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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-12-08 · 32 (8.12.1933) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
32 (8.12.1933)
Date
1933-12-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Rasse und Taufe Die in München erscheinende' Zeitung „Der Arbeiter“ bringt in ihrer Ausgabe vom 16. November folgenden „Die Judenfrage in Italien“ überschriebenen Bericht: Wenn auch Mussolini dem jüdischen zersetzenden Einfluß scheinbar nicht so scharf auf den Leib rückt, wie es bei uns geschieht, so kann' doch auch in Italien ein langsames, aber sicheres ■ Zurückdrängen des Judentums aus dem öffentlichen Leben beobachtet werden. So ist z. B. seit dem .Sieg des Faschismus kein Jude in die von Mussolini ins Leben gerufene Accademia d’ftalia berufen, zum Senator ernannt, für irgendeinen Gesandtenposten ausersehen, mit einem Amt innerhalb der faschistischen Partei betraut, zum Hauptschriftleiter einer italienischen Zeitung bestellt, zum General in der italienischen Armee oder. Marine oder zürn Offizier der faschistischen Miliz ernannt worden, ln der italienischen Abgeordnetenkammer sitzt ein einziger Jude, Cino Olivetti, der jedoch getauft ist. Zur Zeit des Liberalismus und des Parlamentarismus waren in Italien .Juden Mitglieder jedes Kabinetts, bekleideten die höchsten Regierungsstellen, hatten wichtigste Posten in Armee und Marine inne und beherrschten den ganzen Handel Italiens. Dieses Bild hat sich heute gründlich geändert. Nur an den Universitäten spielen die jüdischen Gelehrten noch eine große Rolle; so sind an der Universität Bologna 32 jüdische Professoren tätig. Sie gehören jedoch' plie der älteren Generation an und erhalten keinen Zuwachs mehr, da seit 1923 kein Jude mehr zum ordentlichen Universitätsprofessor ernannt wurde. Die Behauptung, der italienische Luftfahrtminister Balbo sei Jude, wurde von der italienischen Regierung in;einer offiziellen Feststellung zurückgewiesen; Balbo entstammt einem uralten, bis ins 14. Jahrhundert zurückreichenden italienischen Bauerngeschlecht aus Piemont. Der italienische Finanzminister Jung allerdings ist jüdischer Abstammung, doch sind seine Vorfahren von den Urgroßeltern (die Kleinhändler aus Geilingen im Großherzogtum Baden waren) durchwegs katholisch und sind Ehen mit Nichtjuden eingegangen. Dieser Bericht scheint uns nicht nur im Widerspruch mit den bekannten Darlegungen zu stehen, die der Oberrabbiner von Rom, Dr. A. Sacerdoti, über die Mitarbeit der Juden im faschistischen Italien und über das gänzliche Fehlen von jegfichem Antisemitismus gemacht hat, sondern es ist auch nicht einzusehen, was das Münchener Blatt mit seinen wiederholten Hinweisen auf Taufe und Mischehe bezweckt, da der deutsche Antisemitismus ja gerade auf dem' Standpunkt steht, daß die jüdischen Rasseeigentümlichkeiten durch Bekenntniswechsel sich nicht ändern, diejenigen des Nichtjuden aber durch Mischehe semitisch verfälscht würden. Steht man auf dem Standpunkt der Rassentheorie, so kann man wohl schlecht •.für Italien andere wissenschaftliche oder erbbiologische Grundsätze annehmen als die in Deutschland gültigen. Erkennt man aber die rassische, volkliche, nationale und kulturelle Assimilation an, so muß diese in allen Ländern und auch ohne Taufe und Mischehe möglich sein. n „Kampf auf Leben und Tod gegen das Judentum“ Auf einer Pflichttagung der- Chemnitzer Kreisfachschaft „Berufsbildende Schulen“, wurde, ein Referat über .das. Thema. „Die Judenfrage, objektiv betrachtet“ gehalten, in dem der Verkaufsstellen in allen Stadtteilen Berlins Vortragende, Dietel, dem Bericht des „Chemnitzer Tageblatts“ zufolge u. a. erklärte: Heute führt das Ariertum, verkörpert im deutschen Nationalsozialismus, einen Kampf auf Leben und Tod gegen das Judentum. Die Gewißheit, daß es sich hier tun ein Ringen des Guten gegen das Böse handelt, und daß das Gute endlich doch zum Durchbruch kommen muß, gibt dem deutschen Volke Kraft und Zuversicht. Der deutsche Erzieher aber, dem die Zukunft des Volkes zu treuen Händen übergeben ist, gehört mit in die vorderste Linie der Kampffront gegen das Judentum. Diese Äußerung scheint uns schlecht zusammenpassen zu wollen mit dem Ausspruch, den kürzlich der Reichsjustizkommissar Staatsminister Dr. Frank getan hat; nachdem er ausgeführt hatte, daß anstelle des Staatsangehörigen der Begriff des Rasseahgehörigen trete, rief er aus: „Wir deutschen Juristen bekennen uns zum Antisemitismus nicht aus Haß ■ gegen die Juden, sondern aus Liebe zum deutschen Volk!“ — Über die Frage, ob Staatsvolk und Rasse identisch sein müssen und ob die deutschen Juden zum Deutschtum gehören oder nicht, läßt sich wenigstens wissenschaftlich streiten; hält man aber die Arier allesamt ausnahmslos für gut, die Juden allesamt ausnahmslos für böse, dann gäbe es nur noch einen Antisemitismus aus Haß, der aber mit Sachlichkeit und Politik nichts mehr zu tun hätte! Gefängnisstrafe für verheimlichte jüdische. Abstammung In der Offenbacher Lederfabrik J. Mayer & Sohn A.-G. war vom Treuhänder der Arbeit ein Herr Mamroth zum „Beauftragten für die nationalsozialistische Bewegung“ bestellt worden. Nachträglich stellte sich dann heraus, daß sich Mamroth dieses Amt wie auch die Anwartschaft auf die Zugehörigkeit zur NSDAP durch die unwahre Angabe erschlichen hatte, er sei arischer Abstammung. Der Treuhänder widerrief daraufhin die Bestellung; im übrigen wurde gegen Mamroth Strafantrag gestellt. In der Verhandlung vor dem Sondergericht in Darmstadt gebrauchte Mamroth die Ausrede, ihm sei seine jüdische Abstammung nicht bekannt gewesen; mehrere Zeugen widerlegten aber diese Behauptung, sodaß Maroth zu. zwei Monaten Gefängnis und zur Tragung der Kosten verurteilt wurde. Es schwebt nun noch ein zweites Verfahren gegen ihn, weil er sich die Mitgliedschaft zum Stahlhelm auf gleiche unredliche Weise erschlichen hatte. Den von der Stahlhelmleitung zurückgeforderten Ausweis schickte er ohne Begleitschreiben in Fetzen zerrissen zurück. Die Stahlhelmleitung hat auch Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. . Pressekonferenzen Der Berliner Gemeindevorstand hat sich ein Verdienst erworben, indem er, der in unserer Nr. 19 vom 24. Oktober gegebenen Anregung folgend, nach dem Beispiel anderer jüdischer Stellen dazu übergegangen ist, die .Vertreter der jüdischen Presse zu sich zu laden und ihnen über die Arbeit auf den verschiedensten Gebieten Aufschluß zu geben. Die erste derartige Pressekonferenz wurde von Herrn Gemeindevorsteher Moritz Rosenthal geleitet; der Pressereferent der Gemeinde, Herr. Leo Kreindler, erstattete ein umfangreiches Referat, das sich besonders auf die Austritts- und Wiedereintrittsbewegung, auf die Wohlfahrtsarbeit und auf das Schulwesen der Ge- Seidenberg-Automobile Paulsbornerstr. 1 Gegründet 1903 Fenupr. 17 Hodunehter 6M4 Gelegenheltskäufe in fabrikneuen und wenig gefahrenen Automobilen nur erster Marken. ' =s Angebot« unverbindlich» .'ja Glas,. Kristall, Porzellan, Keramik Oscar sciMausep nn. 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Die „Jüdisch-liberale Zeitung“ wird Gelegenheit nehmen, die erhaltenen Informationen im Zusammenhänge mit allen aktuellen Fragen zu verwerten. Auf alle Fälle ist das enge Zusammenarbeiten der verantwortlichen Stellen mit der Presse lebhaft zu begrüßen. _ Ein Gemeindeabend1 in Charlottenburg ln seiner Synagoge Schulstraße veranstaltete der Roligionsverein Charlottenburg seinen ersten Gemeindeabend. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Dr. Reichmann', begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder sowie die-Vertreter der Großgemeinde und gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Jüdische Gemeinde Berlui auch ferner dem Religions- Verein Charlottenburg ihre Unterstützung nicht .-versagen möge. Herr Rabbiner Dr. Manfred Swarsenskv hielt einen Vortrag über Judentum in dieser Zeit und betonte, daß das Erleben unserer Tage ein Stück jüdische Geschichte sei. Die fesselnden Ausführungen Dr. Swarscnskys gipfelten in dem Wunsche, trotz aller wirtschaftlichen .Schwierigkeiten auszuharren und die Einigkeit unter den Juden mehr als bisher zu festigen. i Als nächster Redner sprach der Repräsentant der jüdischen Gemeinde, Herr Direktor Alfred JauCus, über .„Gemeindearbeit“.. Herr Jaulus berichtete über die Institutionen der Gemeinde und gab interessante Zahlen über die Arbeit der Wirtschaftsstelle. — Das^Schlußwort hatte der Rabbiner der Rcligionsgemeinde Charlottenburg, Herr Dr. Satomon, der die Hoffnung aussprach, daß derartige Gemcimlcabende öfters--wiederholt werden mögen, da sie in der heutigen Zeit besonders dazu angetan seien, die Gemeindemitgüeder miteinander bekannt zu machen und ihnen Gelegenheit: zu gegenseitigem Gedankenaustausch zu geben. Die Vorträge waren' umrahmt von Gesängen des Herrn Oberkantor Neumann vom Friedenstempel, der mit prachtvoller Stimme, von Fräulein Abrahamsohn am Harmonium begleitet, den 133. Psalm und eine Arie; von Mendelssohn zu_Gehör brachte. - j Georg Michaelsohn. (Aufnahmen In diese Rubrik kostenlos.) Ein Sohn gaboran: Berlin-W 30, Heilbronncr Straße 2. Gerhard Leiner und Frau Erna, geh. Wintritz. i SO. Gaburtata«: Berlin-Schmargendorf, Altersheim. Bertha Perlstein, .geh. Jacob. 9. 12. 33. j ' Vermählung: Berlin-Charlottenburg, Knesebeckstraße 32. Manfred -NathähTind'Frau Else, geh. Bieber. Vertobun«: Berlin-Wilmersdorf, Güntzelstraßc 60. Cand. med. Hilde Moses mit cand. med. Erich Hirsch, Hamm a. d. Sieg. Stellenangebote Infolge des Eintritts unseres Rabbiners, Herrn Dr. Freudenthal, in den Ruhestand,, ist in unserer demelnde dje Berufung einer längeren Kraft als Rabbiner notwendig geworden. Meldungen werden bis längstens Ende dieses Monats an die Verwaltung der Kultusgemeinde, Nümberg-A., Neuegasse 12, erbeten. Vorstand der Israel. Kultusgemeinde Nürnberg Rosenzweig Perfekte Stenotypistin wird stundenweise per solort verlangt. Schritt). 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