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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-11-10 · 24 (10.11.1933) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
24 (10.11.1933)
Date
1933-11-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Geist des Judentums und Wirklichkeit der Juden, das sind zweierlei. Aber Wirklichkeit der Juden und das Bild, das von den Juden die Nichtjuden sich machen, ' das sind wiederum zweierlei. Dieses letzte zu ändern, dasjsclieint, blickt man auf die vieltausendjährige jüdische Leidensgeschichte,' nicht in unsere Hand gegeben. Die Wirklichkeit des Judeseins nach dem Geist des Judentums zu gestalten, dazu sind wir imstande und das ist unsere Aufgabe. Und wir dürfen gewiß sein: je mehr wir dem Geiste gemäß leben, desto glückhafter wird auch unsere Wirklichkeit sich gestalten. Die Rechtschaffenheit, die wir in iins schaffen und bewirken, macht uns selber lebenstüchtiger; und sie wirkt auch nach außen.. Laßt uns dem Geiste gemäß Juden sein, dann kennen wir keine Verbitterung, sondern schaffea freudig und. unbeirrt inmitten des Volkes und des Landes, das von der Vorsehung uns zum Heimatvolk und Vaterland bestimmt wurde. Dr. E. Nisch alle orthodoxen Bedürfnisse befriedigt werden und daN die Orthodoxie als gleichberechtigte religiöse Gruppe innerhalb der Gemeinden berücksichtigt werde. Dali umgekehrt die . Orthodoxie dem religiösen Liberalismus nicht mit der gleichen Toleranz gegenübersteht, kann hier außer Betracht bleiben; die Orthodoxie kann ihrem Wesen nach nicht tolerant sein. Aber auch sie kann sich zum Zwecke der politischen und wirtschaftlichen Sicherstellung der.■ gesamtjüdischen' Gemeinschaft mit denjenigen religiös-liberalen Juden vereinigen, die .als jüdische Deutsche, d. h. als Deutsche jüdischen Glaubens, hier in Deutschland für die Anerkennung unseres Heimatrechtes eintreten. Deshalb war es nur folgerichtig, daß seit; dem Berliner Gemeindewahlkampf 193U die Orthodoxie gemeinsam mit deii Religiös-Liberalen gegen den Zionismus stand, und das 'wird sie künftighin in allen jüdischen Gemeinden Deutschlands tun. Mit Recht ist daher bereits im Jahre 1931) gesagt worden, Wjrdaß der Wahlkampf eigentlich unter falscher Flagge geführt ■wurde. Denn die religiös-liberalen Organisationen, die damals *die Häuptträger der Aktion waren, hatten ja in Wahrheit nicht so sehr eine religiöse als vielmehr eine politische Neugestaltung der Geiifeinde im Auge. Es sollten endlich diejenigen Männer aus den Spitzenstellungen verschwinden, die (wie Karesfii) die deutschen Juden als „andersnationale Minderheit“ in Deutschland und (wie Knllenscher) Palästina als das Vater- und Mutterland der deutschen Juden bezeichneten. Mit solchen Zielen wiiTde der Wahlkampf glänzend gewonnen. Aber vielleicht lag es doch an der falschen Fahne, die man gewählt' hatte, daß nachher die Möglichkeiten dieser Wahlentschejdnng nicht aüsgenutzt wurden, so daß ein halbes Janr später prominente Vertreter jener verhängnisvollen Denkweise wieder im Vorstand der-Berliner Gemeinde, im Spit/.engreinium des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden und heute in der Reichsvertretung der deutschen Juden sitzen. Dr. Moses, efer in seinem vorhin zitierten Briefe von der Neugestaltung, der Berliner Gemeinde spricht, spielt mit dieser Bemerkungen unüberhörbarer Deutlichkeit darauf an, daß -die Legislaturperioden sowohl der Berliner Gemeinde als auch des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden Ende 1934 .zu Ende gehen. Wir wissen nicht, wie Herr Dr. Moses sich die weitere Entwicklung denkt und ob er insbesondere einen Wahlkampf im Auge hat. Alle Einn wj lerc . sichtigen weraen einen soicneri waniKiirq Unglück halten, weil die Hunderttausende voiT Mark, die er kosten würde, in der heutigen Zeit mit Recht den Namen „Sündengeld“ verdienen würden. Jeder Pfennig, den unsere schwer dezimierte .Gemeinschaft aufzubringen vermag, muß heute der Hilfeleistung zugewendet werden. Und auch nach außen dürfen wir nicht das Bild bieten, als hätten wir tatsächlich so viel Kapitalkraft, um uns den Luxus eines Wahlkampfes leisten zu.können. Oer Wahlkampf muß also vermieden', werden. Aber es genügt nicht, dies * platonisch zu wünschen oder in Zeitungsartikeln zu fordern, sondern es müssen die Vorbedingungen geschaffen werden, die die Er- ■ möglichung dieses Wunsches gewährleisten. Das Äblaufeu der Legislaturperiode und die Neuformie- Tting der jüdischen Körperschaften ist, weil statutenmäßig verankert, nicht aufzuhalten. Selbst eine Verlängerung der Legislaturperiode bedarf in den betreffenden Körperschaften einer Statutenänderung und darum eines Verhandelns beider einzig noch in Betracht kommenden Parteien, der Deutsch- - juden und der Zionisten. Erfolgt solche Verlängerung'nicht, so ergibt sich, will man den Wahlkampf vermeiden, die . Notwendigkeit, über die Aufstellung einer Kompromißliste zu verhandeln. Wie aber diese Liste aussehen wird, wieviel .Deutschjuden und wieviel Zionisten auf ihr stehen werden, das wird einzig und allein von den Machtverhältnissen abliängeu, die zur Zeit des Verhandelns bestehen werden. Wer veihandeln soll, geht aus dem Vorhergesagten unzweideutig hervor; es handelt sich um Deutschjuden und .' Zionisten. Wie steht es aber nun? Die Zionisten haben ihre geschlossenen, aktiven Organisationen: Zionistische Vereinigung und Jüdische Volkspartei. Die Deutschjuden sind völlig zersplittert in Religiös-Liberale und Orthodoxe, vielleicht . treten auch'die Mittelpartei und die Überpartei unseligen Angedenkens wieder auf den Plan; der Central verein wird eine Führerstellung beanspruchen, und diegewichtigen Gruppen der mit ihm Unzufriedenen werden sich nicht ausschalten lassen wollen: der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten wird ebenfalls seine Ansprüche anmelden. — Jedermann, dem die Zukunft des deutschen Judentums am Herzen „ .liegt,- muß zugeben, daß wir in solcher Situation der Zersplitterung nicht verhandeln können. Wir können es um so weniger, als, wie bereits bemerkt, die Kraft des-Centralvereins gelähmt ist durch die Unentschiedenheit seiner Leitung und durch die Unzufriedenheit seiner Besten, so daß er keineswegs alle Deutschjuden tatsächlich vertritt. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, so erfreulich seine innerjüdischc Haltung seit Monaten ist, ist seiner Natur nach nur Vertreter eines Teils, nämlich der Frontkämpfer unter den deutschen Juden, und auch die religiös-liberalen Organisationen können nicht die alleinigen Träger einer deutsch-jüdischen Aktion sein, weil sie bestimmte religiöse Ziele haben, die nicht von allen . Deutschjuden geteilt werden. Schließlich weiß die seit dem Wahlkampf des Jahres 1930 herangewachsene Jugend vielfach nicht, daß unter dem Namen des religiösen Liberalismus diejenigen politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Ziele verfolgt weiden, die ihr so dringend am* Herzen liegen. Was hat also zu geschehen? Es müßte eine Sammlung all der Kräfte erfolgen, die zielbewußt dem Deutschjudentum dienen. Ohne Unterschied der religiösen Anschauungen, und gleichgültig, in welchen bestehenden Gebilden die^ Einzelnen bereits organisiert sind, müßten sich alle diejenigen sammeln, die gewillt sind, den alten Idealen , zutn Durchbruch zu verhelfen. Kein neuer Verein darf gegründet werden und keine .. „Konkurrenz“ zu bereits bestehenden Organisationen, sondern es müßte im Gegenteil eine Aktion sein, die all die entmachteten und festgefahrenen Gremien wieder , beweglich zu machen hätte. Wer, wie wir Liberalen, aus religiös-univer- - salistischen Gründen das Nationaljudentüm ablehnt, würde eine solche Bewegung als Träger seiner Ideen anerkennen können; das Gleiche gilt für die Orthodoxen, denen der zionistische Grundsatz „Religion ist Privatsache“ seit langem als das Kernübel jüdischen Lebens erscheint; der Centralverein würde seine besten Traditionen in einer solchen Aktion lebendig gemacht sehen; kurz, alle deutsch-jüdischen Gruppen würden es erleben, daß die alten Ziele in unseren Gemeinden, Gemeindeverbänden und in der Reichsvertretung zur Geltung kommen. Die jetzt bestehenden Gemeindevorstände würden dadurch gestärkt werden, ebenso auch die erst vor wenigen Wochen geschaffene „Reichsvertretung der deutschen Juden“; eine solche Aktion der Sammlung wäre niemandemvon uns allen zu Leide, denn sie würde ja lediglich auf das hinzielen, was wir alle wollen, auch dann wollen, wenn wir — was selbstverständlich!,— einen Wahlkampf ablehnen. Was wollen wir? Eine klare deutsch-jüdische Führung der Gemeinden, Gemeindevereine und der Reiclisvertretung. Käme es zu dem Verhängnis eines innerjüdischen Wahlkampfes —: wir könnten für kein anderes Ziel kämpfen. Wollen wir diesen Wahlkampf vermeiden — und das wollen wir in der Tat — so müssen wir schon jetzt unsere Kräfte zu solcher Stärke vereinigen, daß wir auf dem Verhandlungswege restlos das erreichen, was für den'Fortbestand des deutschen Judentums notwendig ist. Es kann keinen deutschgesinnten Juden geben, der nicht, erkennen müßte, daß inneres Neuwerden und Sammlung not sind, damit -uns auch die äußere Neuwerdung zuteil werde. Möchte ein Ruf zu solcher Sammlung bald ertönen — und möchte er von . unseren .jetzigen Führern nicht mißhört werden — denn das, was wir erwarten, und was, aus den seelischen und materiellen Nöten dieser Zeit geboren, kommen wird, ist kein Kriegs-, sondern ein Friedensruf. Durch Vereinigung aller Kräfte wollen wir uns eine deutschjüdische Führung schaffen und ihre Position so sicher begründen, daß der innerjüdische Friede auf lange Zeit gegen jeden Störungsversuch gewahrt bleibt. von Rabbiner Dr. Gottschalk „Die Reform ein Glied in der Gesamtbewegung des religiösen Liberalismus“ Der Mann, der am vergangenen Sonntag zum ersten Male als gewählter Rabbiner der Reformgemeinde zu einer begeisterten Zuhörerschaft sprach, wird — daran ist kein Zweifel — bald zur ganzen Berliner Gemeinde sprechen. Er ist den Berlinern und überhaupt der jüdischen Öffentlichkeit kein Unbekannter. Die Leser dieses Blattes kennen ihn aus zahllosen Aufsätzen, deren jeder, Zeugnis ablegt von der religiösen Glut des Schreibers. Aber vielleicht war es in Vergessenheit geraten, welch ein begnadeter Sprecher Dr. Gottschalk ist. Als in diesen Spalten seine Berufung an die Reformgemeinde gemeldet wurde, wurden zwei Dinge dazu bemerkt: daß nach der durch den Tod des unvergeßlichen Dr. Lehmann entstandenen Lücke die Wahl auf den für die Reformgemeinde geeignetsten Mann gefallen sei; und daß mit dieser Berufung endlich nach langer Irrfahrt Dr. Gottschalk den ihm angemessenen Wirkungskreis erhält. Ein Drittes ist hinzuzufügen: diese Wahr ist nicht nur wegen der neuen Entfaltungsmöglichkeiten unseres Freundes Gottschalk und nicht nur für die Reformgemeinde von Bedeutung, sondern mit ihm ist eine original geprägte Individualität nach Berlin gezogen worden, die dem gesamten jüdischen Leben einen religiösen Auftrieb zu geben bestimmt scheint. Am 24. November werden es zehn Jahre her sein, seitdem die „Liberale Synagoge Norden“ — Hermann Falkenbergs Schöpfung, von der ein großer religiöser Impuls für unsere Gesamtheit ausgegangen ist — eingeweiht wurde. Die Einweihungspredigt hielt damals Dr. Gottschalk. Sein Lebensweg entführte ihn dann nach Frankfurt. Auch dort wurde er, vor allem durch sein Wirken unter der Jugend, ein Vorkämpfer des religiösen Liberalismus.,' Aber _die besonders ■ ß^ag^rf^n ^et,n3Trru§i5F^’til' 'äet<-~groTJen—jotfen'geTTTe'ifiCn; —ain~ " Main, die starke Rücksichtnahme, die dort gegenüber der relativ einflußreichen Orthodoxie geübt wird, führte dazu, daß das von geheiligtem Willen beseelte Kämpfertum Gottschalk* den liberalen Führern Unbequemlichkeiten bereitete — über dies Kapitel religiös-liberaler Selbstentmannung wird dereinst noch gesprochen weiden müssen, sobald es zum Nutzen unserer Bewegung, aber ohne Schaden für gewisse beteiligte Persönlichkeiten geschehen kann. Gottschalk ging dann an die1 Kölner „Gemeinschaft“, deren erster Geistlicher er würde, bis er nun an die Stelle gestellt worden ist, auf die er gehört. In den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens hat die Refonngemeinde ein religiöses Leben abseits von der Großgemeinde geführt. Seitdem im Jahre 1917 Rabbiner Dr. Felix Coblenz, als rabbinische Autorität in ganz Deutschland anerkannt, zu ihrem geistlichen Führer berufen worden war, ist das anders geworden. Nach seinem Tode (1923) hat dann Rabbiner Dr. Joseph Lehmann die Beziehungen zum Gesanitjudentum und damit auch zur Berliner^Großgemeinde vertieft und gefestigt. Ihm, der selbst dann in die „Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands“ eintrat, ist die tätige Anteilnahme der Reformgemeinde an der eWorld Union für progressive Judaism“ und an der religiös-liberalen Bewegung in Deutschland zu danken. 'Was er begonnen, verspricht. Gottschalk fortzusetzen. Er hat dies, vielleicht unbewußt, in seiner Antrittsrede auch ausgesprochen, und manch allzu separatistisch gesonnener Reformer horchte auf, als Gottschalk^ bereits ii: den ersten Sätzen seiner Antrittspredigt erklärte, die Reformgemeinde sei nur ein Glied in der Gesamtbewegung des religiös-liberalen Judentums. Das ist, wie Gottschalks ganze Predigt, ein Programm; ein Programm, mit dem beide Teile zufrieden sein dürfen: die Reformgemeinde ist heute, nach bald 9Üjährigem Bestehen, in sich gefestigt genug, uni durch Zusammenarbeit mit den weiter rechts stehenden Teilen des Judentums von ihrem Wege nicht abgebracht zu werden, und dem Gesamtjudentum kann die Fühlungnahme mit einem Picniertrupp moderner Religionsauffassung nur zum Segen gereichen. Diese Gedanken fanden bei der Amtseinführung des Herrn Dr. ‘ Gottschalk ihren . symbolhaften Ausdruck. Der Vorsitzende der Großgemeinde, Direktor Heinrich Stähl, der bereits an der Bahre des verewigten Herrn Dr. Lehmann ausgesprochen hatte, was dieser für die jüdische Gesamtheit bedeutete, hatte nun bei der Einführungsfeier eine gottesdienstliche Funktion übernommen. Auch andere Vertreter des Berliner Gemeir.devorstandes und der Repräsentäntenversammlung waren zugegen: das Berliner Gemeinderabbinat und die „Ver- Palästina — Übersee - Ausland — UA\ZtTGrE Mitl90° Möbelspeicher auch durchheizte Kabinen Carl Deyke Nacht., Berlin 0 17 einigung der liberalen Rabbiner Deutschlands“ waren durch den Gemeinderabbiner Dr. Julius Galliner vertreten, die religiös-liberalen Organisationen durch Herrn LGR . Dr. Martin *Lcsser. Unter der großen Zuhörerschaft war die Jugend besonders stark vertreten; man bemerkte mit Genugtung eine größere Anzahl von Hörern der Lehranstalt für die Wissenschaft, üg?Judentums._ .. , -_ : Der sehr stimmungsvolle Gottesdienst wurde nach Hereinführung des Herrn Dr. Gottschalk durch eine Begrüßungsansprachc des Vorsitzenden der Reformgemeinde Herrn Paul Pincus eröffnet. Weitere Reden wurden nicht gehalten. Dr. üottschalks Antriftspredigt war, wie schon bemerkt, ein Pro- gramm; sie war ein starkes Bekenntnis zu der Auffassung, die auch hiei stets vertreten wird: daß das Judentum Religion und nur Religion ist. Aber es bedeutet eine böswillige Verkennung, wenn gewisse Leute es nicht verstehen wollen, daß sich aus dieser Auffassung praktische Konsequenzen ergeben. Bekenntnis zu einem rein religiösen Judentum ist immer auch Bekenntnis zum Emanzipationsgedanken, darum für uns deutsche Juden auch zum Deutschtum; es ist gleichzeitig Bekenntnis zu angespanntester produktiver Sozialarbeit. Alles' dies kam in Dr. Gottschalks Rede deutlich zum Ausdruck. Aus echtestem Fühlen quoll es herauf,, formte sich, ohne kunstvolles Hinzutun des Redners, zu Worten Von visionärer Kraft, die mehr wirkten als alle Kunst, und es gab keinen unter den Hörern, der nicht empfunden hätte, daß uns hier ein religiöser Künder erstanden ist, wie wir ihn seit langem ersehnten. Dr. Gottschalk ist nun Prediger der Jüdischen Reformgemeinde, aber sein Wirken wird auch denen zugehören,' die in einem weitergezogenen Kreis die religiöse Aufgabe des Judentums bejahen. Deshalb noch einmal: der Mann, der neulich zum ersten Male zu seiner engeren Gemeinde sprach, wird bald zu allen sprechen, und die Saat seines Wirkens wird der Gesamtheit zum Heile gereichen. . Max Metz, Vorsteher der Synagogengemeinde Liegnitz, religiös-liberaler Vertreter der niederschlesischen Juden im Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden, beging vor einigen Wochen seinen 60- Geburtstag | Jacob Volk | Vor wenigen Tagen ist Jacob Valk, der langjährige Vorsitzende der Hamburger Ortsgruppe der Vereinigung für das religiös-liberale Judentum im Alter von 72 Jahren dahingegangen. Die jüdische Öffentlichkeit weiß wenig von diesem stillen Arbeiter,, und gerade deshalb muß hier mit innigstem Dank gesagt werden, daß er seinen Ehrenplatz m unserer Bewegung nicht, unverdient erworben hat und daß ihn), solange er diesen Platz innehatte, die Bürde stets wichtiger war als. die Würde. Unermüdlich und durch keine Widrigkeit beirrt, leistete er opfervollste Kleinarbeit für diejenigen jüdischen Ziele, denen er sich erst in reifen Jahren zugewendet hatte. Denn Jacob Valk, am 16. Juni 1861 in Emden geboren, gehörte,zu jenen — in Wirklichkeit gar nicht so seltenen -7- Typen, die von der Orthodoxie her sich zu religiös-liberaler Anschauung entwickelt haben. Auch in Hamburg stand er'ursprünglich ganz rechts; aber als ein Großkaufmann, der Verbindungen mit fernen Erdteilen unterhielt, fühlte er doch den Mangel an Weltoffenheit und das Zeitfremde des orthodoxen Judentums. Als dann unser Dr. Paul Ricger an den Hamburger Tempel berufen worden war und, ein begeisternder Jugendführer, eine ganze Generation religiösliberaler Menschen heranbildete, zu denen auch der Sohn unseres jetzt verstorbenen Freundes gehörte, da sprang in manchem Hause der Funke von den Kindern auf die Eltern über. und manchenorts zündete er. So war es auch im Valkschen Hause. Jakob Valk trat in die Verwaltungskörperschafteri der Hamburger Tempelgemeinde ein und ebenso in den Vorstand der Hamburger liberalen Ortsgruppe, deren Vorsitzender er nach Dr. Tenders Rücktritt wurde. Auch dem Gesamtvorstand der Vereinigung' für das religiös-liberale Judentum gehörte er an und hat wohl bei keiner der Sitzungen gefehlt. Nun ist er, still wie. er gewirkt, still auch dahingegangen. Seine Arbeit wird nicht vergebens gewesen sein. Und der Dank aller Freunde bleibt ihm über das Grab hinaus. 'S. y *•1

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