Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 31 (5.12.1933)
- Date
- 1933-12-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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13. Jahrgang Nummer 31 3ttöifdMHietale äeitung Beilage 5. Dezember 1933 Erneute Stellungnahme Berliner Gemeindevorstand und Repräsentanz zum Fall Dr. Moses. Gemeindebrief aus Wuppertal Die Gemeinden Wuppertals scheinen aus ihrer schweren Betäubung erwacht zu sein. Sie scheinen nachholen zu wollen, da mit größtem Nachdruck gearbeitet - wird. Sowohl die Elberfelder, als auch die Barmer Synagogen- ■ gemeinde haben beschlossen, in den beiden Gotteshäusern alle 8—14 Tage Lehrvorträge hallen zu lassen. Den Beginn machte in; Barmer Tempel der Gemeinderabbiner Dr. Lubasch, der am Samstag, 18. November, vor fast der ganzen Barmer Gemeinde und einigen Gemeindemitgliedern aus Elberfeld über das Thema „Die Unsterblichkeit der Seele" sprach. Zu Beginn des Abends nahm der Gemeindevorsitzende Herr R.-Anw. Orglcr das Wort zu einer kurzen programmatischen Erklärung, die darin gipfelte, dal) das Gotteshaus für uns Juden wieder zum Lehrhaus werden müßte. Am Nachmittag des gleichen Tages hatte im Elberfelder Tempel die Eltern- und Schülerbesprechung über den geplanten zusätzlichen .Religionsunterricht stattgefunden. Die Erläuterung zu dieser Arbeit gaben Herr Rabbiner Dr. Norden und der Vorsitzende der Elberfelder Gemeinde, Herr R.-Ä'nw. Brück. Da in der Schule, so führten die beiden Redner aus,1 in-zwei Wochenstunden nicht das erforderliche Rüstzeug gegeben werden kann, welches gerade in heutiger Zeit dringend nötig ist, nml! besonders der hebräischeSprachunterricht in Zukun.ft in der Schule fortfallen oder a.uf ein Mindestmaß beschränkt werden. Dafür soll wöchentlich jeden Samstag nachmittag unserer Schuljugend irr mehreren Abteilungen unsere Gebetssprache so nahe gebracht werden, daß die Jugend in Zukunft fähig ist, und zwar für ihr ganzes ferneres Leben, dem Gottesdienst zu folgen und die Bedeutung der yorgetragenen Gebete zii verstehen. Am folgenden Abend fand die erste Veranstaltung des jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr statt. Es war ein ungewohntes Bild, bei einer solchen Veranstaltung nur Glaubensgenossen zu finden, die in überaus großer Anzahl als Mitglieder des Kulturbundes gekommen waren, um an einer' Veranstaltung teilzunehmen, die herausreißen soll aus dem Alltag und wieder verbinden mit deutscher Kultur, von der wir uns nicht fernhalteu lassen wollen. Auch hier sprach zur Einführung der Gemeindevorsitzende Herr R.-Anw. lirück einige Worte, die lebhaften Beifall fanden. Er betonte besonders, daß die Gründung des Kulturhundes, bzw. der Zweigabteilung Wuppertal, erst nach vieler Mühe gelungen sei, daß wir dafür aber aiieli die Genugtuung hätten, daß sich grade in Wuppertal verhältnismäßig, inchr Mitglieder angemeldet hätten als in anderen Städten, die von dem Kulturbund Rhein-Ruhr betreut werden sollen. In zwei Abteilungen gliederte dann Ludwig Ilardt seinen Vortrag. Er begann mit „Prinzessin Sabbath" von Heine, las amt Thomas Manns neuem Buch „Jaakobs erste Begegnung mit Rahcl“ und beschloß den ersten Teil seines Vortrags mit Tiergeschichten von Mathias Claudius und Christian Wagner. Den fJhergaug zum zweiteil Teil des Vortrags bildete eine packende Stelle aus Novalis (Schlüssel aller Kreatur), dann wandte sich Hardt ganz entzückenden Vorträgen aus Peter Altenberg zu, die beim Publikum begeisterten Beifall fanden. . Diese erste Veranstaltung des Kulturbundes hat gezeigt, daß die Wuppertalcr Juden ebensowenig wie die Juden im übrigen Deutschland den Zusammenhang mit deutscher Kultur entbehren wollen und mit großer Erwartung den weiteren Darbietungen des Kulturbundes entgegensehen. Zinn Schluß sei noch verzeichnet, daß der erste der von der Elberfelder Gemeinde im Gotteshaus veranstalteten Lchrvorträge am Samstag, 25. November, stattfand; Herr Rabbiner Dr. Norden sprach über das 1. Büch der Thora. .Hugo Israel. Künstlerhilfe der Berliner Jüdischen Gemeinde Hauskonzert am Donnerstag, .7. Dezember, 8,15 Uhr,?ui Villa Am Runenhorn 10. Fahrverbindung: Straßenbahn 58 und 75 bis Stoßenseebrücke. Mitwirkende: Georg Bertram (Klavier), Susanne Landsberg-Hollaender (Sopran), am Flügel: Salvador Ley. Klavierwerke von Handel, Schumann, Chopin. Lieder von Schubert, Brahms u. a. Karten zum Preise von 2 RM sind zu haben: Wirtschaftshilfe der Jüdischen Gemeinde, Oranienburger. Straße 31 (D 2, 5131), Zimmer 34; Bühne und Brettl Joachimsthaler Straße 13, Kasse: 11—1 Uhr (J 1 Bismarck 6070), Buchhandlung Kedem, Charlottenburg, Dahlmannstraße 8. Die unseren Lesern aus früheren Nummern dieses Blattes bekannten Storungsversuche des Zionistcnfiihrcrs Dr .Moses haben nunmehr den Gemeindevorstand /u einer offiziellen Stellungnahme veranlaßt, welche auch Gegenstand einer eigens zu diesem Zwecke einberufenen Reprüsenlantcnvcrsammlung gewesen ist. Die Erklärung, die Herr Direktor Heinrich Stahl als Vorsitzender der Berliner Jüdischen Gemeinde namens des Vorstandes abgegeben hat, hat folgenden Wortlaut: Der Gemeindevorstand hat die Einberufung der heutigen Repräsentantenversanimlung erbeten, um vor ihr zu den verschiedenen Angriffen, die in den letzten Wochen von immer dem gleichen Mitglied Ihrer Versammlung, Herrn Rechtsanwalt Dr. Moses, gegen ihn gerichtet worden sind, Stellung /u nehmen. Hierbei soll gleichzeitig zu dem Mißfaliensautrage, der von der gleichen Seite, eingebracht wurde, das Erforderliche, gesagt werden: Der Antrag und verschiedene Wendungen in den Erklärungen des Herrn Dr. Moses gehen aus von der Unterstellung, daß der Gemeindevorstand der „Reichsvertretung der deutschen Juden“, in deren Ausschuß er durch seinen Vorsitzenden vertreten ist, in den Rücken gefallen sei oder gar diese Körperschaft zu stürzen .suche. Die Behauptung verdient nachdrückliche Zurückweisung. Ein Fehler, der durch das Nichterscheinen des Aufrufes der Reichsvertretung in der Oktober-Nummer des Gemeindeblattes bedauerlicherweise eingetreten war, ist durch die November-Nummer dieser Zeitung voll ausgeglichen worden. Diese Nummer enthalt zwei Kundgebungen und einen Aufsatz des Vorsitzenden des Ausschusses der Reichsvertretung. Der Gemeindevorstand hat. den Wunsch, daß die Reichs^ Vertretung eine weitgehende und segensvolle Wirksamkeit für die deutschen Juden entfalten und insbesondere ihre Kräfte dafür entsetzen möge, die. Rechte der deutschen Juden zu wahren. Freilich kann die Gefolgschaft, die der Reichsvertretung geleistet werden soll, nicht bedingungslos sein, sondern wird — darüber wird Einigkeit unter uns bestehen — ahhfmgig sein von den Taten der Reichsvertretung. Es sei mir daher vergönnt, in allem Freimut einen Wunsch zum Ausdruck zu bringen, dessen Erfüllung uns für das von uns angestrehte vertrauensvolle Zusammenwirken mit der Reichsvertretung besonders wesentlich erscheint. Wie glauben, daß die Erhaltung und der Wiederaufbau ife-, deutschen Judentums, die Neugestaltung von Existenzen durch Jiei ujs-ll/nsi hichtung' und zeitgemäße Ausbildung der Jugend, Hauptaufgaben der Reichsvertretung der deutschen Juden sein müssen. Der Wiederaufbau, die erzieherische und kulturelle Arbeit wird trotz aller Anstrengungen, die die deutschen Juden selbst zu machen verpflichtet und gewillt sind, der Stützung aus den Mitteln des zentralen Htlfswcrkcs nicht entraten können. Wir legen deshalb besonderen Wert darauf, daß Verhandlungen mit den hierfür maßgebenden Stellen durch Persönlichkeiten geführt werden, die durch sich seihst die .Gewähr dafür bieten, daß sie nicht überhört werden, und deren ganzes Interesse dem „ Wiederaufbau in Deutschland gehört. Durch diese Stellungnahme wird aber in keiner Weise beeinträchtigt das volle Interesse und das Verständnis des Gemcindcvorstaifdes für die Hilfstätigkeit zugunsten derjenigen aus unserer Gemeinschaft, die ihre Zukunft außerhalb der Heimat suchen, insbesondere ihr Geschick mit dem Aufbauwerk in Palästina verknüpft haben oder verknüpfen wollen. Herr Dr. .Moses hat zum Anlaß seiner neuesten Angriffe, bei deren Wiedergabe in der Presse er übrigens unzutreffend als Vizepräsident der Reichsvertretung bezeichnet wird, die. Tatsache genommen, daß zwei Mitglieder des Gemeinde-. Vorstandes au der neugegrundetenrneueHtngsbcivcgiiO]» der jüdischen Dt uischen" maßgebend beteiligt sind. Wir meinen, es war und ist weder .-UkicIu noch Aufgabe lies Gemeindevorstaudes, das Eigenleben der Richtungen'innerhalb des deutschen Judentums zu unterdrücken. Wie die zionistischen Mitglieder der Gemeinde-Körperschaften and» in dieser Zeit für die besonderen Ziele der zionistischen Organisationen eifrig, tätig sind, so steht das gleiche Recht, fiir _ ihre andersgerichteten AiiM-hauuugeu zu werben, and» jedem anderen Mitglicde zu Der Geiiieiudevorstaiul ist sieh der Verantwortung, die sein Wirken in einer Zeit, wie der gcgeuwärtigen_Jial, voll bewußt. Er denkt nicht daran, sieh dieser_ Verantwortung voizeitig zu eiitschlagen. Wenn Herr Dr. Moses sieh .zu der Bemerkung versteigt: die Verwaltung der jüdischen Gemeinde wird xu»e Neugestaltung der Geiueimlekörpersdiaflen vor Ablauf ihrer Amtsperiode hinifehmen müssen, so mag er sagen, auf welchem Wege er dieses Ziel erreichen will. In jedem 1 alle aber kann er des c n t s e h I o s s e u e n W i d e r s t a ii d e s il e r h e r u f e n e n Vertreter d e rl i c m e i n il e g e w i IT s e i n. Der Gemeindevorstand ist nach Kräften bemüht, den Notwendigkeiten der Zeit Rechnungzu tragen und dabei den Bedürfnissen der verschiedenen Richtungen zu entsprechen. Während.in anderen Gemeinden der Aufbau des jüdischest7' Schulwesens noch im Vorhereittiugsstadiiim ist, sind in Berlin schon jetzt zahlreiche Kinder neu beschult worden und ein weittrer umfassender Aushau des jüdischen- Schulwcrkcs ist für das kommende Jahr beabsichtigt und bereits in Angriff genommen. Dabei ist insbesondere auch den Anträgen der hebräischen. Lehranstalt und der Schule der jüdischen Jugend auf Bewilligung von Mitteln für Ausbildung im Neu-Ilehräischeu bereitwilligst cutspiochcn worden. _ Uhci da*» umfassende. Werk der Wirtschaftshilfe, das von allen Seiten Bewunderung und Anerkennung findet, haben Sie kürzlich besonderen Bericht erhalten. Die Not der jiidi>chcn Arbeitslosen bekämpft erfolgreich ein Ailuitsuaehweis./'der sich der besonderen I iiiMirge des (iemeii.dcvaij.landeerfreut. _ Das* Wolilfahrtswesen dcc_licmciüdc wird aufrecht 'erhallen, es ist gerade jetzt zcilgcmälDausgestaltgt worden, mul mit besonderer Befriedigung kann der (ieincindcvorstaud davon sprechen, daß es ihm gelungen ist, für die Winterhilfe ein ersprießliches Zusammenarbeiten mit der durch die Regierung eingerichteten Winterhilfe zu erreichen. Auf diesen tuül vielen anderen Gebieten wird eine gemeinsame Arbeit der verschiedenen Richtungen bei gegebenem guten willen so, wie es bisher war, stets möglich sein. Es entspricht sicher* nicht den Nöten und Sorgen der Zeit, wenn solche Einmütigkeit fast gewaltsam gestört -ist. Eine besondere- Aufgabe liegt aber dem Gcmcimk*- vorstande oh, und er wird sich ihrer nicht entziehen: er muß . ermutigend und belebend einwirken auf die große Zahl derer,, die wirtschaftlich und seelisch aus ihrer Bahn geschleudert sipd, die aber eine neue Zukunft nur in Deutschland finden wollen und können. ■ ■ . . Die Stärkung der Gesinnung dieser Menschen versnehl der Vorstand durch seine Geiueindeahende, und er lud die beruhigende Genugtuung, daß gerade diese Manchen; der sieh in sich seihst zurückgezogen hat, der unter die Zweifler geg.ingen ist, neue Kraft und Hoffnung wiedergebrncht haben. Die Intensivierung des jüdischen Wissens und f ulileus und des Zusammenhalts unter den Juden ist gewiß erstrebenswert, darüber sind wir einig und hierfür können wir gewiß gemeinsam wirken, aber das reicht nicht aus. - Darüber hinausmuß die Zuversicht, von der die Führung der Gemeinde erfüllt ist, verbreitet mul jedem (ieuieindeniitgtiede vermittelt werden, daß den dcutschcü Juden im d eilt sehen ♦ Haßatett und Hlno ♦ ■uniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii« Bu.B (faühne u» (fyxoüi ui 15, JoachimsiMer Straße 13 g iiuiiiiiiuiiiiuuniiiniinininuiiimulniuuuiiimiiiiiniiiiumiiiiiiiiiniiiimiiiiuiiminiiiiiiitiiiiiiiiiitiitmimini I Tägl^h, außer Freitags, das Kabarettprogramm | mit ersten Kräften , | Es spielt die Kapelle Jack Polischuk | Sonnabends und Sonntags, | Nachmittag 430 Uhr Tanz-Tee | Mittwoch nachmittags - j | 430 Uhr Bridge und Skat; | H iiuimtimiiuiiiiiHiiiimiiiiuiiiimiiiiiiiiimiimiiiiiiiiuuiiiuiiiuimuiiiiiuiiuiiiiiiiiHiiiiiiiimijmiiiiuiuuiituu M s Vorverkauf > täglich 11-1 Uhr an der Kasse s 1 joachimsthaler Str. 13 — Tel. J 1 Bismarck 6979 jj gtiiiiiißiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiHiiiuiiiHiiiiiiiiniiimiiiiüiiiiiiniiuiiimnifiiiiiiu»jiiiiiiHiinBHHminiHuiinmnHiHiiiiminB iMiin k»tt bar ».Privat Telefon 01 Stephan 6864 fiiiii - Elegante Pelze J. Lewin, A. Soldatzky Eigene Kürschnerei I. Hanse, Reparaturen billlj BERLIN W15, Knrfürstendamni 66 ji Bismarck S cOJSüirngugca Sie bei Jhrea SiaRciußza das fixkrcn.de, Asat/fi* scHaneBeaa . //auptsfr-f63 Fassaden-Abpulz u. Anstrich Tpanoantluro, Wohn* und aiaehltttrlHmo E. Madel, Malermeister, Charlottenburg Suarezxtr. SS Telef. C 4 Wilhelm 1975 I Wenn Sie Kisten aller Art benötigen, so wenden Sie sich an die ■ Kistenfabrik Oskar Kämpfe I Barlin S 43, Wcusertorstr. 43 * 7 Pcnhoit ru I Diese liefert auch Holzwolle engros ■ | Möbeltransporte nach allen Platzen der Well. Möbelaufbewahrung Cbtrnrimi,n Herrmann & Kaiser Eliiabethufer 11 -- Telefon: F I 1270 Möbel- Kamerllng N, Kastanienailee 56 tLFchrbelllnerStr. Eigene Werkstatt. 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