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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-04-06 · 27-28 (6.4.1934) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
27-28 (6.4.1934)
Date
1934-04-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Legende von der Seele des Messias Nach einem hebräischen Gedicht von Jakob Frischmann Der letzte Peßachiag klingt aus mit dem elften Kapitel des Jesaja, der klassischen Verkündung messianischer Zeit und messianisclter Hoffnung, „ Au Jordans Strand eine Schmiede steht, hell flackert vom Hlasch.alij geschürt das Feuer in der Esse, in roter Glut dehnt sich das Eisen auf dem Ambos, sausend fährt der Hammer hernieder, zischend sprühen Funken, und frajjt man den Schmied: was tust du da? Er spricht: ich schmiede — und eben /Je# ichs ’Tcrtig zurecht — dies Eisen für das Roll des Mcmskis, dal! alles bereit ist, wenn der Tatf seines Kommens leuchtet. An Jordans Strand ein Webstuhl stellt, ein Weber sitzt an ihm, Kcsckfiftig schläft er den Webstab und lallt das Schiffchen eilen, Schul) und Kette fügen sich* und unter den Händen des Meisters entsteht ein Gewebe von köstlicher Seide. Und fragt man den Weber? was tust du da? Er spricht: ich webe — und eben leg ichs fertig zurecht — dies seidene Kleid für den Messias,, dafl alles bereit ist, wenn der Tag Tag seiues Kommens leuchtet. An Jordans Strand sitzt im Wirkhaus ein Mamf tief über seine Arbeit gebeugt. In Rahmen gespannt ist'köstliche Leinwand, und mit seiner Nadel stickt er kunstvoll mit der Fäden Farbenpracht bunte Blumen auf das Leinen. Und fragt man jlen .Meister: was tust du da? Er spricht: ich sticke — und eben leg ich sie fertig zurecht — diese Fahne für den, Messias, dall alles bereit ist, wenn der Tag seines Kommens leuchtet-; , - Aber im Jtimmcl droben sind sieben Cherubim, still wie ein Traum, rasch wie ein Vogei am Werk. Vor dem Thron der Ehren stehen sie in Reih. Alle Grolle, alle Hoheit, alle Schönheit, alle Würde, alle Güte, alte Reinheit nehmen'sie und alles Licht und allen Glanz. -Jedes Mitleid mit dem Schwächen, der in. seinen Schmerzen still sich wälzt, jede Regung .des Erbarmens und alle Zartheit, alles tragen sie herbei und misdien’s, wie mau Salbe mischt. Und fragt man die Cherubim: was tut ihr da? Sie antworten: all das sammeln wir und tragen’s zu Haus und wirken so die Seele des Messias. Aber, ach, alle die rings umher am Werk sind, am Ende sind sie schon mit ihrer Arbeit, nur wir, wir sehen Kein Zeichen noch der Vollendung. Nichts fehlt als nur die Seele, diese reine, diese hohe; aber für sie ist nicht genug der Haufen, die wir gesammelt von allen Seiten. Noch ist nicht genug des' Großen* und des Hohen, flicht 'genug der Schönheit und der Würde, nicht genug des Glanze» und des Lichts, und. die Seufzer sind auch noch nicht lauter .und rein genug. Und die sieben Cherubim erheben ihre Stimme, Stimme der Verlassenen, Stimme sorgenvoller Klage, und bis heutigen Tag ist noch nicht vollendet die Seele des Messias. Max Dicnetnann. Gottesdienste Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162 Freitag, (>. L, vorm. 10 Uhr, Fred.: I)r. Swarsenskv; abds. 7.15 Uhr, Fred.: Zimet (Seelenfeier). — Sonnabend, vorm. 10 Uhr, Fred.: I)r. Sänger (Seelenfeier). Im Jugendheim der Liberalen Synagoge Norden, Schönhauser Allee 31, II Jeden Dienstag, 7 Uhr: Treffpunkt für Mitglieder, Freunde und Interessenten. (Zwangloses Beisammensein, Aussprachen, Auskünfte, Arbeitsgemeinschaften, Musik und iihnl.) Liberale Synagoge Osten, Aula Kaiserstr. 30 Freitag, (k. 4., abds. 7.30 Uhr, Fred.: Dr.. Flotte (Seeienf.). Liberale , Synagoge Nordost, Prenzlauer Promenade 176 Freitag; <>..•!., abds. 7.15 Uhr, Fred.: Graf (Seeleufeier). Liberale*" Synagoge Westend, Aula des Jüdischen Schulvereins Kaiserdamm 78 Wegen baulicher Veränderungen voraussichtlich bis Ende April geschlossen. Liberale Synagoge Wedding-Reinickendorf, Seestraße 44, Ecke MulleVstraßc, Kaffee Steinacker (Eilig. nur Müllerstr.) Freitag, abds.' 7/30 Jbhr, Fred.: Dr. Hirschberg (Seeienf.). Liberaler Gottesdienst Schmargendorf Altersheim Bcrkaer Straße 32 / reitag, 0. 4., 10 Uhr: abds. 0.45 Uhr. — Sonnabend, 7. -I., 10 Uhr: Predigt mul Seelenfeier: R. Brasch. Jüdische Reformgemcinde Logenhaus, Joachimsthaler Str. 13 Freitag, o. 4., (>.'30 Uhr: Pessaehfest-Gotjesdionst und Seelenfeier: Dr. Jelski. jüdische Reformgemcinde Johannisstraße 16 Montag, 0. 4., 1<I l'hr: Dr. Gottschalk.' Jüdische Religionsgemeinde Charlottenburg, Schulstraße .7 Freitag, (>. 4., 0.4 5 Uhr. — Sonnabend, 0.30 Uhr: Predigt und Seelenfeier Dr. Salomou. Wie die Berliner Pessach feierten Seder wie noch nie Ein überwältigender Gedanke: dall sich in allen Ländern der Erde zur gleichen Stunde jüdische Menschen vereinigen, um die Erinnerung an ihres Volkes wunderbare Errettung aus ägyptischer Sklaverei zu feiern, daß zur gleichen Stunde überall Kerzen aufflackern: „trostverheißend goldne Lichter...“ Die jüdischen Feste sind in erster Linie Familienf es t e. Aber die jüdische Familie ist heute erweitert; jeder gehört dazu, der innerhalb der jüdischen. Gemeinschaft lebt. Und wenn man ehedem den Sedcrabend nur im engsten Kreise der Seinen beging, vielleicht noch mit lieben Gästen oder einem Fremdling, wie das Gesetz es erheischt, so haben heute viele das Bedürfnis, auch au solchem Tage, und gerade das zu zeigen, daß ihre Herzen im gleichen Takt mit denen aller Glaubens- und Schicksalsgenossen schlagen. „Niemand sei von unseren Festen ausgeschlossen, auch der Einsame soll wissen, dall er das Glied einer großen Familie ist, an deren frohen Stunden er teiluehmen soll, wie er ihre trüben mittragen muß“ — dies war das unsichtbare Motto all der gemeinsamen Sederfeiern, die von den Gemeinden und Organisationen in B e r I in (und auch in vielen Städten des Reiches) veranstaltet wurden, und die noch niemals so starken Besuch aufwiesen wie in diesem Jahre. Vielerorts fanden diese Feiern statt, und je nach Alilieu und Art der Menschen hatten sie ein anderes Gesicht,-wenn auch überall die gleichen rituellen Handlungen vorgenommen wurden, vom sanften Licht der Kerzen überstrahlt, alter Sitte gemäß. Inniger, tiefer als sonst versenkten die Menschen sicli'- iu den Geist des' schönen Festes, das ein neues Band um sie wob. Und die sich bei den gemeinsamen Feiern zum erstenmal zusammenfanden, wurden schnell mit einander vertraut. Hier ein paar Ausschnitte aus solchen gemeinsam begangenen Sederfciern: In einem schönen weiten Raum im Nordosten Berlins hatte das Vorstandsmitglied der Liberalen Synagoge Nordost, . Herr Metz, zugleich Vorsitzender des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, einen Seder veranstaltet, dem auch zahlreiche Mitglieder des Bundes beiwohnten. Herr Lehrer Arend hielt den Seder ab, und besonders seine klar gefaßten Erklärungen .erregten Begeisterung. „Das Schönste ist doch, daß soviel Jugend hier ist4* gab einer der Teilnehmer der allgemeinen freudigen Stimmung Ausdruck. Logeuhaus Kleiststraße. Vieles in deutscher Sprache, was mancher gewohnt war, im Idiom der Väter zu vernehmen. Kein Fehler;' denn auch hier waren viel „Neulinge**. Darüber soll man sich freuen; die Gemeinschaft llllllilllilllllllllllllliltlllllllllllllllltlllllllllllllllllilllllllM Die „Gemeinschaft“ (Vereinigung für fortschrittliches Judentum) e. V. in Köln sticht, nachdem ihr bisheriger geistiger Führer Herr Rabbiner Dr. Gottschalk nach Berlin berufen worden ist, eine geeignete jüngere Kraft zur Erteilung des Religionsunterrichtes in entschieden reiigiösliheralcm Geiste. Schriftliche Bewerbungen werden erbeten an das Sekretariat der „Gemeinschaft“, Köln, Schönhauser Str. 40. wächst, lind die Menschen bekennen sich zu ihrem Judentum. Warm, behaglich der Aufenthalt in den herrlichen Sälen, die Jische mit Blumen geschntiickt — hier feierten diejenigen, die der Einladung des Svnagogenvereins Liitzow- .stralie gefolgt waren. das so viele Menschen in die Seder-Veranstaltungen bekannter Gaststätten geführt hatte. So bei Kaufmann, in den gemütlichen Räumen von Rubinstein. Sehr würdig leitete dort Herr Benno Mcyrowitz den Seder. Der zweite Teil hat gerade begonnen. Alan hat den Eindruck, als seien hier Mitglieder einer einzigen grollen Familie versammelt. Durch den Raum schwingt freudige Erregung, und wie gehen hier die Menschen alle mit dem Vorsänger mit! „Ein Lämmchen, ein Lämmchen ...“ Die alten Melodien, die Worte, die so vielen Geschlechtern gesagt wurden. Glieder einer unendlich langen Kette sind auch wir. Sich einfügen in das Ganze — aneinander fcsthalten — das sind große Aufgaben für den Menschen von heute. Der Vorbeters Worte verklingen — Stühle werden gerückt — lebhaftes Durcheinander von Stimmen — der Seder ist' aus. Bald werden dil- Lichter in den siebenarmigen Leuchtern knisternd verlöschen... 1-lly Hirschfeld. £ ' - Das war ein Seder! Ihn initzuerleben hätte man allen gewünscht, die zaghaft und mutlos sind und nicht an die Zukunft glauben können. Denn er wurde von denen getragen, die unsere Hoffnung sind, von deutscher j iidisc ii e r Jugend. Und auch der, dein diese Jugend nicht fremd ist, war überrascht und erstaunt über ihren Schwung und ihr Mitgehen in diesen Dingen. Dieser Seder allerdings, der im R e i c h e n h e i in - sehen Waisenhaus der Gemeinde abgehalten wurde, war in vielem anders als früher. In seiner Bedeutung zunächst, denn — das werden - viele in diesem Jahr bemerkt haben — Worte und Erzählungen waren plötzlich zum Leben erweckt worden, die früher nur Geschichte waren. Aber vor allem auch in seiner Form, denn, bei genauester Beachtung der Hagadah, brachte .es Direktor’ Feist nicht über sich, nur vorzutragen und die Gebräuche zu erfüllen, sondern er ■ging dem tieferen Sinn dieser Feier nach und erklärte den Kindern aus umfassendem Wissen heraus und so, dall es auch den Kleinsten verständlich wurde, Sinn und Bedeutung des Abends'. Auch ’ denen, die schon“ viele Sederabende erlebt Lesezirkel ausländischer Zeitungen Wien Prag1 Zürich Basel London Paris Manchester Franz Schettel. Schöneberg, Beiziger Straße 8, G 1 Stephan 8663 hatten, kamen so Dinge zum Bewußtsein, die ihnen neu waren: wer z.-B., der sich nicht intensiver mit jüdischen Dingen befaßt hat, wußte, daß'das Wort „Afikomen“ für Nachtisch aus dem Griechischen kommt und daß es am Seder darum keinen Nachtisch geben darf, weil diese griechische Sitte an diesem Abend nicht ausgeübt werden sollte? Alle solche Erklärungen aber wurden nicht im akademischen Vortrag gegeben, sondern in Frage und Antwort mit den Kindern wurde gesprochen. Weil es ja zum Seder gehört» dall der aus der Tischgemeinschaft, der nicht mn die Dinge weiß, den Hausherrn fragt! ' Die unvergänglichen und wunderbar einprägsamen Lieder der Hagadah klangen danu aber wie stets auf; hier war alle Problematik wie weggeblasen, hier gab es nur nach unbeschwerte.. Freude au der Melodie des Festes. Und wiemau sah, daß diese Jugend zugleich ernst sein und von Verständnis und Erkenntnis zeugende Antworten geben und heiter und vergnügt sein konnte, wußte man auch, daß man auf sie bauen und sich verlassen durfte. Darum war .es ein Seder der Hoffnung, der diesem Fest gemäß war, und eine ganz große Freude fiir den, der glaubt, daß es hothit, alle jüdischen Gebräuche lebendig zti gestalten, um sie jüdischer Jugend zu Dingen des Lebens zu machen. Jakob Schreiner.. Im baumbestandenen dunklen Vorhof des Brüdervereins in der Kurfürstenstraße weht leiser FriihUugswind. Stimmengewirr'dringt bis heraus — der erste Teil des Seders, zu dem die Jüdische Reformgeiueiude eingeladen hatte, ist beendet, das Mahl hat begonnen. Bruchstücke von Gesprächen regen zu Nachdenklichkeiten an. „Gewiß, die Kinder gehen heute eigene Wege, die uns nicht immer -verständlich sind. Aber sie entfernen sich doch nicht seelisch von uns. Sehen Sie, wieviel junge Menschen hier sitzen. Es fehlen. den Eltern nicht Sühne noch Töchter beim Fest.“ — „. . . mau vergißt einmal alle Sorgen, man weiß auch,-daß, man nicht allein steht...“ vernimmt man von einer anderen Stelle. * ' lin ehemaligen Logenhaus in der Joachimsthaler Straße hat Rabbiner Dr. Link unverheiratete junge^ Männer um sich versammelt. Auch bei Kretschmann in der OberwallstraUe, wo Gemeindemitglieder den Sederabend begingen, lind im Kempinskihaus in der Leipzigerstraße, herrschte religiös angeregte Stimmung. Ueberall Zuversicht; denn die Gegenwart jso vieler Gesinnungsfreunde wirkte erhebend, machte hoffuungsfroli. Es waren'an allen Stätten weit mehr Menschen erschienen, als man erwartet hatte. „Es ist das erstemal, daß wir den Seder nicht zuhause feiern“, sagt eine Dame, Familienmutter, von großer Verwandtschaft umgeben. „Wir müssen zeigen, daß wir Zusammenhalten — gerade jetzt...“ * Dieses stai ke (i e m e i u s c h a f t s g e f ü h l war es auch, Geschäftliches Aulier Verantwortung der Schrillleitung Die Leitung des Kal>:iretts Bühne und Brettl gibt bekannt, daß die Abendvorstellungen im April nur noch jeden Donnerstag. Sonnabend umJ Sonntagstattlinden.,’ Die Haustrauen-Nachmittage am Donnerstag und die Sonntng- Xaclunittag-Vorstellungcn um -1 Uhr werden bcibehaltcu. A , Unseren Lesern, die’ die Technik des Autofahrens erlernen wollen, empfehlen wir die Auto-hihrschule Leopold .Maler. Der Leiter dieses jüdischen Unternehmens ist seit 191.1 als Fahrlehrer ztigelassen. * Anmeldung zu den Kursen., dieschon von 25.- Alk. an erteilt werden, kann jederzeit erfolgen. Die .Abholung der Schüler zum Unterricht ist kostenlos. » Daü die modernen Uebetsecdampfer heute mit jedem nur erdenklichen Luxus- •ausgestattet sind, um auch die Bedürfnisse selbst des verwöhntesten modernen Seefahrers zu erfüllen, ist allgemein bekannt, weniger, dall auch der auf rituelk- Verptlegung wertlegende Passagier während der Ueherfahrt. genau nach rituellen Vurschriltcn leben kann. So hat der White Star-Dampfer „Majeslic“. der gröüte- . Dampfer der Welt, nicht weniger als zwei Koscher-Küchen. eine für die erste Klasse und eine für die Touristen- und dritte Klasse. Die rituellen Vorschriften des Kaschruth werden auf dem Dampfer mit aller Sorgfalt befolgt. Fleisch. Genüge! und andere Kliwaren werden im koscheren Kühlraum aufbewahrt. Von seiten der White Star-Line wird somit nichts unterlassen, was der strengen Beobachtung der jüdischen Gebräuche förderlich sein könnte. Der Direktor der Gesellschaft. Air. Fl Trevor Lewis hat erst vor kurzem einem journalistischen Besucher! gehemiher betont: ..Wir schätzen nnsere jüdischen Passagiere aller Klassen um! sind bestrebt; sie zu befriedigen soweit dies irgendwie in unserer Macht liegt.“ I"berliner HAUS- U. GRUNDSTÜCKS-' Steuerberatung VERWALTUNG Hausverwaltung BERLIN-WILMERSDORF. Kaiserallee 48 " ~ "'«m- Besonders sachverständige Bearbeitung aller Gnindverrungen- und Hausztniiteuer-Angetegenheiten | _Behördlich zngelassen _J Litt 30 Js^re* Jrsij iee rtitf Qjahiöien das haus der guten HERREN - v. KNABEN KLEiDUNG Berlin; Sdtöntbaq. Hauplskl Für Mk. 3,— 1|B Los ein Vermögen <L die Staat!. Lotterie-Einnahme lHlsdierMjonh™' am Annlulusplatz Elektro-Physikalische Heilbehandlungen und Massagen Rudolf u. 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