Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 34 (15.12.1933)
- Date
- 1933-12-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Sondergesetzgebung gegen den Antisemitismus ' in Holland Aus der Begründung der Regierung zu dem in der Zweiten Kammer eingereichten Gesetzentwurf zur „Verstärkung des Schutzes der öffentlichen Ordnung und Sicherheit1' ergibt sich, daß unter Punkt 3 des Gesetzentwurfs (Strafandrohung für öffentliche Beleidigung einer bestimmten Gruppe der Bevölkerung) Maßnahmen zur „U n - terbindung des Rassen- und Gottesdiensthass e s“ zu verstehen sind. Zu diesem Zweck sollen zwei Artikel in das Strafgesetzbuch aufgenommen werden. Sie sind in ihrer Fassung allgemein gehalten und haben Bezug auf alle Bevölkerungsgruppen, ohne Unterschied. Es sollen daher nach der Annahme des Gesetzentwurfs „sowohl, antisemitische Äußerungen, wie auch etwaige Angriffe auf andere Gruppen, wie protestantische öder katholische Geistliche und Organisationen“, unter das Strafgesetz fallen. In der Praxis dürften sich die neuen Strafbestimmungen allerdings hauptsächlich gegen die antisemitische Propaganda richten, denn die Regierung sagt in ihrer Begründung selbst, daß sie in erster Linie an „aktuelle Äußerungen bezüglich unserer israelitischen Mitbürger“ denkt. „Es kommt der sdiwarze Mann“ Ein Zeitbild aus Palästina Jerusalem ist mit Flugblättern überschwemmt, auf denen die beiden gefährlichsten „Touristenjäger“, der nichtjüdische Polizeiinspektor Robinson und der. jüdische Sergeant Edioni, abgebildet sind und die Bevölkerung aufgefordert wird, ihnen aus dem Weg zu gehen. Die Angst vor Spitzeln, die illegal int Lande Wohnende gegen eine ■„Schillingsbelohnung“ der Polizei angeben, nimmt, namentlich unter den orientalischen Juden immer mehr zu. Der georgische Jude Meschiach Darkaschvilli, der der Polizei Spitzeldienste geleistet haben soll, wurde in der Nähe des Hadassa-Hospitals von Juden schwer mißhandelt. Er wurde von der Polizei in das Regierungshospital eingeliefert. Wieder Straßenkämpfe in Tel-Awiw Panzerautos aus Jerusalem müssen eingreifen Im Anschluß an eine revisionistische Versammlung ist es am Sonnabend, 9. Dezember, in Tel Awiw zu stürmischen Straßendemonstrationen gegen die von den Palästinabehörden in letzter Zeit veranstalteten"Razzien auf illegal Eingewanderte und das im Zusammenhang damit angewandte demoralisierende Spitzelsystem gekommen. Bei dein Zusammenstoß der Demonstranten mit der Polizei wurden auf beiden Seiten mehrere Personen verletzt. Am Sonnabend-Morgen fand eine revisionistische Versammlung statt, in der revisionistische Redner über die Ergebnisse des letzten Zionistenkongresses, die Verordnungen der Palästina-Regierung und die Touristenvt;rfolgung währenu-der letzten Zeit sprachen. Nachdem die Versammlung um 11 Uhr geschlossen worden war, formierten sich einige' hundert Mitglieder des revisionistischen Jugendbundes Brith Trumpeldor zu einem Zuge, der sich unter Vorantragung einer Fahne durch die. Stadt bewegte. Auf dem Wege schlossen sich dem ursprünglich kleinen Zuge immer größere Menschenmassen an, die durch stürmische Ausrufe gegen die Einwanderungspolitik der Palästina-Verwaltung und ihre letzten Maßnahmen protestierten. Polizei stellte sich dem Zuge entgegen und forderte die Teilnehmer auf, sich zu zerstreuen, da die Kundgebung nicht vorher angemcldet worden sei. Die Menge weigerte sich jedoch, dieser Aufforderung Folge zu leisten. Als daraufhin ein Polizist dem Fahnenträger die Fahne zu entreißen suchte, entspann sich ein wilder Straßeukainpf, der sich von der Bialikstraße bis zum Meeresufer ausdehnte; Aus Jaffa wurde polizeiliche Verstärkung, zum Teil aus arabischen Polizisten bestehend, herangeholt. “ Die Polizisten, die mit Hilfe des Gummiknüppels die Versammelten auseinanderzutreiben versuchten, wurden aus der Menge mit Steinen beworfen und iiiit Wasser begossen. Erst als Polizei aus Jerusalem mit fünf Panzerautos eingriff und mit der Waffe in der Hand gegen die Demonstranten vorging, gelang cs, den Zug aufzulösen. Mehrere Polizisten, unter ihnen lunt jüdische und einige englische, wurden verletit. Schwerverletzt sind der jüdische Polizeiinspektor Goffer und der jüdische Polizeisergeant Wortmann. Von den sieben verwundeten Zivilpersonen mußten drei ins Lazarett eingeliefert werden. •Der Bürgermeister von Tel Awiw, Mt'ir Dizcn^o/f, erklärte in einem Gespräch, er bedauere die Vorfälle aufs tiefste, die letzte .Verantwortung für .sie treffe aber die Regierung. Hätte die Regierung durch ihre ungerechtfertigten rücksichtslosen Maßnahmen die Bevölkerung nicht in so maßlose Aufregung versetzt und hätte sie nicht durch Züchtung von Spitzeln, wobei sie selbst vor der Demoralisierung von Kindern nicht zuriickschreckt, ein allgemeines Gefühl der Unsicherheit geschaffen, so wäre es nie zu diesen Ereignissen gekommen. Der Tel Awiwer Stadtrat trat am Sonntag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. In einer Entschließung wurde der Polizei die Anerkennung für ihre in schwieriger Situation bewiesene Haltung und den Verletzten die Sympathie des Stadtrats ausgesprochen und das Bedauern über die geschehenen Gewalttaten ausgedrückt. jüdisches Studentenghetto in Ungarn — gesetzwidrig Von der Kanzlei des Ministerpräsidenten in Ungarn wurden die antisemitischen Studentenverbände verständigt, daß der Ministerpräsident auf dem Standpunkt stehe, eine Isolierung der jüdischen Hörer durch Zuweisung abgesonderter Sitze sei ebenso gesetzwidrig wie die Drohung der Studenten mit dem Streik. Es sei unmöglich, derartige Forderungen der Studenten zu erfüllen, da sic im Widerspruch stünden zu den höheren Interessen des Landes. Antisemitischer Überfall auf Pariser judenviertel verhindert Rechtzeitiges Eingreifen der Polizei verhinderte einen Angriff der antisemitischen Camelots du Roi auf das jüdische Viertel * vor» Paris. Die Camelots waren zunächst in das „Foyer israelite‘% eine jüdische Studenteumensa im Quartier Latin, eingedrungeu und marschierten von dort aus, nachdem sie die Fensterscheiben des Lokals zertrümmert hatten, gegen das jüdische Viertel. Der alarmierte Selbstschutz der jüdischen Jugend eilte auf Motorrädern und in Autos herbei, um sich den Angreifern entgegen/ustellen. Es gelang jedoch der. Polizei, den Zug schon vor dem jüdischen Viertel anf/nlöseii. Budapest. (J ü d i s e h cs 1) r am a in Ungarn verboten.) Die Polizei hat die Uraufführung des Dramas „Ben üurjon** von Arpad Vamos und Ignaz Vandor, das in seinem Vorspiel die Schrecken eines Pogroms auf die Szene bringt, weil die Studentenschaft Proteste gegen diese Auf-* führuug plante, verboten. Budapest. (Vierzigjähriges A m t s j u b i 1 ä ti in des Großrabbiners Simon Hevesi.) Der Budapester Großrabbiner Simon Hevesi, der bekannte Gelehrte und Schriftsteller, begeht jetzt sein lüjähriges Amtsjubiläum als Rabbiner und ist aus diesem Anlaß Gegenstand sehr ehrender Aufmerksamkeit seitensder Gemeinde Budapest, der .ungarischen Judenheit und der Gelehrtemvelt. Großrabbiner Hevesi amtiert seit fast 30 Jahren als Rabbiner in Budapest. Er ist Professor für Religionsphilosophie und Homiletik an der Landesrabbinerschule und schrieb eine Reihe wissenschaftlicher Werke, von denen „Die Theorie des Buches HiobV mul „Immanuel Kant** hervorzuhehen sind. . Bukarest. (Antisemitische S t u d e n t e n b e w e - .gung in Rumänien.) An der juridischen Fakultät Her - Bukarester Universität haben die christlichen Hörer in den Hörsälen Tafeln mit folgendem Text angebracht: „Im Sinne des Studeiitengeset/es hat jeder Jude'den Saal zu verlassen.** Ein jüdischer Hörer, der der Aufforderung nicht Folge leistete, wurde derart verprügelt, daß mau ihn ins Spital bringen mußte. Ähnliche Gewaltakte wurden auch an . der chemischen Fakultät verübt. » * Riga. (P o l i z e i t i e h e Untersuchung gegen Rigaer Revisionisten im Z u s a in m e n hau g mit den Steinwifrfcn auf die e n g l i sc he ti esa nd t- Schaft.) Cm Zusammenhang mit den vor einigen Tagen vor der englischen Gesandtschaft veranstalteten Kundgebung^ hei der einige Fensterscheiben im Gesandtsehaftsgebämlc cingeworfeii wurden, wurde von der Polizei eine Untersuchung gegen Revisionisten, die der Urheberschaft verdächtig sind, eingeleitet. Im Lokal der revisionistischen Zeitung „Abend- . post** wurde eine Haussuchung durchgeführt. Die Polizcrverhaftete fünf Studenten, den Schriftleiter und den Leiter "der Verwaltung der Zeitung. Die beiden letzten wurden nach Vernehmung auf freien Fuß gesetzt. Riga. (K e i n N u m e r u s eLausus für Juden in . Lettland.)^ Der Senat der lettläiulischen Universität in Riga hat die vom Studentenausschuß erhohene Forderung nach Einführung des Numerus clausus für Juden abgclehnt. Warschau. (Der E s p e r a u t o d i c h t e r Felix Zainen hol' g irs t o r he »:) tojährig verstarb in Warschau der bekannte Espernntodichter Felix Zamenhöf, ein Bruder des Schöpfers der Esperantosprache Dr. Ludwig Zainenhof. Warschau. (A u t i s e m i t i s c h e R o z w o j - Ö r g a n i - sation in ganz Polen verboten.) Die antisemitische Ro7.woj-Organisatinn, die bereits durch lokale Verfügungen in einzelnen Wöjwodschaftcn aufgelöst wordeu war, wurde nunmehr für das ganze Gebiet der Republik Polen verboten. Chanukkahfeiem in dieser Wothe _ Deutsch-jüdische Jugend Die i'niiciusaim' Clmaukkahfeirr. der deutsch-jüdischen Bünde findet am Sonntag, 17 - De/ember, im Logt'iihaus Joachimsthalcr Straße 13 (oberer Saal) statt, mul /.war um ■1 Uhr nachm, für die Jüngeren, und um 7,13 Uhr für die ÄltertMi. Neuer Synagogenverein Rykestraßc Der Neue Synagogenverein Rvkestraße veranstaltet gcjmcmsuir mit dem Syungogenvorstand am. Sonntag, 17. Ue/cmt her, abends pünktlich 10,30 Uhr, Cliaiiukkafi-Goftesdienst , und Chauukkah-Fcicr.: Au/iindeu der Chauukkah-Liditc, Mna- ' siw Gebet durch Herrn Obcrkantor Ahlbetk mit dem ver- * stärkten Synagogcii-Chor unter Leitung seines Dirigenten, Herrn Kurt tiurchard. Predigt: Herr Rabbiner Dr. Wryl. -- Im Anschluß an dcu-Gottcsdicnst nmsiknlisch-deklumntörischc- Darhietuiigeii durch die Herren Ludwig Hardt, Wilhelm Sanier und ’(Iberkantor Ahlbeck. Am Harmonium: Hans Schnurz. jugendgemeinschaft der Jüdischen Reform-Gemeinde Sonnabend, l(>. Dezember, abends S Uhr, Im Logenhaus, Einser Straße 13,* Chanukfiah-Heisammensein der y/ig/v/jgrmcinschüft, Tanz Vorführungen etc. Eintritt 50 Pf. für unsere »Mitglieder und Jugendliche Deutsch-jüdischer Organisationen, für Gäste 1 M. Vorverkauf täglich von 9—3 Uhr im Büro, Johannisstraße lü und Abendkasse. (Somlerciitladuiigcn ergehen, nicht.) * . •' Verein Synagoge Lindenstraße . Chamikkalifeier am 10. Dezember, nachmittags 5,30 Uhr, in unserer Synagoge Lindenstraße -18/50. Kinder erhalten kleine Geschenke. Freiwillige Spenden werden dankenswert begrüßt.-Einlaß 5 Uhr. Beginn pünktliehst 5,30 Uhr. Synagogenverdifi Prinzregentenstraße E, V. Chamikknhfcicr am 10. Dezember in den oberen Räumen des Logenhauses Joachimsthalcr Straße 13. Nachmittags ■1,3(1 Uhr Feier der Jugend "mit Vorführungen der Kinder, Abend. 8,31) Uhr geselliger Abend mit Tanz unter Mitwirkung der Künstler von „Bühne und Brettl". Nacluiiittags Glas, Porzellan, Kristall ifij7 0 Haushalt-Artikel. 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