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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-12-01 · 30 (1.12.1933) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
30 (1.12.1933)
Date
1933-12-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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^7 Protestkundgebungen gegen die Einwanderungspolitik der Palästina-Regierung In vcrschicdi'iicn Teilen von Warschau erneuerten sich ilie Kundgebungen gegen die letzten Malinahmen der Paliistina- Regiernng um! die von der palästinensischen Polizei veranstalteten 7<a//icir auf jüdische Einwanderer. Die Demonstranten wurden von der Polizei zerstreut, mehrere Personen wurden verhaftet. Die jüdische Gemeinde ljulz hat eine Protestresolution gegen das. Vorgehen, der Palästina-Regierung gefallt/ Die Resolution wurde der englischen Regierung und dem Völkerbund zugesandt. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien hat in seiner letzten Vollversammlung eine Resolution angenommen, in der gegen die Deportierung von Juden aus Palästina Protest erholten und der Widerruf der gegen die Touristen getroffenen Verfügungen verlangt wird. Der Oberrabbiner von Saloniki, Dr. Koretz, bat namens aller"jüdischen Gemeinden und Organisationm Griechenlands au-die Palästina-Regierung ein Sehreilten gerichtet, in dem gegen die letzten antiiüdischeii Madiiahmcn protestiert und freie jüdische Einwanderung 'liacli Palästina gefordert wird. Keine Beteiligung palästinensischer Deutscher an den arabischen Kundgebungen Eine Erklärung lies tlcutsrhen Generalkonsuls lk-r deutsche Generalkonsul in Jerusalem Woltf tritt in einein Brief au die arabische Tageszeitung „Kalcstin“ den arabischen .Pressemeldungen entgegen, denen zufolge in Jaffa und Haifa lebende christliche Deutsche an den Arahermiruhen am 27. und 2$. Oktober tcilgciiommen haben sollen. Generalkonsul Wolff erklärt, dall diese Berichte kein wahres Wort enthalten. vDic Deutschen Palästinas legen Wert darauf, vor der breitesten Öffentlichkeit festzustcllen, dall sie während der letzten Unruhen strengste Neutralität cingchaltcn haben. _ Die Razzien in Palästina . gelten weiter Ein seit drei Jahren mit Mutter, Bruder und Schwester in Jerusalem lebender jüdischer Arbeiter wurde verhaftet und soll deportiert werden, weil er keine Aufenthaltsbewilligiiiig hat. . Bei den von der Polizei durchgeführten Razzien in Tel Aviv wurde eine Gruppe von zehn ägyptischen Juden verhaftet. Auf der ‘Straße Jaffa-Tel Aviv wurden drei Personen fest- . genommen, die angeblich illegal ins Land eingewandert sind. Her einem Spaziergang wurden drei jüdische Touristen von der Polizei verhaftet. Aus Safed wird gemeldet, dall dort eine siebenköpfige Familie verhaftet wurde, obwohl sie iin Besitz. eines Visums war. - .-„Haare//* * berichtet, dall die Polizei bei einer nächtlichen Razzia in Newe Schalom und anderen jüdischen Vierteln von •Jaffa, über zelui Touristen verhaftet hat. Einige wurden freigelassen, nachdem sie nachgewiesen hatten, dall sie legal ins Land gekommen sind. In der jüdischen Hotelpension Margalit in Jaffa wurde eine Razzia durchgeführt. Mehrere Personen wurden festgenommeii und gegen Kaution auf freien Full gesetzt. Sie werden nochmals einem Verhör durch den Polizeirichter unterzogen werden. , Willkür iind Planlosigkeit bei den Razzien in Palästina . Es mehren sich die Fälle, in denen seit vielen Jahren" in Palästina ansässige Juden von den völlig planlos und willkürlich vorgehenden Beamten ungehalten und zum Nachweis ihrer. Aufenthaltsrechts aiifgcfordert. werden. So wurde auch der Sekretär der Kulturkommission der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas Jehtida Schimoni, der seit 12 Jahren im Lande wohnt, unter dem Verdacht verhaftet, illegal eingewandert zu sein. Er wurde von dem mit der Ausforschung der über die gewährte Frist hinaus im Lande verbliebenen Touristen beauftragten Polizeibeamten verhört und nach Feststellung seiner Identität freigelassen. Es macht sich bereits die demoralisierende Wirkung des von der Polizei eingeführten Prämicnsystcnis für die Ergreifung von Personen, die sich ohne Erlaubnis im Land aufhalten, bemerkbar. Unter der armen orientalisch-jüdischen Bevölkerung finden sich Einzelne, die der Polizei gegen eine Belohnung von 1 bis 2 Schilling unerlaubt iin Laude sich aufhaltemie Juden namhaft machen. Die Einschränkung der Palästinaeinwanderung und die luden des Orients Die Einschränkung der Einwanderung nach Palästina bedeutet einen Schlag für die Juden der Orientländer, deren Streben nach Palästina infolge der Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage immer stärker wird. Etwa 15(1 jüdische Familien aus Buchara befinden sich unterwegs in Mesehed, Afghanistan, und warten dort auf Palästina-Zertifikate. Die Jerusalemer Gemeinde der Buchara-Juden hat sich- bis jetzt vergebens bemüht, für sie Visen zu beschaffen. — Die Gemeinde der kurdischen Juden hat der Jewish Agency ein Memorandum unterbreitet, in dem sie um 10IH) Einwauderimgszertifikatc für Juden in Knrdestan ersucht, wo sich die wirtschaftliche Lage'immer mehr verschlechtert. — „Falastin'* teilt mit, dall mehrere Juden, die ohne Passe die Grenze von Syrien nach Palästina zu überschreiten versuchten, verhaftet und nach Beirut'gebracht wurden, von wo sie daun ausgewiesen werden. Vorlesungen jüdischer Gelehrter aus Deutschland am Londoner Jews College Das Londoner Jews College veranstaltete eine Reihe öffentlicher Vorlesungen, die von früher in Deutschland ansäßigeu jüdischen Gelehrten gehalten werden. Die Vorlesungen finden im Rosa Hertz-Saal des jüdischen Gemeindezentrums statt. Am 28. November begann ein sechs Vorträge umfassender Zyklus von Dr. Julius Brutzkus über die „Chazarischeu Juden“, in dem die Geschichte des chazarisch-jüdischen Staates und der chazarischen Juden nach dem Fall des Chazarenstaates behandelt werden soll. Dr. Simon Rawidowicz wird zwei Vorträge über „Metaphysik des Maimonides“, Dr. S. Birnbaum drei Vorträge über Eigenart und Geschichte der jiddischen Sprache halten. Antisemitischer Pressefeldzug in Griechenland Unmittelbar nach Bekanntmachung der Regierungsverordnung, durch die der Jom Kippur für das Gebiet von Saloniki zum Staatsfeiertag erklärt worden war, hat die antisemitische Presse mit einem heftigen judenfeindlichen Feldzug eingesetzt. Es gelang diesen Zeitungen und den in letzter Zeit verstärkt arbeitenden antisemitischen Organisationen, eine Atmosphäre allgemeiner Verhetzung zu schaffen, die eine Wiederholung der 'udenfeiiidlichen Ausschreitungen vom Juni 1031 befürchten ieB und den Generalgouverneur von Mazedonien, Dragoumis, veranlaßte, die Regierung zu ersuchen, die Verordnung betreffend den Jom Kippur im Interesse der Sicherung der öffentlichen. Ruhe und Ordnung durch eine zweite Verordnung dahin zu ergänzen, dall die Zwangsruhe am Jom' Kippur nur die jüdischen Kaufleute betreffe. Eine solche Ergänzungs- Verordnung würde praktisch einer Aufhebung der ersten, den Jom Kippur zum allgemeinen Staatsfeiertag erklärenden Verordnung gleichkommen. Der Rat .der Jüdischen Gemeinde hat im Hinblick auf die gespannte Lage eine außerordentliche Sitzung abgehalten, die die ganze Nacht währte. Es wurde eine Delegation zum Oeneralgonverneur entsandt, um Maßnahmen zum Schutz der jüdischen Bevölkerung zu verlangen. Der Generalgouvürrienr hat die Vertreter der Presse zu sich berufen und ihnen mitgeteilt, daß weder die Jüdische Gemeinde noch sonst eine jüdische Organisation die Erklärung des Jom Kippur zum Staatsfeiertag verlangt Haben, üeiieralgouverneur Dragoumis fügte hinzu, daß die Regierung das jüdische Element als sehr nützlich für Griechenland fm allgemeinen mul Saloniki im besonderen erachte und keinerlei Grund zu Klagen über das Verhalten der jüdischen Bevölkerung sehe. Auslands-Chronik Bukarest. (J ii (fische R e i e h s p u r t v i R ti in ä n icns tritt selbständig in den Wahlkampf e.in.) Das Zentralkomitee der Jüdischen Reichspartei gibt bekannt: „Nach Anhörung des Berichtes des Parteipräsidenten Dr. Theodor Fischer über das Ergebnis der mit den rumänischen Parteien gepflogenen Verhandlungen und nach einer Debatte, welche den ganzen Vormittag und den ganzen Nachmittag geführt wurde, hat das Zentralkomitee den Beschluß gefaßt, mit einer gesonderten jüdischen Liste in den Wahlkampf zu treten. Die Jüdische Reichspartei wird in 50 Bezirken Listen anmelden.“ Jerusalem. (P rotes t v c rsam m I ungvu in Palästina gegen die Einschränkung der Touristencinwande'rung.) In .Jerusalem, Tel Awiw und Haifa haben jüdische Massenversammlungen stattgefunden, .in denen scharfe Resolutionen gegen die letzten den jüdischen Touristenverkehr nach -Palästina einschränkenden Verordnungen der Palästina-Regierung gefaßt wurden. Warschau. (Für Übernahme des Palästina- Mandats durch Polen.) In Warschau hat sich eine Gesellschaft gebildet, die für die Übernahme des Palästina- Mandats durch Polen, nach Ablauf des jetzigen englischen Mandats über Palästina eintritt. Zu den Gründern gehören meist Führer-des Brith Hechajal und des Brith Trnmpcldor. Vereins-Nachrichten. Der „Jüdische Sängerbund Harmonie 1883“ (Berlin) begeht, wie in voriger Nummer mitgeteilt, am 2, Dezember seine 50-Jahr-Feier. Ihre gütige Mitwirkung haben zugesagt: Fräulein üora Hern st ein -Born er und Herr Hans Subcrski (Gesang), Herr Musikdirektor Max Wachsmann (Geige) und Herr Hermann Schwarz (Klavier). Geschäftliche Notizen« Wir empfehlen unseren Lesern dieseit 1911 bestehende Firma für elegante Herrenmoden. R. Lindenberg, Berlin W 30. Maaücnstr. 13 Lehe NulIeiulorfstraDe. -Diese Firma liefert Herrenanzüge. und Mäntel, auch bei Stoffzugabe, bei erstklassiger Verarbeitung mit guten- Zutaten zu zeitgemäßen Preisen. Bei Bedarf wende man sicti daher an die Firma R. 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