mvßndeu Institutionen, der'„Künstlerhilfe“ und dem „Kulturbund deutscher Juden“, dankbar sein, daß sie gemeinschaftlich eine Aufführung dieses gewaltigen Werkes ermöglichthaben, - nh;i, f0*10". ^er. äußert .Eindruck des großen Saales der Philharmonie wirkt imponierend: im Saale drängen sich die gespannten ^uhorermassen und auf dem Podium bis zur Orgel -die Chormassen. Ein Werk und eine Aufführung, ß^rade geeignet sind, eine erhebende Stimmung zu erzeugen, und festzuhalten m einer Zeit, die eines solchen Erlebnisses oeaart. ' Handel und, sein Werk hier näher einzugehen, er- SI,Sh a"SesieMs der ausgezeichneten Einführung von Kuaolf Kästner im Programmheft. Nur eins sei hier gesagt, noch nie war die Musik Handels in seinem großen Oratorium über die Niederlage, Verzweiflung, Hoffnung und EHosting des biblischen Volkes für uns so lebendig, fo ergreifend und so erhebend wie dieses Mal. Nicht nur, weil in diesem Werk das jüdische1 Volk und seine Geschichte die Träger sind, sondern weil in diesem Werk an der Hand unserer Vergangenheit die Zuversicht auf die Zukunft mit Mitteln proklamiert wird, die abseits von jeder Tendenz und Programmatik wie ein Naturereignis das Ohr und das Herz jedes Hörers bannt. " .. Wir freuen uns, feststellen zu können, daß, soweit es die Umstande erlaubten, die Aufführung auf einer anerkennmiswerten Höhe stand. Allen voran die vereinigten Chöre (Dr. Smgers Berliner Ärzte-Chor, die Chöre unter Leo Kopf und der Opem-Chor des Kulturbundes unter Berthold Sander). Sie haben sich als eine Einheit präsentiert, die, was Wohlklang, Präzision des Einsatzes, Beweglichkeit in den Passagen und Reinheit der Intonation anbetrifft, den hohen Anforderungen des Werkes vollaut gerecht wurden; ist doch in diesem Werke das. Volk, die Volksmassen, der Held von dem das Ganze handelt, . Mit gewohnter Zuverlässigkeit und Begeisterung spielte das. Orchester des Kulturbundes seine Sotostellen und schmiegte sich wohltuend den Solisten an. _ Max Mansfeld, den wir als einen ausgesprochenen OratonumTTenor stets schätzten, hat auch die schwere Heidenpartie des Judas Maccabäus mit dem ganzen Einsatz seiner außerordentlichen Musikalität und seines technischen Könnens zum Vortrag gebracht. Wenn trotzdem die Figurdieses Heldenführers nicht ganz plastisch zum Vorschein kam, so lag es wohl daran, daß seine schöne, weiche Stimme: mehr lyrischen Charakter hat. Cber die bekannte Meisterin des Oratoriengesangs, Lotte Leonard, kann nur gesagt werden °aB, f'e ,h.re Partie in gewohnter Vollendung zu Gehör brachte; Mit starkem Einfühlungsvermögen wurden die Ait- Part!er>, vol> Paula Lindberg gesungen. Ein uneingeschränktes Lob gehört dem Gesang von Fritz Lechher. . Es ,st erfreulich, wie dieser Sänger mit jeder neuen Partie mehr und mehr in den Vordergrund des Interesses tritt. Auch die Baß-Nebenpartien im „Judas Ataccabäus", Uie in seinen Händen lagen, gewannen durch seinen musikalisch beseelten Vortrag ein eigenes Gesicht. Als schöner hoher Sopran, wenn auch noch nicht ganz ausgeglichen, fiel Alice Geisenberg auf. Herbert Czempin und Max Stagnier waren die Vertreter für die kleineren Tenor- und Ball- Partien. Die Orgel meisterte Erwin J o s p e, und am Klavier saß der musikalische Kurt Havelland. P*-r Herrscher und Beherrscher dieses gewaltigen musikalischen Apparates war der Leiter des Kulturbundes, Dr Kurt Singer Wenn wir auch für die Aufführung hie und da mehr Licht und Schatten, mehr Farbe und ein konsequenteres Festhalten der Tempi innerhalb eines Abschnittes wünschten, so gebührt ihm doch für seine Initiative und für das Zustandekommen einer solch schwierigen Aufgabe unser uneingeschränktes Lob und unser Dank. Auf eine solche Aufführung von „Judas Maccabäus“ kann er stolz sein. - b: p. Jüdische Filme E? "'äre_eine interessante Aufgabe für einen Statistiker, .5 .Zah.'der’Fllme, die in den drei Jahrzehnten, die der Film alt ist, über die Leinwand rollten, festzustellen. Im Verhältnis dazu spielen jedenfalls diejenigen, deren szenische Begebenheiten sich im jüdischen Milieu abwickeln, fast keine ifolle. Das eine darf man jedoch wohl sagen, wie auch aus der Erfolgsstatistik deutlich hervorgeht, daß die Filme mit jüdischem Milieu den Kinos außerordentlich gute Kassen brachten. Einige von diesen Werken wurden zu Welterfolgen. Woraus klar hervorgeht, daß die Geschehnisse der Stücke so interessierten, daß Angehörige aller Konfessionen die Kinos besuchten, in denen sie gezeigt wurden. Allerdings stellte das Ausland, besonders Amerika, das Hauptkontingent dieser Gattung. Wozu noch zu sagen ist, daß sowohl Fabrikanten als auch Autoren, Regisseure und Hauptdarsteller solcher Filme zu nicht kleinem Teil blichtjuden waren. Den ausländischen Filmen wie „Väter und Söhne“, „Der Jazzsänger“, „David Golder“ — um mir einige zu nennen — reihen sich die deutscher Provenienz, wie z. B. „Der Golem“, »V"el Acosta“, „Glaubensketten", „Das alte Gesetz“, „Zwei 'VurdJS an- Auch „Der Kaufmann von Venedig" und „Natlun der Weise“,darf man vielleicht hier hinzurcchnen. betrachtet man nun den Inhalt aller dieser Filme, so wird mau erkennen, daß ein Teil von ihnen auch in einem anderen als dem jüdischen Milieu spielen könnte. Das sind alle jene die Begebenheiten mit Schicksalen bringen, die rein menschlich sind. Wenn man eine solche Handlung in eine jüdische' Umgebung legte, so war wohl die Triebfeder dafür, einmal- ' Einback in das jüdische Familienleben zu geben. Andere Filme wieder zeigten jugendliche Renegaten, die ihren Olauben ablegten, ihre Abstammung verleugneten, und die so in der großen.Gesellschaft zu einer führenden Rolle kamen, aber am Ende doch wieder zurückfanden zum Glauben der Väter Das Ausgleichsuchende, das Bestreben, mitzuarbeiten am' gemeinsamen Werk für die Menschheit, waren zweifellos die Motive bei der Herstellung solcher Filme. Waren die meisten dieser Filme sogenannte Spielfilme, so machten zwei eine Ausnahme, nämlich „Uriel Acosta“ und „Der Fall Dreyfuß“. , „Uriel Acosta“ wurde nach Karl Gutzkows glelcluianiigem, einst viel gegebenen Bühnenstück verfilmt, dessen Titeljpflc a'*c berühmten Schauspieler gegeben haben, so Emil Dement, Ludwig Dessoir, Adalbert Alatkowsky, Josef Kainz, Ludwig Barnav, die nicht alle Juden waren. Das Tirana - dieses Films ist der Kampf um die geistige Freiheit, der ’ Kampf gegen den starren Glauben. Es würde zu weit führen, den Inhalt anzugeben. Nur soviel: „Arcosta ist der Held der Konsequenz“, sagt der Dichter' selbst, und er verteidigt Uriels Handlungsweise mit den Worten: ,jüde nennt sich Acosta, wahrend, ihm freistünde, sich als Christ den Verfolgungen seiner Glaubensgenossen zu entziehen. Die Wehklagen eines geknechteten Volkes binden seine Kraft; die blinden Augen seiner Mutter, der geschäftliche Ruin seiner Brüder, die Hingebung, der Schmerz einer Liebe wie Judiths, die edle Duldung des ihn schützenden Manasse --wahrlich, all« das sind nicht vereinzelte Motive der Zufälligkeit, sondern es steht im Zusammenhang mit einem Gaiizqn, das den Helden erstens durch seinen Widerruf auf die Höhe einer objektiven, historisch bindenden Sittlichkeit, und zweitens auf die Höhe jener allgemeinen menschlichen Gesetze hebt, die in der Ge- ‘ schichte aller Meinungskämpfe und Überzeugungen die Kiuid- ' gsbungen titanisch ansetzenden Mutes oft genug, leider bemitleidenswert und die Teilnahme herausfordernd, irritierten.“ (Es lohnt sich übrigens, dieses „Judenstück“ Gutzkowsfür— stille Stunden einmal wieder hervorzusuchen.) „Die Affaire Dreyfuß“ war ein ausgesprochen politischer Tendenzfiim. 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