Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 27-28 (6.4.1934)
- Date
- 1934-04-06
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2613366-2613519-2613544--4850-2616583- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Hier berichten drei Reporter der Unterredung-mif dem Leiter des „Kunstwerk“, 9000 Künstler-Karten . .. Der jüdische' bildende Künstler ist heute besonders übel daran. Seit er nicht mehr ausstellen kann, fehlt ihm last immer die Verbindung mit dem' Publikum. Wie selten verirrt sich jemand in das Atelier eines jüdischen Künstlers, uewlb helfen oft jüdische Organisationen durch Ankauf eines Hildes. Aber was nützt es, wenn .-ein Bild eines Malers in Kohl oder Frankfurt hängt — wer kennt ihn dann in Berlin/ Der Künstler braucht ein Publikum. L)as will ihm „Das Kunstwerk“ schaffen, das von Dr. Herbert Loewenstein ins Leben gerufen würde: „Das Kunstwerk“ gibt Werke toll Malern als Kunstpostkarten heraus, die zum Preise von 20 Pfennig o Karte verkauft werden. Auf diese Weise will mall die ■ r der -Künstler in breitere Publikümsmassen bringen, „ich legte,“ so erzählt Dr. Loewenste pro Kar Bilder c Organisationen werden die Karten verkauft, ln Berlin l— jüdische Arbeitsnachweis einige Damen nachgewiesen, dadurch diesen Verkauf ständig beschäftigt werden.“ „Welche Künstler sind in der Sammlung vertreten?“; _ Die erste Kartellfolge,“ erklärt Dr. Loewenstein, „wurde Mitte Dezember mit einem WerkIvon Professor Max Lieberm au n eröffnet. Weiter wurden Arbeiten von Eugen Spiro, Julie Wolfthorn, Rahel Szalit, Leo Mayer, Frankfurt, und anderen wiedergegeben, ich bemühe mich, neben Werken von zum Teil schon bekannten Künstlern auch solche von jungen, aufstrebenden Kräften zu berücksichtigen. Die Leitung des Berliner jüdischen Museums hilft bei der Auswahl der Bilder beratend mit. Die Auswahl ist insofern besonders schwierig, als nicht allein künstlerische Gesichtspunkte zu berücksichtigen sind;; es muH das Bild vor allem auch für die einfarbige Reproduktion geeignet sein.“ / “ „Wie stellt-sich die Küustlerschaft selbst zu dem „Kunstwerk“'?“ - [ „Die Künstler haben natürlich großes Interesse daran, wie Zuschriften aus allen Teilen des Reiches beweisen. Neben dem materiellen Vorteil — die Künstler sind'mit einer prozentual hohen Tantieme an j dem Verkauf der Karten beteiligt — sehen sie in der Aktion vor allem einen Weg, die Arbeite« aus den vier Wänden; des Ateliers herauszubringen und mehr Fühlung mit-dem Publikum zu erlangen. Denn es ist ohne Zweifel, dall durch die Karten das Interesse des Publikums angeregt und der Boden für Ausstellungen, Ätelierbesuche und Bilderkauf vorbereitet wird.“ Der bisherige Erfolg dar „Kunstwerk" ist recht gut. Es wurden bis jetzt etwa UUUU»Karten ausgegeben, von denen bereits 7000 verkauft wurden. Au mehr als 100 jüdische Gemeinden wurden die' Karten versandt. Die meisten haben ein erfreuliches Verständnis für die Aktion gefunden. Doch hin und wieder kommt es auch vor, dall die „Annahme verweigert“ wird. Es' ist eben "noch nicht allgemein erkannt worden, daß „Das Kunstwerk“ nicht für die Künstler eine milde Gabe erbetteln möchte, sondern daß es dem. Künstler und die. Öffentlichkeit im Rahmen der jüdischen Schicksalsgemeinschaft einander näherbringen will. Ai—z. daß ihr Mann und zwei andere Kinder bereits in die Heimat vorgefahren seien, um für Unterkunft und Arbeit zu sorgen. . Sie bittet den Beamten, auch ihr und den beiden hier verbliebenen Kindern Fahrkarten in die Heimat zu bewilligen. Da alle ihre Angaben zutreffen, erhält sie das Gewünschte, außerdem ein Schreiben an das zuständige üreiizkomitee, das dann für Weiterreise und Verpflegung Sorge trägt. Besonders interessant ist der nächste „Fall“. Wieder ein junger Mann, der um eine Unterstützung'und um Eßkarten bittet. Es stellt sich heraus, daß-der Antragsteller k ein Jude ist. Man verweist ihn an die zuständige Behörde und empfiehlt ihm auch, die Stellen seiner Kirche in Anspruch zu nehmen. Trotzdem erhält er eine Eßkarte, da es dem Geiste der jüdischen Religion widersprechen Würde, einen Menschen hungern zu lassen. Endlos ist die Kette'der Besucher. Einer bittet uni einen Betrag von sieben Mark, die ihm an seinem Fahrgeld naeli Mannheim fehlen. Ein alter blinder Mann kommt mit seinem Begleiter, um sich seine laufende Unterstützung abzuholen. Er wohnt in einem Heim und ist nicht zu bewegen, es zu verlassen und in eine Wohnung zu ziehen. Dies ein kleiner Ausschnitt aus der Arbeit der Fürsorgestelle, der erkennen läßt, daß die Jüdische Gemeinde in vorbildlicher Weise für diejenigen sorgt, die kein Heim haben, und auch für solche, die Berlin nur als Durchgangsstättiou berühren. Julius Walter. Von der Schulbank ins Leben „Kann ich Dekorateur werden?“ Ostern, die Zeit der Schulentlassungen, ist vorüber. Lang gehegte Berufspläne jüdischer Abiturienten und anderer Schulentlassener wurden durch die Ereignisse des letzten Jahres gewechselt, und neue sollen jetzt durch Antritt einer Lehre verwirklicht werden. Entscheidend sind dabei die Anlagen, die einer in einen Beruf mitbringt. Um sie zu prüfen, gibt es in Berlin ein Psychotechnisches Laboratorium, m dem Dr. Heinrich Kuhn jene Eignungs-' analysen vomimmt, die als Grundlage für die Berufsberatung und -Umschichtung dienen. Da wird zum Beispiel ein Gymnasiast geprüft, ein Untersekundaner, der IQ 18 geboren ist. Der Vater ist Arzt, beide Großväter waren Kaufleute. In der engeren Familie sind Kaufleute, Ärzte, Studenten, die sich jetzt umstellen. Auch der Prüfling wollte ursprünglich Arzt werden. Seine besten Fächer sind Französisch, Mathematik, Zeichnen und Musik, für die ausgesprochene Begabung besteht. Er möchte jetzt Dekorateur werden und hofft, es bis zum Innenarchitekten zu schaffen. Die Eignungsprüfung beginnt. Auf einer Wandtafel ist eine Anzahl einfacher geometrischer Figuren gezeichnet, aus denen der junge Mensch mit 3—6 Strichen plastische Gegenstände zeichnen soll: aus einem Sechseck mit drei Strichen einen über Eck stehenden Würfel. Und so. Hierbei kann der Prüfungsleiter den Formensinn, plastisches Sehen usw. prüfen. Vor allem aber wird dabei beobachtet, wie der Prüfung an die Aufgabenfösuiig herangellt, ob sclmell entschlossen, wägend, zaghaft. Dann die Prüfung der Handsicherheit. Diese wird auf verschiedene Arten geprüft. Der-Prüfling bekommt einen feinen Tapezierhammer in die Hand, der mit einem Kontaktbrett sinnreich verbunden ist. Darauf sind Nägelköpfe eingelassen. Der Prüfling erhält die Aufgabe, eine Minute lang auf diese Köpfe zu hämmern. Durch eine Lampenschaltung wird jeder Treffer und jeder Fehler genau registriert. Nach Beendigung dieser Prüfung wird das Endresultat mit Hilfe von Normzahlen, die aus jahrelanger Erfahrung gewonnen sind, verglichen. Der nächste Prüfling ist ein junger Mann, der das Schlosserhandwerk erlernen möchte. Auch er erzählt - von seinen Angehörigen und seinen Wünschen. Der Vater, ein Bankbeamter, ist im Kriege .gefallen; die Mutter ist Schneiderin; eine Schwester Lehrmädchen im Detailhandel. Sonstige Verwandte sind kleine Angestellte, Schneider und Gewerbetreibende. Der junge Mann verläßt Ostern die und robust. Seine guten Schulleistungen sind Rechnen-'und Um den Handwerkrekruten auf gleichmäßige Dauerleistungen zu prüfen, muß er 10 Minuten lang ein Messingfallgewicht durch eine Glasröhre werfen und mit der Wurfhand wieder auffangen. Auch hier werden Treffer und Ver- 1. Klasse der Volksschule. Er ist 14 ‘h Jahre, gesund, groß sager von Minute zu Minute gezählt "und so eine Leistungskurve festgestellt. Es ergibt sich so aus dem gleichmäßigen Anstieg, daß der Bewerber für eine gleichmäßige Dauerleistung, z. B. Arbeit am laufenden Band, . geeignet ist. . In dieser Art gehen die Prüfungen weiter, wobei Dr. Kuhn erläutert: Geprüft wird nicht auf spezielle Berufe. Jeder Proband wird vielmehr angefangen von der Sinnestätigkeit bis zu den höchsten seelischen Funktionen, durchgeprüft und auch charakteriolo gisch untersucht. Eine derartige psychotechnische Untersuchung ergibt dann eine genaue Analyse der psychischen Funktionen. Auf die Frage, wie die jetzt die Schule verlassende Generation auf ihre handwerkliche Einstellung zu beurteilen sei, meint Dr. Kuhn, daß es sich zum größten Teil um vorzügliches Merischenmaterial handle. Natürlich fehle der typische Intellektuelle nicht darunter, den un ve rm i 11 e 11 zum Handwerk'zu zwingen, vergebliche Mühe sei. Für diese kämen entweder kaufmännische Beschäftigungen in Frage, wozu auch wieder eine besondere Eignung gehöre, oder sie müßten in den V o r 1 e h r e n , d. h. in Kursen für allgemeine Handwerklichkeit und Manualität, sowohl körperlich wie seelisch, für eine Berufsumschichtung vorbereitet werden. Erst wer sich auch dort nicht bewähre, scheide für jede handwerkliche Tätigkeit aus. In diesem Zusammenhang äußert sich Dr. Kuhn auch über das stark umstrittene Problem ■ der kurzfristigen Ausbildungskürse. Seiner Meinung nach sind derartige Kurzlehren für junge Menschen nicht geeignet. Aus ihnen kämen bestenfalls ungelernte, unqualifizierte Arbeiter, die in Leistung und damit im Leben immer hinter sachlich ausgebildeten Kräften Zurückbleiben müßten und auch bei der Besetzung von Arbeitsstellen meist - das Nachsehen Die. psychotechnische Eignungsprüfung zeigt, daß hier twortungsbewußte Arbeit-für unsere jüdische Jugend stet wird, als ein Glied in der Kette des großen Berufs- Ein Besuch;in der „Fürsorgestelle für Durchwanderer“ Wie sie kommen und gelten ... Die Fürsorgestelle für Durchwanderer der Jüdischen Gemeinde Berlin ist der Spiegel für das tragische Schicksal der Juden, das seinen Ausdruck findet in dem Worte „Wandcrung^V - Die Stelle, deren Räume sich im Jüdischen Wohlfahrts- . amt in der. Rosenstraße befinden, hat in der Hauptsache zwei Gebiete zu bearbeiten. Einmal die Durchwanderer- und Obdachlosen-Fürsorge, dann die Gefangeuen- und Strafent 1 assenen-Fürsorge. Seit ihrem Bestehen — die Fürsorgestclle wurde 1924 eingerichtet — wurde sie von etwa 180 ÜUÜ Personen inj Anspruch genommen. Allein im Jahre 1933 fanden |31 823 j Vorsprachen statt. Bei den Durchwanderern, erzählt der Leiter, Herr Loewen- Jlial, handelt es sich hauptsächlich um Leute, die in ihre Heimat reisen. Soweit ihre Papiere in Ordnung sind, erhalten sie Fahrkarten bis zur nächsten Grenzstelle ihres Landes sowie 'Zehrgeld und-ein Schreiben an die nächstzuständige Grenzfürsorgestelle. Sehr oft erscheinen hier aber.auch Reisende, die zwecks Stellungssuche oder aus anderen Gründen nach Berlin kamen, und die nun um Fahrkarten nach ihrem innerhalb Deutschlands befindlichen Heimats-Wohnort bitten. Auch Bedürftige, die eine außerhalb Berlins gelegene Arbeits- oder Ausbildungsstätte erhalten haben,- bekommen hier, selbstverständlich nach genauer Prüfling ihrer .Angaben, eine Fahrkarte. Diejenigen,’ die ins Ausland auswandern, werden der Auswandererstelle der Wirtschaftshilfe der Jüdischen Gemeinde in der. Oranienburger Straße 31-iüberwiesen, wo für ihr weiteres Fortkommen nach Möglichkeit gesorgtwird. Bei jeder Vorsprache wird zunächst in der Kartothek festgestellt, ob der Betreffende schon bekannt ist, und was hier über ihn eingetragen ist. Alle Angaben der Antragsteller werden, meist telefonisch, geprüft, so "daß die Abfertigung ' schnell vor sich gehen kann, j Unter „Obdachlosen“ werden Leute verstanden, die im städtischen Obdach oder sonstigen Herbergen wohnen. In solchen Fällen bemüht sich die Fürsorgestelle, durch Mietanzahlungen Zimmer zu besorgen, damit diese Menschen erst '"einmal ein festes Heim erhalten: Zu gleicher Zeit wird diesen Betreuten ein Pfleger beigegeben, der für das weitere Fortkommen zu sorgen haL Die Gefangenen- und Slrafentlassenen-Fürsorge erstreckt sich nicht nur auf den Besuch in Gefängnissen: Hauptsächlich ist cs vornehmste Aufgabe der!Fürsorgestelle, für die Kinder und Frauen der Gefangenen zu sorgen, damit diese -nicht zu hungern und zu frieren brauchen, ln vielen Fällen müssen Jltöbel sichergestellt und Pfänder eingelöst werden. Wird ei« Strafgefangener entlassen, so hat die Fürsorgestelle die erste Betreuung vorzunehmen. Im Anschluß hieran bewerkstelligt das Amt seine Überleitung an die zuständige Bezirkswohlfahrtsstelle, wo für Ihn ein Pfleger bestellt wird. Die Sorge um diese Elemente ist keine leichte Aufgabe. Denn es darf nicht vergessen werden, daß es sich hier z. T. um asoziale Elemente handelt, die die Geduld und die - Nerven der Beamten auf eine harte Probe stellen. Um so mehr ist zu bewundern, mit welcher Ruhe und Sachlichkeit die Verhandlungen geführt werden!. . . Die ersten Antragsteller erscheinen. Zunächst ein junger Mann, der umeine Eßkarte i für die jüdische Volksküche bittet; er möchte auch einige Bekleidungsstücke haben. Seine Wünsche werden erfüllt. Die gleichen Anliegen hat die nächste Besucherin, eine verhärmt aussehende Frau mit einem Kind. Eine andere Frau mit zwei kleinen Kindern erzählt, Reges jüdisches Leben (Brief für die „J.-I. Z.) Stuttgart, im April. Das Leben der jüdischen Gemeinde Stuttgart stand während der verflossenen Monate im Zeichen regster Vereinstätigkeit. Mit besonderem Elan und Erfolg trat die neugeschaffene, „Stuttgarter jüdische Kunstgemeinschaft“ wiederholt auf den Plan. Direktor Karl Adler, der bisherige Leiter! des Stuttgarter Konservatoriums für Musik, ist ihr Schöpfer. In kürzester Frist hat er ein tadellos diszipliniertes, erstaunlich sicher und klangschön spielendes Orchester geschaffen, dazu einen ausgezeichneten Chor. Mit stürmischem Beifall wurden in den verschiedenen- Konzerten die glänzenden Leistungen des Dirigenten, des Orchesters und Chors gefeiert. Die Stuttgarter Gemeinde verdankt Karl Adler die schönste und wertvollste Bereicherung ihres kulturellen Lebens, auf der Grundlage bester deutscher Musik- Tradition. Reges Leben herrscht in den württembergischen Ortsgruppen des R.J.F., allen voran in der Ortsgruppe Stuttgart. Den größten Zustrom hatte der Sportbund der Ortsgruppe Stuttgart zu verzeichnen. Seine Mitgliederzahl in Stuttgart beträgt mehr als 600. Die Sportabende im Bad Neuner sind außerordentlich stark besucht. Der Sportbetrieb selbst kann als sehr intensiv bezeichnet werden. Auch hier ein auffallend -starker Elan. Ein neu erworbener eigener Sportplatz im Feuerbacher Tal (bei Stuttgart) wird demnächst seiner Bestimmung übergeben werden. Von den übrigen Vereinigungen und Organisationen soll ein anderes Mal berichtet werden. Durch ihre stark ausgeprägte landsmannschaftliche Verbundenheit mit der übrigen Bevölkerung erfreut sich die Stuttgarter jüdische Gemeinde von jeher eines besonderen Ansehens im Lande. Dieses Ansehen ist auch durch die neuere Entwicklung nicht zerstört worden, sondern im wesentlichen erhalten geblieben. Das Stuttgarter Jüdische Lehrhaus veranstaltet gegenwärtig eint Vortragsreihe „Werdendes Judentum“. Innerhalb dieses Rahmens sprach Rabbiner Dr. Leo Ba eck-Berlin über „Lcbcnsgestaltnng“. Der Redner behandelte sein Thema in tief religiöser, aristokratischer Weise, fern von aller Dog- Internationale-u. Übersee- Transporte Spedition - Möbeltransport - Speicherei Willy Kulka, Berlin W 50 b 5 iMtantH 5070 Bambergerttr. 51 matik und allem Tagesstreit. Er ging aus von dem gewaltsam überstürzten Sprung der Juden aus dem Ghetto mitten in die moderne Welt Europas. In zwei Jahrzehnten wurden zwei Jahrhunderte der Entwicklung vorweggenommen und dadurch die ganze jüdische Tradition in den Seelen der Emanzipierten verdrängt. Die Emanzipierten glaubten, das jüdische Schicksal sei beendet. Sie waren, anstatt Subjekt zu sein, Objekt! ihrer Umwelt geworden. Sie waren, anstatt sich weiter zu entwickeln, „fertig“, nicht mehr Werdende, sondern „Gewordene“.' Die neueste Zeit hat das vermeintliche Ende des .jüdischen Schicksals beseitigt. Der Weg für die Weiterentwicklung der Juden ist frei. Wir müssen wieder da. anknüpfen, wo die -Entwicklung durch die Emanzipation abgerissen wurde, und so auf ganz neuer Grundlage unser Leben gestalten. Das ist „werdendes Judentum“. A. AI. Der Aachener Synagogenchorverein, veranstaltete ein Konzert zugunsten der Winterhilfe und des Gemeindewohl? fahrtsamtes, das die lebhafteste Beachtung weiter Kreisu gefunden hat. Der Chor zeigte sich unter dem Stab seines Umzüge, Spedition Massiver Lagerspeicher. 'Beratung kostenlos SwSimonowitz, ScMMelierQ, 65 Dirigenten Heidelberg als ein vortrefflicher Interpret komplizierter Gesänge. Der a capella-Chor „Zug der Juden nach Babylon“ war ein' Kabinettstück verhaltener Kraft. Hans Dusch an der Orgel bewies wiederum seine unübertreffliche Meisterschaft. Großes Interesse erweckte der auswärtige Solist,' Oberkantor Alter aus Hannover, dessen herrliches und blühendes Organ in hebräischen und jiddischen Gesängen schwelgte. Auch der Aachener Oberkantor Bernhard Alt offenbarte in einigen Sologesängen seine Kunst. Dr. E. K. Hamburg. Ir. der letzten Sitzung des geschäftsführenden Vorstands des J ü d i s c h-L i b er a 1 en Gemeindevereins e. V. wurden an Stelle ausgeschiedener Mitglieder. Rabbiner Dr. Bruno Italiener, Rechtsanwalt Dr. Max- Ei c h h o 1 z und Rechtsanwalt Rudolf Samson in den Vorstand gewählt. Mannheim.__„_____ Vereinigung sprach Rechtsanwalt Karl Oppenhei_ über „Jüdische Siedlungsprobleme1-. Der Redner gab ein Bild vom Siedlungswerk der Ika, die durch die 200-Millionenstiftung des Barons Hirsch vor allem in Argentinien, aber auch in Brasilien, 300 000 Hektar Land durch jüdische Siedler bebauet ließ. Aber so sehr auch der wirtschaftliche Erfolg der Siedlungen feststeht, der angestrebte ideelle Erfolg des Verwachsens der Siedler mit ihrem Boden wurde nicht erreicht, da die meisten nach Abtragung ihrer Schuld entweder ihren Besitz verpachteten oder verkauften und sich wieder städtischen Berufen zuwandten. Nicht mit der äußeren Umschichtung allein sei es getan, auf die innere komme es an. Da diese Idee bei den heutigen Juden vorhanden ist, kann man heute viel eher mit einem Erfolg jüdischer Siedlung rechnen als zur Zeit der ersten Ansiedler in Argentinien. Herzlicher Beifall folgte dem instruktiven Vortrag, für den der Vorsitzende; Josef Erlanger, warme Worte des Dankes fand. —nn. Rabbiner Dr. Appel SO Jahre alt Rabbiner Dr. Appel konnte vor wenigen Tagen seinen 50. Geburtstag feiern. _ wenigen Tagen seinen 50. Geburtstag feiern. Nachdem er eine Reihe von Jahren in Bingen amtiert hat, st er seit 1926 Rabbiner in der Dortmunder Gemeinde. Er hat ich durch seinen <rr„Rcn Fifer in o.m.r vielgestaltigen Arbeit!“ i der Gert großen Eifer ir._ _ —_ - -e Liebenswürdigkeit die Zuneigung c meindemitglieder erworben. Sein reges Interesse gilt auch der Tätigkeit in den Vereinen, insbesondere in der Ortsgruppe des Centralvereins Und der religiös-liberalen Vereinigung. Seine Predigten und Ansprachen machen die Gottesdienste, in denen er amtiert, zu wahren Erbanungsstunden. 01116730