Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 20 (9.3.1934)
- Date
- 1934-03-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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HuCturspiegei Ibsens „WHdente" im „Kulturbund deutscher luden" Dawir also wieder mitten drin in der Debatte,?.‘e 'v‘r "e“1,ch beendet glaubten -: gibt es näherwg*“ r Jhe!"en; g‘bt es näherliegende jüdische Theg,bt Wir JutJen wurden in eine Lage ■wJaC"h:dei.r von augen um uns schließt so fest, daß jedes jüdische Thema uns heut näher liegt. Fast kam es so " noch jüdische Themen uns fesseln,’daß für Allmenschhches uns der Smn abhanden kam. Aber, so wird £ aM-u 'f,“r de"> der d‘esen Sinn sich bewahrte, gibt tjirlt S?j!er 'egendes als Ibsen. Wie äußerlich geurteilt! u/Ü/y af<l ‘i? ,na'7'llch hat <ler prachtvolle Bühnenbildner Walter Auerbach den Fehler vermieden, aus der „Wildenteein modernes Gesellschaftsstück, das heißt eins von 1034 zu e5’_*Täni!ler und Frauen waren.nach Kleidung; Haar- und Barttracht aus der Ibsenzeit —: ist’s so schwer. 2u erkennen, daß auch die Familien- und Ehefragen, kurz alle tatsächlich meist veralteten, fernliegenden 7>/7probleme aes Stuckes nur Kostüme sind, das Thema von der Lebenslüee Xr„ allgegenwärtig in jeder Zeit?! Die Hjalmars und die alten Wertes sitzen noch heute zu Dutzenden in jedem Par- Kett; sie tehlen wahrlich nicht im jüdischen Theaterpublikum; denn gerade bei uns hat ja der „Umbruch der Gesellschaft“ noch kaum begonnen. Die Ibsen-Typen, die uns im Diner des ersten Aktes gezeigt. wurden, kamen dem häufigen Besucher jüdischer Tagungen keineswegs so wie aus einer versunkenen Welt vor, und so wollen wir’s dem Kulturbund *1<?1 uanrecbne.n’ t;i e.rdas Ibsen-Experiment gewagt hat — Schauspieleris''1’ Vater und Sohn. Gebärde, Haltung _o __ __ "" rl'■■■[ sitzen; Fritz Wisten wußte jede Phrase und n Theater z_ jede Pose des si glaubhaft x nicht wre Schalet ist? Ihren Nachbarn“... Ja, ich komme gerade aus der Keligionstunde, und da hat ms der Lehrer gesagt, Hamann will alle luden totschlagen!" „Das ist doch aber schon so lange her, und es kam schließlich so, daß Hamann am Galgen baumeln wollte! Runter mit dem Trauerkleid, wir gehen noch einmal durch die Geschichte." .1 Hans Raphael. - Nun, dann fragen Sie einmal r glücklicl Hamburg, ... _ 0_ _t>, auf Einladung des Liberalen Gemeindevereins. Und als Erstes rezitierte er — natürlich — „Prinzessin Sabbath“! Es war nach vielen Jahren dasselbe Gedicht, derselbe Interpret und — ein anderes Publikum... Den ganzen Abend lang! Ein Künstler, dessen Kunst sich selbst überbot — und ein Publikum. — Ein Publikum, wie wir es von unzähligen Versammlungen her kennen. — — - Ein Edelstein — in Messing gefaßt! — Der Künstler rezitierte voll inneren Erlebens; immer wieder nahm seine Kunst neue Gestalt an. — „Jaakobs erste Begegnung mit Rahel... War’s Jaakobs, war’s Thomas Manns Geist, der ihn beseelte?! — War’s nicht das Erlebnis jungen Liebe, herrlichblühend geschildert nur aus de fühl heraus! — — _ In der Übersetzung von Buber-Rosi Bibel: Jaakobs Kinder_ Dann — zwei Tiergeschichten von Matthias Claudius: niemals fand Claudius einen Interpreten voll solcher Schilderungskraft, solchen Miterlebns; und — ja, man konnte wirklich mit dem Künstler zusammen sagen: „Eine Ehre für Hamburg, daß es neben Wandsbek liegt, wo ein Claudius lebte“... — Noch manchen ander Unsterbliches: „Gottes ist di Occidept!“ Worte voll Weihe, erfül von wahrem Glauben. Und dann^ — endlich-Peter Altenberg. Hardt Ciet von religiösem Empfinde trefflich den Großhändler Werle; in der Ibsen-Maske,_ nicht Dichter, sondern Fabrikherr, ganz stark, und doch, wie. das Gesetz dieser Rolle es befahl, körperlich und seelisch angeknabbert.' Sein Sohn, der Weltverbesserer Gregers Werte, wurde von Martin Brandt ganz als der niveaulose weltfremde und. doch weltverhaftete Illusionist gespielt, der Ibsen vorschwebte; den trotz seiner, rauhen Schale'größeren Menschenfreund, den Arzt und Realistiker Relling gab Fritz Lion, lebendig, erdnah, ein wenig weich und doch kräftig. Molvik, der verkommene Theolog,'war ein kleines Kabinettstück von Fred Alexander. Nicht wegen geringerer Leistung, sondern nur aus Unhöfiichkeit werden hier die Frauenrollen erst in zweiter Linie genannt. Mira Rosowsky, ganz neu in diesem Ensemble, verkörperte die Hedwig mit der ganzen harmlosen Kindlichkeit dieses Gottesgeschöpfes; rührend ihre Aufgeschrecktheit, deutlich in allen Einzelheiten ihr Seelenkampf. Gina, resolut und beschränkt, gutherzig und doch, eben wo es zum Guten der Ihren gelten soll, verschlagen, wurde von Lilly Kann in allen Nüancen dieser Rolle ausgeschöpft. Ihr Gegenstück Frau Sörby fand in Gerda Klein-Weißmann eine ausgezeichnete Interpretin. Nehmt alles nur in allem: wir sahen diesmal nur Glanzleistungen; kein Einziger, der auch nur mittelmäßig gewesen wäre. Aber nehmt, auch alles zusammen: Fritz. Jeßners Regie hat ein Zusammenspiel zustandegebracht, wie wir es in den vielen „Starjahren“ nicht mehr gewohnt waren; die schönsten Traditionen Otto Brahms leben wieder auf. Das ist das höchste Lob, das man dem „Kulturbund -deutscher Juden“ seinem Leiter und allen seinen Mitwirkenden spenden kann George Goelz. Ludwig Hardt an der Waterkant Es gibt eine, nette kleine Anekdote aus-der Zeit. da Ludwig Hardt in den alten Kammerspielen am Besenbmderhot in Hamburg seine ersten Triumphe feierte. Hardt soll einmal vor einem Publikum, dessen Zusammensetzung er gut kannte, Heines „Prinzessin Sabbath“ vorgetragen haben... „Schalet“, sagte Hardt, „meine Herrschaften, Sie wissen Eau de Cologne Parfüm- Puder Zu haben in allen einschlägigen Geschäften Uno dann — endlich-Peter Altenberg. Altenberg — Dichter und Interpret verschmolz Figur, zu dem kritisch-spöttelnden Kenner unserer ocnwacner und Fehler. Geistreich und vollendet sarkastisch in Erkennet, und Schilderung: der Ludwig-Peter Hardt-Altenberg. — Schicksal, Leben und Erleben: „Besser als Otto Ernst — dafür ' auch unbekannt geblieben“, sagte der Dichterinterpret, Dichter-Interpret. Dieses liebevolle Erkennen der Kindesseele und der kindlichen Seele. Dieses innere Verstehen für das tragikomische Leid der Kreatur. — Altenberg — nicht der geistvolle Plauderer, — — der sinnende Betrachter und vollendete; Schilderer. io. Hardt snracli für ihn. H. S. :t dann sahen und hörten v Ein neuer Cieberkomponiff Im Hause von Frau Rosa Sachs veranstaltete Gerhard schlag mit der Altistin Agnes Lenbach einen’ eigenen :rabend. Ich muß gestehen, daß ich nach verschiedenen Erfahrungen jetzt immer mit einem gewissen Mißtrauen an . .allemeuesten Kompositionen“ herangehe; um so freudiger inte daher die Überraschung, daß es Musik zu hören gab. ige Alusifc, die aus einem schier unerschöpflichen Born undervo ler. Klangfülle zu fließen schien. Goldschlag ist echter Romantiker; er setzt die Reihe fort, die von iwhumann; Brahms und. Hugo Wolf zu Mahler und Richard Strauß führt. Es sind bisher 2UU Lieder im Manuskript vor-- handen, von denen eine Auswahl zu Gehör gebracht wurde, die den Hörer wünschen ließ, noch recht oft und recht viel 11 rliesem begnadeten Tondichter zu hören. — Agnes Lenbach ‘Ute ihre, schöne Altstimme in den Dienst dieser Musik und tg init viel Geschmack und gutem Gelingen eiue.’.Anzahl r Lieder, die mit großem Beifall aiifgetioinmeii. teilweise gar da capo'verlangt wurden. Der Komponist begleitete selbst und zeigte, daß der Klavierpart seiner Lieder keine Begleitung ist. sondern als vollwertiges, selbständig Lebendes sich mit der Singstinimc zu mieni Duett vereinigt. Das schottische Tanzliedchcn würde übrigens sehr reizvoll als Streichtrio mit Gesang wirken Umrahmt wurden die Gesänge von Havdns Trio C-iliir und Mozarts Ci-dur-Trio; sie wurden von den Herren Witten berg. Goldmann und Blumen feld in vorzüglicher Weise ausgefiihrt. Alles in allem war'es ein Abend, ai ■rschaft in einem wundervollen Konnex standen u r sicher sein Teilchen Lebensfreude und Lebeusn Hause nahm. - /_/// amstier u Kinder-Kritik Vorbemerkung: Die Kinder-Veranstaltungen der Berlind Jüdischen Gemeinde sind — der Name verrät dies tiefe Geheimnis — für Kinder. Nur Kinder haben daher auch ein Recht zum Urteil über Wirkung und Gelingen der 'Veranstaltungen —: es ist ein Unding, daß Erwachsene die „Kritik“ schreiben. Aus dieser Erkenntnis heraus haben wir diesmal einen J2jäiirigen Jungen als „Kritiker“ entsandt und bringen seine Rezension“ wortwörtlich, in getreuer Niederschrift nach Orthographie und Interpunktion. Schriftleitung. Kritik Da hat die Jüdische Gemeinde eine Kinder-Veranstältung gemacht. Zuerst sprach der Leiter der Jüdischen Winterhilfe Dr. Gundersheim zu den Kindern. .Dann kam der Zauberer und sein Bruder Karlchen. Karlchen machte dem Publikum viel Spaß. Was er da für Ulk machte!! Hinterher kam der Zauberer wieder, und führte uns Zauberkunststücke vor. .Unter anderen ein besonders interessantes: „Das Berliner Tageblatt ist nicht klein zu kriegen“, das er uns nachher — natürlich falsch — erklärte. Nach beiden hochinteressanten Nummern sang eine Dame Kinderlieder, denen ^auch mit Interesse zugehört wurde. Während der daräüffolgenden Pause wurden Bonbons verteilt, was natürlich im ganzen Saal großen Lärm hervorrief. Trotzdem aber war alles Der erste Akt könnte wohl ein Vorspiel sein. Da kam ein lustiger Clown, sagte allerhand Heiteres, und bemerkte dann ein^Kind^ welches T”" Berliner_ßynagoflen-Konzert 'Zu dem Konzert, das die Abteilung „Winterhilfe“ der Berliner Jüdischen Gemeinde in der Synagoge Rykcstraßc veranstaltete, hatte sich eine überaus zahlreiche Zuhörerschaft . eingefunden, die der Fülle der Darbietungen mit großer Andacht folgte, per Abend wurde eingeleitet durch einen Klaviervortrag von Hermann Schwarz; datm erklärte Max Gundersheim den Anwesenden, was die Gemeinde mit der Einrichtung dieser übende bezwecke, nämlich den Zusammenschluß der Gemeindemitglieder auch außerhalb der großen Feiertage. — Dr. Ludwig •Misch brachte mit seiner neuen Madrigal-Vereinigung zuerst drei biblische Gesänge, dann drei Lieder von Mendelssohn und zum Schluß Brahmst Obwohl diese junge Vereinigung erst kurze Zeit arbeitet« waren die Lieder fein abgetönt, klähgschön und sicher im Rhythmus. Wir wollen recht bald mehr davon hören. Ein hoher Genuß war Käte Förders Rezitation aus; Zuckermanns Werken; des Dichters Sprache wurde durch die edle Vortragsart der Künstlerin in vollendeter Weise zur Geltung gebracht. Ewel Slegman, von Tola Golds feinfühlig am Flügel begleitet, ließ sein Cello einige Weisen von Matteson, .Cervetto-Stegman Und Haydn singen. Adolf Schwersenz zeigte sein schönes Stimmaterial in der Arie des Joseph; aber Kol Nidre im Frack ist eine Geschmacklosigkeit. Last notleast: die Lieder von Gerhard Gofdsch/ag, gesungen von Toni Goldschlag. Ich habe bereits bei anderer Gelegenheit meiner Freude über diese Lieder Ausdruck-gegeben. Toni Ooldschlag sang sie mit schönem Vortrag; sie hat eine wundervolle Altstimme. Das Publikum ging bei diesem .ganzen langen Programm mit großer Anteilnahme mit; immer wieder wurden schwache Ansätze gemacht. Beifall zu senden. Aber nur Ansätze —: ich finde es vorsintflutlich, die Beifaiisäußerungen zu verbieten — Beifall ist ein Stimulans für die Künstler; sein Fehlen entmutigt.-Und der befohlene „Ersatz“: das Erheben‘von den Plätzen, ist ein Zeichen ehrenden Angedenkens an Verstorbene — Oottseidank sind unsere jüdischen Künstler immer noch lebendig. ' - 1.0. IZfteatetf Ha$a\Qttf Hino Kabarett der Komiker - Gastspiel Trade Hesterberg CharloHe Ander Nachmittage der Hausfrau TANZ«STIM MUNG „Cöf£ Trianon“ inh. Bornstein Bayerischer Platz I, Tel. B 6 0835 Mltgl. d. jüd. Gei ’Täßlich nachmittags und abends TANZ * Eintritt iseKalfee 46 Pt. Samstu. Sonnt. Abend lKänncb.KaIlee62Pf. ins* u; Unterhaltungsräumlicbkeiten stehen zur Verfügung „AHOI“ Erstklass. Küche — Grog-Stube — I a Biere Hafenmusik — Seemannsjäongi nur Ansbacher Straße 46 '* jte -vom WHteobergpUtz) _originellste Herfen- Restaurant d. Westens I a Biere — Hamburger Unterricht Ilsblasassks erteilt Erwachsenen und Jugend- JUlHIGf ItaDDiner Lehen hebräischen Einzelunterricht. auch Konfirmations-Vorbereitung. Anfragen erbeten unter L 428 an die „Jüdisch-liberale Zeitung“, Berlin-Charlottenburg 4. für Knaben und Mzncnen ixuuacn ao «a Granenld, Bümarckallet35-37. Anruf: Schmartendf. Ta«aslnt*rnat “sS-l* Uhr. Sport, Oynina Oanenbau.individ. Behandlung. Sprechz.: Täeiicbl-2 ü‘u «?-._ * Lotte Kal Thiele-Kinderturnen nur Uhlandstr. 169 am Kurfürstendamm, Tel. Bismarck 1756 Turnzirkel, Sommer im Freien, für Kleinkinder von 2 Jahren ab, Sprachenschule des Westens a/JSittcnbcrcipiAti Dr. Erich Klopstock Staatl. anerk. Berichtigung. Der Teenachmittag im Berliner Jüdischen Museum, über den wir kürzlich berichteten, wurde von der Künstlerliilfc der Jüdischen Gemeinde veranstaltet; die Durchführung lag in den Händen von Fräulein Erna Stein, der Leiterin des Museums. Dr. Herbert I.oewenstein war an der '■’rogrammgestaltung beteiligt. Lehrling für Verlag - gesucht Bevorzugt wird Abiturient. Handschriftliche Bewerbung. Anr Schriften unter NS7S au die Geschäftsstelle der „Jüdisch-liberalen Zeitung“, Berlin-Cbarlottenburg, Ä Eleg. möbl. Herrenzimmer mit Couch gesucht für junges Ehepaar mit Küchenbenutzung. Nähe Olivaer Platz. Offerten nur mit Preisangabe unter K323 an die Geschäftsstelle der „Jüd.-lib. Zeitung“, Cbarlottenburg, Mommsenstraße 40. Welche vermögende Dame sucht versierten Kaufmann, gut aussehend, Mitte 30, zurWahrnehmung geschäftlicher, auch privater Interessen. Olf. unt. 0740 an die „Jüd.-lib. Zeit“, Bln.-Charlbg. 4. Dr.Katz 30, Bayreuth Willi Waqnor Dantlit erzogen nach Wilmersdorf. Berlin-, tr. 4. Femspr. H 7 Wllmerrdort 7356 Elegante Zimmer m. jedem Komfort billigst. Daueraufenthalt Sonderarrangem. r Regensbürger-Modelle 1 Die vornehme Herren- und Da.m.u- ■ Maßkleidung, zu billigsten Preisen | Berlin.W 15, Kurfürstendamm 224 ho'hnarterre fEcke Meinekestr.) Tel. J t_