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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-12-19 · 35 (19.12.1933) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
35 (19.12.1933)
Date
1933-12-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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13. Jahrgang Nummer 35 3ttöty<HU)etme 3eiiung Beilage 19. Dezember 1933 Jüdische Schule - deutschjüdische Erziehung Von Studienassessor i. R. Dr. Manuel Joel, Breslau Geht man heute in deutschjüdischeii, vor allem liberalen Kreisen, an den Aufbau des Sehulwesens, insbesondere des höheren, heran, so muß man sich klar sein, dal! man diese Aufgabe nur lösen kann, wenn man sich nicht lediglich von äußeren Erwägungen leiten läßt, etwa der Art, daß man dem Teil der jüdischen Jugend eine bessere Bildung geben will, der durch die Gesetzgebung von dem Besuch der öffentlichen höheren Lehranstalten abgehalten wird, sondern daß man vielmehr versuchen muß, auch innerlich zu einer positiven Einstellung zu gelangen. Denn nur dann ist es möglich, über den Rahmen der äußeren Organisation und eines hohlen Lehrbetriebes hinaus die Schulen zu dem zu machen, was wir erstreben müssen, nämlich zu Stätten deutschjüdischer Erziehung Diese geforderte innere Bejahung kann aber nur aus der Erkenntnis der gesamten schulpolitischen Situation heraus gewonnen werden, wie sie sich seit der Schulreform von 1024 entwickelt hat. Die Schulreform von 1024 verdankt ihre Entstehung zwei Wurzeln. Sie sollte einmal nach dem Willen ihres Schöpfers au den Geist des deutschen Idealismus aukiuipfen und m Organisation wie Inhalt eine betont deutsche Schule sein. Hei aller notwendigen Differenzierung der einzelnen Schularten sollte ein einheitlicher Schultyp dadurch erreicht werden, daß überall die „deutschkundliche'n“ Fächer (Deutsch, Geschichte, Erdkunde) mit verstärkter Stundenzahl inl Mittelpunkt standen und an diese sich nun die für das Lehrziel der Anstalt „charakteristischen“ Fächer (neusprächlich, altsprachlich, mathematisch-naturwissenschaftlich) angliederten, wahrend die übrigen Fächer Randstellung einnehmen sollten. Als letztes Ziel schwebte dabei 'der Gedanke vor, den neugeschaffenen Typ der „deutschen Oberschule1zu dem Einheitstyp der höheren Schule-überhaupt machen zu können. Weiterhin knüpfte sie an jene Bestrebungen an, die aus dem Geist der Wandervogelbewegung geboren schon vor dem Kriege ihren Niederschlag in gewissen Versuchsschuleii gefunden hatten, die mit dein Namen Hugo Geudig verknüpft sind, sowie all die. aus dem- ■ selben Geist entstandenen Landerziehungsheime, wie sie Lietz, Andreasen, Luserke undin gewissem Sinne auch Wyneken geschaffen haben. Überall lag hier der Gedanke zugrunde; aus der bloßen Lehr- und Lernschule eine Erziehuiigsgemeinschaft machen zu wollen, Bestrebungen, die nunmehr in den Begriffen Arheitsunterricht, Klassen- und Schulgemeinde usiv. Eingang in die öffentlichen Anstalten fanden, zu deren Unterstützung auch die Landheimbewegung diente. Mail kann nun sagen, daß die Schulreform äußerlich zwar scheinbar durchgeführt wurde, daß sie aber, gemessen an den mit ihr verbundenen Absichten, in den Anfängen stecken blieb. Es waren nicht, wie man vielfach meinte, ' äußerliche Hemmungen (wie etwa der Widerstand eines Teiles der Lehrerschaft), sondern vielmehr Schwierigkeiten innerer Art, die zu diesem Ergebnis führten. Diese ergaben sich nicht nur aus der Tatsache, daß das deutsche Kulturideal, wie es, den Vätern der Schulreform vorschwebte, im Volke keinen einmütigen Widerhall fand, sondern mehr noch daraus, daß auch in den staatstragenden Kreisen keine Einmütigkeit bestand, wie es in dem Wesen einer Koalition liegen mußte, die' zwar aiis politischverbundenen, aber weltanschaulich schroff ' sich gegenüberstehenden Partnern zusammengesetzt war. So konnte schon bei Aufstellung der Stundentafeln infolge Fehlens einer einheitlichen Staats- und. Kulturidee dem Ansturm der' luteressenverbähde kein Widerstand entgegengesetzt werden, so entstand statt der organischen Vereinheitlichung der Schultypen ein unorganisches Durcheinander unzähliger Abarten, unter derii Eltern-, Schüler- und Lehrerschaft seufzten. Schlimmer aber war noch das Übergreifen der weltanschaulichen Zerrissenheit auf die Jugend, so daß in den Klassen sich schon die einzelnen Gruppen feindlich gegenüberstanden und dem Lehrer, der wenigstens die Klassengemeirischaft als solche erhalten wissen wollte, in den staatsbürgerlichen, also entscheidenden Fächern, gar nichts anderes übrig hlieb, .als sich weitgehend zu objektivieren, sich mit einer Unterrichtung der verschiedenen Strömungen zu begnügen, zumal ja auch, wie oben geschildert, die Erziehung zu einer einheitlichen Staatstmd Kulturidee nicht möglich war. Trotz der Anwendung besserer, weil jugendpsychologisch begründeter Unterrichtsmethoden blieb die Schule die alte Lehr- und Lernschule, in der die Individualität des Lehrers und Schülers einen möglichst weiten Spielraum hatte, soweit das im Rahmen des Schulzwecks überhaupt möglich war. Bei dieser Sachlage bestand von unserem Standpunkte aus in der Tat keine Notwendigkeit zur Errichtung eigener Schulen, die nur eine unnötige Absonderung bedeutet hätte, zumal die Erziehung ~ also auch die jüdische — Sache des Elternhauses blieb. Mit dem Durchbruch des Dritten Reiches, mit der Hinwendung zum totalen Staate, wird, ja muß nun auch der Durchbruch der Lehr- und Lernschnle zur Erzieluiiigsschiilc erfolgen, in der alles dem Staatszweck untergeordnet wird. Gewiß würde das an sich noch keine Beeinträchtigung der Lage der jüdischen- Schüler an den öffentlichen Anstalten bedeuten, da das -Judentum sich als gleichberechtigter Faktor in den totalen Staat einbauen läßt, wie das Beispiel Italiens beweist. Man darf aber nicht übersehen, daß bei der besonderen Ausbildung dieses Staatsgedaukeiis in Deutschland das Rasseprinzip zum tragenden - Pfeiler gemacht worden ist — und zwar auf Grund der Lehre von der Ungleichheit der Rassen — und daß diese in der Schule nicht nur Unterrichtsgegeustand sein soll (was ja oft zu einem Ohr hinein-, zum anderen hinausgeht), sondern geradezu zum Mittelpunkt der Erziehung gemacht werden soll. Damit besteht Uber die große Gefahr der völligen Isolierung unserer Jugend auf der höheren Schule, die Erzeugung eines Minderwcrtigkcitsbewußtscins,. das zur Folge hat, daß diese auf der Suche nach einem Ausgleich sich dem Zionismus in die Arme wirft, wo sie einen Rückhalt •zu finden glaubt. So paradox es klingen mag — es ergiht sich daraus tatsächlich der Schluß, daß unsere Jugend mir dann in dem unbeirrbaren Gefühl der unauflösbaren Verwurzelung mit der deutschen Heimat erzogen werden kann, wenn sie an bewußt in deutsclijiidisehem Sinne geleiteten Schulen zusammciigefaßt wird. Dazu kommt noch eine andere Überlegung, die ebenfalls mit dem Durchbruch der Erziehmigsschide ziisammeiihäiigt. Gewiß kennt das nationalsozialistische Schulprogramm, wie es unter dem Einfluß von Volksschullehretkreisen entstanden ist. nur die simultane Staatsschule. Es kann aber keinem Zweifel unterliegen, daß die Entwicklung m Richtung der konfessionellen Schule verlaufen wird, wie es nicht nur das Konkordat mit der katholischen Kirche andeutet, das ja dem katholischen Privatschulwesen weitesten Spielraum läßt, sondern wie .es auch aus grundsätzlichen- Erwägungen in bestimmten piidagogisch interessierten Kreisen gefordert wird. Diese, gehen von der Erwägung aus, daß eine Erziehung nur dann möglich .ist, wenn eine wirkliche Erzieluingsgemeiiischaft zwischen Schule und Elternhaus besteht, die aber nur dann restlos erreicht wird, wenn sie auf gleicher religiöser Basis erfolgt und von der dritten Säule der Erziehung, dem Jiigciidhmul. in gleicher Weise unterstützt wird. So sehen wir, wie von zwei Seiten her die innerliche ' Bejahung einer jüdischen. Schule. auch“von unserem Standpunkte aus sich ergeben muß, einer Schule, die allerdings in deutschjüdischem Sinne nur eine deutsche Schule jüdischer Konfession sein kann. Dieser Charakter muß im Lehrplan dadurch zum Ausdruck kommen, daß Stundenplan und Fachverteilung sich eng an die der öffentlichen Schulen anlchnen, daß vor allem Deutsch als unsere Muttersprache und deutsche "Geschichte als Geschichte unseres Vaterlandes im Mittelpunkte des Unterrichts stehen, während das spezifisch Jüdische, abgesehen natürlich vom Religionsunterricht, in der Stoffverteilung auf die einzelnen Facher zum Ausdruck zu kommen hat. evtl, auch in einer abweichenden Art der' Stoffhehandhing. Es ist weiterhin selbstverständlich, daß als erste Fremdsprache nur die in Frage kommt, deren Erlernung auch iu den öffentlichen Anstalten verlangt wird, die-nach der zu erwartenden Schulreform voraussichtlich wieder} das Englische sein dürfte. Damit ist aber auch die Frage nach der Stellung des Hebräischen, die wohl am ehesten zum innerjüdischeil Differenzpunkt werden kann, aufs engste verbunden. So sehr inan sich darüber klar sein muß, daß au einer jüdischen Schule Althebräisch als unsere Kultsprache integrierender Bestandteil des Kvliginiisuutcrriehles sein muß, so wenig darl^ mail sieh darüber tauschen, daß au einer deutschjüdischen Schule für den obligatorischen Unterricht des Neuhebräischen kein Platz ist. daß hier für deuisrhnnpfindende Kreise eine Grenze liegt, die auf der anderen Seile unbedingt zu achten und auch von konipromißbereiteu Führern ein ' ziihalteu ist. Will inan überhaupt zu einer Einigung koimiu-ii. die wegen der U.imiöglichkcM, Schulen verschiedener jüdisch-' politischer Richtungen ins Lehen, zu rufen, sieh als eine. Not- Wendigkeit erweisen durfte, „u. ist das nur tu' der W eise möglich, daß mau das Nculichr.ii-.ch als fakultatives' Lehrfach führt oder äußerstenfalls als zweite ii u/i/ii Fremdsprache. Mau kann dabei von der Erwägung aiisgeheu, daß es auch bei dieser Regelung noch, im Belieben der Eiletu stein, ob sie ihre 'Kinder_>hcse 'Sprache lernen lassen Wollen, wahrend freilich nach gefaßtem Entsehlnß es .entgegen dem nur l'akul-. tativneben den beiden .anderen Fremdsprachen erteilten Unterricht kein Zurück mein gibt. Jeder Schritt, der aber über die eben'als möglich - hczeichnctcu Zugeständnisse liin.iiisgrlit, führt ins Ghetto, bedeutet den .ersten Schritt auf dem \\ ege zur Minderheit, macht eine-Eingliederung der iiingcii Generation ili den totalen Staat unmöglich, Folgen, an denen selbst . dem eingefleischtesten Zionisten nichts liegen .dürfte. Es würde natürlich zu weit führen, einen eingehenden Lehrplan aufzustclleu, ebensowenig wie liier die Fragen, der körperlichen Erziehung oder der sehr wichtigen t.andcrziclnmgsheiiuc erörtert werden konnten; es sollte liier nur einmal gezagt werden," daß aus sehr ernsten pädagogischen Erwägungen heraus die jüdische Schule auch für uns kein Problem mein sein kann, deren Aufgabe es ist, ein 'Geschlecht bcranztizielieit, das sielt der Zweiseitigkeit seines Wesens, Deutscher und Jude zu seilt, bewußt ist mul das gewillt ist, diese beiden Seiten allen Angriffen zum Trotz zu behaupten. Dann wird auch der Weg zur wahren Eniaii/ipnliiUL-frei scjn, iu der w ir treu der ..niseici Valer unsemn Valei laud.- als gleichberechtigte .Glieder des deutschen Volkes diciicn- Aus der Bewegung des religiös-liberaler» ludenlums 1 Vorsitzenden l)r. Alfred (... längerer Pause gelungen, iu der Schule des Jüdischen Schul-' ., Kaiscrdainin 7S (am Adolf-Hitler-Platz), einen Raum isere Gottesdienste zu finden. Iler erste Gottesdienst- ----- um Freitag, 13. Dc/cinhcr, zugleich als Ghunukkali-— Gottesdienst statt. Es ist noch unbestimmt, oh es möglich I, die Gottesdienste'an jedem Freilag stallfimlni zlt ler oh dies nur z.wcnnal im Monat' geschehen kann, il u. a. auch von der < tpferwilligkcit iler_Mügliei|er lind Freunde ahhängeu, da die Jüdische Gemeinde nicht mehr dieselben Zuschüsse geben kann wie iu .früheren Jahren. - Diese Wiederaufnahme der Wcstender liberalen Gottesdienste ist tun so mehr zu begrüßen, als in der heutigen ZciX_dus Bedürfnis nach religiöser Erbauung besonders groß ist. Berlin-Obersprcc. Nach fast halbjähriger Pause veranstaltete die Bezirksgruppc des religiös-liberalen Vereins einen Vortragsabend,, dessen außerordentlich starker Besuch zeigte, wie groß das Bedürfnis nach Zusainriienhnlt'hei uns ist. Der Vorsitzende, Herr Kurl Lublin, gab in seiner Eröffnungsansprache diesem Gedanken Ausdruck. Sodann hielt Redakteur Gtorgc Gaelz sein Referat „Zeiten der Erprobung“. Eine spätere Geschichtsschreibung-werde die deutschen Jml.-rr danach werten, wie sie seelisch mit den Ereignissen fertig geworden sind. Auch Arier sind durch den Umschwung ent- Carl Boblnski/1^"1^' Wittelsbacher Str. 9a. Zentralheiz., Warmwasser-, Oas- und sanitäre Anlagen- Kostenl. Beratung. Tel. Oliva 5535 Vertretor-(innen) gesucht für leistungsfähige Bremer Kaffee - Großröslerei ' Carl Max Josephs, Bremen . Ueferant von Peiiaclt.Kaffee ti.Trc ♦ Hattaxett und Hino ♦ Bestes Tafelobst. Delikatessen, Orient Spezialitäten." Palkstina- Weite liefert frei Haus (fotidge Wielandstr. 16 j l.ttTTCTlflTgTHfniT ' '.■■■ Druckvsiiicifl’oariBi Berlin W 50, 1 ■ :,lnh. j. LewieJl Nassauer Straüe 5 Kartengetd 0,60 Mk.* pro Turnus Fernsprecher il Bismarck 5229 » SuKmH Sachen omeriaiionen Kadolph(ö^Goerigk^ SaSSSSSSr #. Jf Btrbirons fÄ 432. liefert Barettes und Gebäck frei Haus & Dauerwurst Elow konferiert JmtafComb« tasi s's« ii mtur lustötirnig. Billigt Banu. 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