Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 17 (27.2.1934)
- Date
- 1934-02-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Spart, Sokrates md die teden Von Manfred Schloß Das vielzitierte „Jahrhundert des Sports“- hat im falschverstandenen Sinne in Kreisen, die mit aktiven Sportlern keine oder wenig Fühlung haben, sich mit dem „Rekordfieber“ identifiziert. Sport ist in erster Linie Leibesertüchtigung, aber auch unlösbar mit Kampf verbunden. Erst der Wettstreit der Kräfte gibt dem Spiel das erregende Moment, reizt den Ausübenden zu gesteigerter Leistung. Der Mensch strebt nach Vollkommenheit, auch in sportlicher Beziehung. Die erste Stufe des Sports ist die Ertüchtigung und Stählung des Leibes' als Ausgleich für die vielleicht körperlich anstrengende, aber nicht stärkende Berufsarbeit der meisten Menschen. Ist die erste Stufe erklommen, folgt der Muskel dem Befehl des Willens, so treibt der natürliche Ehrgeiz zu den nächsten Sprossen der Leiter, zur Kräfte-, steigcrung, zur besseren Leistung, zur vollkommenen, zur Höchstleistung. Der Wille, der Bessere zu sein, ist dem Menschen angeboren, und nur Sporttheoretiker können darin etwas Unerwünschtes sehen. Der wahre Sportsmann verurteilt Sportauswüchse selbst am schärfsten. ' Man hat uns Juden oft den Vorwurf körperlicher Untüchtigkeit gemacht. Unzählige sportliche Glanzleistungen' auf allen Gebieten legen beredtes Zeugnis von der Unrichtigkeit dieser Behauptung ab. Daß dieser Vorwurf in dem letzten Jahrzehnt überhaupt entstehen konnte, ist Schuld unserer Eltern. Besonders der Sportler ■ in der Kleinstadt hatte'und hat auch jetzt noch in sportlicher Hinsicht mit der Verständnislosigkeit der älteren Generation zu kämpfen. Als wir z. B. 16jährige Pennäler waren,- waren wir in unserem Sportverein vier Juden, die als Wettkämpfer Beträchtliches leisteten. Waren wir aüfgestellt, so konnte nur der persönliche Besuch des Vereinsvorsitzenden die Erlaubnis unserer Eltern erwirken, offiziell mitzumachen; trainieren mußten wir alle vier selbstverständlich heimlich. Die Aufklärungsarbeit der jüdischen Sportverbände hat hier zwar schon Besserung geschaffen, aber noch nicht völlige Änderung. Der heutige Jude hat das Leben nur als Kampf vor sich. Sport ist dafür die beste Lebensvorbereitung. Gerade in - gebildeten Kreisen der , älteren jüdischen Generation steht man dem Sport oft feindlich gegenüber. „Durch Sport vernachlässigt man die Bildung“, — ein Vorwurf, den jeder aktive Sportler leider allzuoft hört. Deswegen sei in diesem Zusammenhang in freier Übersetzung eine Stelle wiedergegeben, die den gebildeten Verächtern des Sports zu denken gibt. Bekanntlich haben die alten Griechen nicht nur in geistiger Beziehung Ewigkeitswerte geschaffen. sondern ihre sportlichen Leistungen sind bis heute noch'unerreicht. Sokrates, der Prototyp des geistigen Griechentums, — so berichtet Xenophon in seinen Erinnerungen an Sokrates — sieht unter seinen Schülern einen Jüngling, der offenbar körperlich nicht auf der Höhe ist. „Wie hast du deinen Leib vernachlässigt!“, hält er ihm vor- — „Ja, ich bin doch Nichtsportler, ich habe anderes zu tun.“- — „Oho, du bist davon ebensowenig befreit wie die Olympiakämpfer, oder denkst du nicht an den Kampf auf Leben und Tod gegen Feinde, den Athen gegebenenfalls von dir verlangt? Dabei kommen viele infolge ihrer Schwäche um, viele retten sich nur mit Schande heim, viele geraten iu- Gefangenschaft und verfallen dadurch lebenslänglicher Sklaverei, viele geraten auch in bösen Ruf, da man ihr körperliches Unvermögen als Drückebergerei ansieht. Denkst du gering von all diesen Nachteilen körperlicher Unzulänglichkeit, glaubst du sie leicht hinnehmen zu können?“- — „Jedenfalls leichter als die ewigen Strapazen, wenn man seinen Leib leistungsfähig erhalten soll." — „Hältst du wirklich leibliche Unzulänglichkeit für gesünder und'allgemein nützlicher als Leistungsfähigkeit, und schlägst du die Vorteile eines wohlgeübten Körpers so gering an? Alles fällt fiir Geschulte umgekehrt aus wie für Ungeübte: Gesundheit, mannhafte Haltung, Rettung aus Kampf und sonstiger Gefahr, Möglichkeit, den Freunden und der Gesamtheit zu' dienen, guter Ruf und Ansehen, und seinen Kindern gibt ein Mensch mit gesundem Körper ein gutes Kapital für das ganze Leben mit. Auch geistige Beschäftigung ist vom Gesundheitszustand abhängig, denn körperliche Schwäche bringt Vergeßlichkeit, Verzagtheit, üble Laune, falsche Gedanken. Wie mancher altert vor der Zeit, weil er nicht rechtzeitig daran gedacht hat, seinen Leib frisch und kräftig zu erhalten...“ Heute muß es für alle jüdischen Eltern selbstverständlich sein, ihre Kinder anzuhalten Sport zu treiben. Aber das allein genügt nicht mehr. Die Zeit, in der Sport eine Liebhaberei war und nach Laune des Betreffenden ausgeübt wurde, ist vorbei. Für den Juden ist Spprt eine Lebensnotwendigkeit geworden. Der junge .Sportler muß lernen, nicht nur nach Lust und Laune Sport zu treiben, sondern sich als Individuum der Mannschaft nutzbringend unterzuordnen. und auch unter ungünstigen Umständen den Sieg zu erzwingen. Der Schauplatz des Lebens ist auch nicht immer ein gepflegter Sportplatz in hellem Sonnenschein mit beifallsfreudigen Zuschauern. Die junge jüdische Generation gehört restlos in die jüdischen Sportverbände! Hintertreppe — Vordertreppe Unter der Überschrift „Über die Hintertreppe...“ bringt die „Deutsche Zeitung'“- vom 14. Februar folgende Zuschrift zur Veröffentlichung: " Liebe „Deutsche Zeitung“! Du hast ganz recht in dein» Aufsatz „Kleinkunst Hintertreppe“: sie kommen zurück, alle, und haben die Absicht, sich hier sehr fest wieder zu „verankern“-. Alle leerstehenden Wohnungen in der Gegend des Kurfürster.damms werden neu besetzt. Wer aber genau wir. will, was los ist, lese die Rede, die Direktor Heinrich S auf einem von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin im veranstalteten „Werbeabend für die Winterhilfe“ gehalten — Nur zwei Stellen der Rede will ich hier anführen: „Trotz allem wurzele ich nicht nur in meinem deutschen Vaterlande, lebe ich nicht nur zusammen mit den deutschen Volksgenossen, ich habe auch die Hoffnung, daß wir alle, die wir hier leben,' immer nur dieses deutsche Vaterland als unsere Heimat anerkennen und daß unsere Verbundenheit mit ihm uns die Pflicht aufcrlegt, uns in die Neuordnung der Verhältnisse . liir.einzufir.den..' Die andere Stelle lautete: „Noch ein Wort zur Frage Palästina. Wir sind den Männern und Frauen dankbar, die dort das Aufbauwerk für eine neue Heimat den Juden vorbereiten, die eine heue Heimat suchen, wir halten es aber nicht für angebracht, weder für Palästina noch für uns, wenn durch übertriebene Propaganda zur Auswanderung angeregt wird. Wir wollen für uns und für unsere Jugend - und für Deutschland schaffen.“ Ist es nicht zum Wei—, wie sie Deutschland lieben?. Müssen wir sie denn doch wieder aufnehmen und dauernd behalten? Eine Zeitlang.war „ Hierzu ist -etwas zu bemerken, was für den, der genau liest, bereits aus der Zuschrift selbst deutlich hervorgeht: Die hier zitierte Rede hat Herr Direktor Heinrich Stahl, der Vorsitzende der Berliner Jüdischen Gemeinde, auf einem der Werbcabende gehalten, die die Jüdische Gemeinde zugunsten der „Winterhilfe des Deutschen Volkes“ veranstaltete. Diese Veranstaltungen fanden mit Billigung der NS-Volkswoldfahrt statt, Vertreter der NS-Volkswohlfahrt wohnten der Kundgebung offiziell bei, und die Winterhilfe kennt ausdrücklich keine konfessionellen oder rassenmäßigen Unterschiede. Wohlfahrt, so darf man vielleicht sagen, ist ein Teil der Wirtschaft, und auch im Wirtschaftsleben soll ja die freie Entfaltungsmöglichkeit der Juden nicht beeinträchtigt-werden. Das entspricht auch der von dem Einsender so billig verspotteten Tatsache, daß wir deutschen Juden Deutschland lieben, weil es — unsere Heimat ist. Diese Tatsache haben wir stets, allen Angriffen zum Trotz, nachdrücklich betont —: nicht über die Hintertreppe und nicht über die Vordertreppe brauchen wir zurückzukehren; denn die, in deren Namen Direktor Stahl sprach, haben ihre Wohnung niemals „leerstehen“ lassen, sie hrauchen sie daher auch nicht neu zu beziehen. Leopold Nathänsohn. 9emeinde6ricf aus StendaC Ein geistiger Zweikampf Seit einiger Zeit finden hier im Mittelpunkt der Altmark nach dem Vorbild der Grollmul Alittelgeineiiulen Kulturveranstaltungen statt, die unter Führung unseres Gesinnungsfreundes Rechtsanwalt Dr. Julius Charig stehen. Es treffen sich die Glaubensgenossen aus allen altmärkischen Syuagogeng-u.-.iid-.i, dudankbar das Gebotene aufiielimcn. So sprach im Januar Herr Dr. Jacobson (Berlin), der Leiter des Gesamtarchivs der deutschen Juden; über „Jüdische Familienforsehung unter Berücksichtigung der Geschichte der Juden in der Altmark." Damit verbunden war eine Ausstellung '■“'t Sehenswürdigkeiten aus dem Bestände des Archivs. Der „Streitgesprächtum.“ Hi» Judentum- „Religionsjiulen und Nationaljudcn- „Vereinigung für das Herrn Hauptschriftleiter George inm: (tscruu) , ie Zionistische Vereinigung für'Deutschland Herrn Dr. Ernst Alarats (Berlin). Im Gegensatz Zu den früher im Rundfunk oft gehörten Zwiegesprächen zwischen Vertretern entgegengesetzter Meinungen waren hier Rede mul Gegenrede m keiner Weise vorher festgelegt.- So entwickelte sieh ein außerordentlich spannender geistiger Zweikampf, »1er zwar sachlich mit größter Schärfe, aber doch in vornehmster . Form durchgeführt wurde. Zwei Stunden waren wie im Fluge dabei vergangen. Reicher Beifall lohnte die Redner, die sich ihrer durchaus nicht -einfachen Aufgabe mit größtem ' Geschick entledigt hatten. Aus den Gemeinden Berlin-Steglitz. (Genicindeabend.) über den „Weg des deutschen Judentums“- referierte in dem im Januar wieder neu ins Leben gerufenen „Religiösen Verein jüdischer Glaubensgenossen Steglitz“ Rabbiner Dr. Plotke in der Steglitzer Synagoge, Düppelstraße 41. Der Weg, den das deutsche Judentum geht, ist kein neuer Weg. Es ist ein Weg, der durch »las Zeitalter des Individualismus nur unterbrochen worden ist. Jetzt gibt es keinen individuellen Ehrgeiz mehr, nur ein einmütiges Streben zur Besserung der. Lage der Gesamtheit. Es genügt nicht, daß bisher Außenstehende zum Judentum, als Schicksalsgememschaft zurückfinden, sie müssen auch ein innerliches Zusammengehörigkeitsgefühl bekommen. Der Redner schloß mit einem eindringlichen Appell, das Zentrum des jüdischen Lebens in Steglitz, die einzige Synagoge iii Steglitz, zu erhalten. .Vor und nach' -dein Vortrag hielt der Vorsitzende des Vereins, Herr Weiß, eine kurze Ansprache. i . - i Erfurt. (G e m abend fand in Form _ aufgenommenen Konzert» e a b e n d.) Der vierte Gemeindeabwechslungsreichen, sehr beifällig aufgenommenen Konzertes in der Synagoge statt. Zu" den bestens bekannten einheimischen Künstlern, Herrn Kantor Georg Hermann Schacher (Bariton) und Herrn Manfred Malschr (Klavier) gesellte sich die Opernsängerin Fräulein Hanna Brand (Sopran), Mitglied des Kulturbundtheaters in Berlin. Sie sang mit besonders in der Mittellage schöner, großer Stimme Lieder von Schubert und. Brahms und Arien von Caccini, Verdi, Puccini und Weber.' Herr Schacher brachte meisterlich zwei jüdische Gesänge von Engel und Lieder und Arien von Haydn, Schumann, Henschel, Schubert und Hugo Wolf zu Gehör. — Nicht nur als. anschmiegsamer Begleiter der Gesangstücke, sondern auch als vorzüglicher Solist bewährtesich Herr Malsch, der Klavierstücke ' von Mozart und Rachmaninoff spielte. gegründete Ortsf-r Räumen d — .. Jugend.) Die erst vor kurzem )rtsgruppc der Deutschjudischen Jugend entfaltet atigkeit an den jeden Sonntag Abend in den ..— Toleranzloge stattfindenden Sitzungen, zu denen auch die auswärtigen Mitglieder erscheinen, es werden Referate und Geselligkeit durch Vorträge heiteren und ernsten Inhalts auch durch stets gern gesehene Förderer gehalten, Musik getrieben und Gesellschaftsspiele gespielt. Die Orts- 1 gruppe hatte ihre Mitglieder und Förderer zu einer Freitagabendfeier, die in dem Logeiitempel stattfaud und die stark besucht war, eingeladen. Es wurde ein kurzer Gottesdienst Chor und Sologesang unter Harinöniumbegleitung ab- „_Iten, in welchem auch der Wochenabschnitt des kommenden Sabbaths verlesen wurde.- An dem Gottesdienst schloß ein Feierabend mit Kiddusch und Tischgebet an. In lligkeif blieben die Teilnehmer und Förderer, die sich den. Verlauf sehr befriedigt aultcrTcn; zumal s - derartige Feier seit fast einem Jahre -.~-l- - Stunden zusammen. “ ermißteu, noch uiehrcr»- Ratibor. (Neuwahlen.) Am 12. Februar fanden die— Neuwahlen für das Büro der hiesigen Gemeindevertretungen statt: Anstelle des .verstorbenen Vorsitzenden, Dr. Bloch' wurde Rechtsanwalt L)r. Wet-cr zum Vorsitzenden der- Gemeindevertretung gewählt, zum stellvertretenden Vorsitzenden Herr Max Jacabowitz. Rechtsanwalt Dr. Weber ist gleichzeitig Vorsitzender »tcr Ortsgruppe Ratibor der liberalen Vereinigung. IKrafft- Zigarren ■ Friedrich Kuntze ■ nur König Straße^a J moiorwascherel Wilmersdorf Marie Puffpaff PUtterel, GardiMRspan. Berl.-Wilmer*dorf^Uhtandstr. 98-» nahe Lieferung u. Abholung fr. Haus B. Chylinski Feinste Herren-' u. Damenmoden nur sqrdiiitr. 9a ,i c sicrtm na: Oiaitottenb. 6epkkMSidemiig E. Jeilonek Grolmanstr. m C 1 Stclnpl. 5469 Möbeltransport usw. WäsdiereljBerewitz Radio Hilfe West Charlottenb, Kantstr. 128 1 Achtung t HelBmangel 1 rollt mul jdittl'1 l>tglnrji^ £mp§eft£ent>n>erte ^frisiersaCons Die moderne Zeit verlangt von einem jeden sorgsamste Pflege des Äußeren, zu der an erster Stelle eine, kleidsame und individuelle Haartracht gehört. Nachstehende Firmen gewährleisten wirkliche Qualitätsarbeit auf dem Gebiet der Haar- und Schönheitspflege. Ewald Banz Salon Coifeure Weltbet.! 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