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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-03-13 · 21 (13.3.1934) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
21 (13.3.1934)
Date
1934-03-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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ZU erliegen, die uns von der Erkenntnis und dein Wissen abwenden wollen, daß wir Deutsche sind und 'Deutschland unser Boden ist. ewig beweisen, daß wir uns mit allem Out und aller Kraft diesem Lande zur Verfügung stellen und ihm dienen wollen mit jeder Faser und jeglichem Können. Wir sind eingcgliedert nicht nur seelisch, kulturell und schaffend, sondern mit immer neuem, wachsendem, erkennendem Willen sind wir eingefügt in die deutsche Gesamtheit, volksverbunden und sozial. Wir wollen und sollen uns hüten, uns selber als menschliche Sonderklasse zu bewerten und als solche zu rangieren. Glaubt nur Euch und Eurem Herzen! Es gilt heute — mehr denn je — eiserne Disziplin des Geistes und des Gemütes zu üben, das Leben stellt Anforderungen, wir müssen sie erfüllen. Standhaft bleiben und das System der Eingliederung gegen sämtliche äußeren Einflüsse zu verteidigen, ist das Gebot der Stunde, wie der Zukunft! Im übrigen, soll man sich über Selbstverständlichkeiten nicht allzulange unterhalten! Von jüdischem Wort und jüdischem Brauch Die Keduschah Einer der Höhepunkte jedes jüdischen Gottesdienstes, des festtäglichen und des wochentäglichen, ist die sogenannte Keduschah, das Gebet „der Heiligkeit“, die „Heiligung“. So sehr hat man es als Brennpunkt des Gottesdienstes empfunden, daß man seine wesentlichen Sätze auch in den Gemeinden der stärksten Reform in der hebräischen Sprache beibehalfen hat. Es gibt sich als ein Wechselgesang zwischen Vorbeter und Gemeinde. Die_Verse, die die Gemeinde — in diesem Augenblick, wirklich eine Einheit — betet, haben folgenden Wortlaut: 1} Heilig, heilig, heilig ist der Gott der Scharen, so weit wie die Erde reicht seine herrliche Gegenwart; 2) Gesegnet die herrliche Gegenwart Gottes von seinem Raume aus. 3) Höre Israel: Adonaj ist unser Gott, Adonaj ist einzig. 4) Ich bin- Adonaj, euer Gott. . 5) König wird Gott sein für immer. Dein Gott, o Zion, von Geschlecht zu Geschlecht, hallelujah! Vers 1; 2 und 5 sind Bestandteil auch derwochen- .täglichen Keduschah; Vers 3 und 4 nur der sabbathlichen und festtäglichen. Al|e Worte des Gebetes, und insbesondere eines so im Mittelpunkt stehenden, haben nicht nur eine liturgische Bedeutung, sondern sie sindzugleich in ihrem I n h a 11 wichtig, bilden eines der Mittel ständiger Erziehung, ständigen Ausdrucks der jüdischen Lehre und des Bekenntnisses, sind immer Kundgebung eines religiösen Grundgefühls bestimmter Art und bestimmten Zieles. Was ist Inhalt und Richtung dieser Verse, inwiefern sind sie Ausdruck jüdischer Frömmigkeit und " begründen.,sie persönliche Frömmigkeit und jüdisches GemeinschSftsbewußtsein? „Heilig, heilig, heilig ist “ der Gott der Scharen“, damit wird eine der Grundlehren des Judentums'zum Ausdruck gebracht, und indem sie täglich erklingen, wird ihre besondere Bedeutung unterstrichen. Was heißt das: Gott ist heilig? Einen doppelten Inhalt hat das Wort „heilig“, wenn . es auf Gott angewandt wird. Es bedeutet das völlige „Anderssein“ - Gottes, d. h. das Bekenntnis, daß er nicht mit menschlichem Maßstab zu messen, daß sein "Walten und Wirken mit menschlichem Urteil und "menschlichem Verstand nicht zu ermessen ist, daß ihm gegenüber es nur ein Sichbeugen und Annehmen gibt. Zugleich aber hat das Wort,' insbesondere in der Verkündigung; der Propheten, den . Inhalt, . daß mit ihm Gott als Summe und als Quell alles Sittlichen empfunden wird; Gerade in diesem Bedeutungsinhalt aber ist es nicht nur ein Wort der Aussage von Gott, sondern in gleicher Weise ein Wort für den Menschen. ■Denn nach dem Satze im 3: Buch Mose, Kapitel 10, Vers 1., einem der Grund-Sätze jüdischer Lehre: Heilig sollt ihr werden, denn heilig bin ich, Adonaj, euer Gott“, ist alles Heiligsein Gottes Aufforderung für den Menschen, Gott nach seinen Kräften naclizustreben, alle Frömmigkeit Nachfolge Gottes. So tritt mit. jenem Worte das jüdische Lebensideal des Kitltlusch.haschcm, der Heiligung Gottes, durch den eigenen Weg täglich vor uns hin und formt und erzieht. „So weit wie die Erde reicht seine herrliche Gegenwart.“ Damit wird die bedeutsame Lehre begründet, daß die ganze Welt-der Gegenwart Gottes vol| ist, daß es nicht eine Scheidung zwischen Himmel und Erde, zwischen Göttlichem und Weltlichem, Heiligem und Profanem gibt, sonderndaß alles menschliche Tun, auch die scheinbar profane Berufsbetätigung.'jede Verrichtung Dienst an Gott ist. -Daß das alles nicht ein Erdrückendes, sondern ein Kraft- und Schwunggebendes ist, den Menschen lynpfehlenswerte Bezugsquellen 1 DÜSSELDORF 1 | . Wäschereien ir Maler | Paul Harm EM IL SCHUAIANN Düsseldorf, Kreuzstraße 14 MALERMEISTER Die^W&scherei für S " Kaiserswerther Straße 35 nicht an seine Ohnmacht, sondern gerade an die ihm von Gott geschenkte Kraft gemahnt, des zum Ausdruck das- Bekenntnis: „Gesegnet die herrliche Gegenwart Gottes.“ Man muß wissen, welche Rolle die Trennung zwischen dem Reich Gottes als einer Welt für sich und dem Reich dieser Erde, als einem ewig unter -Gottes strafendem Gericht stehenden seinem eigenen Gesetz Untertanen Reiche in dem Denken anderer Religionssysteme spielt, um zu ermessen, was es bedeutet, daß im jüdischen Gebet mit solcher Emphase die Einheit des Göttlichen und Weltlichen verkündet wird. Mit dem im Sch’ma niedergelegten .Bekenntnis — es soll seine eigene Darstellung finden — wird in den Gottesdienst die tragende Grundlehre jüdischen Seins eingebaut, die Einheit und Einzigkeit Gottes. Die Gemeinde spricht die Worte: „Ich bin Adouaj, euer Gott“, sie wiederholt Worte, die Gott sprach, und bringt damit zum Ausdruck, daß er sie nicht nur sprach, sondern fort und fort spricht, daß seine Offenbarung sich täglich erneut, und sie bringt zum Ausdruck ihr Wissen darum, daß Gott den Menschen anspricht, und daß der Mensch in jedem Augenblick des Lebens von Gott angerufen ist und auf den Ruf durch sein Tun zu antworten hat. Der Ausklang des Ganzen: das Bekenntnis, daß nur Gott König ist, daß alle Macht auf Erden vor ihm verblaßt und ohne Macht ist, und daß die Forderung, die er an die Menschen stellt, — und alle Frömmigkeit ist: der Forderung Gottes zu folgen suchen — das Wort ist, das von Zion erklang. Bei alledem muß man wissen: Eigenart jüdischen Gebetes ist es, daß es nicht nur ein Bitten ist, sondern Ansprache des Menschen an sich selbst unter dem Auge Gottes. - M. D. Ein Gesundheitsamt der Berliner Jüdischen Gemeinde Die Jüdische Gemeinde zu Berlin hat zur einheitlichen; Bearbeitung ihrer Aufgaben auf gesundheitlichem Gebiet, die im letzten Jahr bedeutend gewachsen sind und in Zukunft noch größeren Umfang annehmen dürften, ein Gesundheitsamt neu eingerichtet, dessen Leitung der langjährige Vorsitzende des Vorstandes des Krankenhauses der Gemeinde, Professor JDr. E. Seligmann, übernehmen wird. Für die Tätigkeit des neuen Amtes wurden Richtlinien festgelegt, in denen es heißt: „Das Gesundheitsamt bearbeitet alle gesundheitlichen und ärztlichen Angelegenheiten der Gemeinde. Es führt auch die Verhandlungen , mit Aufsichts- und anderen Behörden des Gesundheitswesens, soweit es hierfür zuständig ist.“ Gottesdienste Liberale Synagoge.Norden, Schönhauser Allee 162 Freitag, 16. 3., 7.15 Uhr: Zimet. — Sonnabend, 17. 3., 10 Uhr: Dr. Hirschberg. __ lm Jugendheim der Liberalen Synagoge Norden, Schönhauser Allee 31, II jeden Dienstag, 7 Uhr: Treffpunkt für Mitglieder, Freunde und Interessenten. (Zwangloses Beisammensein, Aussprachen, Auskünfte, Arbeitsgemeinschaften, Musik und ähnl.) Liberale Synagoge Osten, Aula Kaiserstr. 30 Freitag, 16, 3., 7.30 Uhr: Dr. Sänger. Liberale Synagoge Westend, Aula des Jüdischen Schulvereins Kaiserdamm 78 Wegen baulicher Veränderungen voraussichtlich bis Ende März. Liberale Synagoge Wedding-Reinickendorf, Seestraße 44, Ecke Müllerstraße, Kaffee Steinacker (Eing. nur Müllerstr.) Freitag, 16. 3. 7.30 Uhr: Dr. Hirschberg. Liberaler Gottesdienst Schmargendorf Altersheim Berkaer Straße 32 Freitag, 16. 3., 7 Uhr: — Sonnabend, 17. 3., 10 Uhr. Jüdische Reformgemeinde Logenhaus, Joachimsthaler Str. 13 Freitag, 16. 3., 6.30 Uhr: Rabbiner Dr. Jelski. Jüdische Reformgemeinde Johannisstraße 16 Sonntag, 18. 3., 10.30 Uhr: Rabbiner Dr. Gottschalk. Jugendgemeinschaft der Jüdischen Reformgemeinde . N 24, Johannisstr. 16 Dienstag, 13. März, Arbeitsgemeinschaft „Die Ethik des Judentums“. Leitung Dr. Gottschälk. Beginn abends S Uhr Niebuhrstralie 75 bei Gottschalk. Mittwoch, 14. März, Collegium musiciun. unter Leitung von Dr. Hermann Schildberger. Beginn abends S Uhr bei Franz Benedick. Mcuickestraße 12a 13. Donnerstag, 15. März, abends 8 Uhr, Gemcinschaftsabend. (Aussprache und Unterhaltung) im der Wohnung.von. Frau Kose Hoffmann, Friedenau, Wiesbadener Straße S5 (Nähe Friedrich-Wilhelm-Platz). (Nur für Mitglieder der Jugendgemeinschaft.) fiemeindeßrief -aub 9nßen Kürzlich hielt Fräulein Studienrätin Dr. Wertheimer in einer vom Vorsitzenden der C.V.-Ortsgruppe, Herrn Dr. Cohn, geleiteten Gemeindeversammlung einen Vortrag über das Thema „Jüdische Zeit- und Erziehungsfragen“. Die Rednerin sprach einleitend über Sinn und Wert von Vorträgen, von denen die Hörer oft mehr erwarten, als sie ihrer Natur nach bieten können — praktische .Winke Belehrung,' Erhebung. Weder dem einzelnen Juden, noch dem Judentum kann aus der Assimilation, sofern es sich um einen natürlichen, vom Willen unabhängigen Vorgang handelt, ein Vorwurf gemacht werden. Die Frage, ob Zionismus oder Deutschjudentum sollte aus den letzten Tiefen des Gefühls, nicht aus praktischen Erwägungen entschieden werden. Der Jugend muß die Freiheit gewährt werden; sich selbständig, nicht nach dem Standpunkt der älteren Generation, zu entscheiden: Treue der alten Heimat auch' unter größten Opfern, oder neue Lebensgestaltung in Palästina. Auf alle Fälle kann die Erziehung nicht sorgfältig genug gestaltet werden. Die Jugend braucht in der Familie und in der Schule Frieden und Sammlung, kein totes Wissen; Bildung des Geistes, der Hand, der Sinne, die alle edlen Seelenkräfte weckt und entfaltet. Starke Verwurzelung im Judentum und in der deutschen Heimat. Dann wird der neue Weg, wo er auch hinführt, aufwärts gehen. Der zweite Gemeindeabend fand unter Leitung des Repräsentantenvorsitzenden,' M. Stern, statt; Herr Prediger Dr. Voos hielt seinen zweiten Zyklus-Vortrag über die „Propheten“, wobei die Schüler der obersten Klasse der jüdischen Religionsschule mehrere Stellen aus den Propheten Jeremias, und Jesaja in, wirkungsvoller Weise zu Gehör brachten. Aus anderen Gemeinden Mannheim. (Beratung des G e m e i n d e-Etats.) In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung unter dem Vorsitz von Professor Dr. Moses wurde vor allem das Budget beraten, das für 1933 mit einem durch Steuern zu deckenden Betrag von 331 787 RM. abschließt. Der zur Aufbringung notwendige Steuerfuß wurde mit 12 Pfg. auf 100 RM. Gemeindesteuerwert festgesetzt und einstimmig genehmigt, ln den Vorstand der Gemeindevertretung wurde neu Frau Serv Lewinsky gewühlt. rjfami£ien-!Hacfitic&teH Vermählung: Köln a. Rh., Arminstraße 73. Hans Goldberg und Lieselotte Goldberg, geb. Oppenheimer. Barmizwoh: Coesteld i. W. Fritz, Sohn des Herrn Albert-Hertz, und Frau Paula, geb. Hildesheimer. 17. 3. 34. M ü n c h e n, Wörth Straße 22. Motel, Sohn des Herrn Jakob Teitel und Frau Adele, geb. Hecht. 17. 3. 34. Synagoge Linat Ha Zedek, Reichenbachstraße. Amtsjubiläum (SOJähriges): Gießen, Lonystraße 4. Josef Marx, Lehrer und Kantor- 15. 3. 34. Letzte Nachrichten Nichtarier auf deutschen Bühnen lm Anschluß an das bekannte Ersuchen des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda an die Landesregierungen, das sich mit dem Auftreten von Nichtariem auf deutschen Bühnenbefaßt, schreibt jetzt das amtliche Organ des Reichsjustizministers, „Deutsche Justiz“: „Ebenso wie auf dem wirtschaftlichen Gebiete versuchen auch auf dem Gebiete der Kunst und Unterhaltung Kreise, denen die nationalsozialistische Haltung nicht paßt, wieder andere Einflüsse.-zur Geltung zu bringen. So sah sich der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda gezwungen, darauf hinzuwirken,, daß Nichtarier auf deutschen Bühnen nur auftreten dürfen, wenn sie einem der Fachverbände der Reichstheaterkammer angehören, und daß in der Regel Nichtariern die Aufnahmein die Verbände verweigert wird. Infolgedessen haben in allen Fällen, in denen diese Voraussetzung nicht gegeben sei, ein Auftreten solcher Nichtarier zu unterbleiben. Damit ist eigentlich nur etwas Selbstverständliches gesagt worden, denn dasallgemeine Volksempfinden erwartet das .schon seit langem. Daß Nichtarier weiter nicht mehr in Erscheinung treten dürfen, daß, ganz gleich auf welchem Gebiete, ein zersetzender Einfluß regelmäßig eintritt, wenn Nichtarier, insbesondere . jüdische Elemente, sich irgendwie in. den Vordergrund schieben, ist eine Erfahrenstatsache, mit der wir rechnen, und der wir unter allen Umständen entgegentreten müssen, damit die nationalsozialistische Geisteshaltiing unverfälscht zum Ausdruck kommt und ihren erzieherischen wie künstlerischen Ausdruck so findet, wie es im Interesse des Nationalsozialismus liegt.“ Neues polnisches Wirtschaftsgesetz Warschau. Das Plenum des Sejm hat das neue Wirtschaftsgesetz über die Einführung des Konzessionszwangs und Befähigungsnachweises , für alle Zweige des- Handels und Gewerbes angenommen. Vor der Abstimmung nahmen die Mitglieder dbs Jüdischen Parlamentsklubs nochmals scharf gegen dasj Gesetz Stellung. mb, münze Krausenstr.42/43. am Dönhoffpl. Das Haus fOr gepfL Bühne u. Brettl Joachimsthaler ^Str. 13 Künstl. Leitung: HSihZ FUSS Täglich (auSer Freitag) 8<° Der gliche ErMc Schwarz Comp., Val Mabee, RolFRafaely,Karl Fleischmann Konferencc: Egon iMObsohn Bntritt. Woejumt’ji Hk. Donner*t.4Uhr,Hauttraücn.Nachm. Sonntag» 4 Uhr. Nachm.-Vorateltg. PENSION ZIESCHE KurfüratenOamm 23S Elegante Zimmer m. jedem Komfort billigst. Daueraufenthalt Sonderarrangem. Herausgeber: Hanns Loewenstein, Berlin-Charlottenburg 4. Hauptschriftleiter und verantwortlich für den gesamten redaktionellen Text: Dr. Eugen Tannenbaum, Berlin- Wilmersdorf; Leitung der Anzeigenabteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: G eo rg M i c h a e I so h n , Berlin-Charlottenburg. DA . 5000 11-34. — Druck: Sonnendruckerei GmbH (Felix Wolf), Berlin-Charlottenburg 4, Weimarer Straße IS. .

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