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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-02-13 · 13 (13.2.1934) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
13 (13.2.1934)
Date
1934-02-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 20 Pf. gfit beutjtftes 5ut>cntmw unb relifltöfen Aufbau ■ Nr. 13 14. Jahrgang Bezugspreis: Monatlich 1,35 RM. zuzüglich Bestellgeld. Einzelnummer0,20 RM. Abonnements werden bei allen Postämtern angenom-. men. — Anzeigen nach Tarif. — Bel Nichterscheinen Infolge Streiks oder höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder ROdcerstattung der entsprechenden BezugsgebOhren. , Herausgeber: Hanns Loewenstein und Willi Tisch Verlag DIe„JOdlsch-llberale Zeitung" erscheint Dien*- . tags und Freitags. - Redaktlonund Geschäfts stelle: Berlin - Charlottenburg 4. Mommienstr. 40. — Fernruf: J 6 Blelbtreu Sammel-Nr. 1545. - Bankverbindung: Kreditverein für Handel und Gewerbe e.G.m.b.H., Berlin N 24. Postscheckkonto: Jüdisch-liberale Zeitung, Berlin 227S4. Schriftleitung: George Goetz Berlin, 13. Februar 1934 - ' i Die Jüdisch-liberale Zeitung“ ist das einzige Blatt deutsch-jüdischer Richtung, das zweimal wüdientlich erscheint Rabbiner J)r. Wlax Jbicnctnann: überholt4? Das Zeitalter des Liberalismus ist zu Ende, so ist heute das Volksbewußtsein, so lautet das allgemeine Urteil, so hört man es überall sagen. Die Epoche des Liberalismus ist zu Grabe getragen, seine Lehren haben sich übersteigert und sind an dieser Übersteigerung zerbrochen, sie sind unmöglich geworden. Was ergeben sich daraus für Folgerungen für den jüdisch-religiösen Liberalismus? Indem man diese Folgerungen zu ziehen versucht, begegnet man zunächst — erneut der Erkenntnis, daß in der Fragestellung eine Schiefheit ist. Eine Schiefheit, weil man allzulange einen Ausdruck des politischen Lebens auf das religiöse Leben angewandt hat, in welchem er einen ganz anderen Inhalt hat. — Den Ausdruck zu ändern läge nahe, und doch muß man Abstand davon nehmen; denn eine jahrzehntelange Gewohnheit gibt ein Recht, und jeder andere mögliche Ausdruck hat im Laufe der Jahrzehnte eine bestimmte Prägung erhalten, er.hat bereits' einen fest umrissenen Wichtiger Hinweis: Zwischen dem 15. und 25. Februar legt der Briefträger die Abonnementsquittung fär__den_Monat März in Höhe von Mk. 1,35 zuzüglich Post-Bestellgebiihr vor. Nur pünktliche Einlösung sichert den Weiterbezug der „Jüdisch-liberalen Zeitung“. Inhalt und ist darum nicht ohne Mißverständnisse anwendbar. — Gewiß, ist im Politischen der Liberalismus keine lebendige Macht mehr, das Denken der Zeitgenossen, ist ihm entgegen gesetzt, feindlich. Sein ' individualistisches Streben, die Bindungen aufzulösen, in die bis an den Anfang des 19. Jahrhunderts das Individuum eingespannt war, und ihm die volle Freiheit der wirtschaftlichen Betätigung zu geben, vor Jahrzehnten schon erschüttert und zum Teil verlassen, ist verworfen. Seine Auffassung vom Staat wird nicht mehr geteilt. Der Parlamentarismus in seiner liberalen Grundlage hat sich selbst unterhöhlt und sich als nicht geeignet zur Bewältigung schwieriger Zeiten erwiesen. Die liberale Geringschätzung der gewachsenen Bindungen, in die die Menschen geschichtlich hineingestellt waren, hat sich als Irrweg erwiesen. Es ist müßig, darauf hinzuweisen, daß der Mensch der heute herrschenden Denkart seinen Willen, den andersgearten, gar nicht hätte durchsetzen können, hätte nicht die liberale Denkweise den Boden aufgelockert, man empfindet nur das Gegensätzliche, das Andersgerichtete und nicht die Zusammenhänge; In dem Augenblick aber, da man beginnt, die Folgerungen dieses augenblicklichen Zusammenbruchs des liberalen Gedankens für den jüdisch-religiösen Liberalismus zu ziehen, entdeckt man, daß religiöser Liberalismus und politischer Liberalismus ganz verschiedene Dinge sind, daß also das Schwinden der Geltung politisch-liberaler Gedanken im wesentlichen den religiösen Liberalismus nicht berührt oder zum mindesten nicht zu Jj.esühwn,.bcauchte._,Weil es sich in -der Ausgestaltung des religiösen Lebens in den Kampfjahren der Reform um Entfesselung aus Bindungen handelte, die man nicht mehr anerkennen konnte, darum gewöhnte man sich auch hier an den heute so ominösen Namen des Liberalismus. Worum aber handelt es sich in Wahrheit, und was von den alten Forderungen und Zielsetzungen des religiösen Liberalismus ist heute überholt und nicht mehr zu rechtfertigen? Versuchen wir, auch ohne erschöpfend sein,- einen Überblick. Liberales Judentum ging einst .aus von dem Gedanken der Entwicklung, d. h. von der Überlegung, daß die Formen des religiösen Lebens nicht als ein Festes und Fertiges am Anfang vorhanden waren, von Anfang an in ihrer derzeitigen Gestaltung gefügt waren,- sondern in der Zeitenfolge sich herausgebildet haben. Daß Mischnah und Talmud, in einer langen mühseligen Arbeit von Geschlechtern und Geschlechtern erarbeitet, die Anschauungen und Erfordernisse bestimmter Zeiten widerspiegeln. Was ist an dieser Grundvoraussetzung, von der alle liberale Arbeit und Gestaltung ausgeht, überholt oder widerlegt? Gewiß, •wir werden den Begriff der Entwicklung anders auffassen. Ganz abgesehen davon, daß man inzwischen eine vertieftere Einsicht darin hat, daß nicht immer sich folgerichtig eines aus dem anderen ergibt, daß es plötzliche, gewollte, grundsätzliche Sinnes- und Willensänderung gibt, Umbruch und Neubruch, wir werden den Begriff der Entwicklung nicht so fortschrittsselig auffassen wie das Geschlecht des vorigen Jahrhunderts, wir Arische und nichtarische Einzelhandelsbetriebe Ein von der Pressekorrespondenz. der NS-Hago verbrei- :1er Artikel „Der Erfolg der Hago-Propaganda" gibt einen 'btrhliek über die Gcschäftsentwicklung der Einzelhandelselritbe i. J. 193'J. Im Zusammenhang mit der Feststellung, all im Dezember überall ein erhöhter Umsatz gegenüber em Vorjahre erzielt werden konnte, v' 1 ' 1 ~ „Die geführ t Umsä sich t .In t verschie _ Zweck und leiteten den Käuferstram in die gewiinschl Bahn. Ebenso wichtig erwies sich die Aufklärungsarbeit durc die Presse in Form von Aufrufen, Bilderdarstellungen, Anzeigen. Unterstützt wurde diese Arbeit durch Versammlungen, insbesondere durch die Frauenschaften (so veranstaltete de Gau Düsseldorf 41 Versammlungen); es gelang ferner nocl auch die Lichtspieltheater in den Dienst der Propaganda z -stellen. Nicht zu vergessen sind in dieser Hinsicht die vo. allem in Süd- und Mitteldeutschland veranstalteten Christmessen, deren Beschickung allein dem Einzelhandel zukam. Wenn man zudem bedenkt, dal! die Landbevölkerung sonst ii allgemeinen ihre Einkäufe vorwiegend in den billigen Einheit preisläden und Warenhäusern tätigte, wenn sie zum Wochenonrlo in '* rlto Cfar1'- '- -1 werden nicht in den Irrtum verfallen, irgend eine von uns freudig begrüßte Epoche als den Endpunkt de? Geschichte zu betrachten, an der sich nun im Grundsatz nichts mehr ändern kann; aber an der grundlegenden Erkenntnis von .der Zcitbedingtheit derin Mischnah, ' Talmud, Schulchan-Aruch niedergelegten Ausdeutung des Bibelwortes, nichts hat sich daran geändert. Hier sind die Wurzeln dessen, was sich — sei es auch unzutreffend — Liberalismus nannte, nicht verrückt. _ . Liberalismus grenzt sich von der Orthodoxie, und grenzte sich einst von der Frömmigkeit ab, die naiv im Ghetto herrschte,- in der Stellung zur Bibel. Er ruht auf der Vorstellung, daß nicht das. Wort der Bibel, wie es geschrieben war und ist, wörtlich aus dem Munde Gottes floß, sondern daß in ihm, in seiner Totalität, in dem Geist, der es durchzieht,- in den Ideen, die in ihm praktisch zur Tatforderung verdichtet sind, Offenbarung Gottes sich kundtut. Daß Offenbarung nicht ein einmaliger, in bestimmten Formen sinnenmäßig erfaßter Vorgang ist, sondern sie eirr Stetes, immer sich Erneuerndes ist. Daß die Bibel, die fünf Bücher Mose kommen hier' in Betracht, nicht in einem Guß geschrieben ist, sondern' daß in ihr Schichten aus verschiedenen Zeiten sind. Alles religiöse Ringen zirkelte in ihm darum, trotz dieser Erkenntnis der heiligen Schrift Autorität zuzuerkennen, und den' in ihr, in ihren Verordnungen, ihren Geboten und Verboten sich widcrspiegelnden Ideen Verbind- Iichkeit zuzuerkennen, zirkelte darum, .hier ' Unterordnung unter die Forderung und Freiheit ineinander zu verschmelzen. Wasist von jener Erkenntnis überholt und widerlegt? Ist sie nicht heut, wie gestern und ehegestern Ausgangspunkt unseres Ringens um 'die Gestaltung des religiösen Lebens? Ist es nicht bezeichnend, tlall da, wo erneut heute —- sehr wünschenswert - - die Forderung nach der .Autorität, im Bezirk des jüdischen Lebens erhoben wird, zwar nach dem' jüdischen Lebensstil in einer ücsamthaliung Gegenden bereits gelungen' ist, durch die bis in das letzte- Dorf Jiiiicingetragcnc Propaganda einen Teil dieser Käufer __ dem deutschen Einzelhandel zuzufuhren.” Zum Schluß heilt! es: „Es ist klar, dali lange nicht alle Käufer dem Kufe-der NS-Hago gefolgt sind, und da» ferner, wie ails den- Meldungen einzelner Gaue hervorgeht, an verschiedenen Orten jüdische Geschäfte versucht haben -- und sehr häufig nicht ohne Erfolg! — sich ihre alten Käuferschicliten, und insbesondere die_Landbevölkerung, zu erhalten. Aber auch hier wird das Ziel der in Zukunft fortgesetzten Aufklärungs- und-Propaganda-Arheit der NS-Hago sein, dem Einzelhandel und- Handwerk den Hauptanteil an den getätigten Umsätzen zu/.iileiteu.'* Jüdisch-mohammedanische Annäherung in Marokko ln Rabat (Fran/ostsch-Marokko) kam es anläßlich der Feier des Beginns zum Neuaufbau des alten Juden-Ghettos zu einer Kundgebung, die als Anfang einer Annäherung zwischen der jüdischen und mohammedanischen Bevölkerung gewertet wird. An dem von der Jüdischen Gemeinde ver- _ anstalteten Empfangsabend nahmen Vertreter der franzöSo sehen Behörden und eine Anzahl mohammedanischer Notablen, mit dem mohammedanischen Bürgermeister Si-Abdii-Kachihaii Pascha an der Spitze teil. Der Prozession, die sich anläßlich . der Einweihungsfeier durch die Straßen des , Ghettos br- ’ wegte, schritten neben dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Isaac Abu der Pascha und die Vertreter, der'franzüsischen Verwaltungsbehörden voran.

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