Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 32 (8.12.1933)
- Date
- 1933-12-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Gemeindebrief aus Stettin Jahre < Die Gemeinde selbst veranstaltet Kunstabende! Das Bildungswesen unserer Gemeinde wurde schon in den vergangenen Jahren aufs beste gepflegt, doch beschränkte es sich natürlich in der Hauptsache auf Vorträge geschichtlicher und allgemein-wissenschaftlicher Art. In diesem Jahre ist der Kreis der Veranstaltungen in Anbetracht der Verhältnisse naturgemäß erweitert worden und erstreckt sich auch auf Veranstaltungen künstlerischer, musikalischer und h heiterer Art. So sollte die erste Veranstaltung nt diesem ' n heiteren Charakter tragen, uin für ein paar n der Schwere der Zeit ab/ulenken. Diese Aufgabe hat das von Annemarie Hase (Berlin) geleitete Ensemble vollauf erfüllt. Wir können mit Genugtuung berichten, daß jede einzelne Leistung dieses bunten Abends eine hervorragende, ja oft eine verblüffende war. Herr llenkien, der das seltene Experiment eines Ätherwellen-Konzerts vorführte, konnte mit Recht den außerordentlichen Beifall quittieren. Fräulein Hase mit ihren Chansons, Herr Oiatdini als Kunstpfeifer, Herr Jaks als vielbewunderter'Zauberkünstler und alle übrigen Mitwirkenden wie Herr Kardan in dem Tschcchow’- schen Einakter und der Pianist Herr SteinUz trugen jeder mit seiner Leistung zu dem Gelingen des Abends bei. In ganz besonders guter Weise verstand auch der Ansager Herr flink, den Kontakt zwisthen der Künstjerschaft und dem Publikum herzustellen. Seine sympathische Art und auch seine sonstigen talentierten Leistungen verdienen daher besonders hervorgehoben zu werden. Nach alledem kann dieser Abend als ein durchaus gelungener bezeichnet werden. Bis zum Ende dieses Jahres sind noch zwei weitere Veranstaltungen, ein musikalischer Abend, sowie ein deklamatorischer Abend mit Frau Edith Herrnstadt-Octtingen, Berlin, in Aussicht genommen. ' — Kein allgemeines Verbot von Wohnungsvermietungen an Juden in Leobschütz Zu der vor einiger Zeit -gebrachten Meldung, daß Hausbesitzer in Leobschütz sich weigern, Wohnungen an Juden zu vermieten, erfahren wir aus zuverlässiger Quelle, daß es sich keineswegs um ein von der Zentralstelle ausgehendes allgemeines Vermietungsverbot, sondern mir um die Haltung einzelner Hausbesitzer handeln kann. Das in der Nachricht erwähnte Köseler-Stift beschränkt als katholisches Stift die Vermietung auf Angehörige der eigenen Konfession; der Ausschluß von der Vermietung betrifft somit dort nicht nur Juden, sondern auch Protestanten tuul Angehörige anderer nichtkatholischer Konfessionen.. . Ans den Gemeinden Berlin. (BüroverlegungderBerufsumschichtung.) Die Wirtschaftsstelle der Jüdischen Gemeinde, Abteilung Berufsuinschichtung, teilt mit, daß die Büroräumc der Berufsumschichtung für Frauen nach Rosehstraße 2/4, die Abt. Berufsumschichtung für Männer nach Heidereutergasse 5 verlegt sind. Sprechstunden finden statt: Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag von 10 bis 1 Uhr. Berlin. (Lehranstalt (früher Hochschule) für die Wissenschaft des J udentu ms.) Zu einer am Dienstag, 9. Januar 1934, nachmittags 5,3ü Uhr, pünktlich in der Aula der Lehranstalt,^Artilleriestraße 14, stattfindenden den die Wohltäter der Lehranstalt hierdurch ergebenst eingeladen. Tagesordnung: Satzungsänderung: Umwandlung des Namens in Lehranstalt. _,.i-Versamm)ung auf die Amtsdauer von tr, bzw. 3 Jahren, welche diesmal von besonderer Bedeutung in unserer Gemeinde war, weil für 10 von insgesamt 12 Mitgliedern Neu- bzw. Ersatzwahlen vorgenommen werden mußten, wurden bei starker Wahlbeteiligung der Gemeindemitglieder mit teilweise erdrückender Mehrheit gewählt die Herren: Dr. med. Paul Cohn; Dr. med Jos. Smoira; Kfm. Isid. Wolff; Kfm. Hugo Kronheim; Mühlendirektor Martin Stern; Kfm. Georg Pelz; Fabrikbesitzer Emanuel Meyer; und als Stellvertreter die Herren: Bruno Meier, Kfm.; Kfm. Ad. Leubuscher; Dr. med. Kaplan. Chanukkah-Goltesdienst der Liberalen Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162: Dienstag, 12. Dezember, 7,15 Uhr Predigt: Rabbiner Dr. van der Zyl Vereins-Nachrichten. Handwerk und Mittelstand -in selbst. Handwerker jüdischen Glaube Der kommende Sonntag im grossen Saal des taft Leon Es gibt einen Virtuosen auf dem neuen Gebiet der Musik-Ätherwellen — und das ist Eugen Henkin. Eugen Henkin probiert eben die Wirkung des Apparates in diesem großen Saal aus und ist sehr zufrieden; es klappt ausgezeichnet. Zwischendurch erzählt uns Eugen Henkin von den enthusiastischen Erfolgen, die dieses Ätherwellen-Theremin auf seiner Amerika-Tournee überall ausgelöst hat. Es ist ein einmaliges Auftreten des. Herrn Henkin am kommenden Sonntag vor seiner Italien-Tournee. Wir verließen die Probe, auf der wir mit Herrn Henkin und seinem geheimnisvollen Instrument Bekanntschaft geschlossen hatten, mit dem Bewußtsein, Ihnen allen sagen zu können: „Gehet hin und seht Euch dies an!“ Geschäftliche Notizen. HuCtur&piegeC Neue Formen jüdischer Theaterkunst Zum ersten Theaterabend der Gesellschaft für jüdische Volksbilaung' in Frankfurt am Main An io. Dezember veranstaltet die Gesellschaft für jüdische Volksbildung in Frankfurt am Main ihren ersten Theateri abend und wird ihn als neue Form einer Biilmendirbiclung bringen. Die Lage verlangt von den jüdischen Dramatikern wie von den Darstellern ein Heraustreten aus dem gewohnten Biihnenschaffcn. Man hat nicht mehr die Möglichkeit, Rcpernian kann nicht mehr mit Mar- und Proiniiicntenzugkraft rechnen, die Provinz kann es schon gar nicht, und das dürfte ■ auch gar kein Nachteil sein. Denn die bequeme Erwägung: „Was wirkt? -Wer wirkt?“ ist dahin. Man muß heute schon ’ ■' eelischeii Forderungen allen anderen voranstellen. Mau hat näher“ .Tat bezeichnen darf. Es gilt, den ganzen Komplex der Werkt wandern, die sich mit. der jüdischen Seele, ihren werten unu Nöten befassen, und man wird als verantwortlicher Dramaturg erkennen, daß die Beziehung der meisten Dramen dieser Art keine rechte Beziehung zu unserer Zeit und unseren Fragen hat. Das Meiste läuft leer an unserer Empfindung vorbei. -Mail wird auch erkennen, daß erzählende Werke da sind, die häufiger als die dramatischen Arbeiten jüdisches Innen-, leben für jüdische Menschen künstlerisch erschaut und gestaltet" haben. Der Grund ist klar: die Buhlte war für die Allgemeinheit da, das Buch kann sich familiärer geben. Dieser erste Ncuversuch wird dialogisierte Kernszenen aus der erzählenden Literatur geben. Er wird jüdisches Innenleben feinsinniger und ureigener humoriger Art von Darstellern erleben lassen, die nicht „Schauspieler“ sein dürfen, sondern künstlerische Instrumente, in denen alles Leid und alles Überwinden der Alltäglichkeit echt jüdische Gestalten Wir habetals Klammer für den Abend die altbrctouische Legende vom ewigen Juden und der Not gewählt, als Prolog unJ als .Epj]og ... als Mollheginn und Durausklang. Urd wir haben in diesen Rahmen jüdische Szenen hineingestellt, die Juden aus allem Gegenden zeichnen. Meier Aaron Goldschmidt, der den Kleinjuden Kopenhagens liebevoll abbildet, östliche Poeten wie Perez und Ben Ami sind in die Szene verwoben, die zum Thema hat: „Macht die Not den Menschen schlecht?“ Und die taktvollen Radierungen Salomon Kolms aus Prag leben wieder auf und offenbaren die Armeleuteseele, die ganz fein und klug schwingt. Die jüdische Theaterkunst steht am Anfang, sie ist nicht mehr, wie sie es leider zuvor allzu oft war, eine brettlhafte und taktlose Unterhaltungsangelegenheit, sie ist eine Beker.ncrkunst und sie muß nun ihre Dichter und ihre Gestalter suchen und formen. . An dem ersten Abend der Gesellschaft für jüdische Volksbildung sind unter anderen Kräften die Mitglieder des neuen Theaters: H. Massarek und Wiitmann beteiligt. .- Alfred Auerbach. ßüdi&cfte WlttAiß in HaxCbXufio In der Konzertabteilung des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur spielte das neu gegründete Hebräikon- Quarteit zunächst das ■ sich aus tragischer Stimmung zu apollinischer Heiterkeit durchringende G-moll Klavier-Quartett von Mozart. Der Primgeiger Boris Krort, langjähriges Mitglied des infolge der .Verhältnisse aufgelösten Guarneri- Quartetts, 1iat ein prachtvolles Instrument, welchem er mit beseeltem Vortrag einen herrlichen Ton entlockt. Für den u Bratschisten [ende Vertreten f Fräi i Grone :s Faches. .Der Cellist Pecker, mophon- und Columbia-Platten :che Fräulein üroners eineil selten zu hörenden dunkel -Ilten samtartigen Zusammenhang hervorbrachte. Hei Klavierpart führte Rudolf Schwan, besonders herzvom Publikum begrüßt, vorzüglich durch. Bei Mozart n die perlenden Passagen und Figuren aufhorchen, wähin dem den Beschluß bildenden Dvorak-Klavier-Quintett der große und mächtige Ton .hervortrat und dem Werk einen ' * 1 ' 1 nutenden Charakter gab. In diesem letzteren weiter Geiger Dr. Rudolf Rohmann hinzu; Ton und Feuer sich dem Ganzen vornehm . -II einordnete. Nicht endenwollender Beifall den Künstlern, denen wir hoffentlich recht bald wieder hier Zwischen den beiden großen Schöpfungen stand das Streich-Quartett in .D-moll von Richard Fuchs. Das Werk im vorigen Jahr hier seine Uraufführung erlebt, erzielte nunmehr in dieser hervorragenden Wiedergabe einen ganz eit Erfolg als damals. Am vollendetsten erschien mir ,‘rste Satz, welcher in knapper und geschlossener Form - Reihe von prägnanten und charakteristischen Themen durchführt. Das Adagio bringt zunächst einen Gedanken, welcher durch chromatische Verschiebungen unruhig wirkt, welchem aber eine wundervoll aufblühende Melodie in D-dur gegenübertritt. Dieses D-dur-Thema und die Parallelstelle in F-dur erscheinen mir als die bedeutendsten Eingebungen des Komponisten. Der 3. Satz ist der wirkungsvollste und abwechslungsreichste. Nach der kurzen Einleitung kommt ein lustiges Thema, das sehr fein durchgeführt wird und eine gulhlingcnde Fuge mit großer Steigerung umschließt. Mit Recht war der Schlußsatz, ein Trauermarsch, gestrichen worden: nach dem schon an sich etwas langen Adagio wäre das Publikum nicht mehr aufnahmefähig hierfür gewesen. Auch Herr Fuchs fand für sein schönes Quartett lebhaften und herzlichsten Beifall. Dr. K- Ciuftakt in Haiic Die Hallesche Judenschaft ist einen großen Schritt vorwärts gekommen; Wir werden — wenn nicht alles trügt — einen Kulturbund der Halleschen jüdischen Gemeinde gründen. Das ist nicht wie in Berlin; es fehlen viele Voraussetzungen, die in der Riesenstadt gegeben sind; es bedarf ungeheurer Arbeit und vieler Mühe, um in einer kleineren Stadt und in einer kleineren Gemeinde die Vorarbeiten so weit zu fördern, daß die Gründung dieser Kulturgemeinschaft in die Nähe gerückt ist. Wir brauchen diese Gemeinschaft, um unser geistiges und kulturelles Niveau zu wahren, und wir in Halle werden nicht ruhen, bis wir dieses Ziel erreicht haben. Der erste Abend, den das Komitee des zu schaffenden Kulturbundes veranstaltet hatte, war ein verheißungsvoller Auftakt. Ein ausverkaufter Saal; ein geistig interessiertes, gesammeltes Publikum,'das einen überaus genußreichen Abend verleben durfte. Fräulein Dr. Anneliese Landau vom Kulturbund deutscher Juden-in Berlin hielt einen Vortrag, über „Offenbach und die Operette“. Dieser Vortrag war vollendet in seinem Stil und vollendet in seiner Wiedergabe. Er entzückte die Zuhörer nicht nur durch die Feinheit und Eleganz seiner Wortführung, sondern auch durch den lebendigen, fesselnden und neuartigen Inhalt. Fräulein Dr'. Landau hätte einen vollen Erfolg buchen dürfen,, auch wenn sie nicht zwei so charmante und könnerische Künstler mitgebracht hätte: Frau Wcbcr-Flcßbur}r und Herrn Kuttner, die den Vortrag durch Lieder und Duette vor allem aus wenig bekannten Werken des zauberischen und hinreißenden Komponisten illustrierten. Als zuverlässiger, anschmiegender Begleiter erwies sich, wie schon oft, wieder Herr Kapellmeister Leo Schänbaeh, Halle. S. F. £in (QüßiCäuM&aßend . Der „Jüdische Mannergesangverein Sängerbund Harmonie ISS'K feierte am 2, Dezember sein öOjähriges Bestehen. Kernstücke des künstlerischen Festprogramms waren die a-capella- Chdre des Gesangvereins seihst. Neben dramatisch wuchtigen Gesängen deutscher Meister, die cm iiber/eugendcs Bekenntnis um Volksganzen .waren, wurde auch Arno Nadels wirkungsoller Psalm 24 zu Gehör gebracht. Glänzend besetzt war lier die Solopartie durch Herrn Sabcrski. Unter der zuverässigen Stabführung seines Dirigenten IV. Zwillcnberg gelang dem Chor in Technik und Auffassung alles ausgezeichnet. Musikdirektor Max Wachsmann war der Instrumentalsolist des Abends mit seiner neuen Fantasie für Violine und Klarier über hebräische Melodien nach Lewandowski. Neben volksliedhafter jüdischer Musik erstand die erhabene Größe synagogaler Feierklänge. Wächsmänn schuf durch innerst bewegten Vortrag und blühenden Ton seiner Violine eine in ihrer bezwingenden Eindringlichkeit eigene Stimmung. Man sollte gerade in unserer Gegenwart derartige Kompositionen pflegen und ia weiten jüdischen Kreisen zu Gehör bringen. — Dora Bernstein- Börner sang mit schöner Stimme, geschmackvollem Vortrag und makelloser Technik Mozart; Puccini und als Zugabe ein. ergreifendes Wiegenlied aus einer jüdischen Oper.-Beide Solisten wurden von Hermann Schwarz am Klavier begleitet. Die Kunstnachrichten Von der Berliner Künstlerhilfe ’ünsUcrbilfe der Berliner Jüdischen Gemeinde b absichtigt, in den kommenden Monaten populäre Konzerte in allen Stadtgegenden in regelmäßigen Abständen zu veranstalten. Zweck dieser Abende ist, demjenigen kunstinteressierten. Publikum, das sonst nicht in, der Lage ist, Konzerte zu besuchen, Gelegenheit zu bieten, an hochwertigen künstlerischen Veranstaltungen zu niedrigen Preisen teilzunehmen. Bei den Konzerten werden neben Werken der allgemeinen Musikliteratur auch Kompositionen zeitgenössischer jüdischer Musiker zur Aufführung kommen.- Das erste Konzert wird am 27. Dezember unter Mitwirkung erster Gesangskräfte, eines Streichquartetts'und eines. Madrigalchors stattfinden. Die Preise der Plätze werden von 0,25 ,/t.ll an betragen. Das genaue Programm sowie Vorverkaufsstellen werden in einigen Tagen an dieser Stellebekanntgegeben werden. Gememdemitglieder, die zu unseren Veranstaltungen ständig eingeladen werden wollen, werden um Angabe ihrer Adresse gebeten. Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde, Berlin: N 24, Oranienburger Straße 31. Weidendamm D, 2, 5131. Jüdische Kulturbundbühne Rhein/Ruhr . Die Jüdische Kulturbundbühne Rhein Ruhr“ eröffnet' inder zweiten Dezember-Woche ihre Spielzeit. Ein eigenes Ensemble wurde zusammengestellt, das sich unter der'Leitung; von Herrn Oberspielleiter Fraenkel-Froon erstmalig in der Tragikomödie „Sonkin und der Haupttreffer“- von Semen Juschkewitz vorstellen wird. Das Kulturbundtheater Rhein- Ruhr, das als Wandertheater 7 Städte zusammenfaßt, erstrebt,, aus der Not, die es unter schwersten äußeren technischen Schwierigkeiten spielen heißt, eine Tugend zu machen, indem es das Kammerspiel bevorzugt, das ja die stärksten menschlichen und schauspielerischen Wirkungen zu vermitteln vermag. Der Spielplan sieht für den nächsten Monat die Aufführungen von „Stella“ von Goethe und dem „Unbestechlichen“ von Hofmannsthal vor. Aus der Reihe der Veranstaltungen des Stefan Frenkel- Trios.weisen wir noch einmal auf folgende Daten hin: Samstag, 9.^12.^ Wuppertal 8,15 Uhr, Gesellschaft Verein: