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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-05-04 · 35-36 (4.5.1934) · page 9

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
35-36 (4.5.1934)
Date
1934-05-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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14. Jahrgang Nummer 35/36 3»6iftfHibetole 3eifona 3. Beilage 4. Mai 1934 (Idee Siein-^tandesmann et$äftii: 4>et Meine Sohn leguitg den zwingenden Wunsch n.U'l] dem Kind eiiigcgcbeii. Die Sehnsucht nach diesem Sohn w urde selilielilieh größer als das rechnerische Gewissen. Erich nahm die Entwürfe heraus und durejiblättertc sie. Wie meist, wenn er seine Arbeiten"Vorleben sollte, milifielen sie ihm. Die ariererbte, scharfe Selbstkritik machte ihr» unsicher. .Mit ceriin/elten 0.-.. '-■*- [n einem Zustand völliger Verwirrung ging Erich die breite Treppe hinunter. Seltsamerweise schien die belebte Straße nicht verändert; Lärm, Gewühl, sommerlich laue' Luft — alles war wie vorher. Aber in Erichs Leben hatte sich Entscheidendes ereignet: das Kind war da, der kleine ersehnte Sohn, war inzwischen geboren worden. Mit dunklen Augen — Evas Augen— hatte das Kind den Vater angesehen. Ja —' er war bereit zu beschwören, daß dieses winzige Geschöpf ihn bewußt angesehen hatte. Eva wollte ihn aüslachen — aber sie war noch zu schwach dazu, die Arme. Doch sie hatte gelächelt, sehr müde und mit zitternden Mundwinkeln — immerhin gelächelt, als er ihre Hand nahm und kein Wort hervorbrachte. Im übrigen: wozu sollte, man reden? Sie wußten beide genau, was das Kind ihnen bedeutete. Jetzt lohnte jeder Kampf, jetzt erfüllte sich der Sinn des Lebens. — Erich betrachtete mit gierigen Blicken seine Umgebung: dies alles gehörte nun auf eine neue Weise ihm, dem Vater. Es war wichtig, daß man dort am Platz die.jungen Bäumchen einsetzte— vielleicht würde sein Sohn in ihrem Schatten spielen. Seine Augen liefen weiter zu dem riesigen Bürohaus hin, an dem man eben baute — möglich; daß der Sohn dort einmal Arbeit finden würde. Alles bekam ein anderes Gesicht -Erich fühlte sich auf eine geheime, beglückende Art mi,t allem verbunden, was im Entstehen war. Das Wort „Zukunft“ dröhnte mit laut schwingenden Glockentönen in seinen Ohren.- Aber das Wort „Gegenwart“ pochte nicht weniger eindringlich in seinem Hirn: Geld war nötig und nötiger denn je — Eva sollte gepflegt werden, wenn sie das Krankenhaus verlassen würde. . . ... . .. Erich fühlte die Mappe plötzlich wie eine kleine Last - im Arm: Die Zeichnungen mußten noch heute uutergebracht werden. Drei Tapetenfirmen kannten ihn — drei Chancen! Er blieb stehen, orientierte sich und schlug den Weg in die Hafengegend ein, wo Quell und Dröscher ihr Büro hatten. Der alte Quell war ihm wohlgesinnt. Erich atmete tief auf — vom Hafen kam der ihm seit Jugend bekannte typische Geruch von Teer, Rauch und Wasser her, auf der leicht bewegten Flut tanzten Sonnenlichter, vertraute Geräusche von Schiffssirenen, rasselnden Ankerketten, laute Zurufe von .Trägern und Arbeitern — alles verband sich für ihn" zu dem heimatlichen Eindruck wohltuender Aktivität. „Für Dich, mein Junge — alles einmal für Dich!“ murmelte er, und nun kreuzte er den Damm, um das alte Handelshaus zu betreten. . „Herr Quell ist erkrankf. Ich werde Sie Herrn Dröscher melden!** Erich fühlte eine leichte Beklommenheit — auch heute noch, als 3bjähriger Mann, hemmte ihn eine peinliche Angst vor allem Geschäftlichen- Daß er Tapcten-Entwiirfe zeichnete, war einer der vielen Versuche, sich durchzuschlagen. Wer kaufte heute Bilder? Das Atelier war angefüllt mit Landschaften und Seestücken aus der Zeit, als Erich noch malte, was ihn freute. Schon seit zwei Jahren hatten Eva und er sich dem Kunstgewerbe zugewandt. Daß sie sich gemeinsam plagten, daß dieses Bewußtsein dieser Gemeinsamkeit in jedem Sinne vorhanden war, gab ihnen immer wieder neuen Mut. Diese innerste Verbundenheit, dieses Gesetz,, nach dem sie lebten, hatte ihnen auch gegen jede wirtschaftliche Ober- Nur ein Ziel: Schwergewichtsmeister der Welt zu werden Nax Baer trainiert... In den Wäldern Kaliforniens — Die Zuversicht des Naturburschen Vor einigen Tagen hat der amerikanisch-jüdische Sciiwergeivichtler Max. Baer mit den Vorbereitungen zu dem wichtigsten Kampf seiner Laufbahn begonnen. In den heimatlichen Wäldern will er versuchen,- die Form wiederzugewinnen, die ihn vor Jahresfrist befähigte, sich Max Schmejing gegenüber als der Bessere.zu erweisen. Leicht wird es' ihm nicht fallen. Der junge Boxer wiegt heute", reichlich zehn Kilo--mehr als in seinem letzten Lrnstkampf gegen Schmeling. Nun ist es zwar für einen Fighter, der sich in schärfstem Training befindet, nicht allzu schwer, im Laufe der Zeit diese Gewichtszunahme wieder zu regulieren, aber ihr Vorhandensein ist doch der 'deutliche Beweis dafür, da'ß Baers Lebensweise in der letzten Zeit alles, andere als sportlich zu nennen war. Maxie Baer! Das ist ein wilder, lustiger Junge, der sich in jedem Wasser zurechtfindet. Der sein Geld als Rancher verdient und als Revuetänzer, als Boxer und als Filmstar. Der Anzüge, Oberhemden und Kravatten so liebt, daß er mit seinem Bestand sicherlich den Rest seines Lebens spielend auskommen könnte. Auch wenn er «in biblisches Alter erreichte! Maxie Baer! Das ist ein Boxer, der im Ring nur eines kennt: den Kampf. Er stellt die potenzierte Naturkraft dar. Frei von überflüssigen Hemmungen und Sentiments, stürzt er sich auf seinen Gegner und 'bietet .ihm den Fight an. Er ist die personifizierte Robustheit, ein lebender Hymnus an den starken Körper, ein Sturmwind, der sich seine eigenen Gesetze im Ring macht und ihnen treu anhängt, bis der letzte Gongschlag verklungen ist. Wohl möglich, daß es viele Vertreter der Schwergewichtsklasse. gibt, die besser boxen können als Max Baer, wahrscheinlich, daß manch einer ein besserer Techniker ist, sicher, daß die Mehrzahl^ mehr denkt und überlegt, mehr System in ihre Kampfesführung legt: trotzdem, es gibt kaum jemanden, der einen Max Baer' in Höchstform heute schlagen könnte. Zwei Hypothesen sind in dieser Behauptung, die einer näheren Erläuterung bedürfen. Zunächst einmal war von der Höchstform die Rede. . Wie weit Baer tatsächlich noch die Möglichkeiten in sich birgt, boxerisch das Beste und Letzte aus sich herauszuholen, kann nur der Kampf selbst zeigen. Die Arbeit unter der Jupiterlampe hat — wenn es sich nicht Baer mitwirkt, endgültig verboten wurde. Ober die näheren Gründe, die zu dieser Entscheidung geführt haben, wird jetzt Näheres bekannt. In Obereinstimmung mit der Prüfstelle und dem von dieser Stelle vernommenen Sachverständigen des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda hält die Oberprüfstelle daran fest, .daß die Zensur nicht einfach an der Tatsache Vorbeigehen könne,-daß das deutsche Volk' die Vorführung von Filmen mit" Jüdischen Hauptdarstellern, als Provokation empfinde. An diese Art Filme müsse deshalb ein besonders strenger Maßstab gelegt werden. Vorliegend sei es das Verhältnis des jüdischen Darstellers, der nach Ansicht der Oberprüfstelle obendrein ein durchaus negroider Typ sei, zu den ln dem Film mitspielenden.- nichtjüdischen Frauen, das eine Verletzung des nationalsozialistischen Empfindens im Sinne des neuen Lichtspielgesetzes vom 16. Februar 1934 enthalte. Aus diesem Grunde sei die fernere Vorführung des Films, und zwar sowohl in der Originalfassung als auch in der deutschen Fassung, nicht mehr angängig. F i 1 m günstigere und zuverlässigere Perspektiven eröffnet' haben als im Kampfviereck. Wird es also noch einmal einen Max Baer ln Höchstform geben? Die Frage stellen, heißt die Antwort bis zum Camera-Fight verschieben. Qui viv’ra, verra. Und eine zweite Feststellung von Wichtigkeit: es ist ein spezifisches Merkmal der Gegenwart, daß es: kaum jemanden gibt, den man besinnungslos gegen Baer favorisieren könnte.. Wie aber hätte der starke Junge aus Kalifornien gegen Tunney äbgeschnitten? Oder gegen Demsey, ja sogar gegen einen unverbrauchten Sharkey?! Hier "fiel die Antwort nicht schwer, aber sie ist müssig, denn Baer kämpft gegen andere Gegner und hat also mit anderen 'Bedingungen zu rechnen. Zwei Monate hat Amerikas Hoffnung Zeit, sich auf den Kampf gegen den Riesen vorzubereiten. Wie bisher stets in seiner Laufbahn ist Baer von seinem Erfolg überzeugt. ' Alles hängt davon ab, ob und wie ihm seine Tätigkeit als Schauspieler und Revuetänzer geschadet hat. Während diese Zeilen erscheinen, trainiert fern in den Waldgebiefen Kaliforniens ein junger Naturbursche, nur ein Ziel vor den Augen: Schwergewichtsmeister-der Welt zu werden- Wir wollen ihm abschließend Hamlets Worte zurufen: „In Bereitschaft sein ist alles!“ Jim K'one'r. Warum der Baer-Film verboten wurde Wir hatten in unserer letzten Nummer berichtet, daß die “orführung des amerikanischen Films „Männer um eine ■' r a u“, in dem der amerikanische jüdische Boxer Al a x SJas Sport=3nteroiett> bet 3.“ ,,3cf) liebe meinen Spott“ ÜBcItergeroidjtltr anotjer . St Bin Ober bas Debüt — Bes 3üöi[if)cn IBoxlIubs SBerlin Als der letzte Gong in den Sp i c h e r n s;i I e 11 verklungen war, als das letzte Kämpferpakr sich für den reichlich dargebrachten Beifall bedankt hatte, da konnte man abschließend feststellen, was schon während des ganzen Abends zu konstatieren war: das mutige Debüt des Jüdischen Boxklubs Berlin war ein voller Erfolg. Nicht immer . pflegen versprochenes und tatsächliches Geschehen sich die Wage zu halten, doch diesmal wurden die Erwartungen noch übertroffen. Sollte nicht alles trügen: die aus dem Nichts hervofgezauberte Basis wird sich auch bei stärkerer Beanspruchung als kräftig und zuverlässig erweisen. Den besten Eindruck von den Gästen hintcrlici! der Kölner Weltergewichtler Mayer, ein ehemaliges Mitglied der zweiten Kampfstaffel des berühmten S. -,C. Cb- > lonia. Der junge Fighter, der gerade 21 Jahre geworden ist, - stellt bestes, allerbestes Material dar. Wir nahmen nach den Kämpfen Gelegenheit, ihn nach seinen Eindrücken zu befragen. „Sie dürfen mir glauben,“ äußert sich der bescheidene, sympathische Junge, „dali ich über das Format der Veranstaltung wirklich überrascht war. Ich freue mich, daß wir gefallen haben und hoffe, bald wieder hier in den Ring gehen zu können. Leider sind ja die K a m p f g e I ege n h c 11 en selten geworden. Ich liebe meinen Sport, und es bedrückt mich, daß ich nicht mehr so oft wie früher zwischen den. Seilen stehen kann.“ Bei den letzten Worten ist das offene, frische Gesicht des jungen Sportlers ernst geworden. Er boxt von Kindheit an und immer ist er bemüht gewesen, sich ehrlich und fair zu schlagen. Niemals ist er einem Gegner gewichen, ohne vorher sein Bestes gegeben zu haben. „Ich wünsche,“ fährt er fort, „daß ich das nächste Mal in Berlin einem kampfstärkeren Gegner gcgenübergestcllt werde, damit ich meine Leistung steigern kann. Ich trainiere gewissenhaft, lebe solide und möchte unbedingt wieder regelmäßig kämpfen.“ Auch wir wünschen uns, Mayer bald wieder in einem Berliner Ring zu sehen. Er gehört zu denen, die nicht nur im seilumspannten Viereck, sondern auch. außerhalb der Kampfstätte den besten Eindruck hinterlassen. Eine Hoffnung? Nein, ein Talent, das, in die richtigen Bahnen gelenkt, noch viel leisten wird. Sein Trainer sollte es nicht versäumen, ihn immer wieder auf die Bedeutung des „upper cuts“ hinzuweisen. Wenn Mayer diesen Schlag seiner soliden, flüssigen Schlagtechnik einzufügen versteht, werden wir noch viele Siege von ihm zu sehen bekommen. Und abschließend: ein herzliches „Auf Wiedersehen“! J. K. “1 •'an ein wenig abgerissen aus, und sem Gesicht trug den stumpfen Ausdruck von Hoffniingsos.gkeit. Er saß m, düstersten Winkel, und seine hagere Gestalt schien sich kaum von der Waml ab/uhehen. „Alan muß immer unterwegs jein —sagte er, als uolle er sich seiner Erkältung wegen entschuldigen, und dann setzte er zugerml hinzu: „Wir sind wollt Kollegen?“ hr blickte auf seine grolle Pappnvappe. * i seinen Namen; er tat es eigentlich nur. uni Me!ischenrfüiiIt^afCU> Sympatffic für den armen i,leh heiße Ephraim —**, murmelte der andere und' verneigte sich ein wenig zu lief. „Ich hoffe, wir werden UUiek haben —‘y sagte Erich m einer unklaren Gemeinschafts-Empfindung. nie ^**r a,u^rü s^httelte den-Kopf: „Damit rechne ich In diesem Augenblick trat der Chef ein;’ Dröscher war em derber Vierziger mit wuchtigen Bewegungen mul lauter stimme. Er tratsofort an das Fenster, nachdem er wortlos die Mappe aus Ephraims Händen empfangen hatte. „Unmodern sagte er trocken. „Ganz nett in der Farbe, aber völlig unmodern. Schade. Wie war der Name'-*“ „Leo Ephraim.“ .. tnlr leid, Herr Ephraim. Sie müssen sich einmal :modernen Sachen ansehen. Man* kann Immer noch lernen* nicht wahr? Dies sind alles veraltete Motive. Nicht» für uns.“ _ , Er wandte sich zu Erich: „Darf Ich Ihre Sachen »eheti?“ Inzwischen ging der Verabschiedete mit müden, schlurrenden Schritten zur Türe und verschwand ohne ein: Wort. Erich sah Ihm nach. ' ' - , r> . -Während Dröscher die Blätter durchsah, sagte er: „Ihre Arbeiten gefallen mir, Herr — —?•• „Neumann. Erich Neumann._Aber Ich- „Ja —' ich weiß, Sie haben schon häufig für uns gearbeitet. Einen Moment — ich zeige die Sachen, einmal unserem Prokuristen, — das Technische muß er beurteilen. —“ Erich blieb allein. Er fühlte eine dumpfe Verzweiflung Dieses stumme Verschwinden Ephraims hatte ihn ergriffet und ihn zum Zeugen seines Unglücks gemacht. Weshalb vyai er nicht gleich mit ihm gegangen? Weshalb wartete er nocl hier, obwohl" er nun Dröschers Einstellung kannte? Er schier sich mitschuldig an einer Ungerechtigkeit, an. einem Zwiespalt — — Er griff nach dem Hut, wollte fort--Da kehrte Dröscher zurück: „Also, Herr Neumarm, wir nehmen vier von den Entwürfen. Wollen Sie gleich zur Kasse gehen? Ich schreibe Ihnen die Anweisung aus.“ Er reichte ihm-den Zettel hin. ... . Erich'nickte, ohne hinzusehen, und nahm das Papier entgegen. Dann war . er auf dem Oang, jagte di« Treppe, hinunter und stieß die Gtastttre auf. die zur Kasse1 führte, ln dem „kleinen Vorraum/stand der Kollege Ephraim,»£«f . drückte sich an die Wand, als wollte er a/chamllebtica ganz auslöschen. Auf seinem bleichen Oes/chF lag" einstkUff-;’ Iichesr-Lächeln, das schlimmer war ala Zorn oder Angwt. „Ich wußte, Sie werden Olfick haben —stammelte er. „Vielleicht-.“ Erich sah ihn an. Aber seltsamerweise " war es nicht Ephraims müdes Antlitz, das er erblickte. Es schien sich in. das junge, unschuldsvolle Köpfchen seines Knaben verwandelt zu haben. .Die dunklen Augen branntenihm entgegen, diese ungetrübten, von keinerlei'Lebenswissen belasteten Augensterne richteten sich mit dringlichster Frage *Uf 'Erich wich zurück — in einem plötzlichen Entschluß . stürzte er zum Ausgang und naton die Stufen mit großen. Sprüngen. Der erschrockene Ephraim starrte noefr immer verständnislos auf die hin und her pendelnde Glastür. _Jetzt stand Erich abermals dein Chef gegenüber. Er legte dem Erstaunten die Anweisung auf den Tisch zurück. „Ich möchte Sie nicht im Unklaren, darüber lassen, daß. ich auch Jude bin —sagte er. ==. Der Chef sah ihn überrascht an; sein Blick erwärmte . sich: „Lassen Sie mich einen Moment überlegen — Aber Erich hatte sich schon zur Tiir gewandt. Er wartete keine Entscheidung ab — konnte und wollte sie nicht abwarten. ' Als er auf der Straße stand, war er selber verblüfft, sich so wenig bedrückt zu fühlen. Hatte er denn nicht eben einen sehr tief eingreifenden Augenblick erleb»? Woher kam ihm dieser unverwüstliche Lebensmut?' „Kleiner Sohn-“, murmelte er und ertappte sich selber bei einem Lächeln. „Du wirst nicht zugrunde gehen dafür sorge ich schon — — irgendwie — “ Als Jascha Heifetz nach 17 Jahren' wieder in seine Heimat kam ...~ Die Kindergeige des Virtuosen Seit .der diplomatische Frieden zwischen Washington und Moskau wieder hergestellt ist, werden auch fleißig Künstler ausgetauscht. Dabei sieht mancher ehemalige Russe, der inzwischen Amerikaner wurde, seine Heimat wieder. Der heute weitbekannte Jascha Heifetz hatte, wie wir im „8 Uhr Abendblatt“ lesen, bei dieser Gelegenheit ein erschütterndes Erlebnis. Er war 17 Jahre nicht i ■■ - Moskau gewesen. Damals war er durch Sibirien nach Amerika „verreist“. Von seinen Verwandten lebte wohl niemand mehr — dachte er. Ein paar alte Onkels hatte er ' seinerzeit zurücklassen müssen. Doch — als er eben sein „Hotel für Ausländer“4 verlassen wollte, um sich zu seinem Konzertabend in das Moskauer Konservatorium für Musik zu begeben, hielt ihn ein altes, verhärmtes und verhungertes" Männlein vor der Tür an. Der Alte reichte ihm ein kleinem Päckchen hin: „Jascha, das ist deine alte, kleine_Qeige, deine erste!“ Ein alter Onkel, bei dem Jascha einige Kinderjahre veroracht hatte, lebte noch und hatte sich aufgemaeüt, um seinen großen und berühmt gewordenen Neffen zu sehen. „Weißt du noch, Jascha, deine Kindervioline, die du damals spieltest, als du vier Jahre alt warst. Jascha, du warst ein schönes Kind. Und das waren damals noch andere Zeiten!“

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