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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-04-27 · 34 (27.4.1934) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
34 (27.4.1934)
Date
1934-04-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Berlin, 27. April 1934 z« Barlin. Einzelnummer 20 Pt. Nr. 34 nftb telieidfen Aufbau ellgela. Einzelnummer Ö,2Ö RM. Abonnements werden bei allen Postämtern angenommen. — Anti nach Tarif. — Bei Nichterscheinen infolge ’ — - ' ■ t.u _ 14. Jahrgang s oder höherer Gewalt besteht kein Anspruch iachlieferung oder Rückerstattung der entsprechenden Bezugsgebühren. - Herausgeber: H Die „]ädisch>liberale Zeitung“ erscheint zweimal wöchentlich: Dienstag und Freitag Die „jüdisch-liberale Zeitung“ erscheint Dienstags und Freitags. — Redaktion und Geschäftsstelle: Berlin - Charlottenburg 4, MommsenstraBe 40. — Fernruf: 1 6 Bleibtreu Sammelnummer 1545. — . Bankverbindung: Kreditverein für Handel und Gewerbe e. O. m. b. H., Berlin fT 24. — Postscheckkonto: „Jüdisch-liberale Zeitung“, Berlin 227 b4. Der „führende Mann“ im deutschen Judentum Gemeindereform - ater wie! Wir veröffentlichen nachstehend zu dem immer mehr in den Vordergrund rückenden Problem der' Reform der Gemeindeverwaltung die beachtliche Stimme eines nidht der Richtung des religiös-liberalen Judentums angehörenden Berliner Gemeindemitglieds, ohne uns mit allen Einzelheiten seiner Ausführungen, insbesondere in bezug auf die Verlängerung der Legislaturperiode, zu identifizieren. Wir stehen, wie die Leser der Jüdisch-liberalen Zeitung“ wissen, auf dem Standpunkt, daß diese Fragen zunächst im Kreise der Gemeindeverwaltung 'selbst zu lösen sind: Zu dem Problem der Reichs-. reform ist in dieser Zeitung bereits von maßgeblicher Seite Stellung genommen worden. Zur Frdge der. Gemeindereform behalten wir uns weitere.Ausführungen vor. Nun sind wir also schon glücklich mitten drin im Kampf um die Führung inden jüdischen Gemeinden Deutschlands. ~ . „Wir fordern Gemeindereform an Haupt und Gliedern!“ „Das Führerprinzip auch bei uns!“ „Die junge Generation des deutschen Judentums drängt zur Mitarbeit und Führung!“ „Die Führung des Gemeindelebens muß auf diejenigen übergehen, die von den deutschen Juden heute als ihre Repräsentanten empfunden werden!“ Und so weiter in infinitum. Schlagworte, nichts als Schlagworte: Denn jede dieser Forderungen kann und wird von jeder Richtung innerhalb des deutschen Judentums mit gleichem Recht und in gleicher Weise vertreten. Solche Forderungen passen für die Orthodoxen ebenso wie für die Liberalen. Sie können aufgestellt werden mit demselben Recht von den Zionisten, wie von den nationaldeutschen Juden. Es ist der Ruf starker Männer nach dem starken Mann, dem Führer, der. allerdings nur aus ihren eigenen Reihen kommen kann: denn sonst ist er kein Führer, kann kein-Führer sein. Oder glaubt jemand im Ernst, daB etwa ein Orthodoxer einen religiös-liberalen Juden, auch wenn er. noch so. herrorragende .Qualitäten zur JFütm>jnäcj!*ft_ mitbringt, als den führenden-;Repräsentante(fTcfes-deutschen Judentums anerkennen wird? Oder ein Centralvereinler einen führenden Mann aus zionistischem Lager? Aber vielleicht wird man jemand finden, der kein ausgesprochener Parteimann ist! Einen Mann, der die Politik der sogenannten Mitte vertritt. Ach, lieber Leser, die Dichter der vormärzlichen Zeit in Deutschland haben die schwankende Haltung des typischen Spießbürger-.-und Bierphilistertums, das in jenen revolutionären Zeiten auch den Ruf nach der „Politik der Mitte“ ausgestoßen, treffend in. Prosa und satirischen." Gedichten* gegeißelt. Und Ludwig Walesrode nennt „die rechte Mitte“ geradezu „die Religion des UrPhilistertums“: „Sie hat-weder, die Kraft,- Böses zu tun, noch Begeisterung für das Edle. -Die Nacht schreckt sie mit ihrer dichten Finsternis, und der Tag blendet sie mit ihrer Helle. Wenn eine weit- ' liehe Gerechtigkeit duf Erden existierte, so hätte „die rechte Mitte“ wegen geistiger Impotenz schon längst unter Kuratel gestellt werden müssen.“ In ähnlichem Sinn hat sich ja auch der Führer der Liberalen in der Berliner jüdischen Gemeinde, Rechtsanwalt Heinrich Stern, einmal ausgesprochen: „Die ■ Politik der mittleren Linie führt-zur Verwässerung, Ind’ifferenzvLauheit, und setzt sich zwischen alle Stühle.“. ~ Es gibt eben immer noch, und gerade unter Juden; allzuviele Menschen, die es'lieben, den harten Kampf . der Meinungen durch eine vorschnelle Harmonie mehr (Fortsetzung auf der 2. Seite.) ES Per Bundespräsldeot von Österreich, Prof, Miklas, hat dem Universitätsprofesaor Dr. David Herzog-, Lzuede*- rabbiner für die Steiermark IttQraz^der^durcb.raetiee«; Jahre hlndanh*mh--ea-dep~^r»ter'deatect)e»Vnfrenn*t‘W*<rfrktr*:' hat, das Ooldene Ehrenzeichen für Verdienste tmj dtaL.Ro» . publik Österreich, die höchste österreichische Auszeichnung, verliehet. Die Presse der norwegischen Hauptstadt Oslo berichtet, wie1" die J.T.A. meldet, in Ausdrücken großer Entrüstung - über die Sc Iran düng der Synagogein Oslo. Das Portal und die-Aiillenwancle waren mit Farbe besudelt, und von dem Eisetiporlal war die eine 'Hälfte entfernt und in eine "Ecke des Vorplatzes geworfen worden. Der erste Tag des palästinensischen Sensationsprozesses Der Mord am Strand von Tei-Aviv Kampf um die Verhandlungssprache — Das. Motiv des Mordes großem i Beruht ül n Montag in Jernmen. Da dein Vers auch in nichtzionistisehen Kreisen mit Ticricht über den ersten er handlungstag folgen: ■ Jerusalem. Die erste Verhandlung gegen die des Mordes an dem Leiter der politischen Abteilung der Jeivish Agency, Dr. Chaim Arlosoroff, beschuldigten Abraham S t a v s k y , Zwi Rosenblatt und Abba Achi-Meir hat am 23. April - vor dem Jerusalemer Geschworenengericht stattgefunden. S:e trug ganz das Gepräge eines Sensationsereignisses. .Schon um 7 Uhr morgens, zwei Stunden vor Verhandlungsbeginn, drängten sich Hunderte von Einlaßsuchenden vor dem Gerichtsgebäude. Mit Rücksicht auf den Raummangel wurden allerdings nur 50 Personen aus dem Publikum einschließlich der „ehalten" pc[lc uluj den von ihm im ‘ „Chasith Haam“ ver- Angehörigen der Angeklagten als Zuhörer zugelassen. Das - ■■ flüchten Artikel cinzufügcii, die beide als Aufreizung Gerichtsgebäude war you einem ^dichten u^°^“°nl,vontl i(°^/Ll1^ zu Terrorakten gedeutet werden. Der übrige Teil der Ver- " ' " “““ handlung war hauptsächlich einem Überblick über die U n Verteidigers gemäß Jiddisch als Verhandlungssprache zu zu-, lassen. Der Verteidiger wandte sich zunächst gegen den Text der Anklageschrift, in der gegen alle drei Angeklagten in gleicher Weise die Beschuldigung des Mordes erhoben wird. Rechtsanwalt Samuel erklärte, die. Anklageschrift spreche selbst davon, daß Stavsky Dr. Arlosoroff nur ins Gesicht geleuchtet habe; somit könne er den Mord selbst nicht begangen haben. Was Achi-Meir betreffe, so sei der Passus in der Anklageschrift: „Er hat zur Ermordung Dr. Arlosoroffs geraten und sie veranlaßt“ völlig bedeutungslos, da mannschaften zu Fuß und zu. Pferd abgenegelt. Dutzende . von Polizisten sorgten in der Vorhalle des Gerichtsgebaudes für die Aufrechterhaltung der Ordnung und hielten den Aufgang zu dem Stockwerk, in dem sich der Verhandlungssaal befindet, bewacht. ...... r- , Als Stavsky,. Rosenblatt und Achi-Meir dem Gefangenem wagen, in dem sie zur Verhandlung gebracht wurden, entstiegen, wurden sie von ihren vor dem Gerichtsgebaude angesammelten Parteifreunden mit lauten Zurufen empfangen. Als Stavsky zur Anklagebank geführt wurde, trat seine Mutter mit tränenerfüllten Augen auf ihn zu, umarmte ihn, sprach ihm Mut zu und sagte ihm, daß sie auf seinen Freispruch Bald nachdem die Verhandlung vor dem Jerusalemer Geschworenengericht in hebräischer Sprache eröffnet worden war. cab es eine Stockung. Der Verteidiger Horace Samuel war gab ~es eme Stockung. Der Verteidiger 1„. beantragte, - daß in jiddischer Sprache verhandelt werde, da Stavskv und Rosenblattnicht Hebräisch verstun- - ' * i Gepflogenheit^ der^patestmen- Untersuchung emgelcitcl. ' ~ Alls einem Bericht ans Atalanta wurde ein Jude, der Direktor des Verbandes jüdischer Wolilfahrtsvereinc, Edward M. Kahn, auf einen Lehrstuhl im Southern Training College zur Ausbildung von H ei 1 saVm ee-Of f izieren berufen. Nach einer Mitteilung,, die der Kommissar für jüdische Auswanderung, James MacDonald, gegenüber polnischen Pressevertretern machte, sind seit - dem Beginn der nationalen Revolution "8.0ÜU,größtenteils polnische Staats- ' a n g e h ö r i g e aus Deutschland nach Polen abgekeinerlei Einzelheiten angeführt seien, ans denen hervorgehe, in welcher Weise Achi-Meir zu dem Morde geraten habe. Auf Grund der von Rechtsanwalt Samuel vorgebrachten Einwände beschloß das Gericht, den Text der Anklageschrift “ ' ' ihn die von Achi-Meir in. Haifa le führenden Wiener jiidiscl ulti die I Kultur* ic haben sich ichlosscn mit’ den. Entgegen der sonstigen Gepflogenheit sischen Gerichte beschloß der Gerichtshof, d ... _ .: r g e b n i s s c in dem Mordfall gewidmet, den der Generalstaatsanwalt in zweistündiger Rede gab. Der Staatsanwalt legte hierb.-i das Hauptgericht auf die politische Fehde zwischen Arbeiterparteilern und Revisionisten und vertrat den Standpunkt, daß dieser Zwist im Grunde zu dem Morde geführt habe. Ein Fasttag? Auf Initiative von Oberrabbiner Kook wurde, nach Jerusalem eine Konferenz führender Rabbiner, Misrachistcn und Allgemeiner Zionisten einberufen. Die Konferenz beschloß, zum Arlosoroff-Mordprozeli in doppelter Weise Stellung zu nehmen. Erstens will sie einen Aufruf erlassen, in dem zur Unterstützung der Sammlung von Mitteln für die Verteidigung der Angeklagten aufgefordert werden soll. Zweitens soll ein - allgemeiner Fasttag proklamiert werden, an dem Gebete darum gesprochen werden sollen, daß die Richter die Angeklagten als nicht schuldig befinden mögen. I, jüdische Kultur den Wiener Juden nälicrzubringcii. überdies wird eine eigene Theatergruppe gegründet, werden, Singschulcn, Sprechchörc und Sprachkurse gehören ebenso in das Arbeitsgebiet der Kulturstelle, wie Führungen durch Museen- und die Verwendung des bisher völlig un-' bekannten Lichthilderarchivs. — — Wie ans Budapest berichtet' wird, hat die Obudaer jüdische Religionsgeineinde eine beträchtliche Anzahl—wertvoller Erinnerungsobjekte des Gemeindelebens, zu einer Sammlung zusammengefaßt, die vor wenigen Tagen als „Obudaer j ü d i s c h e s M u s e u m“ eröffn«! wurde. Nächste Woche wieder Doppelnummer Die nächste Nummer der „jüdisch-liberalen Zeitung“ erscheint wegen des Nationalfeiertags erst am JveHagM^IJij.

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