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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-03-27 · 25 (27.3.1934) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
25 (27.3.1934)
Date
1934-03-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Eine bedeutsame Erklärung der Lügenabwehrzentralstelle, der NSDAP. Antüüdische Boykottpropaganda untersagt Letzte Madufhhten Fürst Starhemberg über den Antisemitismus Im Anschluß an die Propagandaaktion der NS-Hago, die Handel und Handwerk „zu bester Leistung und vorbildlicher Bedienung anspornen“ will, hat sich leider gezeigt, daß einzelne örtliche Stellen diese begrüßenswerte wirtschaftliche Aktion da2U benutzt haben, gegen, den Oster-Einkaut in jüdischen Geschäften Stellung zu nehmen, obwohl dies nicht dem Willen der Regierungsinstanzen entspricht. Um so erfreulicher ist es, daß ein jetzt veröffentlichter Aufruf der NS-Hago keine Andeutungen über eine Benachteiligung jüdischer Geschäftsleute und eine eventuelle Ausschließung von der Wirtschaftspropagandaaktion enthält. Auch ein Aufruf der Kreisleitung Breslau- Stadt der NS-Hago" besagt, daß in gewissen Kreisen die Behauptung verbreitet werde, die NS-Hago wolle im Anschluß an den Mittelstandswerbetag einen Boykott der jüdischen Geschäfte ansetzen. Diese Nachrichten seien unwahr, und es wird um Feststellung'der Verbreiter dieser Gerüchte ersucht. . Daß die von jüdischer Seite gehegten Befürchtung gen als, grundlos betrachtet werden können, geht auch aus einer Erklärung der Lügenabwehr-Zentralstelle der NSDAP hervor, in der es ü. a. heißt: „Ausländischen Pressemeldungen zufolge sollte in der Zeit vom 23. März bis 7. April |in Deutschland ein Boykott ' gegen die jüdischen Geschäfte proklamiert und durebgeführt werden. Hierzu wird festgestellt, daß diese Meldnn g von dem jüdischen Aktions-Komitee, dessen Zentrale in der Hand des Juden Untermeyer in Newyork liegt, verbreitet wird. Sie entspricht in keiner Weise den Tatsachen. Wahr ist, daß von der N.S.-Hago (Nationalsozialistische Handels- und Gewerbeorganisation) in der Zeit vom 23. ..März bis 7. April eine Schulungsallion durchgefübrt werden soll, um auch den Mittelstand in der Vom Führer angekündigten Frühlingsschlacht gegen die Arbeitslosigkeit erfolgreich einsetzen zu können. Jede antijüdische Boykott- . Propaganda ist von den verantwortlichen Führern dieser •Aktion in Wort und Schrift ausdrücklich untersagt worden.“ Die Erklärung beschäftigt sich dann eingehend mit den Absichten des jüdischen Aktionskomitees, das glaube, bei einem zentralen Boykottangriff des Weltjudcntums die deutsche Wirtschaft empfindlich schädigen zu können und hoffe, aut diese Weise einen politischen Druck auf Deutschland auszuüben. Die Erklärung schließt mit folgenden Worten: ® „Ebenso wie alle objektiven ausländischen Besucher in Deutschland die ehrliche; Überzeugung gewonnen haben, wird auch die amerikanische Öffentlichkeit erkennen, daß das junge Deutschland nichts anderes als Frieden und Arbeit will, daß die Juden in Deutschland ihrer privaten und wirtschaftlichen Betätigung im Rahmen der Gesetze frei lind ungehindert nachgehen und daß die Nutznießer einer neuen Greuelhetze einzig und allein die Exponenten des internationalen Judentums sein würden.“ Eine aufschlußreiche Statistik Die Umschichtung der deutschen luden Üer gegenwärtige Stand und die Aussichten der Be* r ufsumsc nie litungsar beit unter den deutschen Juden gehen aus Ziffern hervor, die soeben vom Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau bekanntgegeben''' werden. Danach stehen derzeit in Deutschland 6069 jüdische Menschen in Bemfsunisehichtnng. In landwirtschaftlicher Ausbildung stehen insgesamt 'J73S Personen.- Von den Umschichtendeii entfallt, wie aus den Aufstellungen der Wirtschaftshilfe der Jüdischen Gemeinde'Berlin heryorgeht, auf Berlin j-niicl ein ‘Viertel, nämlich 146ST, davon sind 659 Männer lind $09 Frauen.-. Die Zahl der in landwirtschaftlicher Ausbildung Befindlichen ist in Berlin verhältnismäßig viel kleiner als im Gesamtreich, wo sie fast 50 Prozent aller Umschichtler ausniacht, sie beträgt 257. ' "Ihrem früheren Berufe nach stehen unter den Männern die Kaufleute mit 461 zahlenmäßig an der Spitze, - 45 waren Studenten, 53 Akademiker. Es zeigt sieh somit, daß das in geistiger und moralischer Beziehung so überaus bedeutungsvolle Akadeniikerproblem in der Umschichtungsarheit nicht-jene überragende Rolle spielt, die man vermutet hat. Von den umschichtenden Frauen waren die meisten, nämlich 331, früher Kontoristinnen, 119 Verkäuferinnen. 69 Ehefrauen,rdie früher .nicht erwerbstätig waren, erhalten durch die Wirtschaftshilfe berufliche Schulung. Außerordentlich umfangreich sind die der Berufsumsehichtungsarbeit in nächster Zeit bevorstehenden Aufgaben. Im- April werden zirka 9000 Menschen in die Berufsumschichtung ein/.uordnen sein. Voii ihnen werden etwa 3000 kaufmännischen Berufen zugeführt werden, da berufene Fachleute vor einem hemmungslosen E i n s t r ö m e n i n den handwerklich,en und landwirtschaftlichen Beruf warnen und unter Berücksichtigung der vorhandenen Möglichkeiten und der anzustr.ebenden Normalisierung der beruflichen Schichtung der jüdischen Bevölkerung die Berücksichtigung des kaufmännischen Berufs zu einem Drittel für angemessen halten. In den letzten vier Monaten des Jahres 1933 hat die Berufsumschichtungsarbeit des Zentralausschusses einen Betrag von 370 000 Mark erfordert. Schon heute ist der monatliche Bedarf auf über 100 000 Mark gestiegen und wird sich selbstverständlich nach der Einreihung der neu in die. Umschichtung Eintretenden noch weiter erhöhen. Für das erste Halbjahr 1934 wurde deshalb ein Betrag von 900 000 Mark für die Umschichtungsarbeit veranschlag. „Land- und Handwerk" wirbt Der Kreis deutsch jüdisch er Selbsthilfe „Land und Handwerk“ hat im Rahmen einer großzügigen Werbeaktion Fragebogen versandt, aus denen die Ziele der Organisation erkenntlich sind. „Land und Handwerk“ ist Zusammenschluß aller deutschjüdischen Umgeschichteten. Die Umschichtung bleibt — in der Hauptsache 7— Arbeit und Pflicht der Gemeinden. Aber von der Gesamtheit der Umgeschicliteten muß den Gemeinden bei Aufbau und Durchführung der Umschichtung geholfen werden. Die Schaffung und Erfassung von Möglichkeiten für die endgültige berufliche Verwurzelung in Deutschland ist die andere große Aufgabe. Eine der ersten Verwirklichungen der Arbeit werden Wohngemeinschaften sein. Dort, wo die Umzuschichtenden wohnen, verpflegt werden und ihre Freizeit gestalten, soll auch für die Außenstehenden der Grund zu einem neuen deutschjüdischen Gemeinschaftsleben gelegt werden. Gottesdienste Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162 Freitag, 30. 3., abends 6 Uhr: Lit.: Dr. Hirschberg. — Sonnabend, 31. 3., vormittags 10 Uhr: Pred.: Dr. Hirschberg; abends 0 Uhr: Lit.: Dr. Plötke. — Sonntag, 1. 4., vormittags 10 Uhr: Pred.: Graf. Im Jugendheim der Liberalen Synagoge Norden, Schönhauser Allee 31, II Jeden Dienstag, 7 Uhr: Treffpunkt für Mitglieder, Freunde und Interessenten. (Zwangloses Beisammensein, Aussprachen, Auskünfte, Arbeitsgemeinschaften, Musik und ähnl.) „Keine Gewaltmethoden“ Irreführende Statistiken — Wiedereintritte ins Judentum Wien. Bei einem Lunch der englisch-amerikanischen Presse, zu dem der Bundesführer der Heimwehr, Fürst Starhemberg, als Ehrengast eingeladen war, hat er'sich auch über die Judenfrage in. bemerkenswerter Weise geäußert. Der Antisemitismus der Gewalt, so führte Fürst Starhemberg aus, sei ein Unsinn. Die Judenfrage in Österreich könne nicht durch Gewaltmethoden gelöst werden. Die einzige Lösung liege in zu' schaffenden Gesetzen, die der Empfindung der christlichen Mehrheit entsprechen müßten. Die wertvolle Judenheit werde das selbst einsehen. „Wir wollen die. wertvollen Juden, deren Dienste .beim Wiederaufbau des neuen Österreich wir benötigen und auch in Anspruch nehmen werden, behalten.“ In einer stark besuchten Versammlung der Landesgruppe Österreich der -sogenannten Harandbewegung, einer gegen den Antisemitismus gerichteten n i c h t j ü d i s c h e n Organisation, erklärte Frau Irene Harand,'die Schande des Antisemitismus werde dem österreichischen Volke erspart bleiben, denn sie habe Vertrauen, daß die regierenden Männer ein antisemitisches Regime ablehnen. Während von offizieller Seite die Nachrichten über geplante judenfeindliche Maßnahmen immer wieder dementiert werden, fahren die antisemitischen Zeitungen Österreichs fort, Sondermaßnahmen gegen Juden auf einzelnen Gebieten zu fordern. .Diese Kampagne wird in der Presse durch Veröffentlichung irreführender Statistiken noch unterstützt, und das Hauptorgan der christlich-sozialen Partei bestätigt die Meldung, wonach ein Abbau „jüdischer und konfessionsloser Ärzte“ in den städtischen Spitälern und anderen Gesundheitsinstitutionen Wiens bevorstehe. Inzwischen hat sich die Rückkehr Konfessionsloser in die Religionsgesellschaften,' die seit dem Ende der Februarereignisse in _ Österreich eingesetzt hatte, weiter verstärkt. Während im vorigen Jahr die Eintritte in die jüdische Kultusgemeinde nur etwas mehr als die-Hälfte der Austritte betrugen, wurden in diesem Jahre in der Zeit bis zum 20. März schon 188 Wiedereintritte vollzogen, dagegen betrugen die Austritte in diesem Zeitraum nur' 49.' ln der vergangenen Woche standen 36 Eintritten nur 6 Austritte gegenüber. Versicherungsschutz in jüdischen Jugendverbänden Liberale Synagoge Osten, Aula Kaiserstr. 30 Freilag, 31). 3., abends 6 Uhr: Brasch. — Sonntag, 1. 4., vormittags 10 Uhr: Pred.: Zimct. Liberale Synagoge Nordost, Prenzlauer Promenade 176 Sonntag, 1. 4., vormittags 10 Uhr: Pred.: Brasch. Liberale Synagoge Westend, Aula des Jüdischen Schulvereins Kaiserdamm 78 Wegen baulicher Veränderungen voraussichtlich bis Ende April geschlossen. Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände Hat für .alle ihm angeschlossenen Jugend-, Turn- und Sportvereine mit Wirkung vom 1. April die Durchführung eines einheitlichen Versicherungsschutzes angeordnet, nach demj; Jugendliche und Gruppenleiter, die beim Betrieb der Jugendpflege einen Unfall erleiden, Anspruch auf Entschädigunghaben und den Vereinigungen, Vereinen und Verbänden, deren Vorstandsmitgliedern und Gruppenleitern Schutz gegen Schadenersatzansprüche auf Grund gesetzlicher Häftpflichibestimnningen geboten wird. Liberale Synagoge Wedding-Reinickendorf, Seestraße 44, Ecke Alüllerstraße, Kaffee Steinacker (Eing. nur Müilerstr.) Freitag, 30. 3., abends 0 Utir: Wreszinski. Liberaler Gottesdienst Schmargendorf Altersheim Berkaer Straße 32 Freitag, 30. 3., 6.30 Uhr. — Sonnabend, 31.. 3., 6.45 Uhr: Dr. Warschauer. — Sonntag, 1. 4., 10 Uhr: Dr. Prinz. Jüdische Reformgemeinde Logenhaus, Joachimsthaler Str. 13 Freitag, 30. 3., 6.30 Uhr: Dr. Gottschalk, Pessachgottesdienst. Jüdische Reformgemeinde Johannisstraße 16 Sonntag, 1. 4., 10.30 Uhr: Dr. Rosenthal,' Einsegnungs-- gottesdienst. : ' ■ r$antiCien-4lfironi(i (Aufnahmen in diese Rubrik kostenlos.) Am 27. März wird in der Svnagoge in der Roonstraße in Köln die Trauung von Herrn Walter Beilbeck und Frau Martha, gcb. Schwärcz, vollzogen. In Münster i. W. begeht am 31. März Herr Abraham Bae r seinen SO. Geburtstag. Schwerer Unfall während einer Paläslinafahrt Jerusalem. Auf. dem Dampfer „Italia“, der Palästinareisende von Triest nach Jaffa beförderte, ereignete sich im Cipern-Hafen Larnaca ein schwerer Unglücksfall. Bei der Verladung von Lasfen stürzte ein Kran auf eine Gruppe von Auswanderern. Ein zwanzigjähriges Mädchen, Sarah Chajes aus Lettland, wurde getötet, sieben Personen erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Auswanderungshilfe für deutsche Juden Paris. Auf der Sitzung der Executive der Vereinigten Organisationen für Auswandererhilfe HJCEM, an der außer den Mitgliedern der Exekutive auch der Präsident des Brüsseler Hilfskomitees, Max Gottschalk, und der Präsident der Anglo Jewish Association, Leonard G. Montefiore, teilnalimen, wurde der Verwaltungsbericht für das Jahr 1933 und die Zeit bis zum 15. März 1934 über die normale- Auswanderungshilfsarbeit und die besonderen Aktionen auf dem Gebiet der Auswanderungshilfe für deutsche Juden erstattet. Danach wurden durch HJCEM int letzten Jahr 10 614 Personen, Auswanderern aus Osteuropa und aus Deutschland ausgewanderten Juden, Emigrationsmöglichkeiten gegeben. WXSCHEREI BARTON Plätterel,Gard.-SpannereLGew.-WÄsch. f |)ap| Kaiser Fricdrirlu.tr. la (am WliCiriif Luisenplatz) u. Coelhestr. 7-4 uiiil J.i< Expreß - Entfledcerei Vera Buckow T-hH 7 l\'Uuicr.-,l. o/l'N Wilmersdorf. 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