Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 35-36 (4.5.1934)
- Date
- 1934-05-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Es wird gemeldet: In Berlin irat gestern der von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden gemeinsam mit der Reichsvertretung und dem Zentralausschuß der deutschen Juden gebildete A n - staltsausschuli zusammen, um sich mit den Fragen der jüdischen Erziehungsheime und Erholungsheime zu befassen. In der nächsten Sitzung solleirdie-Krankenhäuscr und Schwesternheime .Gegenstand der Erörterung sein. Wie verlautet, arbeitet Richard Strauß, der Präsident der deutschen Musikerkammer, an einer neuen Oper, deren Libretto von dem jüdischen Schriftsteller Stefan Zweig stammt.- j ~ * Der ordentliche Professor für Zivilprozeß an der Universität Gießen, Dr. Leo. Ros en be rg, einer der besten Kenner des deutschen Prozeßrechtes, der seit 1906 ununterbrochen sinder Gießener Universität lehrte, ist in den Ruhestand versetzt worden. Professor Rosenberg ist 55 Jahre alt. * Der ä 11 es t e. E i n wo h n e r Berlins, ein 103jähriger Mann, der an einem komplizierten Darmbruch erkrankt war,- hatte sich auf dringende Bitten seiner Angehörigen von dem Chefchirtirgcn des Krankenhauses der Berliner Jüdischen Gemeinde, Professor Dr. Ros enstein, operieren lassen. Professor Rosenstein gelang es, die ebenso seltene wie schwierige Aufgabe zu lösen, so dal) der Patient nach vierzehn Tagen geheilt aus dem Jüdischen Krankenhaus entlassen werden konnte, i, In Paris ist der bekannte jüdische Maler Leopold Göttlich im Alter von -16 Jahren gestorben. . * Nach einer Mitteilung der englisch-evangelischen Zeitschrift „English Churchmäu“ hat der Evangelische Weltbund einen Aufruf an die"Christenheit gerichtet, am Pfingstsonntag gemeinsame Gebete für die Juden zu verrichten. * Wie aus Oldenburg gemeldet wird, hat das dortige Staatsministcrium es abgelehnt, sein Einverständnis mit der Unterbringung von jungen Juden in landwirtschaftlichen Betrieben zu erteilen. In einer Bekanntmachung der Landcsbaueruschaft Oldenburg wird infolgedessen die Erwartung ausgesprochen, daß sich keine Gartenbaubetriebe bereit fänden, Juden einzustellen. * Auf Anfragen über das Problem der etwaigen A n s i e d - lung aus Deutschland ausgewanderter Juden in Holländisch-1 n di e n in der ersten Kammer des holländischen Parlaments erklärte, wie aus Amsterdam berichtet wird, Ministerpräsident H. Colyn, daß die Regierung den Plänen zur Ansiedlung ausgewanderter Juden in Holjändisch-Indien und insbesondere in Surinam ablehnend gegenüberstehe. . * Die seit Jahren in Berlin bestehende *Mensa academica jttdaica wird künftig den Namen „Akademikerheim M e i e r . H i 1 d e s b e i in e r" tragen. Der Beschluß wurde vom Gemeindevorstand - int Einvernehmen mit dem Vorstand der Mensa gefaßt, um Rabbiner Dr. Hildesheimer, der soeben seinen 70. Geburtstag feierte, zu ehren. * Einer Meldung aus Rio de Janeiro zufolge, haben die Juden'von Sao Paolo eine Liga zurAbwehr des Antisemitismus gegründet und wenden sich in einem Aufruf an die gesamte jüdische Bevölkerung Brasiliens, sich dem Kampf zur Abwehr der verstärkten antisemitischen Propaganda im Lande anzuschließen. Von der Reichsvertretung der deutschen Juden ist unter Leitung von Professor Dr. Martin BuHer und mit dem Sitz in'Frankfurt a. M. eine Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung ins Lehen gerufen worden. Sie hat vor allem die Aufgabe, den Gedankenaustausch zwischen den Einrichtungen und den Mitarbeitern der jüdischen Erwachsenenbildung in Deutschland zu fördern. Die Berliner Börsenzeitung veröffentlicht eine Meldung des Londoner Daily Herald, wonach Verhandlungen zur A n - Siedlung von Juden in großem Alaßstab in der portugiesischen Kolonie Angola, im Nprden des ehemaligen Deutsch-Südwestafrika, vor dem Abschluß stehen. Ober die Einzelheiten des Planes soll gegenwärtig noch in Lissabon verhandelt werden. Dabei soll auch die Frage geklärt werden, ob den Juden ein Teil Angolas zur Bildung eines Selbständigen Staates, der damit dem Völkerbund 'unterstehen würde, überlassen werden soll, oder ob die Juden lediglich als Ansiedler zugelassen werden sollen. Die Schließung der Berliner „Kamera“ Das kleine Filmtheater „Kamera“ Unter den Linden in Berlin ist vor kurzem von der Reichsfachschaft Film geschlossen worden. Dazu schreibt der „Völkische Beobachter“: „Mit der Zeit änderte sich die Tendenz-des Theaters offensichtlich. Nicht nur, cla/j man in der Hauptsache französische und amerikanische Streifen spielte und sie als den deutschen Werken überlegen hinstellte, sondern man besaß die Unverfrorenheit, uns gerade in jüngster Zeit jüdische Filme mit jüdischen Schauspielern und jüdischen Regisseuren vorzusetzen. Und das war denn doch zu viel!“ * Die Kamera, die seit einigen Jahren bestand, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, künstlerisch oder technisch bahnbrechend gewesene Filme aus früheren Filmepochen dem Publikum wieder zugänglich zu* machen. Gastspiel Otto Wallburgs abgesagt Pforzheim. Die Pforzheimer Rundschau berichtet, daß das für dort vorgesehene Operetfengastspie! des jüdischen Schauspielers Otto Wallburg, das in den verschiedensten deutschen Städten bereits ohne Störung stattgefunden hatte, in ' letzter Minute abgesagt wurde. Als Grund dafür wird angegeben, daß von der Schriftleitung einer Pforzheimer Tageszeitung angefragt worden sei, ob Wallburg Jude sei. Auf eine bejahende Auskunft hin sei erklärt worden, es sei zweckmäßiger, den Theaterabend nicht stattfinden zu lassen. Die „Pforzheimer Rundschau“ zitiert in diesem Zusammenhang eine sehr freundliche Kritik, die der „Westdeutsche Beobachter“, ein amtliches Organ der NSDAP., dem Gastspiel Wallburgs in Köln gewidmet hat. Sie erinnert weiter daran, daß Gtto Wallburg Mitglied der Reichstheaterkammer sei und daß er als Frontkämpfer die Genehmigung habe, im In- und Auslande zu spielen. * Man kann also nur annehmen, daß irrige lokale Auffassungen den Anlaß zu diesen Vorgängen gegeben haben. „Kein Zutritt zum Kurpark“ In Hcrsfeld (Hessen) brachte der „Hersfelder Anzeiger“ folgende Bekanntmachung der Stadtbehörden zu Hersfeld: 1. Osterfeiertag, 4—5.30 Uhr Nachmittags-Konzert im Kur^ park, ausgeführt vom Musikzug des Arbeitsdienstes der NSDAP., Gruppe 22/224, uuter. Leitung des Ober-Musikzugführers Arnold. Eintritt 20 Pfg. Juden haben keinen Zutritt zum Kurpark. Städtische Kurverwaltung. Arlosoroffs Witwe als Zeugin Die Fußspuren an der Hordstelle Jerusalem. Der Prozeß gegen die des Mordes an Dr. Chaim Arlosoroff angeklagten jungen Revisionisten nimmt unter reger Anteilnahme der palästinensischen Bevölkerung seinen Fortgang. Die Frage, ob die an der Mordstelle Vorgefundenen Fußspuren den Abdrücken der Schuhe des Angeklagten Rosenblatt entsprechen, führte zu Einem scharten Wortwechsel zwischen dem Verteidiger, Horace Samuel und dem als Zeugen vernommenen Polizeikbmmissar, Shitrect. Der Verteidiger Widersprach der Behauptung des Zeugen, daß die Fußspuren an der Mofdstelle den Abdrücken der Schuhe Rosenblatts völlig gleich seien. Demgegenüber wandte Kommissar Shitreet ein, daß zur Zeit der Untersuchung der Spuren Rosenblatt noch gar nicht verhaftet gewesen sei und ‘ somit die Möglichkeit gehabt habe, die Schuhe zu wechseln. Großes Aufsehen erregte die Vernehmung der Witwe des Ermordeten zionistischen Führers, Frau Sima Arlosoroff. Sie bestritt energisch, jemals Araber als Mörder ihres Mannes bezeichnet zu haben. Sie habe im Gegenteil, gleich als sie um Hilfe rief, geschrien: „Juden haben auf ihn geschossen!“ Sie habe auch nicht gesagt, sie habe nicht ‘auf. die Mörder geschossen, weil ihre Hand gezittert habe; weder Ihr Mann noch sie hätten in der Mordnacht einen Revolver bei:sich gehabt. Im Verlauf des Kreuzverhörs stellte sich heraus, daß der palästinensische Arbeiterverband Histadruth einen Geheimdienst organisiert hatte, der in Zusammenarbeit mit dei* Polizei die Spuren der Mörder verfolgen sollte. Während der Vernehmung von Frau Arlosoroft hatte sich vor dem Gerichtsgebäude eine Menge zusammengetan, die. gegen Arlosoroffs Witwe eine feindselige 'Kundgebung veranstaltete. ' zTu den Fußspuren an der Morustelle erklärte der als Zeuge gehörte Polizeiinspektor Baruch Goffer, er habe, als er an der Mordstelle eintraf, lediglich die Fußspuren von Dr. Arlosoroff und seiner Frau feststellen können. ' Der stellvertretende Superintendent der Polizei und der. Gefängnisse berichtete über die Konfrontierung der Witwe des Ermordeten mit 15 Insassen des Jerusalemer Gefängnisses, von denen sie Stavsky als Täter bezeichnet habe. Der Polizeispurensucher Ibrahim Abu Regaig schilderte dann, wie er zur Feststellung gelangt sei, daß die Fußspuren an der Mordstelle von Stavsky und Rosenblatt herrührten. Er sei zwei Stunden nacli dem Mord am Tatort eingetroffen, wo er die Fußspuren eines Mannes und einer. Frau, die nebeneinander gegangen waren, feststellte, und, den Spuren gegenüber, diejenigen von zwei Männern, eines größeren und eines kleineren. Diese Spuren hätten zu dem. mohammedanischen Friedhof geführt, wo ein Stacheldrahtzaun übersprungen worden war. Sie liefen dann zu dem Gipfel des Hügels, wo sie verschwanden. Wenige - Meter weiter traten die Spuren wieder auf. Wo sie aufhörten, habe die Spur eines Autos begonnen. Später habe er die Schuhe Stavskys als diejenigen ' identifiziert, die den Fußabdrücken des größeren.. Mannes entsprachen. Im Widerspruch zu dieser Aussage und auch zu seinen eigenen Angaben vor dem Untersuchungsrichter erklärte der zweite Spurensucher, Abu Rus, er sei bei Sonnenaufgang am Morgen nach dem Mord an der Mordstelle eingetroffen und habe, im Gegensatz.^ zu Abu Regaig, festgestellt, daß die Schuhe des kleineren Mannes nicht genagelt, sondern mit Hufeisen versehen waren. Als dem Zeugen der Widerspruch zwischen dieser und seiner früheren Aussage vorgehalten wurde, erklärte er, er könne seine jetzige Aussage beschwören. Letzte Maclwichten Kulturbund Rhein-Main konstituiert Frankfurt a. M. Hier hat sich dieser Tage der Vorstand zum Kulturbund deutscher Juden, Bezirk Rhein-Main, endgültig konstituiert. Vorsitzender ist das Vorstandsmitglied der Israelitischen Gemeinde, Sanitätsrat Dr. Albert Ettlinger, künstlerischer Leiter Kapellmeister Hans Wilhelm Steinberg. immer wieder: Juden als Betriebsführer Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, daß die Grundsätze der Rassengesetzgebung nach Erklärungen von maßgebender Seite auf dem Gebiet der Wirtschaft keine Anwendung finden sollen, und in die amtliche Bekanntmachung vom 12. März wurde zur Klärung von Zweifeln und irrigen Auffassungen ausdrücklich der Satz aufgenommen: „Auch nichtarische. Unternehmer können daher Führer des Betriebes sein.“ Jetzt wendet sich Referendar Wagner in der Kampfzeitschrift der Gruppe Jungjuristen im Bund nationalsozialistischer deutscher Juristen „Jugend und Recht“ mit allem Nachdruck gegen die Versuche, aus dem Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit herauszulesen, daß ein Jude Führer einer deutschen Gefolgschaft sein könne. Wenn tagespolitische oder sonstige Notwendigkeiten auch eine vorübergehende andere Lösung ergäben, so habe doch die Jugend darüber zu wachen, daß diese vorübergehende Maßnahme nicht in nationalsozialistische Gesetze „hineingedacht“ würde, . Uebereifrige Sabbathschülzler verhaftet Tet Aviv. Am vergangenen Sonnabend wurden hier 16 Mitglieder des Verbandes für Sabbathschutz „Schomre Schabbos“ verhaftet, weil sie einen Streit mit Motorradfahrern, die sie am Fahren am Sabbath hindern wollten, vom Zaun gebrochen hatten. - LONDON NEW YORK eine dreiwöchige Amerikareise s 172.50 beim Jetzigen Kursstand etwa 435 M. ab Hamburg und zurück, einschließlich Bahnfahrt und Verpflegung ' Rituelle Verpflegung auf eilen uuem Dampfern Unabhängige und Gesellschaftsreisen zum Besuch der Weltausstellung in Chicago Auskunft u. 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E2 Kupiergraoen M56 Infoui'isf . Herausgeber: Hanns Loewenstein, Berlin-Charlottenburg 4. Hauptschriftleiter und verantwortlich für den gesamten redaktionellen Text: Dr. Eugen Tannenbaum, Berlin- ,Wilmersdorf; Leitung der Anzeigenabteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen:.G eo rg Michaelsohn, Berlin-.Charlottenburg. DA IV.34 5142. _ Druck: Sonnendruckerei GmbH (Felix Wolf), Berfin-Charlottenburg 4, Weimarer Straße 18. . . 83