Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 33 (12.12.1933)
- Date
- 1933-12-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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13. Jahrgang Nummer 33 3fiÖifdMi6eta(e S^Uung Beilage 12. Dezember 1933 Das Wunder o oetlw hat seinem bekannten Wort: „Das Wunder ist des Otauheiis liebstes Kind“ die weniger oft zitierte Bemerkung angefügt: „Nach jenen Sphären wag’, ich .nicht* zu streben.“ In dieser Situation sind wir europäischen Menschen schon seit etwa drei Jahrhunderten, und darum vermögen seit langem alle Geschichten von in der Vergangenheit geschehenen Wundern uns nicht in ihren Bann zu ziehen, sofern nicht starke äußere Einflüsse hinzukamen. Die ungleich größere Wirkung der christlichen gegenüber den jüdischen Festen ist nicht etwa darauf zurückzutühren, daß das Judentum eine schlechtere Religion sei, sondern vielmehr auf die Tatsache,' daß wir zahlenmäßig in der Minderheit sind. Ostern, Pfingsten, Weihnachten, diese drei großen christlichen Feste werden vom ganzen deutschen -Volke gefeiert, und besonders das letztgenannte beherrscht fast während des ganzen vorhergehenden Monats die Stimmung im Lande: in jeder Straße zeigen die Schaufenster seine Symbole, jetbr Betrieb und vor allem jedes Haus ist von ihm überstrahlt. Der Gedanke unseres Chanukkah, wahrlich einer der erhebendsten und tiefsten Gedanken, ist uns Juden vielfach blaß geblichen; sogar in Häusern, in denen dieses Fest, begangen wurde. Unser Erleben teilten nur wenige, und die Erinnerungen, an die das Fest anknüpft, waren eben nur Erinnerungen — . . in jenen Tagen, um diese Zeit . . In diesen Tagen ist! das anders. Heute spricht zu uns eigenes Erichen, und diel Sphäre, nach der wie nicht ersten streben, brauchen, weil sie die unseres wirklichen Lebens i^t, enthüllt uns eine Offenbarung, die in jüdischen Häusern niemals wieder vergessen werden sollte: daß nämlich, im Gegensatz zu der von Goethe selbst recht deutlich ahgelehnten Denkweise, nicht das Wunder des Glaubens, sondern der Glaube des Wunders Kind ist, und sein herrlichstes obendrein. Das Wunder ‘ aber, das wir erleben, ist: die Wirklichkeit, und es zeigt sich, was alle sehenden Mensel en immer gewußt haben, daß sie, daß das Lehen ungleich im hr au 'Unwahrscheinlichem, Unausdenkbarem und Wunderhaft an enthält, als.alle Geschichten und Sagen, Mythen und Romane. •Höchstes Wunder in solchem Sinne ist die Haltung i nd Leistung der deutschen Juden, die den Weltkrieg und lie Niederlage, die Hungersnot und die Inflation in völlitfer Sclhstidentifikation mit dem deutschen Volke miterlebt harnen und mm heute ans diesem Volkstum ausgeschlossen sein sollen. Dieser Ausschluß trifft beide Wurzeln unseres* Seins: die seelische und die materielle. Ungeheuer sind-die Leistungen, die von Gemeinden und Organisationen, von den sie tragenden Persönlichkeiten und von der Gesamtheit der deutschen Juden seit dem Umschwung vollbracht wurden und immer, noch Werden, um die materielle Not zu liudern und zu planmäßigem Wiederaufbau zu gelangen. Und all das, was da .geleistet wird, kann nur vollbracht werden bei völligem Mitgenen derer, denen diese Arbeit zugewendet ist: die .Verhältnisse fordern Umstellung jedes Einzelnen auf eine vollkommen -neue Tätigkeit und auf ein gänzlich anderes Lebensniveau, »per moderne Ausdruck, mit dem man die durch solche .Umstellung erforderte Eigenschaft bezeichnet, heißt „Wendigkeit*, und daß die Mehrzahl der deutschen Juden sie aufbriijgt, ist das Makkabäer-Erlebnis^unserer Tage.-—: gewiß, wir watSm nicht alle Priester, aber doch mußten wir uns ändern, wt wenn aus Priestersöhnen Kriegsmänner wurden. Ja, wir halten uns gegen allen Ansturm der Erergnisse, die Not hat Kr»te üi uns erweckt, die wir vorher nicht in uns wußten, und aus dem Wunder dieses Erlebens schöpfen wir den Glauben Jan unsere Zukunft. Wie die biblischen Wunder unsere Vater zum Glauben führten und als Zeugnisse auch ‘für die Nachwelt dienten, so ist einer heutigen Welt, denen die allen Zeugnisse verblaßt erschienen, ein neues-Wunder gescheiten, und neuer jüdischer Glaube ist dieses Wunders herrlichstes Kind. * U Aber eine Gefahr ist bei alledem: wir dürfen nie vergessen, daß alle wirtschaftliche Aufbauarbeit nur Mittel ztfm Zweck sein darf. Chanukkah ist, das wird gerade heute vielfach verkannt, ein religiöses Fest. Nicht aus politischen ßeweggrfmden, sondern in der Abwehr der religiösen Entrechtung Israels haben die Priester zum Schwerte gegriffen. Nicht die Siege von Etumaus und Hethzur werden au ihm gefeiert, sondern die Neueinweihung des zum Götzentempel entweihten Heiligtums von Jerusalem. Das Wunder des Festes ist, daß ein Häuflein Priester — im Gleichnis das olkrtigleiu mit dem Siegel des Hohepriester» — die Feinde abgewehrf. Das heilige Licht, das im Erlöschen war, strahlte siegreich von neuem auf, und die strahlende Menorah ist das Sinnbild des siegenden Lichtes geworden. Der syrische Krieg, das soll man nicht vergessen, dauerte noch anderthalb Jahre, und nicht das Siegesfest, das ihn beendete, sondern die Wiedereinweiluuig des geistigen Zentrums ist im Chamikkahfest aut uns Menschen der Nachwelt gekommen. Versteht inan, was diese Zusammenhänge uns Heutigen sagen wollen? Der Aufstand der Makkabäer wäre eine bloße Äußerung des Selbsthehanptungswillens gewesen, hätte nicht eine Idee ihm sittliche Weihe und damit Ewigkeitswert verliehen. Und: so wichtig, so unentbehrlich, so bewundernswert unsere heutige Wiederaufbauarbeit ist, auch sic darf iiuc. Mittel zum Zweck, nicht Selbstzweck sein; wenn wir nicht' Gefahr laufen wollen, eine bloße Interessengemeinschaft zu werden, anstatt das zu bleiben, was die Judenheit zu allen Zeiten war, eine Ideen- und Cieistesgeineinschaft. Ginge es bloß darum, unseren (Matz zu behaupten —: wie leicht könnten wir irre werden im Anblicke der Übermacht, die wir vor uns sehen; bei Emmaus standen jedem Juden acht Syrer gegenüber. Heute ist kein bewaffneter Kampf, aber was gegen uns kämpft, übersteigt nicht nur das damalige Zahlenverhältnis uih ein Vielfaches, sondern es ist überhaupt mit der Zahl nicht zu messen. Es sind die Anschauungen der Zeit, und wer nicht, in echtem Makkabäersiim, unser geistiges Recht tief erkannt hat, den könnte wohl ein Zittern überkommen, ob nicht dovhl die Anschauungen zu Recht bestehen, die unsere Andersartigkeit und Fremdheit behaupten und uns von deutscher Scholle, weisen wollen. Wir können diese Anschauungen, mögen sie in dieser Zeit noch so verbreitet sein, nicht anerkennen. In einem jüdischen Blatt stand in diesen Tagen zu lesen, wir müßten Mut haben zum Umlerneu und, „unbeschwert von antiquiertem Ballast“ unsere Entscheidungen treffen, ganz so, wie „einst die Makkabäer die Altäre zerstörten, die der Erneuerung jüdischen Lebens damals im Wege standen“/Aber jene Altäre sind, was der Verfasser -ries soeben genannten Artikels vergessen, zu haben scheint, diejenigen der nichtjüdischen Umwelt gewesen, nicht des- Nachbarlandes nur, sondern der ganzen polytheistischen. Antike. Uml die Makkabäer entschieden sieh nicht für. diese im Lände neu atifgestelltcn, sondern für die ölten Altäre. So müssen auch wir den Mut haben, wenn es sein muH, gegenüber einer ganzen Welt unmodern zu erscheinen. Der bei jedem und jedem GlumukWutw fest zitierte Spruch: „Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht der ewige Zebaoth!“ braucht sieh nicht'auf Heeresmacht mir zu bc/ielicn, sondern er kann aifgewendet werden auch im Hinblick auf übermächtige Zeitslrönumgen. Auch das Olkritglein im Heiligtum hatte so armselig und unbedeutend ausgcselieii, daß die hereinstünnenden Gewalten der nichljüdisehen Umwelt es. unbeachtet liegen ließen. Und als die Makkabäer es wiederfanden, schien der Inhalt so geringfügig, daß er Lieht iiur für einen einzigen kümmerlichen Tag versprach. Aber das Wunder geschah, daß dieses Licht ,acht Tage strahlte, und es folgte das Wunder dieses Wunders: daß es in alle Ewigkeit strahlt, denn noch heutenehmen alle jüdischen Ghanukkahleiichtcr ihre Letich|- kraft aus jenem unscheinbare!! Krügleiu, das verachtet unter Trümmern Jag. Auch unsere Gedanken über Deutschtum mul Judentum, über Rasse mul Volk und nicht zuletzt über die Ewigkeit der jüdischen Religion gegenüber der Vergänglichkeit einer angeblichen, jüdischen Nation oder Rasse werden wieder leuchten, und alle heute Lebenden noch werden Zeugen dieses Wunders sein. ■ Ausbürgerung als Voraussetzung def Erlangung des medizinischen Doktorais durch Nichtaricr AVurr-gWiwg tter ht'vorstt'ht’ml Da die Franc der die Voraussetzungen /ur medizinisehen Promotion bildnidni Apnrohatumserteilmig fur niehlari*ehe Medizinalpraktikanten noch hiebt geregell ist, war diesen vom Prenllischen Volkshikliingsmiiiistermm geraten worden, auf die Preußische Staatsangehörigkeit zu verzichten und damit das Ansländern zustehende Hecht zu erlangen, ohne approbiert zu FAMILIENVERSORGUNG KINDERVERSICHERUNG ALTBRSSCHUTZ durch FAAVIltICXSCHUTZ Gemeinnütziger Vtrain IDr HinterbliehMenfOreorge tu iMJtglieder Jüdischer Gemeinden n. V. Empfohlen durch: ' Deo Rat de, PreuStaben landanaitanda, Ben Hat de, leuedtctw liednenReedei- Den Vontud der Itldtabea Gemeinde zu Berlin . Den iüdtuhen Frauenbund Den Refdubund lüdtaher Front»Maten uw, uw. FAMILIEN SC H U T Z Gemeinnütziger Vorein für Hinterbliebenenfürsorge dar Mitglieder Jüdischer Gemeinden e. V. Berlin W 8, Taubenstr. 35, A 2 Flora, .4417-18 iiNiNiimiiiHiiimiiinimnuHtuHiumieNuummmmituraimiHnmmnmiiainiiiiHiuiuiii!] Leoni KONDITOREI | 8 Kurfürmtendamm 1SS | lllllllllllllllUIIIIIIIIH TELE FUN KEN rdtfM: H 3 RMagau 304 Radioapparate; Anoden, Akkus. SdiallplaUrn.SprechmoidihitMi, Photo.Reparaturwer hat alt 73 Schreibmaschinen für Büro und Reise neue u. gebrauchte aller Systeme Riesenauswahl. Reparaturwerkstatt SUMIg wirUKlM MeaiMtikauta G. Gl er , Berlin SW 68 Friedrichstr. 204 ♦ Haßcttett und Htno ♦ Elow konferiert Walter Steiner u. d. neue Prugr. Abds. HO Pt. Kl. Preise, liinlr. frei Kanne Kaffee., mit Kuchen RM. 1,— U h Barhtrotsa 4326 .atakombd •plolt tASl.9.30 i. 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