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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-03-16 · 22 (16.3.1934) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
22 (16.3.1934)
Date
1934-03-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Eirizelnummer'20 Pt, Baliner-*™? Berlin. Nr. 22 gütbeut[^esJ^eitttimunbTeIlgt$|en$ht^au Bezugspreis: Monatlich 1,35 RM. zuzüglich Bestellgeld. Einzelnummer 0.20 RM. Abonnements werden bei Ollen Postämtern angenommen. - Anzeigen nach Tarif. — Bel Nichterscheinen Infolge Streiks oder höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder ROdceretattung der entsprechenden Bezügegebühren. 14. Jahrgang - Herausgeber: Hanns Loewenstei Berlin, 16. März 1934 Die, .JOdlsch-llberaleZeltung-" erscheint Dienstags und Freitags. - Redaktion und Geschäftsstelle: Berlin Charlottenburg 4. Mommsenstr.40. — Fernruf: J 6 Bleibtreu Sammel-Nr. 1545. - Bankverbindung: Kreditverein fOr Handel und Gewerbe e.G.m.b.H.. Berlin N 24. Postscheckkonto: Jüdisch-liberale Zeitung. Berlin 22754. Was dringend not tut Ein Vorschlag zur Reichsgemeinde / von Heinrich Stern Wenn hier im folgenden die Frage?' der O rganisation der deutschen Juden noch einmal, grundlegend aufgerollt wird, so hat diese Erörterung mit der jetzigen Diskussion in der jüdischen Presse über die Reichsvertretung der deutschen Juden nichts zu tun. Diese Erörterung ist unabhängig von den Personen der heutigen Reichsvertretung; sie beruht vielmehr auf der Erfahrung, welche ich, an manchen Stellen der zentralen Arbeit stehend, im Laufe dieses ersten Jahres nach der Umwälzung gesammelt habe. Sie bedeutet kein Mißtrauensvotum gegen die heutige Reichsvertretung und ihre Tätigkeit als solche. Die Idee zu ihr ist bereits zu Beginn des Winters gefaßt worden, und gewisse Erfahrungen,, die ich in Organisationssitzungen der letzten Zeit gemacht habe, haben den letzten Ausschlag gegeben. Die Organisation der deutschen Juden bedarf einer ganz grundlegenden Umgestaltung. Dieses Nebeneinander der Arbeit von Gemeinden, Landesverbänden, freien Organisationen und Reichsvertretung, das sich vielfach auf ganz gleichen, vielfach auf ähnlichen sich schneidenden Gebieten bewegt, ist schlechterdings nicht mehr erträglich.. Eine neue Zeit verlangt eine neue Form, und noch so teure persönliche und organisatorische Traditionen dürfen hier keine Rollen spielen: denn so geht es nicht Der positive Kompetenzkonflikt Wohlgemerkt, man ist darüber einig, daß die Grundsätze'für Lehrpläne, Lehrerausbildung usw., kurz die eigentliche Schulpolitik, der Reichsvertretung gehört, . das Nebeneinander besteht lediglich auf dem üebiet eigentlichen Verwaltung, ein' unmöglicher Zustand. Schier unentwirrbaT ist das Durcheinander auf ■ dem Gebiet der Sozial- und W i r tsch af t s a r b e i t. Theoretisch sollten auch hier die Fragen der Wirtschaftspolitik, insbesondere der Verhandlungen mit außenstehenden Behörden und Organisationen, der Reichsvertretung zufallen. Jeder aber weiß, daß viele sogenannte Einzelfälle grundsätzlicher Natur sind und sich aus der reinen Betreuung der beteiligten Personen zu einer Sorge für einen ganzen Stand, für eine ganze Gruppe herauswächst, die eine grundsätzliche Regelung erfordert. Wenn man nun weiß, daß, alles an sich dankenswerter Weise, derartige wirtschaftliche und Rechtsberatung betrieben wird von den Wirtschaftsstellen der Gemeinden, vom C.V., vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, von den Mittelstandsverbänden, teilweise auch vom' Frauenbund, daß vielfach dieselben Menschen nacheinander oder nebeneinander diese verschiedenen Verbände aufsuchen, daß derselbe Fall^dasselbe Problem von vier- Seiten angefaßt und, wenn möglich, gar zu den Behörden getragen wird, der wird mir zugeben, daß das Dinge sind, die gar nicht mehr zu bewältigen sind ohne radikale Umorganisierung. . (Fortsetzung auf der 2. Seite.) Der Schulbesuch jüdischer Kinder an den Feiertagen Darinstnilt. Die Ministcrialabtcilimg für Hildmigswcsen Kenntnis; das ersucht, folgende einheitliche Regelung durchzuführen: . . „niejüdischen Schüler können am Neujahr - 2 Tage, am Versöhnungsfest 1 Tag, am Laubhüttcufest 2Tage, am Beschlußfest 2 Tage, am Passahfest die 2 ersten und die 2 letzten Tage und am Pfingstfest 2 Tage dem Unterricht An den gewöhnlichen Samstagen können die jüdischen und ad ventisti sehen Schüler auf- Ansuchen der Erziehungsberechtigten ganz oder für die Stunde des . Gottesdienstes vom Schulbesuch b e f r e i t werden. Wer hiervon keinen Gebrauchmacht, mtili am gesamten Ichrplaumäßigen Unterricht, auch im Zeichnen, Schreiben, Handarbeit und Werkunterricht tciinchmen. Fiir die aus derartigen Versäumnissen entstehenden Folgen kann die Schule . keine Verantwortung übernehmen.“ Wie vor bei Redaktionsschluß erfahren, ist die einheitliche Regelung durch neuen Erlall des Reichsinnvmninisters für die UnterrichtsvcrwaltuHgeu angeordnet worden. Sowjetanleihe zur Bekämpfung der Religion' Moskau. Die Gesellschaft zur Unterstützung von Wissenschaft und Technik hat gemeinsam mit dem Zentralrat militanter Atheisten eine öffentliche Anleihe zur Beschaffung von Mitteln für antireligiöse Propaganda und gleichzeitig zur Förderung voraussctzungsloser Forschung aufgelegt. Die Erörterung jeder Schuldfrage scheidet aus; Von Schuld könnte nur gesprochen werden, wenn Arbeitsgebiete dauernd vernachlässigt würden, deren Bearbeitung notwendig ist. Hier ist gerade das Umgekehrte der Fall; einzelne Gruppen und Organisationen drängen sich förmlich zur Arbeit, und'über zu vielem sich kreuzenden und schneidenden Tätigwerden leidet die richtunggebende Arbeit. Hinzu kommt, daß allmählich ein Organisationsapparat aufgezogen wird, dessen Kosten in keinem Verhältnis zur Not der Zeit stehen,, und der.ohne Schädigung der Leistungsfähigkeit vereinfacht werden kann und muß. Dabei spreche ich hier nicht einmal von. der schon im Werden befindlichen ebenfalls höchst notwendigen „Rationalisierung“ auf dem Gebiet des Wohlfahrtswesens; das ist eine Arbeit für sich, eine Notstandsaktion, zu .der wir uns schweren Herzens entschließen, auch da, wo wirk' lieh wertvolle Tätigkeit in besseren Zeiten noch hätte erhalten werden können. Hier gilt es, den „positiven Kompetenzkonflikt“ zu lösen, der die Arbeit auf den gleichen oder ähnlichen Arbeitsgebieten lahmzulegcn droht. Ein Problem — vier Seiten! Es wird gemeldet: ln einer Verhandlung vor dem Darinstädter Soudergericht, in dem das Ehepaar Ernst aus Hernsheim bei Worms zu. schweren Zuchthausstrafen verurteilt wurde, weil es. seine frühere Zugehörigkeit zur NSDAP, dazu mißbraucht hatte, von einem jüdischen Kaufmann in Worms Geldbeträge heranszulockcn, durch deren Zahlung er sich vor ihm angeblich drohenden Gefahren schützen sollte, erklärte der Staatsanwalt, man müsse mit einer drakonischen Strafe Der. Präsident des Preußischen Landcspriifuiigsauiles, Dr. Otto Palandt, äußert sich in der „Deutschen Justiz“ über die Ergebnisse der Refcrcndarpriifungen und der großen Staatsprüfungen im vergangenen Jahr. Danach sind 8 0 I R c - ferenda re ausgc sch ieden , weil sie n i c h t a rische r Abstammung oder politisch unzuverlässig waren. nistischcn Arheitem und Mitgliedern der Allgemeinen Arbeiterorganisation gekommen. Mitglieder des Britli Trtiiupcldur hatten hei einem Neubau Arbeit gefunden, wogegen Mitglieder des Allgemeinen Arheiterverbandcs, der sich vertraglich das Recht der Arhcitcrzmvcisimg durch seine Vermittlungsstelle gesichert hat, in drastischer Weise Stellung uahiueii. Bei dem Zusammenstoß wurden mehrere Mitglieder des Britli Trum-_ peldor verletzt. Naeli einem Bericht zweier französischer Flieger, die von dem Roten Meer-Hafen Djibouti aus gestartet waren, haben biblischen Stadt entdeckt und vom Flugzeug aus fotografiert, in der die Königin von Sahn residiert hat. Wie das Institut „De Propaganda fiele“ in Rom mittr-ilf. Staatsmuseil in ein B i b e I e x e m p I a r zum Kauf angeboten. Hierfür nur ganz wenige Beispiele.' Auf dein Gebiet des Schulwesens positiver 'Kompetenzkonflikt oder auf deutsch gesagt — lauterer — Wettbewerb, zwischen Reichsvertretung, PreußischemLandesverbnnd und Gemeinden, wobei die Frage der Nebenarbeit der Trennungsorthodoxie noch ganz außer Betracht bleibt. Vergessen Sie:nicht die Einlösung der Abonnements - Quittung für April. — Nur pünktliche Einlösung sichert regelmäßige Zustellung der „Jfiüisdi-ITOeraleii Zeitung“. in Kaunas hat soeben ein Kongreß der jüdisch e n F ro.n t k ä m p f e r Litauens stattgefunden, dem auch der Verwaltimgsehef des Generalstabs, General Gerulaitis. beiwohnte. Begrüßungsansprachen wurden u. a. von Oberst Braz.iulevicius im Namen des Kricgsministeriuins und von Oberrabbiner Schapiro gehalten. In, einer Antwort auf ein Begrußungstelegramni betonte Staats|nusidcut Smctona, daß das Zusammenleben zwischen Juden und Litauern bereits tief in das Bewußtsein beider Teile eingedrungen sei, und er freue sich über die Ziele und Aufgaben des jüdischen Froiitfcämptcrbtmdes. Als nachträgliche wissenschaftliche Festgabe ziim SO. Geburtstag des berühmten Oberrabbiners Dr. Immanuel Löw in .Szegedin, der auch-Mitglied des ungarischen Oberhauses ist, ist soeben die „Monatsschrift für Geschichte lind Wissenschaft des Judentums“ als Sonderheft erschienen, in dem sich angesehene Gelehrte dreier Erdteile, Juden und Nichtjuden, zur Ehrung Löws verbunden haben. Wie aus Jerusalem gemeldet wird, ist es in Rcchob o t h erneut zu Zusammenstößen zwischen revisiodas angeblich z. w c; i t a u s t-n d Jahre a 11 ist und 0-1 große Pcrgamcntblättcr mit handschriftlichen Aufzeichnungen enthalt. Die Existenz der jüdischen Handwerker in Litauen ist durch das mft dem heutigen Tage in Kraft getretene Gesetz, in dem volle Beherrschung der litauischen Sprache durch Handwerker, Buchhalter, reisende Kauflcutc und die Angehörigen einer Anzahl anderer Berufe gefordert wird, sehr bedroht. In der jüdischen Bevölkerung herrseht' deshalb, lebhafte Besorgnis. Wie die Ita. aus Wien erfährt, sind beim Wiener Rundfunk Besprechungen im Gange, die darauf liinziek-u, den "Anteil der Juden an Konzerten, Vorträgen und sonstigen'Teilen des Riindfilnkprogramms auf einen bestimmten Prozentsatz, zu bringen. Wie die Wohifahrtsgeseliscliaft Bcth Lechem in Warschau inittcilt, haben sich etwa 15 UDO jüdische Familien’7' Warschaus an die Gesellschaft um finanzielle Hilfegewandt, damit es ihnen ermöglicht werde, das Pessaclit es t zu feiern. '

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