Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 2 (5.1.1934)
- Date
- 1934-01-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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14. Jahrgang Nummer 2 3iiMfdMUteta(e äelfnng Beilage 5i Januar 1934 Jüdische „Staatsmänner“ Von Rechtsanwalt Heinrich Stern In der zweiten Dezemherhälfte fand in London die Jahreskonferenz der Zionistischen Föderation Englands statt. Bei dieser Tagung sind von zwei führenden Persönlichkeiten des Zionismus Reden gehalten worden, die auch wir deutschen nichtzionistischen Juden, nein, die alle deutschen Juden kennen müßten. Ich werde daher zunächst den Inhalt der ■ beiden Reden wiedergeben (wobei ich mich an den Bericht der J.T. A. halte) uhd sodann die Bemerkungen daran knüpfen, die mir notwendig erscheinen. Zunächst die Rede Dr. Chajim Weizmamts, des Präsidenten der Föderation. Er führte in seinem Hauptreferat u. a. folgendes aus: Obwohl die Lage der deutschen Juden in ein stabiles Stadium zu treten beginnt, könne über Art und Weise einer endgültigen Stabilisierung der Verhältnisse nichts vorausgesagt werden. Im Augenblick kommt noch immer eine grolle Anzahl deutscher Juden nach 'Palästina. So besteht ein Drittel der Chaluzim-Immigration aus Deutschen, im Durchschnitt werden zur Zeit etwa 1000 deutsche Juden; einschließlich Touristen unu Kapitalisten, im Monat in Palästina einreisen. Ein großer Teil der deutschen Juden lebe im Augenblick noch von seinen Ersparnissen, jedoch gehen diese langsam Ende und schon heute, leiden viele deutsche Juden grolle \jbehrungen. Es ist anzünehmen, daß jährlich etwa 15 000 >20 000 jüdische Menschen aus Deutschland auswandern Sie Hälfte davon stell nach Palästina'wenden wird; wenn aVntral British Fund und andere zentrale jüdiselie Körperl-n jährlich lMfßüO Pfund zur Verfügung stellen werden, vs möglich,(jährlich etwa 60U0 jüdische Einwanderer sftjna aufzipiehmen. Ein großer Teil der Gelder wird clfickgezahl.t werden können. Die für die Siedlung der •Ei1 Juden/aufgewendeten Summen haben «konstruktive füindsinil nicht bloß zur Hilfeleistung gegeben. Könnte u-tjRiTästina im Laufe der kommenden drei Jahre eine clesfund jährlich beschaffen, so verpflichtet sich der derb beweisen, daß das Land in der Lage ist, im Laufe lanijnten Zeit nicht weniger als- 35 000 Juden auf- Pali Von dieser Summe von einer Million Pfund brauch- ■ ^00 000 Pfund als verloren angesehen zu werden, :i den übrigen 800 000 Pfund, die investiert würner ■ Rückzahlung gerechnet werden könnte, augenblicklich schwierigste Problem sei, nachdem die r Versorgung der jüdischen Kinder aus Deutschland Chaluz-Problem gelöst sind, die Einordnung der l Einwanderer aus dem Mittelstand. Für diese ist ein fremdes Land. Obwohl sie an sich ein erwünschuälement sind, besitzen sie doch nicht die-Fähigkeit,:sich ii Lande anzupassen, wie dies der polnische und russische .Je kann. Bis zur Gewöhnung dieser Menschen an die fedibgimgen des, Landes"isl geWöhnfidi das mitgfcbrächfe Ka-V Jiital verbraucht, und dann wird ihre Lage außerordentlich /schwierig. Sie haben an sich Aussichten in der Industrie und Vin den Orängeplantagen, aber bevor derartige Betriebe lebensfähig sind, vergeht eine gewisse Zeit. Es muß daher zunächst ,n eine Zwischenlösung gedacht werden. Ein Mittelstandseinwanderer kann für 400 Pfund ein Haus und ein üunam Land erwerben Er behält also noch 600 Pfund, nachdem er ein Dach über dem Kopf hat. Es sind Verträge abgeschlossen, um auf diese Weise 400 Familien Boden zu sichern. Auch "für industrielle Möglichkeiten wird gesorgt .werden. Es ist vor allem notwendig, hauptsächlich durch den Jüdischen Nationalfcnds zur Vermeidung einer unerwünschten Bodenpreissteigerung mehr Land zu bekommen. Äußerst wichtig ist tlie Frage de.- Kreditbeschaffung: kleiner Kredite für Menschen mit .Fachkenntpissen und größerer Kredite für Kapilisterii VAtfifh an die Gründung einer Industriebank muß ged(LCbf'Werden. EfrSeft nächste Redner, Harre Sacher, erklärte, daß die Juijenfrage in DeutscBland in den Hintergrund getreten sei. Er'Scbätzt die voraussichtliche Emigration der deutschen Juden aut höchstens 2000 Menschen im Jahr. Allerdings würde die Zahl der deutscheil Juden infolge des Geburtenrückgangs und der Auswanderung bis zu einer Viertelmillion sinken. ■ Obwohl er glaube, daß das deutsche Judentum verarmen wird, wird'doch seine Lage im Vergleich zu der Lage der Juden in 'anderen Ländern, wie Polen, Rumänien usw., eine verhältnismäßig günstige sein. Es ist falsch, den deutschen Juden Aussichten aufausländische Hilfe zu machen. Die deutsch-' Jüdischen Anstalten müssen ihre Ausgaben bis zu einem Mindestmaß senken. Es bedeute einen Irrtum, die deutschen Juden zu einer großen Auswanderung nach Palästina zu ermutigen. Diese Auswanderung erscheint auch - gegenüber den Juden anderer Länder als ungerechtfertigt, deren große Notlage eine gleiche Behandlung verdient. Es sei eine große Gefahr für die Zionistische Organisation, schloß Harry Sacher, sich zuviel mit dem deutsch-jüdischen Problem .zu "befassen. Die Aufgabe der zionistischen Arbeit muß Zionismus und Palästina sein. Das ist der fundamentale Grundsatz der zionistischen Bewegung, die sich auch durch außerordentliche Ereignisse hierin nicht beirren lassen darf. - Diese Meldung ist in mehrfacher Beziehung hoch interessant und wichtig. v 1.) Zunächst einmal ist interessant, wie verschieden zwei der maßgeblichsten Zionistenführer die Auswanderungsmöglichkeiten der deutschen Juden beurteilen. Der eine schätzt die jährliche Auswanderung auf 13 bis 20 000, der andere auf 2000 Menschen. Selbst wenn man die größere Zahl zugrunde legt,, bleibt immer noch übrig, daß hei weitem der größte Teil der deutschen Juden auch nach Ansicht von Weiztnann in Deutschland verbleiben muß. 2.) Der optimistisch rechnende Weizmann berechnet die Zahl der deutschen Auswanderer nach Palästina auf 35 000 Juden fürdrei Jahre. Er verlangt hierfür die Aufwendung von einer Million Pfund, von denen 200 000 Pfund, gleich etwa drei Millionen Reichsmark ä fonds perdu gegeben werden sollen. Es läßt sich leicht ausrechnen, welche gewaltigen Aufgaben jüdischer Umschichtung und konstruktiver jüdischer. Wohlfahrtspflege mit drei Millionen .Reichsmark für das Vielfache von 35 000 Juden in Deutschland vollbracht werden könnten. Es läßt sich ferner leicht. berechnen, daß unter Zugrundelegung der Sammlungsmöglichkeir im Aus-, lande für die Juden' in Deutschland sq gut \vie nichts übrig bleiben wird, wenn der Weizmannsche Plan auch, nur annähernd zur Erfüllung kommen würde. 3.) Mit allergrößter Aufmerksamkeit (müssen die deutschen Juden die Worte von Harry (Sacher zur Kenntnis nehmen. Sacher sagt dreierlei; Erstens, daß -(Jas deutsche-Jüdentumnicht-zur Auw arfderang-nach- Palästina ermuntert werden dürfe, zumal es andere Länder Ngäbe wie Polen, Rumänien usw., deren jüdische Massen mindestens den gleichen Anspruch hätten wie die deutschen Juden. Ferner, daß die Zionisten gar kein Interesse daran hätten, im Gegenteil, daß es große Gefahr für die zionistische Organisation bedeute, sich mit dem deutsch-jüdischen Problem zu befassen; diese Organisation habe für die Zionisten und für Palästina, und nur hierfür zu sorgen. „Ungefähr so ’sagt’s der Herr Pfarrer auch“ — d. h. die deutschen Nichtzionisten; was aber sagen die deutschen Zionisten dazu?, zumal doch Sacher nicht dieser und jener ist, sondern ein Mann, der noch bis vor kurzem in "der zionistischen Weltexekutive gesessen hat und heute nöch maßgeblichsten Einfluß in seinen Kreisen ausübt. Das' Dritte, was. Sacher mit dieser Rede sagt, ist das Entscheidende: die deutschen Juden haben keine Aussicht auf ausländische Hilfe. „Laßt die Toten ihre Toten begraben!“ Die Viertelmillion, die nach Sacher in Deutschland zurückbleibt, soll auf sich selbst gestellt sein. So weit reicht jüdische Brüderlichkeit nicht, um den 250(100 deutschen Juden - in Wirklichkeit ist die Zahl ja viel größer — in Deutschland die Möglichkeit— eines neuen Lehens zu gewähren, wenn nur die 35000 Juden in Palästina gut untergebraeht sind. Fs sei bemerkt für die, die es nicht wissen, daß das keine leeren Ideologien sind, sondern, daß sowohl Sacher als auch Weizmami in London in dem engsten Komitee derer sitzen, die über die von-Zionisten und N.iclitziouisten gesammelten englischen Hilfsgelder für die deutschen Juden zu bestimmen haben. Uns erschein) dieses Abrücken von den Juden in Deutschland wenig „alljüdisch" mul wenig - sachkundig. Wie anders klingt cs, wenn die „Jüdische Rundschau" über einen Abend jüdischer Emigranten in Paris berichtet und das „Fa/if der eingehenden Aussprache“ wie folgt tormuliert: 1 leutschlaiul* hcfiiujvn, w ird auf-tininil eingehender Lrl'ahfesl/niiaIhm"nnd" 'ilic'f ^Ahlic/n in ttwirftai”"*/"i/iirrh-. Schwierigkeiten i Tale aussichtsreicher sein, .die grolle Dm- , von der die jüdische Jugend, instinkt- I Drucke der Notwendigkeit, ergriffen Wenn die „Jüdisch-liberale Zeitung“ immer wievor übertriebenen .Hoffnungen bei Auswanderung gewarpt bat, so dürfte dieser Pariser Warmingsruf eine erschütternde Bestätigung unseres Standpunktes darstellen; und wenn wir uns dagegen gewehrt halten, daß unser Geschick •- das Geschick von lumdcrttausenden deutscher Juden, die ihr jüdisches Leben mit allen Kräften hier zu behaupten wünschen, von außen her, von den „großen jüdischen Staatsmännern“ bestimmt werde, so hat diese unsere Stellungnahme, durch den obigen Bericht aus London eine unwidcr- ' legliche Rechtfertigung erfahren. Glücklicherweise wissen wir, daß die englische Judcnhcit im großen und ganzen anders denkt afs Harry Sacher. Ob die < Beschäftigung mit deutsch-jüdischen Angelegenheiten 1 für den Zionisten schädlich ist, das zu beurteilen, müssen wir allerdings den deutschen Zionisten überlassen, d. h., denjenigen deutschen Zionisten, welche . allem aber hoffen wir, daß ^las deutsche Judentum... sich, allen Unglückspropheteri-zum Trotz, in der Heimat erhalten und bewährenwird, und daß dieser Behauptungswille — soweit dies" nötig wirjl — von unsern ausländischen Brüdern anerkannt mul unterstützt werden wird. Der englisch-zionistische Konflikt 700 Gemeinden senden eine „offizielle Note“ mmen werden, weil diese es für VichtiK-liiilF, die jttdi- Eimvaiuleriiiig' nach Palästina nicht allzu plötzlich v<r gelieu zu lassen und w ' ""*• '.. Wanderung Einhalt gehi ■galcit Eint. Sicher kann das Verfahren, dessen sich die, paläslincnsTsclicii Behörden bedienen,' kann inshesoi dere die'unwürdige Tcmristenjagd mul das Spitzelwesen nid gebilligt werden; aber doch wirft cs auch umgekehrt ein deutliches Licht auf if' ‘.... Position, wenn man Im II nicht weniger als 7U0 jüdische ir offenen.Konflikt mit England Berlin: Schöneberg. Houplslrl . $ Dauerwurst Schlackwurst, Salam!|v Mettwurst, Krakauer^ Mk Polnische, Schlesische Pfund t,20 Mk.; e erWUpfunct 1,40 Mk. Damofw. n. dicke Würstchen 1- Dünne Würstchen’ 1,20 5 Kilo Wstkon? Porto, Verp. frei Th. Loswsnthal, Berlin W 50 AtfaenbacbttM.Tel.: 84 Bav.2795 ERNST BOSS Spezialgeschäft für nastundlfaleigedogei Wildpret n. Laudesprodukte Berlin-Cbarl., W15 Melneks Strass» 29 - Möbeltransport Block Landwurst-Waren omei'hkm. loschimsthaler Str. ]3 neben B. u. B. ZIGARRENHAUS RIrfu Klrdihof, Berlin W 15 Pariser Str. 4*43, Ecke Sächsischeste Femspr. J 2 Oliva 1623 . Zweiggesch. Mmldorferttr. 17-11 seit 1860 1 Berlin-Wilmersdorf 1 | Durlacher Straße 15 Telefon H 7 Wilmersdorf 40 Eiltransporte billigst B 1Pallas 3311 BERLINER HAUS- U. 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