Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 24 (23.3.1934)
- Date
- 1934-03-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 8 Wort der Tugend imiiiiiMiiiiM Monatlich erscheinende Beilage der »/Jüdisch-liberalen Zeitung“ Verantwortlich für den Inhalt: Heinz Keller mann, Berlin - Charlottenburg 1, Königin Luise Str. 3 Zehn auf Winterfahrt Ein Kapitel für sich Von Anni Jacobsohn Das mußte jeder wissen: diese Fahrt wird beweisen, ob Wir eine wirkliche Gemeinschaft sind oder nicht. Sie mußte beweisen, was „Gemeinschaft“ heißt. Machen wir keine großen Worte, sonst glauben .alle, wir reden nur Phrasen. Drum, kurz und bündig: „Wir habeh’s geschafft!“ Wir fuhren am Sonntag nach Lauenburg, wurden dort schon von unserem Kleeblatt mit Hallo empfangen, kamen in ' unser Quartier, verstauten unsere Sachen, ließen uns berichten, wie es am Sonnabend war, — kurz, alles, was „dazu“ gehört, geschah. Dann liefen wir 10 los, — in den Wald, am See entlang, sangen, trabten, aßen, —Was soll ich sagen? Wir waren zusammen! Dieses Zusammensein zu beschreiben, ist wahnsinnig schwer. Denn man wird sicher denken, wenn 10 ' auf Fahrt sind, dann werden sie sich ja sicher über Probleme aussprechen, werden über wichtige Fragen diskutieren, — 'alles falsch. . Wir ließen die Sorgen, die Gedanken und Probleme zu Hause und waren im ursprünglichsten Sinne, richtige Kameraden, die nicht befehlen und gehorchen, sondern die miteinander; füreinander Zusammenhalten und sich dieses Mal nur erholen wollten und sonst nichts. . Es mag Euch daher vielleicht auch verwundern, wenn Ihr unsere Fahrteilberichte lest, daß wir eigentlich nichts getan haben. Nein,’ das haben wir auch nicht! Wir hatten ja kein „Führerlager“ und keine „Tagung“. Wir waren „nur“ auf Fahrt. . Also zur Sache : — Um 1 Uhr: Hunger! Rechts um kehrt, ab marsch nach Hause, Dort finden wir: Griesbrei. Fragt bitte nicht, wie er war. Es genügt, wenn ich folgendes berichte: Unser . guter Erwin kommandierte: ein Happen für Betty, ein Happen für Heinz,- einer für Manfred, und so mußte jedes Kind im IIL dran glauben. Bei, unserer großen. Mitgliederzahl haben Wir es ja nun auch glatt geschafft. Dann gab es eine Ruhepause. Wir legten uns „aufs Zimmer“, packten uns ein, und klapperten noch im Schlaf vor Kälte mit den Zähnen. Die: Aussicht für die Nacht schien lieblich zu sein. Aber: wie!' immer das Motto: alles ist nur halb so schlimm! Halb so schlimm war es, daß unsere Bude etwas dreckig war, halb so schlimm, daß cs „lausig kalt“ war. Ein Spaziergang-durch Nebel, durch Nässe, durch den Wald ins Dünkie. Ein stummes Sich-Vertragen. Dann im Zimmer Lieder-Singen. Erwin spielt Klampfe, - wir sitzen, singend, im Zimmer und wissen, es kann nicht schöner werden. Aber, das ist ja Quatsch. — Keine ,-,Gefühlsschilderungen“, bleiben wir sachlich. 1. Abendbrot. 2. - Spaziergang. ' . 3. Bettenmachen. 4. Schlafen! Am Morgen : Aufslehen, Waschen, Aufräumen,Singen, Essen. Wir sitzen.ini Aufenthaltsraum, unsere 10, alle ausgeschlafen am Tisch, am anderen Tisch ungefähr 35 Chaluzim, nebenan 50 B.Z.V.er. Wir singen. Schließlich wird auch' gefragt: „Wo kommt ihr her und was seid ihr? Worin unterscheiden sich die Ring-Leute, der 1LI, die DJJG usw. von einander? Was nennt ihr religiöse Erziehung?“ Kurzum, es kamen Fragen, die kommen mußten, wenn Bünde verschiedener Ideen Zusammenkommen. Wir hatten eine kleine Diskussion, wir waren unserer Sache sicher, aber dennoch, man muß sich immer wieder sagen: Achtung! Antwortet nie mit Phrasen, antwortet nie auf ironische Bemerkungen und antwortet mit Disziplin und mit Sicherheit. Wir konnten aus dieser Morgenunterhaltung eine Menge lernen; denn jeder Zusammenprall erzeugt Gedankensprünge und neue Fragen. Dann kam Heinz aus Lehnitz, — wieder ein Spaziergang und leider — auch Abschied von Erwin und Else. Nun waren wir nur noch 0. Wir unternahmen zunächst einmal eine Fahrt. Stellt Euch vor, es traben 9 Leutchen, jung, "frisch, glücklich, endlich' einmal draußen zu sein, durch eine neblige Landschaft, durch Wälder, hohe Tannenbäume am Wege, — gefrorene Seen an dem Waldesrand —, durch eine eigenartige, kahle Landschaft. Dann könnt Ihr Euch denken, daß man kein Singen hörte, daß man einherging, sich umsah, ohne in einen Kommandoton zu verfallen. Wir liefen zusammen bis 6 Uhr. Tief in der Dunkelheit war es eine Stimmung, die nicht wiederzugeben ist. Abends: Einladung der Chaluzim ins Strohlager zum Singen. Es waren alles junge Menschen, die mit uns zusammentrafen, und doch waren sie etwas völlig anderes für uns. Man hatte eine Art „Fühlungnahme“, man kam mit anderen sicheren Idealisten zusammen. Und doch, die Atmosphäre war eine andere. Es wurden jiebräische Lieder gesungen, es wurde eine Palästina- Schilderungen gegeben, wir hörten Gedanken aus einem ganz anderen Kreise, der darum so anders war, weil er geschlossen gegen Religion, gegen unseren Idealismus, nur für ihre Idee: „jüdisches Volk“ war. Am Abend waren wir gemütlich zusammen. Kein Heimabend, nein, wir lasen etwas, wir waren nur für uns da, so .als ob man mit lieben Gästen sich nicht zu unterhalten braucht, sondern sich mit ihnen hinsetzt und ins Kaminfeuer blickt. Also wir saßen im Kreise, alle eingepackt, und es war so beinahe wie zu Hause. Nur noch etwas war störend: nämlich, daß es am nächsten Morgen schon fortging. Dann gings aber in die Klappe. Ober Nacht —Schnee. Das heißt: weiße Seen, weiße Wälder, ruhige, milde Luft und friedlicher Himmel. Wir liefen hindurch durch diese Wälder,- wir stapften über den Gamensee, weit, weit von Berlin entfernt. Da hatte man keine Zeiteinteilung und kein Jagen, überall Ruhe und Eintracht. Wir waren lange draußen, am Abend um 10 Uhr ging es durch die verschneite Landschaft zum Bahnhof. Versucht es auch einmal! Fahrt nicht zu 50 und 60, fahrt zu 10 oder weniger, seid so zusammen, daß Ihr wißt, somu'ß essein! Und dann, — nur dann könnt Ihr sagen: wir sind ein Bund, und wir sind Kameraden! Die Eltern müssen wissen: Unsere Schlagwörter-Kartothek 3. Vom Bündischen Bündisch ist Form, nein: Gehalt, ist Problem, nein: Programm... genug ge redet! Formt lieber und formuliert nicht nur! Bündisches kennt nur einen Sinn: den Dienst a m Ganzen und eine Wirklichkeit: das Erlebnis. Alles übrige ist Mittel und Beiwerk, zeitgemäß, aber zeitgebunden. Fest steht nur eins: Der „Bund“, ist der Spiegel der jungen Generation, den Vorderen zur Einsicht, sich selbst zur Prüfung, den Späteren zum Beispiel vorgehalten. . " c. c. Wir lernen . . . Aus der Arbeit des „Blindes Deutsch-jüdische Jugend . (ILl) Breslau“ " Neben der Klein- und- Gruppeqarbeit, die Tegelmäßig läuft, sprach in einer gemeinsamen Veranstaltung Kurt Schwerin über das Thema „Dis- Judentum in der Geschieht e Schlesiens“. Der Vortrag des Redners brachte wohl jedem etwas Neues, und besonders interessant war die "Wahl des Themas natürlich vom Standpunkt der engeren Heimat aus, die in ihrem jüdischen Vertreter hier lebendig wurde. Der Redner führte in seinem interessanten Vortrag, der ein kulturgeschichtlich ungemein fesselndes Bild ergah, ungefähr folgendes aus: Wie in anderen ■ Gegenden Deutschlands, finden wir die lüden im Mittelalter bis zur Neuzeit hauptsächlich in ihrer Eigenschaft als Zinsnehmer. Eine sehr natürliche Angelegenheit, da ihnen ja sonst alle Berufe verschlossen waren. Aus Berichten, die von Juden als Vermittlern des Handels zwischen dem germanischen Norden und den südlichen und östlichen Ländern sprechen, kann man ihr Vorhandensein in Schlesien im 10.. und 11. Jahrhundert schließen. Die erste diesbezügliche Urkunde stammt aus dem Jahre 1150. Aus dem Jahre 1203 besitzen-wir den Grabstein eines Rabbi, der noch heute aufbewahrt wird, und der von dem Vorhandensein einer jüdischen Gemeinde^ in Breslau im 12. Jahrhundert zeugt. Mit der Zeit des Schwarzen Todes verschwinden auch die : schlesischen Gemeinden. 100 Jahre später kommt es zu einer erneuten Austreibung der Juden durch die Hetze des Franziskanermönches Johannes von Capistrano. Für die nächsten zweihundert Jahre verschwinden die Juden aus Breslau, aber nicht aus Schlesien, wo sich besonders in Zülz und Glogau bedeutende Gemeinden entwickelten. Viele deutsche Juden waren nach Polen, gegangen. 1713 erließ Karl VI. das Tolerauzedikt. Unter Friedrich dem Großen versuchte man, sichmit den schlesischen Juden aus Zweckmäßigkeitsgründen, um den Handel mit Polen und Rußland zu fördern, gutzustellen. Das eigentliche Judenproblem begann auch für die schlesischen Juden nach der Zeit des Ghettos. Am 11. März IS 12 wurden alle Juden Preußens für Inländer erklärt. Daß die Juden wohl ihre vaterländischen Pflichten zu erfüllen verstanden, beweist der jüdische Leutnant Meier-Hilsbach, der bei Großgörschen den Heldentod starb. Noch heute findet sich sein Name auf der Gedenktafel der Breslauer Universität. In der Geschichte der neueren Zeit unterschied der VormmiiimimiNiiiiiiiMiiiiinmiuiiiimiiimiimiiiiiiiiiiiiiiimjiimimniiiiuiiiuiiimiuiiiiiiimiiuiiiiimHiimiiimmiiiiiimm Losung Aus dem Talmud: Rau* Haninuna, wenn er sein Gebet beendet hatte,.sprach also: Wille sei’s vor Deinem Angesichte, Gott unser Gott, daß Du uns stellest in den Winkel des Lichts, nicht aber uns stellest in den Winkel der Finsternis, daß nicht betrübt werde unser Herz, nicht finster unser Auge. Rabbi Alexandri sprach, wenn er gebetet hatte, also: Meister der Welten, offen und kund ists vor Deinem Angesichte, daß es unser Wille ist, Deinen Willen zu tun, aber wer lindert uns? Das Gärende im Teig und die Knechtschaft durch die Königreiche. Wille sei’s vor Deinem Angesichte, daß Du uns rettest aus ihrer Hand, Damit wir umkehren, die Gesetze Deines Willens zu tun mit befriedetem Herzen. (Jüdisches Lesebuch „Sendung «. Schicksal*\) iiiiiimmimiiiiiiiiiiimjiimuiiitmmmjitmiiimiiiijmiKiimiiiiriijimjrjmimiuiiimmjmciiiiimmimriijiiitjjmitiNiimiiii tragende zwischen der Geschichte der jüdischen Gemeinschaft und der Geschichte der Einzelpersonlichkeiten. Er nannte alle . die Männer, die besondere Verdienste um das theologische Seminar Breslaus sich erworben haben, und erwähnte im Zusammenhang mit der Gemeinschaftsgeschichte als für uns besonders interessant den Kampf zwischen Geiger und Tiktin, der ja. mehr als einen Streit zwischen den beiden Männern bedeutet. — Am folgenden Sonntag führte uns der Redner durch das jüdische Museum Breslaus. In einer Freitagabendfeier sprach Hans M. D a n z i g e r Worte des Gedenkens im Sinne des Volkstrauertages und führte dann aus: Häufig habe es schwere Zeiten für die Juden gegeben.. Aus vergangener Zeit müßten wir wieder unfl inimer wieder Kraft schöpfen für die Schwere der Gegenwart. Musikalische (Susanne Wiener) und rezitatorische Darbietungen gaben dem Freitagabend das festliche Gepräge. Ruih Tichaucr. Wat ist hündische Jugend? Viele Jungen und Mädel gehören heute zur „Bündischen Jugend“, sind begeisterte Anhänger, ohne daß die Eltern eine klare Vorstellung haben, was hündische Jugend überhaupt und was sie im besonderen für ihre Kinder bedeutet. Viel zu oft hört man noch, daß Eltern gar kein Verständnis dafür haben, wenn ihre Kinder sich einreihen wollen in die Kreise der Jugendbewegung. Sie können nicht verstehen, wenn sie dieses Leben »dem Zu-Hause-Hocken oder gar nur immer in der Umgebung von Erwachsenen zu sein,, vörziehen. Die Eltern fürchten oft, daß ihre Kinder durch die Erziehung zum Gemeinschaftsgeist ihnen entfremdet werden. Aber wollen die Bünde nicht gerade das Gegenteil? Gewiß wollen sie die jungen Menschen zum Kameradschaftsgeist erziehen,, aber immer wieder werden sie die Pflicht dem Elternhause gegenüber in den Vordergrund stellen. Mehr denn je heißt es heute: Ihr jungen Menschen der heutigen Zeit habt in erster Linie eure Pflicht gegenüber euren Eltern, Angehörigen und der Schule zu erfüllen. Erst dann, sollt ihr eure Kraft in den Dienst des Bundeslebens stellen. Und wenn man mir entgegenhält: Wir jungen Menschen haben auch eine Pflicht uns gegenüber zu erfüllen, so lehne ich diese „Pflicht“ mit aller Entschiedenheit als eine Fhrase ab. . Wenn man an einen reiferen Menschen mit der Frage herantritt: Was bedeutet eigentlich „bündisch sein“, so bekommt man die Antwort: „Bündisch sein heißt konsequent sein“, und damit glaubt er diesen Begriff hinreichend klar- S E PE RASENDE Wir machen unsere Mitglieder und Freunde darauf aufmerksam, daß wir folgende Sederabende veranstalten: Westen: Kleiststr. 10, Bne-Briss-Loge, Tel.: B 4 Bavaria 3421- Freitag, 30." März, abends 8.15 Uhr. Trockenes Gedeck RM 3,—. Im Bedarfsfälle auch Abhaltung des 2. Sederabends. Wilmersdorf: „Landhaus“, Kaiserallee 42 (Ecke Berliner Str.). Tel.: H 7 Wilmersdorf'0198. Freitag, 30. März, abends S.15 Uhr. Trockenes Gedeck RM 3,—. Zentrum: Hotel „König von Portugal“, Berlin C 2, Burgstr. 16. Tel.: E 2 Küpfergraben 1525. Freitag, 30. und. Sonnabend, 31. März, abends 8!l5 Uhr. Trockenes Gedeck RM 2,50. Anmeldungen zu den obigen Sederabenden werden schon jetzt auch vom Büro der Vereinigung für das religio s-1 i b e r a 1 e J uderi tu m, Ortsgruppe Berlin, Charlottenburg 2, Bleibtreustraße 45 (Tel.: ’J 1 Bismarck 4958) ‘ entgegengenommen. gestellt zu haben. Aber, um überhaupt eine Antwort auf diese Frage geben zu können, muß man über die geschichtliche Entwicklung des hündischen Lebens genau orientiert sein. Ist es ein Wunder; daß die junge Generation im Tiefsten getroffen wurde, als das deutsche Volk sich umstellte auf ein Leben der Industrie, der Technik und praktischen Wissenschaft? Das Volksleben wurde auf allen Gebieten neu geformt, und alte Traditionen wurden gesprengt. Vor 1900 fand sich in Berlin ein Kreis Steglitzer Gymnasiasten im „Wandervogel“ zusammen. Aus den Vorbildern der mittelalterlichen fahrenden Scholare entsprang diese erste Verbindung junger Menschen. Sie hatten ihre eigene Sehnsucht, der sie folgten: sie flüchteten vor dem herrschenden Geist kalter Zweckmäßigkeit in eine Welt des reinsten Idealismus. 1906 wurde der „Verband junger Arbeiter Deutschlands“ gegründet, 1908 kam von England her die Bewegung der „Pfadfinder“, im gleichen Jahre entstand der katholische „Quickborn“, eine Anzahl kleinerer und größerer Kreise schloß der Jugend weitere Tore zu der großen Bewegung auf. So war das Fundament gelegt, auf das im Jahre 1913 die ungeheure Begeisterung beim Jugendtreffen auf dem Hohen. Meißner den leuchtenden Bau einer alle Jugend umschließenden Gemeinschaft aufsetzte. Da brach der große Krieg aus. Sie, die nicht Politik treiben wollten, wurden mit hinausgerissen. Allein 12 000 Wandervögel zogen hinaus ... Aber der Krieg setzte einer solchen Jugend kein Ende,, nüchterner als vorher, unromantischer und willensbetonter - stand hinter allen der Gemeinschaftsgedanke. Das Kemwesen. der bündischen Jugend, ihr Wille zur Selbstverantwortung,, zur Wahrhaftigkeit, zur Eigenwilligkeit ist unangetastet geblieben. Aus all diesen Bestrebungen heraus entstand dann auch die „deutsch-jüdische Jugendbewegung“ mit starker Betonung: des bündischen Prinzips. Sie zeigt uns, wie notwendig es gerade heute ist, daß jüdische junge Menschen, die ja schon : in ihrer Jugend die Bitternisse des Lebens kennen lernen müssen, Zusammenkommen mit anderen Jungen und Mädels, mit denen sie 'über die Probleme, die sie alle, ohne Ausnahme, angehen, sprechen können. Hier zeigt sich mit aller Deutlichkeit der Wert der jüdischen Bünde und der Erziehungzum Gemeinschafts- und Kameradschaftsgeist, denn sie sind die Faktoren, die über alle Bitternisse hinweghelfen. Heißt es doch auch in dem Bundeslied der „Deutsch-jüdischen Jugend“: ' Hilft einer dem Andern, Wird Schweres so leicht. Bündische Jugend: das heißt auch heute noch: Streben, nach wahrer Jugeqdkultur. Sie hat die Formen der Geselligkeit ins Natürliche zurückgebogen, das Verhältnis von Lehrern und Schülern umgestaltet und ist tief in das soziale Leben unserer Nation eingedrungen. Deshalb rufe ich unsere Eltern auf: „Habt Verständnis für die Mitarbeit eurer Kinder in den Bünden! Bereitet ihnen kein Hindernis, sondern fühlt mit ihnen, und sie werden es euch danken. Aber mein Aufruf richtet sich auch an die Eltern, deren Kinder noch nie etwas von hündischer Erziehung gehört haben. Helft ihnen, den Weg zu uns zu finden, dehn auf einen jeden jüdischen Jungen und auf ein jedes jüdische .Mädel kommt es an!“ Wir wollen sie zu bündischen Menschen erziehen, diesiets ihr Judentum und Deutschtum in Ehren hochhalteh. Günther Locw'enthat. Herausgeber: Hanns Lpewenstcin, Berlin-Chärlotteiiburg 4. Hauptschriftleiter und verantwortlich für den gesamten redaktionellen Text: Dr. Eugen Tannenbaum, Berlin- \\ ilmersdorf; Leitung der Anzeigenabteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: G e o r g M i c h a e I s o h n , Berlin-Charlottenburg. DA 5000 11/34. — Druck: Sonnendruckerei GmbH (Felix Wolf), Berlin-Charlottenburg 4, Weimarer Straße 18.