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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-02-02 · 10 (2.2.1934) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
10 (2.2.1934)
Date
1934-02-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 20 Pf/ Nr. 10 gürbeutf^cs^ubcirtumjmbrcIigiöJcn^uJbQU 14. Jahrgang. Börnigs preis: Monatlich 1,35 RM. zuzüglich Sestellgeld. Einzelnummer 0,20 RM. Abonnements werden bei allen Postämtern angenommen. -r» Anzeigen nach Tarif. — Bel Nlchter» scheinen Infolge Streiks oder höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückerstattung der entsprechenden Bezugs- .gebühren. Herausgeber. Hanns Loewenstein und Willi Tisch Verlag Berlin, 2. Februar 1934 Die „Jüdisch-liberale Zeitung" erscheint Dienstag» und Freitags. - Redaktion und Geschäftsstelle: Berlin - Chartottenburg 4, Mommsenstr.40. — Fernruf: JS Bleibtreu Sommel-Nr. 1545. - Bankverblnduno;KredtWerelhfür Handel und Gewerbe e.G.m.b.H„ Berlin' N 24. Postscheckkonto: Jüdisch-liberale Zeitung, Berlin 23704. Die Jüdisch-liberale Zeitung" ist das einzige Blatt deutsch-jüdischer Richtung, das zweimal wöchentlich erscheint. .für Kinder unseres Vaterlandes gehalten! Wir „gelernten Juden“ freilich hatten immer geglaubt,' •Moses, als er das Gesetz Gottes vom Sinai brachte , C£ und als er im „HöreIsrael“ das Dasein Gottes kün- . dete, da habe er das Judentum geoffenbart; jetzt. müssen wir erfahren, daß er es getarnt und sich in der ' **# gleichen „Selbsttäuschung“, über das. Judentum bo^rjS funden hat wie alle Späteren, die das. Judentum.,unter,! ST? die Religionen der Erde, rechneten — el mußjeir ^rai^ i.'. , die Assimilanten an die dußerfMls/dtten Qestcfdfpunkt+fr. von T933 kommen, uns das wqnre» Wesendes.JÄtknv* zu .deuten. *"• JSsSwE ' D ei tnanchen juden kann' man^fiwijjhj aei&h^edalfe* Sjl3/!kengang feststellen, der auch aus vieten Ver- -• - sämmlungsreden'und - Zeitungsartikeln heraus- »chaut und —-;darin -liegt-seme Gefahr — außerordentlich zeitgemäß klingt. -'fWeil-nämlich durch die Um- " jfn Staats- _!• ’ «{ M vom judenhini eigentlidi ist,“: ihnen die 'gletdiei'^Stelle j Deutschtum, i ■ Und nun tn^hiäx, sätze, zum Nachdenken — wasfal .kommen,; wenn:man ..unge’ - ■ " diefsie in .ihre dern/äogar'.nun, -wir „ , Wer atJer sind'die?'die es so ^eiljg hahai^fräieir: Aftgebetetes .heute, zu jvprbrennen? - Im jüdischen Leben :g#rfr es einen - Ausdruck mäir wendet ihn oft mit einem Anflug’von Ironie auf Menschen - an, die als Kinder kein jüdisches' Elternhaus und überhaupt nichts Jüdisches „vor sich gesehen“ haben; im Gegensatz zu denen, die, in jüdischem Milieu äufgewachsen, das judentUm gleichsam mit der Muttermilch eingesogen , haben, im Gegensatz zu diesen „geborenen Juden“ spricht man von jenen andern, dieerst in späteren Jahren,; vielleicht nicht immer mit der nötigen Begabung und sicher oft nicht .mit dem wünschenswerten 'Erfolg um das Judentum sich mühten, als von „gelernten Juden“ — ein Wort, das ins Schwarze trifft. Doch kdinmt neuerdings noch ein bisher nicht gekannter Typ hinzu; denn auch der ursprünglich Unbeschlagenste unter den „gelernten“ Juden kann noch, bei heißem -Bemühen, ein Lamdeti werden, einer der gelernt, hat also; wie aber sollen wir es hinnehmen, daß heute gerade die das größte Wort führen, die wir und die sich selbst ehrlicherweise die Angelernten Juden11 nennen müßten! Sie r allem sind es, die alles Gewesene, auch’ das, was _ Zeitalters“'zu tilgen, vGeririV<ife Juden, ^ie^ihren Beziehungen zum ' Deütscfih^n. alle ,«us - :dw' fränzö-’-' sichen Revolution überkomfnenen.:VAnsäfnwngen von sich getan, die .sich den in der. Umwelt“ herrschenden Meinungen 'so weitgehend assimiliert haben,: daß sie — auch für sich selbst, subjektiv — den alten Grundsatz, „national sei,; wer national sein wolle“, aufgeben, gerade sie sind es, die im Hinblick auf ihre so hinkelnagelneuen und so ganz, auf falschen Voraussetzung gen beruhenden Beziehungen zum Judentum die Grundsätze der französischen Revolution erst hervorholen und: gleich ihr ‘gegen die 'Religion kämpfen, gegen die eigene jüdische;Religion, vooader sie sagen: sie sei Verfälschung und Tamung'des. Judentums, und durch diese Selbsttäuschung,, daß fdie Führer früherer jüdischer Generationen das Judentum für eine Religion gehalten •. hätten, durch diesen „Irrtum“ über das Wesen des Judentums hätten wir auch irrigerweise uns für Glieder unserer deutschen Heimatnation, :und eines rearen ^lmn^wsf Jeserjüdische Führer denngi . „ gleiche Rede -ist, die einst dltfteli unsichtbaren Oott geführt haben. . .., nicht sehen kann, sei er nur wie ein Symbörjmd entbehre des wirklichen. Lebens L Ja freilich; die sichtbaren Götter und die. greifbarem Ideale finden imntr leichter Glauben; aber dennoch ist iii der ganzen _ jüdischen LiTeratur kein Wort bekannt: „Wir besitzen ein eigenes Land und fürchten.nichts“; wohl aber sind „■ jedem Kinde die Worte geläufig: „Der Ewige ist mit mir, ich fürchte nichts“, und: „Der fwige ist nfeiu . Hirt, mir wird nichts mangeln!“ Schlimm genug, daß man an dies-alles erst erinnern muß! Ist es denn wirklich so weit gekommen, '''— Die „Jüdisch;liberale Zeitung“ erscheint im vierzehnten Jahrgang; dreizehn Jahre lang hat sie gegen die jüdisch Uninteressierten und Indifferenten gekämpft, hat geworben, wie es nun in ihrem Titel steht, „für religiösen Aufbau und deutsches Judentum“ —: sie darf es sich also wohl leisten, einmal auch etwas Gutes und Natürliches ah jenem so hart bekämpften Indifferentismus zu finden. War diese Indolenz gegenüber dem Judentum auch das wuchernde Unkraut im Garten der Emanzipation, so muß doch auch von ihr gelten, was von allem gilt: . Kein Ding ist nur schlecht. . Vielen nämlich, die mit ihrem privaten und beruflichen Leben, sowie auch mit ihren idealen Bestrebungen in ihrer gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, .nationalen und kulturellen Umwelt wurzelten und zugleich aufgingen, waren so problemlos Deutsche, daß ihnen für Bindungen, die nicht alle Deutschen hatten, kein Raum blieb. Deutsche zu sein, war ihnen selbtvertändlich, ohne daß sie sich darüber Gedanken machten — so, wie man gesund ist, ohne über das Gesnndsein zu grübejn und zu diskutieren. Und das Judentum war ihnen ebenfalls kein Problem: sie kannten es nicht; weil Jude zu sein in Deutschland nicht das Uebliche, nicht das Normale ist, so vergaßen sie, daß sie Juden waren.'; Dieses Nicht-Nachdenken aber wurde die .Quelle all ihrer jetzigen Irrtümer. Denn da sie ihr Deutschtum als gegebene Tatsache hingenommen hatten — ohne jemals es geistig zu erwerben, damit sie es besäßen — so wußten sie auch nichts zu erwidern, als eine neue Zeit zu ihnen sagte, sie seien nur Gäste und Fremde. Und . da sie Jenseits der Grenze Griechenlands Ministerpräsident verteidigt die griechischen luden Juden feindliche Angriffe im Parlament In der-griechischen Kammer erklärte dej- Abgeordnete Apostolon im Laufe der Debatte, die Juden seien in Griechenland Fremde. Diese Bemerkung wurde vom Ministerpräsidenten Tsaldaris sofort zurückgewiesen, der von der Ministerbank aus die Erklärung abgab, die Juden seien friedliche und loyale Bürger, die die gleichen Rechte hätten wie alle anderen Griechen. Einige venizeiistische Abgeordnete benutzten den Zwischenfall zu einer judenfeiudlicnen Kundgebung, indem sie den Ministerpräsidenten wiederholt durch Zurufe unterbrachen. Hungertyphus im Warschauer Judenviertei ln den letzten Tagen wurden in Warschau zwanzig Fälle von Hungertyphus registriert. Hauptsächlich wurden Personen, die im Warschauer Judenviertel wohnen, von der1 Krankheit befallen. Die auf die Notlage der in übervölkerten und unhygienischen Stadtteilen. iebenden Menschen zurückzuführende Krankheit ist seit dem Kriege in Polen nicht mehr aufgetreten. Nordamerika erleichtert die Einwanderung deutscher )uden Weisung an die amerikanischen Konsuln in Deutschland Gleichzeitig hat das Department für Einwanderung und -.'Jfl Arbeit die Zusendung von Formularen für den von de» Ein- <1 wanderungsanwärtem zu unterzeichnenden Revers, daß .sie den gesetzlichen Bestimmungen betreffend Nichtinanspruchnahme Ttfja der öffentlichen Fürsorge entsprechen werden, verfügt.. Die Anordnungen der amerikanischen Regierung .werde»*«« als bedeutsamer Schritt zur Erleichterung der-. Elnwandert--— von Juden aus Deutschland nach Amerika beurteilt. Ob» keine Milderung der gesetzlichen EinwandertmgivprschrH erfolgt und NeueinWanderer nur auf Orund. der a Einwanderungsquote zugelassen werden, besteht. Möglichkeit, daß [bis zu 25 000 Personen-aua+D-..^ die Erlaubnis* zur Einwanderung m die Vereinigten S erhalten können, da die deutsche EinwanderungsquoteoCM 1930 nur zu 10°/o ausgenützt wurde. Arierparagraph im Mid borough-Autoklub bedroht ' Existenz Der Präsident des. Middleabdrough-Auto G. Jeers, ein bedeutender Industrieller (Nichtjwl_ Protest gegen den vom Klubvorstandmror einiger'24 Beschluß, Juden als Mitglieder.; irÄukun" - zunehmen, die Präsidentenwürde, Me er : Klubs innehatte, niedergelegt.'Me sechs il .des Klubs und zahlreiche nichtjudisebe-Mit: nach Annahme der antijüdischen Entschließungen!] aus dem Klub vollzogen. Die Mitgliederflucht bedroht die Existenz des Klubs überhaupt. < E| schein, daß die Klubvorsteherschaft sich mit trägt, ihren Beschluß, Juden als Mitglieder g zunehmen, zu revidieren, um Herrn Jeers.?' seiner Demission zu bewegen u~*

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