Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 27-28 (6.4.1934)
- Date
- 1934-04-06
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Die „7.-1. Z.” empfiehlt Ihnen: Das jüdische Publikum ' Thomas Manns ne Oer junge Joseph ' Jaakobs“ den zweiten Teil seiner Trilogie „- Joseph“ (im S. Fischer Verlag, Berlin) folgen lassen. Als der zehnjährige Goethe sieh daran machte, die Geschichte. "Josephs in zwölf Bildern niederzuschreiben, war er vermutlich dadurch inspiriert worden, daß er bei einem Bild aus der Galerie des Grafen'Thoranc, das den Verkauf Josephs an die Midianiter darstelltc, Modell gestanden hatte. Thomas Mann haben für die 337 Seiten seines Romans. 35 Verse des .37. Kapitels aus dem ersten Buch Mose dem Stoff geliefert. Oder vielmehr die Anregung, den Impuls. Der 3b. Vers weist auf den nächsten Band „Joseph in Ägypten“ hin. ' Ein Roman? Kaum. Dazu fehlt'es dem Werk vielfach an Handlung und an der formalen Geschlossenheit.- Eine Nachdichtung? Dazu ist es allzusehr mit modernen Stil- . .elementen und kritischen Bemerkungen des Dichters durchsetzt. Eher eine Bibelkritik, ein eigenwilliger Kommentar, ein psychologischer Deutungsversuch. In einer Sprache, die zwischen der Kleists und der der Bibel schwankt, die Triviales mit Pathetischem mischt und stilistische Knappheit imvermittelt neben umständliche Weitschweifigkeit setzt. Aber das alles ist belanglos in Anbetracht der Großartigkeit des Gesamtwerkes. Auch hier, wie im ersten Teil, zunächst ein wirres, dichtes Gestrüpp aus früborientalischen Mythen-Komplexen. Dann jedoch weitet sich plötzlich das Landschaftsbild zu den klaren Linien eines seelisch-primitiven Menschentums, zu einem fesselnden Scelengemälde, dessen einzelne Figuren die biblischen" Namen tragen. Von dem Augenblick an, da Joseph dem achtjährigen, altklugen Bengel Benjamin seine unbescheidenen Träume anvertraut, bis zur Verschacherung des verhaßten Rahelkindes an die Wüstensöhne und dem grandiosen Schluß, da der greise Vater Jaakob in wirrem Schmerz.um den vermeintlichen Toten selbst Gott spielen-und aus Lehm einen Golem in Josephs Gestalt formen will, um sich schließlich in dem Gedanken zu beruhigen: Joseph ist in Abrahams Schoß — wird die Tragödie zwischen dem verwöhnten „Muttersöhnchen“ und seinen Brüdern in ihrer ganzen Unerbittlichkeit lebendig. Das sind nicht blutleere Schemen, nicht starre Träger eines Prinzips. Knappe Andeutungen der Bibel sind vielmehr zu plastischen, eindringlichen Charakterbildern ausgestaltet. Und wenn, außer dem Erstgeborenen Rüben, diese Jakobs- ' söhne in ihrem sich steigernden und wild entladenden Bruderhaß auch eine solidarische Masse bilden, sobald es um Joseph geht, den überheblichen Träumer, den Prahlhans, den siebzehnjährigen „Schönsten unter den Menschenkindern“, den Studierten, der Steine lesen und Keile schreiben kann, und dem die Feldfron schwer wird — es geht letzten Endes um den Kampf zwischen Geist und Körperkraft —, so sind cs doch mehr oder weniger Individuen mit persönlichen Eigenschaften, brutal und böse, leidenschaftlich und hemmungslos, neugierig und spitzfindig, schlau und verstockt. Am markantesten hebt sich Ruhen aus der Gruppe hervor. Nicht nur wegen seiner massigen Körperlichkeit. Er ist der Empfindsamste, ln ihm regt sich am ehesten so etwas wie ein Gewissen. Wie er den Bruder retten will, so mahnt ihn . der Schrei Josephs aus der Tiefe des Brunnens auch an den Vater, den er schonen möchte. Reue und Sorge tun des Vaters Herz treiben ihn auch von der Stätte der unseligen Brüdertat. Auch Juda, der junge Löwe, bleibt nicht unberührt, als die Brüder überlegen, mit welcher -Lüge sie Jaakob das Verschwinden seines liebsten Sohnes erklären sollen. Während Josephs Gestalt sich mehr in Umrissen zeigt, ' ‘ " r Menschenkenntnis heraus ge- : Brüder enschenkcnnlius heraus ge- _ _ _ ..jdel Wölfe gleich, auf den unscliuldig-schuldigcn Joseph stürzen, als sic seiner ansichtig werden, wie sie überlegen, ob sie ihn morden oder in die Grube werfen sollen, wie sie nach dem Verbrechen ihr Gewissen beschwichtigten, wie sie auf Levis Rat den „grimmigen Eid“ schwören: „daß keiner von uns jemals dem Jaakob noch irgend einem andern ,ein Sterbenswörtchen wird ansagen von dem, was hier geschehen, und'was wir mit dem Träumer gemacht, noch auch nur mit einem Wink, Blink oder Zwink des Auges will zielen, schielen und spielen auf diese Geschichte hin, bis in den Tod“. Es spricht für die Kunst der Menschengestaltung Thomas Manns, daß er die Brüder nicht nur in den schwarzen Farben des Bösbn malt, daß er auch zu ihrer Charakterisierung die Palette mischt, daß auch in den vertierten Menschen Gefühle der Schani über ihr Tun und der Angst vor Vater Jaakobs Fluch sich regen. Genau so, wie in Joseph, während er gefesselt drei Tage lang im finsteren Brunnenschacht liegt, eine Wandlung sich vollzieht, indem er staunend „in das Rätsel selbstverderberischen Übermuts“ blickt und der Fehler der Vergangenheit gedenkt. - Nach einer Ankündigung des Verlages erscheint der dritte Banddes Joseph-Romans in Kürze. Wir erwarten ihn nnt Spamjung. Engen Tiumcnbanm. Religionsliberalismus offentlicht, das in den Geist jüdischer Gottesverehrung einzuführen bestimmt ist , „ , Das Neue an der Publikation ist, daß sie noch mehr als bisher zeitnahe zu uns spricht, wie das unerwartete jüdische Schicksal es gebietet. Nicht die beträchtliche Stoffvermehrung an sich ist es, die der Neubearbeitung erhöhten Wert gibt, sondern die jüdische und menschliche Durchdringung des Gegenstandes. Überall strahlt klare Einsicht m die Wirklichkeit aus, Ehrfurcht vor den hohen Idealen des Judentums, sittliche Verantwortung, Wahrhaftigkeit, aufrechte .Haltung, vorbildliche Objektivität und ein hohes Maß von Feingefühl. Nirgendwo taucht der Moralfinger auf. Dann zeigt sich der vielerfahrene Pädagoge. Desto mehr aber wird das_ Buch erzieherisch wirken. Seine Sprache ist knapp, leicht faßlich und doch seelisch beschwingt, immer lebendig und anschaulich von lichtem, liebevollem Blick bewegt. Sie zwingt den Lehrer zum Miterlebten. Das Buch wächst sich zu einem praktischen Religionsbjich aus, so daß es ein ausgezeichneter Wegweiser für Jung wie Alt und für Erzieher im weitesten Sinne ist. Gelüftetes Redaktionsgeheimnis Wer ist Stefan Reginald Marines! Viele Monate hindurch haben sich die Leser, mehr noch die Leserinnen der „Jüdisch-liberalen Zeitung“ an dem Roman ergötzt, der ihnen — buchstäblich — „fortgesetzt“ Freude bereitete. „Zwei "im andern Land“ hieß er, Stefan Reginald Marknes sein Autor-, jedenfalls stand so zu lesen, aber jedermann fühlte, ahnte, wußte: Name war hier wieder einmal Schall und Rauch, hinter der Rauchsäule war eine Offenbarung verborgen. Großes Rätselraten begann, Briefe an die Redaktion wurden geschrieben, wurden freundlich, aber ausweichend beantwortet. Ungelöst blieb das „Problem“: Wer ist Stefan Reginald MaTknes? Auf allen Büchertischen liegt jetzt preiswert undpreisenswert der Roman „Zwei im andern Land“ (Benjamin Harz Verlag, Berlin-Wien). Sein Verfasser:. Martin Sa.lomonski. Das ist, wie jedermann weiß, der Name eines bekannten und beliebten Berliner Gemeinderabbiners, ein Name zudem, den man unter vielen Aufsätzen gerade auch dieses Blattes gelesen hat, aber auch auf Buchdeckeln, hinter denen sich mehr verbarg als nur ein Wort für den Tag. Der verdiente Seelsorger und Sozialfürsorger hat, so erinnert man sich, schon mehrere erfolgreiche Expeditionen in das Gebiet der Romändichtung gemacht. Diesmal rüstet er sogar — zwecks Lösung der Judenfrage — zu einer Forschungsreise auf den Mond und in das Jahr 19d2. Ist e r Stefan Reginald Marknes? Die Antwort scheint zu lauten (ohne Druckfehler): .! ein. Denn zwar geht der gleiche Text, . der in diesen Blättern unter dem Namen Marknes stand, nunmehr unter besagter theologischer Firma, aber nunmehr sind Fußnoten beigegeben, die hier einst noch fehlten, und von ihnen wird gesagt, sie stammten „von der unfehlbaren Seite des Herrn Stefan Reginald Marknes“. Uiid wieder , also erhöbe sich das bekannte Rätsel „Who is who?“, auch „Wer ist’s“ genannt, würde nicht auf Seite 157 die Fußnote 30a versehentlich alles enthüllen! Doch wird deshalb kein Leser auf die restlichen fünfzig Seiten mitsamt den dazugehörigen weiteren Fußnoten verzichten —: dazu ist der Roman viel zu spannend, die Anmerkungen viel zu lustig, das Buch viel zu ernst. Denn ja: es ist ein gutes Buch: ernst der Untergrund und Sinn, humorvoll und leicht die Ausführung und Form. Viele „Lösungen der Judenfrage“ werden gezeigt, gegeben und zugleich fein verspottet. Denn, so zeigt der Roman, alle sind nur Teillösungen und darum keine Lösung, solange nicht wir Juden selbst in uns die ewige Lösung vollziehen. Aber das wird nun keine Predigt und kein Lehnortrag, kein Magister redet mit erhobenem Zeigefinger, sondern schmucke Mädchen fahren uns in rassigen Cabriolets die Straße vom verpönten Egoistenklub zum C. A. L„ das ist: Club anständiger Leute. Laser, fahrt nun auch ihr —: ihr wandelt mit be- HANS SCHNEIDER SSäffiS» Hebel eigener Anfertigung — HaiuJgew. Teppiche Qm 6 Mk. — Keramik — Stoffe ab 65 Pf. — Bla» - Porzellan _J 1 Bismarck 6816 däclit’ger Schnelle zwar nicht vom Himmel durch die Luft zur Hölle, wohl aber von einem bekannten Filinhimmel (fast ist’s Hollywood) via Mond nach der Berliner Rankestraße. Und — lim den feinen Reiz vollständig zu machen — obwohl der Roman erst heut in neunzehn Jahren spielt: ihr trefft noch viele Bekannte. Also beeilt euch. Die Reise „ins andre Land“ lohnt, ist ergiebig nach jeder Richtung, bietet Erfrischung, Erholung, Erheiterung, Erhebung. (Hier wollte ich eigentlich aufliören. Doch zwingt midi langjährige Kenntnis der Leserpsyche zu dem Zusatz: Das „andere Land“ ist nicht Palästina, der Verfasser ist kein Zionist und redet auch keineswegs der überstürzten Auswanderung das Wort. Eher könnte jenes weite Land gemeint sein, von* dem auch im Faust die Rede ist. Und zwar ebenfalls im Zusammenhang mit einem „geheimnisvollen Buch“. Darum nochmals: nimm und lies!) George Goetz. Die geistige Regsamkeit des jüdischen Menschen äußert sich nicht zuletzt in einer lebhaften Anteilnahme für alles, was mit Theater, Literatur und Musik zusammenhängt. Es ist ihm ein Lebensbedürfnis, sich auseinanderzusetzen mit kulturellen Fragen, und in dieser seiner „konstitutionellen Anlage“, wenn man so sagen darf, liegt auch der Grund dafür, daß sich das Konzert- und Theaterpubiikum, sowie die Stammkundschaft der Bücherläden zu einem großen Teil aus Juden zusammensetzt. Ob man nach Paris oder London, nach Prag oder Warschau kommt, überall kann man die" Beobachtung machen, daß die jüdische Oberschicht ein Hauptkontingent der Kunstliebhaber da’rstellt, sei es, daß sie, wie Warburg oder Speyer in New York, sich mäzenatenhaft betätigt sei es, daß sie als Konsument die Kunstinstitute miterhalten und mitausbauen hilft. Wer einmal Gelegenheit gehabt hat, in abgelegenen Provinzen des Ostens die Bücherspinde jüdischer Hausierer -■ sehen, wird erstant gewesen sein, dort neben Shakespaere es heute vielfach geschieht. Eine angesehene Zeitschrift schrieb kürzlich mit Recht, daß die Juden in den vergangenen Jahren im Grunde, nichts anderes getan hätten, als einzurücken in freiliegende Positionen, und kein Geringerer als Prof. Hans Joachim Moser, Direktor der Akademie für Kirchen- und Schulmusik, schrieb im dritten Band seiner nicht gerade judenfreundlichen „Geschichte der deutschen Musik“; der überwiegende Anteil der Juden am deutschen Musikleben sei weniger ein jüdisches, als ein deutsches Problem, indem es nämlich darauf ankomme, in weiten Kreisen der Bevölkerung erst wieder Interesse für deutsche Musik zu wecken. Es ist gewiß nicht Überheb Interesse von Natur aus besitzt, und daß _ ...... jüdische Familie gibt, in der nicht Musik und Literatur gepflegt wird. Das Interesse an geistigen und künstlerischen Dinger." versteht sich eben beim jüdischen Menschen von seihst; es kommt nur darauf an, die vorhandenen Kräfte durch Erziehung in die richtigen Bahnen zu lenken. Es ist klar, daß eine Religionsgemeinschaft wie das Judentum, das so starken Anteil an dem Kulturleben seines Heimatlandes nimmt, ein ideales Publikum abgeben muß. jeder, der jüdische Besucher in den Konzertsälen und Theatern der großen europäischen Kulturzentren beobachtet hat, wird dies bestätigen können. Seine stets wache Intelligenz, gepaart mit einer besonders hoch entwickelten Einfühlungsgabe, befähigen den Juden, ein sehr dankbarer (allerdings auch sehr kritischer) Zuschauer und Zuhörer zu sein. Es wäre unrecht, zu verschweigen, daß die künstlerische Veranlagung des jüdischen Menschen auch gewisse Gefahrenquellen in sich birgt: etwa die der überspitzt-artistischen und genießerischen Einstellung. Aber das sind Gefahrenquellen, wie sie wohl jedes „bürgerliche“ Publikum aufweist. Im Großen und Ganzen darf man sagen, daß das jüdische Publikum gerade bei Künstlern sehr beliebt ist aus dem, einfachen Gründe, weil der Künstler ein sehr feines GefühL für jenes undefinierbare Schwingungsverhältnis zwischen Gebendem und Empfangendem besitzt, das für ihn eine Lebensnotwendigkeit bedeutet. Wenn sich heute das jüdische Konzert- und Theaterpublikum in Deutschland, dem Drucke der äußeren Verhältnisse gehorchend, zu einem „Kulturbund Deutscher Juden“ zusammengeschlossen hat, so ist auch dies nur als ein .Zeichen dafür zu lyerteu, wie unbedingt erforderlich für die jüdische Psyche .-die Beschäftigung mit geistigen und künstlerischen Dingen" ist. Der jüdische Mensch kann eben nicht vom Brot allein leben. Er muß. geistig wirken können, auch, gerade dann, wenn seine.Existenz gefährdet ist. So ist es denn ein. Zeichen unvergänglichen jüdischen Geistes, wenn heute zahllose deutsche Juden im Kreise ihrer engeren Gemeinschaft das Kulturgut aller Völker und Epochen pflegen. Die Zeiten zwar, in denen ein Mendelssohn Bachs verschollene und vergessene Mathäus-Passion - wieder ans Tageslicht ziehen, in. denen ein Reinhardt sich für die Erstlingswerke Gerhardt Hauptmanns einsetzen konnte, sind vorüber. Aber das jüdische Publikum lebt, lebt nicht nur in Paris, London, New York und Warschau, sondern auch in Berlin, in Breslau, in Köln, in Dresden. Wer es in der engen Gemeinschaft seines heutigen Wirkungskreises aufsucht, wird erschüttert sein über die Eindrücke, die er dort empfängt. Leviathan. Die Pferdekur des Propheten Jesajas Unter den Keilschrift-Funden der kürzlich abgeschlossenen fünften Expedition des Straßburger Archäologen Claude F. A. Schaeffer nach der kleinasiatischen Ausgrabungsstätte Ras-Shamra in Syrien (250 Kilometer nördlich von Beyruth) fand sich, wie wir der „Frankfurter Zeitung“ entnehmen, auch eine, inzwischen entzifferte, Abhandlung über Pferdezucht aus dem zweiten Jahrtausend v. Chr. Auf einer in drei Stücke zerbrochenen Tafel werden für altorientalische , -.1 Spiegel der Wissenschaft, aber in flutender Lebendigkeit, stets den Kontakt mit dem Leser wahrend. Der ■ Verfasser spinnt, die Fäden von der Bewegung des liberalen Judentums im großen zu der Sonderfrage des jüdischen Rcligionsliberalisimis in Deutschland. Es wird uns zum Bewußtsein gebracht, wie wahre Religion viel zu fein ist, um sich in ewige Ketten einer starren' Form legen zu lassen. -Zwar bedarf es der Form; sie soll aber nicht Zweck sein, sondern Mittel, Symbol, sichtbarer Wegweiser, um sie je nach -Bedarf ahäiidern und zerbrechen zu dürfen auf dem Wege des dauernden Kampfes um Gott. Dem Verfasser ist cs gelungen, die Entwicklung der Ereignisse und ihrer sie gestaltenden Persönlichkeiten aufzuzeigen, wonach echte Religion wahrhaftige Duldung bedeutet und in dem Bestreben der freien Entfaltung moralischer Werte unter dem Brennpunkt Vom Geist jüdischer Gottesverehrung Es ist heute ein besonders verdienstliches Werk prakcher Gemeinschaftsarbeit; wenn -von berufener Seite der rsucli unternommen wird, den vielen Suchenden die Werte d Lebensformen unseres Judentums schlicht, klar und warm r die Seele zu stellen. Dieser Versuch" eines Berufenen von hem Rang liegt vor uns. S. M ü 11 e r, dessen zahlreich auflegte pädagogische Schriften auf verschiedenen Wegen schon Jisdies Wissen und jüdisches Leben verbreitet haben, hat eben die zweite neuhearbeitete und vermehrte Auflage seines iches (im Verlag von J. Kaufftnann) „Von jüdischen rauchen und jüdischem Gottesdienst“ ver- Kunst im Reich Der „Jüdische Kulturbund in Bayern“ veranstaltete im Münchener Museumssaale einen Liederabend mit Lotte Leonard. Die gefeierte Künstlerin überwand rasch eine anfängliche Indisposition und schenkte reifste Kunst.. So wurden ihre Darbietungen, die von Meistern des 14. bis 17. Jahrhunderts zu Schumann, Schubert, Gustav Mahler; Hugo Wolf führten, zum hinreißenden Erlebnis. Herzlicher .Beifall dankte der Künstlerin, an dem mit Recht auch ihr feinfühliger Begleiter Otto Lehmann teilnchmeii konnte. Leider entsprach der Besuch des Konzertes nicht den Erwartungen. — Einige Tage darauf sprach, ebenfalls auf Einladung des „Jüdischen Kulturbundes in Bayern“ Rabbiner Dr. Leo Baeck- Berlin in der Münchener Haupt-Synagoge über den „Sinn der Geschichte“ und verstand es, mit seinen geistvollen, tiefschürfenden Betrachtungen die Hörerschaft aufs stärkste zu fesseln. Der inhaltlich wie Tormell bedeutende Vortrag war von musikalischen 'Darbietungen der Herren Dr. Benno Flehinger (Cello), Kantor Moritz Neu (Gesang) und Erich Erck (Orgel) umrahmt: Das Mendelssohn-Trio-Leipzig, das in Erfurt zum teil Male auftrat, bot eine Feierstunde künstlerischen Ge- .‘s. Außer dem Schubert-Trio in B-dur öp. 9!) und 'dem A-inoll op. 50 vor. Tschaikowsky, deren Darbietung seltene künstlerische Reife aufwies, brachten Konzertmeis Leo Schwarz und Professor Afrem Kinkulkin Solovorträge auf der Violine und dem Cello in meisterlicher Vollendung. Ihnen und der einfühlsamen Begleiterin, Frau Hella Chitrik, die auch den Klavierpart der Trios betreute, spendete die dankbare -und begeisterte Zuhörerschaft lebhaften Beifall. G. H. S. Kampfi erscheint Art Feigenpflaster, „Debalat“ genannt. Nun ist es aber gerade der „Debalat“, den im Alten Testament (2. Buch der Könige» 20. Kapitel, 7. Vers) der Prophet Jesajas als Arzt dem Könige Ezechias von Juda auf das Geschwür auflegen ließ» an dem der König schrecklichlitt. Dieser Monarch Wurde also einer richtigen Pferdekur unterworfen; dessenungeachtet genas Ezechias, wie die Heilige Schrift berichtet. Pastor Münchmeyer über das Judentum In einer Versammlung in Kolberg sprach Pastor Münchmeyer über die Frage, ob Christus ein Jude war. Das Verständnis der Judenfrage, so führte er der „Kolberger Zeitung“ zufolge aus, sei der goldene Schlüssel, um die Weltgeschichte der zweitausend Jahre zu verstehen. Dianähere Beschäftigung mit dem jüdischen Charakter und deit Sitten und Gebräuchen dieser Rasse müsse das Märchen vom dem a us e r-wä h 11 e n Volke Gottes auf das gründlichste zerstör eh. Diesem Volke habe Jesus Christusniemals angehört. Er stammte aus der Provinz Galiläa, ein- Name, der soviel wie Land der Heider öder der Gojim bedeute, und die Bewohner dieses Gebietes wären ebensowenig Juden wie die Deutschen in Kurland Russen waren oder die holländischen- Buren als Engländer anzusprechen sind. Galiläa war lediglich - ein unter jüdische Herrschaft, gekommenes Land. Das Wort der Schrift: „Das Heil kommt von den Juden“ heiße-, recht verstanden, nur: '„Das Licht kommt aus der Finsternis“. Wäre Christus in einem germanischen Lande geborenworden, so hätte man dort seine menschenfreundliche Lehre ohne weiteres anerkannt.