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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-11-17 · 26 (17.11.1933) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
26 (17.11.1933)
Date
1933-11-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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«Der Stolz des tschechoslowakischen Volkes" Asylrecht für Emigranten Im tschechoslowakischen Parlament brachte die tschechoslowakische Agrarpartei, die Partei des Ministerpräsidenten Malypetr, eine Interpellation an die Regierung ein, in der gefordert wird,, daß die Regierung jede weitere Niederlassung von Fremden in der Republik verbietet und jede Erwerbstätigkeit von Ausländern unterbindet. Diese Forderung wird mit der wirtschaftlichen Lage und der Arbeitslosigkeit im Lande begründet. Im Zusammenhang mit dieser Interpellation hat Außenminister Dr. Benesch im AußenausscImlS des tschechoslowakischen Parlaments folgendes erklärt: Es wird in der Zukunft unser Stolz sein, wie es seit Jahrzehnten und Jahrhunderten der Stolz der höchstkultivierten europäischen und Weltstaaten war, Englands, Amerikas, Frankreichs und der Schweiz, daß wir politischen Flüchtlingen ein Asyl gewähren. Es ist dies nicht nur eine Selbstverständlich- -keit für einen Staat wie die Tschechoslowakei, an dessen Entstehung unsere Emigration einen großen Anteil hat. Es geht dies auch hervor aus der ganzen politischen und rechtlichen Struktur unseres Staates. Wir müssen allerdings im Hinblick auf andere Staaten, was die Emigration und das politische Asyl betrifft, absolut kompromißlos darauf bestehen, daß wir die Prinzipien des internationalen Asvlrechts voll respektieren. Wenn es sich heute um die deutsche Emigration handelt, so will unser Staat nichts anderes tun, als was er auch für andere Emigranten getan hat. Wir werden nicht mehr und nicht weniger für die deutschen Emigranten tun, als alle übrigen Staaten getan haben.' Auch Deutschland hat seit altersher politische Emigranten beherbergt. Und wie Deutschland im Rahmen des internationalen Rechts Flüchtlingen ein Asyl gewährt hat, so will auch die Tschechoslowakei deutschen Flüchtlingen ein Asvl bieten. Tschechoslowakischer Staatszuschuß für jüdischen Kultus In der letzten Sitzung des tschechoslowakischen. Parlaments wurde das Budget behandelt. Das Budget des Schulministeriums sieht eine Dotierung von Kc. 1792 800 für den jüdischen Kultus (im Vorjahr 1 808 000) insgesamt vor. Die Subvention für den Obersten Rat der jüdischen Gemeinden in Böhmen, Mähren und Schlesien wurden von 70 000 Kc auf 50 000 Kc, die für die orthodoxe Zentralkanzlei in Bratislava (Preßburg) von 99 000 Kc auf 60 000 Kc herab-, gesetzt. Im vorjährigen Budget waren noch für die orthodoxe Zentralkanzlei Karpathorußlands 1000 Kc angesetzt. Da diese Kanzlei nicht mehr existiert, wurde nun dieser Posten gestrichen. In Böhmen, Mähren und Schlesien sind an Personalb'eiträgen für die Gmeinden 944 700 (im Vorjahre 938 000) Kc, .-«««..n. Karpathorußland Verdrängung der jüdischen Importeure in Litauen Dem Verband der litauischen Kooperativen wurde ein Privileg für den gesamten Einfuhrhandel aus England erteilt. Die jüdische Kaufmannschaft empfindet dieses Privileg alseine gegen sie gerichtete Maßnahme, die einen ersten Schritt zur Verdrängung des jüdischen Elemente aus dem litauischen Außenhandel darstellt. Antisemitische Studentenunruhen in Warschau Sämtliche Hochschulen geschlossen In Warschau kam es am 12. November auf der Polvtechnik, aut der Landwirtschaftlichen Hochschule und auf der Handelshochschule zu Unruhen. Die Polizei räumte den Platz vor der Hochschule,. respektierte jedoch die „Hochschulautonomie“, so daß den Vorgängen in den Hochschulen selbst nicht Einhalt geboten werden konnte. An den Innenseiten der Eingangsiore angebrachte Plakate antisemitischen Inhalts wurden auf Anordnung des Rektors entfernt. Ähnliche Vorgänge spielten sich auf der Landwirtschaftlichen Hochschule und auf der Handelshochschule ab. Die Rektoren aller drei Hochschulen verfügten daraufhin die Schließung der Anstalten bis auf weiteres. Da die Warschauer Universität bereits seit etwa zehn Tagen geschlossen ist, steht gegenwärtig keine einzige Warschauer Hochschule mehr in Betrieb. — Die Nummer der in polnischer Sprache erscheinenden jüdischen Tageszeitung „Nash Przeglad“, in der ein ausführlicher Bericht über die Hochschulunruhen veröffentlicht worden war, wurde beschlag- Regelung der kassenärztlichen Verhältnisse nicht abgeschlossen Der Reichskommissar 'für das Arztwesen, Dr. Wagner- Berlin, veröffentlicht, in Berlin in Nr. 19 des „Deutschen Ärzteblattes“ folgende Anordnung: „Ich habe Herrn Dr. Claus, Berlin, auf seinen Wunsch von seinem Amte als mein Beauftragter für Berlin entbunden. Ich spreche Herrn Dr. Claus für die von ihm unter besonders schwierigen Verhältnissen und auf besonders schwierigem Boden in echt, nationalsozialistischem Sinne geleistete Arbeit U nt er r ich t ENGLISCH bei geborener Engländerin, Kurfürstendamm 50 (Ecke Schlüterstraße) - Tel. Bism. 983 ' Zeitgemäße Prelle Engländerunterrichtet Einzeln und Zirkel Übersetzungen . Korrekturen Telefon B 5 Barbarossa 1438 Pubfadiadiula HieaSlmon.mariigr8Hii8tf.i8 Tages-, Abendand 9chn*llkura« Freiprospekt Telefon: A 7 Pfiohott 1653 Autofahrschule Technische Privatschule, Dipl.-Ing. Steklmacher Friedricbstr. 118/19. Tel.: D29244 I Maschinenbau,Elektrotechnik, Installation, Galvanotechnik, Metallfärben. Gelegenheit zum Berufswechsel I FRAUENBERUF existenzsicher_2 I meinen herzlichsten Dank aus. Gleichzeitig knüpfe ich daran die Bitte an Pg. Claus, weiterhin mitzuarbeiten an den schwierigen Berliner Problemen, insbesondere an der Bereinigung des auf die Dauer unhaltbaren Zustandes, daß in der Reichshauptstadt heute, nach Durchführung der gesetzlichen Bestimmungen noch über 60 vom Hundert 'nichtarische Kassen- Grundstückverkäufe durch Nichtarier ln einer Verordnung-des Senators für Inneres und Justiz in Bremen ist von Anzeichen die Rede, die dafür sprechen, daß in Deutschland ansässige Grundstückseigentümer nichtarischer Abstammung ihre inländischen Liegenschaften zu veräußern suchten, um sich unter Mitnahme des Erlöses in das Ausland zu begeben. Um die Gefahr enter dabei etwa beabsichtigten Verletzung Steuer- und devisenrechtlicher Vorschriften zu begegnen, werden die Notare verpflichtet, von allen Grundstücksveräußerungsgcsdiäften, bei denen derartige Anhaltspunkte vorliegen, unverzüglich dem zuständigen Landes- Nur Angehörige der Arbeitsfront im hessischen Gaststättengewerbe Zwischen den Veriretern der Organisationen der Arbeiter und Unternehmer des Hotel- und Uaststättcngewefbcs im Bezirk Hessen und Hessen-Nassau wurde ein Abkommen gc- . troffen, in dem sich die Unternehmer verpflichten, mir solche Arbeiter zu beschäftigen, die der Deutschen Arbeitsfront — aus der Juden bekanntlich ausgeschlossen sind — angeboren. Die Dienststellen der Gauverwaltung der Unternehmer haben darüber zu wachen, daß das Abkommen tatsächlich eingehalten wird. Sämtliches Fachpersonal muß durch das zuständige Arbeitsamt, bzw. bei dem durch den Arbeiterverband des Nahrungsmittelgewerbes bezeiclmeten amtlich genehmigten Vermittlungsstellen, angefordert werden. Nur wenn die Vermittlung hoch qualifizierten Fachpersonals durch die zuständigen Vermittlungsstellen nicht möglich ist. sind Ausnahmen zugelassen. Arierbestimmungen bei der Reichsbahn Die Änderungen der Personafordnung der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft werden jetzt bekanntgegebeii. Wer nicht arischer Abstammung oder mit einer Frau nicht arischer Abstammung verheiratet ist, darf als Beamter nicht berufen werden. Beamte arischer Abstammung, die mit einer Frau nicht arischer Abstammung die Ehe entgehen, sind zu entlassen. Wenn dringende Rücksichten der Reichsbahn es erfordern, kann der Generaldirektor in Einzelfällen Ausnahmen zuiasseit. In Zeifelsfällen ist über den Begriff „arisch“ durch Vermittlung der Hauptverwaltung ein Gutachten des beim Reichsinnenminister bestellten Sachverständigen für Rassenförschung einzuholen. : t Ans den Gemeinden Auslands-Chronik Amsterdam. (B e r ü lt in rstärb der berühmte holländ Bukarest. .(Cu/i •uba 111 p a s rfall Die :der ihre vor Jahren angewandte 'Methode, jüdische Passare in Eisenbalnuiigeii .zu überfallen, an/imenden. In Baeau drangen zwanzig Cuzisten ohne Fahrkarten in den Schnellzug iie'Iifür" Juden1' ItlclUm.'""ticr’fatiö'ien ^üchteten^iu’ den> letzten Wagen, wurden aber von den Angreifernverfolgt Iiul aufs neue mißhandelt. Obwohl ein lialinbeainter die Polizei von Adjml telefonisch von dem-Überfall verständigte, iviirden gegen die Exz.edenteii keinerlei Maßnahmen ergriflm. gefährlich ' \ nun stark, ii im Alten 7" irde. Mißlingens ihres e verschleppteu zwei jüdische junge Leute in einen ent- Kraiikenhaiis litten jn lebensgefäli ingeliefert wurde. Kandia. (l)e torben.) Der 1 torbcu. Das Begr; hen Bevii ' r Oberrabbiiier 1 Kreta, Evlagou, ist | r starker Beteiligung 1 seuheit von Vertretern < Behörden und' der griechisch-orthodoxen I.. . n war Oherrabhiner Abralum Habih gekommen, um au Bestattungsfeier toilzimehmen: — Prag. (CS L. J 11 s (i z 111 i 11 i s t e r i u 111 b e scIi Iag- _pellatiou des Abgeordneten der jüdischen Partei Dr. A11-. gelo ^Goklstein im Parlament hat das tschcchoslowakischc ' istiznimisteriiim die Beschlagnahme der ganzen Auflage des itisemitischen Pamphlets „Zrcadlo Zvilii“ (Judenspiegel) Tfiigt. Das Pamphlet wurde in der letzten Zeit von antimitischcn Kreisen stark kolportiert. Der Chemiker Hugo Michaelis gestorben In Berlin verstarb im 82. Lebensjahre Dr. Hugo ichaclfs, der sielt große Verdinste um die Klärung nahrungsmittel-chemischer, bakteriologischer, hygienischer und apparativer Fragen erworben hat: Er hat die Mandelmilch zur Herstellung rein plastischer baiiamargarmc, sowie den nach ihm benannten Eichclkakao cmgcfiihrt und in Gemeinschaft mit H- Thoms 1 Untersuchungenüber die Entbitterung der Lupinen publiziert. In studentischen Kreisen ist er durch die 1874 von ihm als Student in Heidelberg komponierte Melodie zum „Graf von Riidesheim“ bekannt geworden. Berlin. (Persön 1 iches.) Der Sekretär des „Hilfsvereins der deutschen Juden“, Samuel Lifschitz, wurde am 10. November 50 Jahre alt. Herr Lifschitz ist seit 27 Jahren im Hilfsverein bei der Abfertigung der Aus- und Durchwanderer tätig. Er hat sich in den schwersten Zelten allein aufopferungsvoller hilfreicher Mitarbeiter erwiesen. Den Emigranten bringt er Verständnis und Sympathie entgegen und nimmt sich ihrer liebevoll an. Die Zahl der Menschen, die Herr Lifschitz betreuen konnte, ist sehr groß, viele der Auswanderer sind ihm zu Dank verpflichtet. - Dortmund. (D a vi d Le es e r 8 0 J a h r e.) Am 19. November vollendet das Ehrenmitglied unseres Vorstandes, Herr David Lceser, sein 80. Lebensjahr. Herr Leeser entstammt einer angesehenen Dülmener-Familie, aus der Männer von Ruf auf dem Gebiete jüdischer Wissenschaft hervorgegangen sind, über 25 Jahre war er Vorsitzender des Vorstandes und hat die Gemeinde durch die sorgenvollen, schweren Kriegslind luflationsjahre glücklich hindurchgeführt. Der Jubilar hat durch seinen strengen Gerechtigkeitssinn, seine unbedingte Ehrenhaftigkeit und sein vornehmes Wesen die Sympathien aller Gemcindcfiutglieder. Als Herr Leeser vor mehreren jahren seine Wiederwahl als Vorstandsmitglied ablehnte, ernannte ihn die Gemeindevertretung in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste einstimmig zum Ehrenmitglied des Vorstandes. Im Preußischen Landesverband jüdischer Ge-' mcinden hat- Herr Leeser als liberaler Abgeordneter die Dortmunder Gemeinde vertreten. — In seiner mustergültigen Bc- . scheidenheit hat der Jubilar gebeten, von einer besonderen Veranstaltung ant Ehreptage abzusehen. Wir beglückwünschen den Jubilar und wünschen ihm einen sorglosen und schönen Lebensabend. Jom Kippur — Staatsieiertag in Saloniki Das griechische Amtsblatt veröffentlicht ein Dekret des Präsidenten der Republik, in dem für Saloniki neben den allgemeinen staatlich festgesetzten Ruhetagen sieben weitere Zwangsruhetage bestimmt werden. Zu diesen neuen staatlich' anerkannten allgemeinen Ruhetagen gehört auch das jüdische Versöhnungsfest. Die Verordnung des Präsidenten ist auf eine Anregung der Handelskammer von Saloniki zurückzuführen. Es ist das erste Mal, daß ein jüdischer Feiertag in Griechenland zum Staatsfeiertag erklärt wird. Professor Dessau 70 Jahre.- Der Ordinarius für Physik au der Universität Perugia, Bernardo Dessau, der Bruder des Berliner Universitätsprofessors und Mitglied der Akademie der Wissenschaften des Judentums Hermann Dessau, vollendete vor wenigen Wochen das 70. Lebensjahr. Professor Dessau, der aus 'Offenbach am Main stammt, hat. viel über drahtlose Telegraphie gearbeitet. Bekannt und mehrfach aufgelegt ist sein dreibändiges „Manuale de Fisica“, das auch in deutscher Übersetzung als „Lehrbuch der Physik“ 1922/24 erschien. aller Steiner. Cilly Kenn. Katja Scheplro, ^amUion-flaefixldhtaH BO. Geburtata«: __ Miltenberg/Main. Frau Karolina Moritz, geb. Sommer. 22. 11. 1933. Königsheim/Baden. Werner, Sohn der Frau Meta Bauer Wwe. 18. lt. 1933. Augenarzt Dr. Georg Lew verzogen von Tompolhot n.di Bayreuth» Sfr. 36 „IÄä, . ll'/z-l, 6-7 Uhr ’ B 4 Bavaria 7058 Ich bin wieder für alle Kranken-Kassen tätig Dr. Tischler ■ Brillanten-Ankauf! Ä SÄ. Essener StraBe 17.. Von der Reise zurück Dr. Erna Rosenbaum Charlottenburg 2, Grolmanstraße 41 . Innere Krankheiten: 4'/2—6 Uhr Psychotherapie nach vorherig. Anmeldung: Bismarck 9581 Existenzmöglichkeit ■II Gornita - Seifenvertrieb Hll E. Gornitzky, Berlin, Brunnenstraße 15 Bll Parfümerien, Seifen, Wirtschaftsartikel Zurückgekehrt — Dr. Sonnenffeld UhlandotraBe 22. I Damen-Mfintel stiimenswen billig 1 1 direkt vom Hersteller (evtl. Maßanfertigung) 1 1 JepusBlfivnsr S4r. 30. Ho# pcirftorro | Verzogen nach: Rosantbaler Str. 34-35 D 1 7500 Dr. Georg Josephsohn, Facharzt für Chirurgie. Mundu. Kieferchirurgie früher Assistent .bei Dr. Chajm._ Y KINDERPENSION-WEILL I unter irztllcher Aufsicht Jüd Schalen In nlduter Nähe. | ErsUd. Verpflegung. Zeltgera. Preise. Kindergarten. Hurt. I SchuIarbeitsnacbbUfe, hebrllscher Unterricht, Taget peoaion. Freu Gerda Wellt« staatL geprüfte Klnderglrtnerin, Berlin O 8T, Raupadutr. 1U eigener Oarten. Fernsprecher: E9 Friedrlebshain 1560

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