Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 21 (31.10.1933)
- Date
- 1933-10-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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aussieht, auf die Verschiedenheit der rednerischen Individualitäten und darum auch ihrer. Reden hingewiesen, sondern es liegt in diesem Worte auch die Forderung, da 8 zwar die W e i s e des Lehrens verschieden sein darf, nicht aber diese Lehre selbst. Auf das Jahr 1933 angewendet: was soll der Hörer sich denken, wenn ihm am Vorabend des Neujahrsfestes von der Kanzel herab Mut gemacht wird, hier in Deutschland zu bleiben, auszuharren, bis wir von den jetzt zur Herrschaft gekommenen Mächten als treue und nützliche Glieder unseres Vaterlandes erkannt werden; und wenn ihm dann am Vormittag des'Neujahrsfestes, am selben Feiertag also und von derselben Kanzel her, gesagt wird,, wir seien hier unter dem äußeren Druck und unter den ungesunden eigenen Verhältnissen zum Untergange verurteilt, sodaß alles Streben darauf gerichtet werden müsse, Palästina zu unserem neuen. Vaterlande zu machen? Führt es nicht zu schwersten Konflikten, wenn etwa zwei Mitglieder einer Familie hoffnungsfreudig aus der Synagoge nach Hause kommen: der Rabbiner habe ihnen zu neuem Glauben verholfen, daß wir, mit Einschränkungen und Entbehrungen zwar, aber doch mit Erfolg und Befriedigung hier in unserer Heimat wieden werden arbeiten können; und dann kommen zwei andere Glieder dieser gleichen Familie aus einem anderen Tempel heim: hier sei alles zu Ende, und der Prediger habe die' Parole ausgegeben, nur'daß jedermann sich .„transportabel“ mache, könne noch Rettung bringen? Auch der Unparteiische wird zugeben, daß dies ein unhaltbarer Zustand ist und daß unsere verantwortlichen Männer eine geschichtliche Stunde verpassen, wenn sie zulassen, daß den nach Wegweisung durch das Judentum Hungernden von eben diesem Judentum heute dieser und morgen der entgegengesetzte Weg gewiesen wird. Was also soll geschehen? Gerade in diesen Tagen ist von führender jüdischer Stelle nachdrücklich darauf hingewiesen worden, die Leitung einer Gemeinde dürfe sich nicht zum Vertreter einer einzigen Partei degradieren. Solche Mahnung hat etwas sehr Einleuchtendes, sehr Zwingendes und klingt wie von höherer Warte gegeben. Und doch vergißt sie, daß es innerhalb des Judentums eine Partei gibt, die sich anmaßt, für das ganze Judentum zu sprechen. Diese Partei betrachtet es als einen Bruch der Neutralität, wenn die ihrem Standpunkt entgegengesetzte Auffassung von den leitenden Männern einer Gemeinde öffentlich bekundet öder gar auf der Kanzel von einem Rabbiner verkündet wird. Sie selber hingegen hält es für selbstverständlich," daß ihr Parteidogma von den Rabbinern auf der Kanzel als „Lehre des Judentums“ schlechthin verkündet werde. Hat doch schon Theodor Herzl in seiner grundlegenden Schrift „Der Judenstaat“ es als selbstverständlich hingestellt, daß der Zionismus „vornehmlich an die Mitwirkung unserer Seelsorger appellieren“ werde, daß „die Rabbiner... sich zuerst für die Sache begeistern und von der Kanzel herab die anderen begeistern" werden; „Es brauchen“, schreibt Herzl, „keine besonderen Versammlungen mit Geschwätz einberufen zu "werden. 7m 'Gottesdienst wird das eingeschaltet.“ Diese in ihrer Naivität frappant wirkenden Sätze sind in der Tat’ vom Zionismus und seinen Rabbinern alle die Jahre hindurch befolgt worden, . und es ist erstaunlich, daß niemand daran Anstoß genommen zu haben scheint. Es bedurfte erst der zugespitzten Situa- •tion dieses Jahres, um diesen Zustand als unerträglich erkennbar zu machen. Dem Publikum erkennbar, zu machen; der Gemeindeführung obliegt es, -ihm ein Ende zu bereiten, damit nicht der in" materieller Not trostsuchende Predigthörer, eingekeilt zwischen zwei im Namen der gleichen Sache entgegengesetzt redenden Predigern, auch seiner seelischen Hilfslosigkeit und Verlassenheit innewerde. Damit er nicht aufhört, vom Judentum überhaupt auch nur etwas zu erwarten. Mit aller Deutlichkeit sei es ausgesprochen: sind die jüdischen Gemeinden in der heutigen Zeit nicht in der _ Lage. Trost. Aufrichtung. Wegweisung zu bieten, so hat das Judentum tur "aTte "Zelten'dieChänöe verscherzt,' von'säilftnf eigenen Kindern befragt, aufgesucht, '■ in Anspruch genommen zu werden. Denn wer in . schweren Zeiten versagte, den wird man in (künftigen) guten Zeiten nicht rufen. Es ist klar: wird ein solches Gegeneinander auf der Kanzel fernerhin geduldet, so trägt den Schaden nicht nur der unbefriedigt bleibende Hörer, sondern auch das Judentum selbst erleidet damit eine niemals und durch nichts wieder gutzumachende Niederlage. Aus diesem Grunde ist zu fordern, daß von autoritativer Seite klargestellt werde, wo der Grenz¬ Verlangen Sie ausdrücklich Sieselbst haben dadurchVorteilel punkt ist, an dem die jüdische Lehre aufhört und die Parteipolitik beginnt. Erschwerend für solche Klarstellung ist der Umstand, daß Palästina das heilige Land unserer religiösen Erinnerungen ist, sodaß jede zionistische Predigt mit dem Anschein der Legitimität aüftritt. Demgegenüber muß aber darauf hingewiesen werden, daß das Land unserer Väter nun einmal nach seiner Größe (die etwa der Schleswig-Holsteins entspricht) und 'nach seiner Bevölkerung (es gehört den Arabern) nicht das. Land unserer Kinder sein kann und daß die wahrhaft legitime jüdische Lehre die des rein geistigen und darum supranationalen Judentumes ist: Bekenner dieses geistigen Judentums gibt es und soll es geben in allen Ländern, unter allen Völkern und Rassen. Verkennung wäre es, zu giauben, dieses geistige Judentum bedeute-nichts für die Wirklichkeit oder es ziele gar auf die Festhallung des Althergebrachten, des überlebten, zum Beispiel der ungesunden jüdischen Berüfsstruktur, der bürgerlichen Saturiertheit, der Überschätzung akademischer Grade und anderer Dinge, mit denen die Zeit aufgeräumt hat. O nein, wer das Wort „geistiges Judentum“ richtig versteht, wer begriffen hat, daß der Geist auf das Leben geht und die Wirklichkeit gestalten will, der weiß auch, daß dieses' geistige Judentum zu allen Zeiten neue Menschen gefordert hat; es fordert auch heute eine völlige Neuwerdung der; jetzt lebenden Generation. Aber gerade deshalb auch obliegt es seinen Verkündern, Hoffnung, Mut und Willensgewalt in die Herzen der jüdischen Massen zu bringen. Wenige Wochen vor den letztvergangenen Herbstfeiertagen hat der Vorsitzende der Berliner Jüdischen Gemeinde, Direktor Heinrich Stahl, alle in Berlin amtierenden Prediger aufgefordert, Rumänische ludenpolltik - in Theorie und Praxis. Der rumänische Ministerpräsident^ Dr. Alexander Vaida Voevod empfing den Präsidenten der Jüdischen Gemeinde -Bukarest‘Sigmund Birman in längerer Audienz und erörterte mit ilim eine Reihe aktueller, die jüdische Bevölkerung betreffender Fragen. Präsident Birman überreichte dem Ministerpräsidenten eine Denkschrift, in der die hohen Leistungen der Jüdischen Gemeinde auf kulturellem und sozialen Gebiet, in Unterrichtswesen und Wohlfahrtspflege, dargestellt werden. Im Verlauf der Unterredung kam der Ministerpräsident ■auf die politische Seite der Judenfrage im Zusammenhang mit der in letzter Zeit i n Rumänien sich geltend machenden antisemitischen Bewegung zu sprechen und legte gegen jene Erklärungen Verwahrung ein, in denen er beschuldigt wird; der jüdischen Bevölkerung gegenüber eine unfreundliche Haltung an den Tag zu legen. - Das Organ der nationalzaranistischen Regierungspartei „Dreptatea“ veröffentlicht einen scharfen Protest gegen diejenigen Zeitungen, die der Regierung den Vorwurf machen, sie habe" gegen die antisemitische Propaganda keinerlei Maßnahmen ergriffen. „Die Regierung“, schreibt das Blatt, „ist entschlossen, Ruhe und Freiheit aller Bürger gegenüber" denjenigen zu sichern, die Haß verbreiten und im Land eine Atmosphäre von Unsicherheit schaffen.“ In ihren Kommentaren zu dieser halboffiziellen Regierungserklärung wirft die demokratische Presse die Frage auf, ob es möglich sei, auf Erklärungen zu bauen, die offenbar nur dazu bestimmt^ seien, die öffentliche Meinung zu beruhigen. Während man in anderen Ländern gegen radikale .Bewegungen scharf einschreite, lasse man in Rumänien dem Ausland nachgebildete Propaganda- und Organisationsformen zu. Auf der einen. Seite habe man ein Uniformvezbot erlassen und die Bildung von Sturmbataillonen der Cuzisten-Liga und ähnlicher Organisationen verboten, auf der anderen Seite würden Personen, die wegen Tragens von Abzeichen solcher Verbände verhaftet werden, von den Gerichten regelmäßig freigesprochen. Wenn die Regierung wolle, daß man ihren Erklärungen Glauben schenke, müsse sie darauf sehen, daß die zur Bekämpfung radikaler Strömungen geschaffenen Gesetze auch in der Praxis zur Anwendung gelangen. Erbbiologische Gedanken im Wirtschaftsleben- Ein Handschreiben 'des Reichsarbeitsminislers. Wie die Berliner Zeitungen berichten, hat der Reichsarbeitsminister an die Sozialministerien der Länder ein Handschreiben zu der großen bevölkerungspolitischen Aufklärungsaktion der Rcichsregierung gerichtet. Darin wird hervorgehoben, daß einer der wichtigsten Programmpunkte de? . nationalsozialistischen Bewegung die Durchdringung des polischen und wirtschaftlichen Lebens mit erbbiologischen Gedanken. sei und daß die nationalsozialistische Regierung gewillt sei, auch diesen grundlegend bedeutsamen Programmpunkt zum Siege zu führen. : war die religiöse Tat eines Mannes, der in veranttungsvollem Amte "die Erfordernisse dieser Zeit versteht und entschlossen ist, ihnen Rechnung zu tragen. Denn dies ist not: die jüdischen Massen müssen wieder glauben lernen, daß die" ewigen Ideale des Judentums, trotz schmerzlichster Rückschläge, letztlich doch überall auf der Erde als im tiefsten Sinne des Wortes göttliche Gebote erkannt und befolgt werden. Nur mit diesem Glauben auch gewinnen wir die Zuversicht, daß wir in Deutschland wieder als freie und" glückliche Menschen werden leben dürfen, und diese Zuversicht allein vermag in uns den Willen zu wecken, für dieses Ziel in unwankbarer Beharrlichkeit zu' arbeiten. So zeigt sich auch hier wieder die Identität des Messianismus mit dem Emanzipationsstreben, die völlige Kongruenz von Religion und Realpolitik. Deshalb gilt auch für die geistliche Führung der Ruf, der für die weltliche Führung des Judentums so oft hjer erhoben wurde: nach Klarheit, nach Eindeutigkeit. Wir haben zahllose Kanzeln, von ihnen sprechen zahllose Persönlichkeiten, jede nach ihrer Individualität, jede nach ihrer „Weise“. Doch darf die verkündete Lehre nur eine einzige sein. Dies zu erreichen und, notfalls, zu erzwingen,- ist eine der obersten Aufgaben derer, die an den Spitzen unserer Gemeinden stehen. Wer es an der Durchführung dieser Aufgabe — sei es aus Mangel an Erkenntnis, sei es aus Schwäche — fehlen läßt, der verschüttet unsere Zukunft; wer sie'anpackt, der bereitet den schwer gefährdeten Existenzen *£amlll9n-'JlackticktaH 80. Geburtstag: Hamburg, Bundesstraße 35a. FrauR. Renner, geb. v. Halle. 31. 10. 1933. Statt jeder besonderen Anzeiget Rabbiner Dr. S. Levi und Frau Manjarete geh. Weinmnuu Frau Rosa Hirschmänn neu. Levi geben hierdurch die Verlobung ihrer Kinder Hilde und Erich M a i n z t im Oktober 1933 Hindenburgstr. 47;_ Adam-Karillon-Str. 64 Hilde Levi — Mainz Erich Hirschmänn — Jerusalem - Verlobte / r Meine Prall. bellnilet .Ich nach wie vor Berlin W IO, Pariser Str. 38-38. .Rstk-Ebeupsagsr Sprech.td.: 9-1. 3-7 Uhr. ' * * Oliv»55 87: J Dr. Wolfgang Michaelis Facharzt für Haut-, Haar-, Sexuall., Kosmetik . früher Marburger Str. 5 jetzt Augsburger Str. 28 Ecke Marburger Str. zahnärztlichen und Kieferstation des Rndolf- Virchow-Krankenhauns Berlin .(Leitender Arzt: Dr. M. Wassmund) habe Ich mich als Fachzaiinsrzon rar fflunfl- U. umirurgle niedergelassen. ■SJÄÜ5SH - P vi c fort 7 durch Erlernen von Kosmetik, L-AI&lClljC.hyg. Hand., Fuß- und Körperpflege. Aerztliche Ausbildung mit-Abschlußzeugnis im Institut Rego, Hobenzollerndamm 34, Regina Qingold, Staatsdlplom Berlin-Paris. Für Stellungslose 25»/o Ermäßigung. Musikabend in Karlsruhe. U a "dem starken Bedürfnis weiter Kreise unserer Glaubensgenossen nach ernsthaften und wertvollen kulturellen Darbietungen Genüge zu tun und zugleich den brachliegenden jüdischen Künstlern Verdienst zu schaffen, hat in dankenswerter Weise der Badische Oberrat der Israeliten eine Zweiggruppe des Kulturbundes deutscher Juden in das Leben zu rufen versucht. Die Anregung fiel auf fruchtbaren Boden und fand in der Gründung einer Konzertabteilung des Vereins für Jüdische Geschichte und Literatur seine Verwirklichung. Der Aufruf dieser Gruppe, deren Führung Herrn Dr. Richard Fuchs übertragen wurde, fand starken Widerhall, sodaß schon am Sonntag 15. X. in dem schönen Saar des Munz’schen Konservatoriums das erste Konzert stattfinden konnte. Dr. Richard Fuchs hat in selbstloser Weise die Leitung der Konzerte übernommen und wie eine langjährige geschulte Konzertdirektion unter großen Mühen und wohl auch . Widerständen die .Sache so glänzend aufgezogen und organisiert, daß das erste Konzert einen durchschlagenden Erfolg bedeutete. Er hatte zu einem Liederabend von Hermann Schey (Berlin) eingeladen. Der Sänger formte mit seiner schönen Bariton-Stimme und großer musikalischer Gestaltungskraft jedes einzelne Lied zu einem Kunstwerk, und einer gewaltigen . musikalischen Offenbarung. In der Arie aus dem Messias von Händel und einer Reihe von Schumann-Liedern konnte Herr Schey die Wirkung noch weiter steigern. Auch mit den biblischen Liedern von Dvorak, fand er großen Beifall, sodaß er sich zu mehreren Dreingaben entschließen mußte. -Nicht endenwollender Beifall bewies dem begnadeten Künstler, daß er das Pablikum mit seinen herrlichen Gaben ergriffen hatte. Wir hoffen, diesem Künstler wieder einmal hier begegneft zu können. , . ^Ein besonderes Lob ist noch der hervorragenden Klavierbegleitung durch Kapellmeister Curt Stern zu zollen, welcher nach einer kurzen Verständigungsprobe den meist sehr schwierigen Klavierp&rt mit virtuoser Technik, vorzüglichem Anschlag und hochmusikalischem Einfühlen in die. Absicht und Gestaltung des Sängers^am ^Flügel durchführte. Er^ durftejunen s Beifalls für sich in Anspruch nehmen. Kunstabende in Dresden. Dje von der Künstlerhilfe der hiesigen Israelitischen Religigionsgemeinde veranstalteten Kunstabende spielen sich immer besser ein, auch Abonnenten für die jedesmaligen Doppelabende werden in wachsender Zahl gewönnen. Nur müßten — und könnten — bei den niedrigen Preisen alle Kreise unserer Gemeinde teilnehmen; allerdings würden die zuit Verfügung stehenden Räume der Fratemitasloge dann noch weniger zulangen, als es besonders bei dem soeben abgehaltenen 3. Konzert der Fall war. Dank der intensiven Mithilfe jugendlicher Kräfte bei den äußeren Vorbereitungen war es glänzend besucht und, geldlich wie künstlerisch, ein ganz großer Erfolg. Den Hauptteil bestritt unser mit Freude begrüßter ausgezeichneter'heimischer Pianist Paul Aron, dem das Musikleben Dresdens besonders als Künder neuer- Musik viel verdankt. Stärker als bei Debussy und Castelnuovo- Tedesco (Tänze des Königs David) war man von seiner, bravourösen Wiedergabe klassischer Werke (Chopin, Mendelssohn, Liszt) mit Recht entzückt und dankte dem Künstler, dessen hervorragendes Talent cs verdient, überall Anerkennung zu finden, mit vielen Hervorrufen aufs herzlichste. Eine sich gut einfügende Abwechslung waren im Mittelteil Brahmslieder,.gesungen von der Berliner Altistin Agnes Lenbach. Auch sie eine mit wirklicher Gesangskultur aufwartende Könnerin, die schon nach den ersten Tönen die ihr zumeist fremde Hörerschaft derart in ihrem Bann hatte, daß man allgemein hofft, ihr hier bald wieder zu begegnen. Das oalladeske Lied „Ruft die Mutter“ und der wuchtige „Schmied“ als Abschluß «raren wohl die Höhepunkte ihrer untadeligen, auf Musikalität und glänzend geschultes Material gestellten Leistung. - vr. R. E. lüannljeinier Werbekonzert in ber Synagoge. Der hiesige jüdische Gesangverein „Liederkranz“, der von je künstlerisch führend war, hat nun im Verein mit der Gemeinde die Initiative ergriffen, den hiesigen Glaubensgenossen durch Darbietungen der Kunst über die Schwere der Zeit hinwegzuhelfen. "Gleich das erste, von der Gemeinde und ihm in der voll besetzten Hauptsynagoge, in Form einer Musikalischen Abendfeier veranstaltete Werbekonzert, das im ersten Teil liturgische Gesänge, im zweiten deutsche aus Händels „Samson“ unter der zieloewußten Führung von Kapellmeister Sinzhcimer brachte, war ein voller Erfolg. Um ihn machten sich solistisch Kantor Adler mit seinem kulturvollen Tenor, die. pastose Altistin Selma Weil-und die Sopranistin Gisela Liebermensch neben dem klanglich wie dynamisch gleich vollwertigen gemischten Chor des „Liederkranzes“ und Josef Levi (Orgel) verdient. Ebenso richtungweisend wie mitreißend die im Zentrum des Abends stehende Ansprache von Rabbiner Dr. O r ü - n c \y a I d. — Der Besuch war derart stark, daß die Veranstaltung am nächsten Abend wiederholt werden mußte. " Breslauer Unfertjaltungsabenb. Der von -Hans Baron arrangierte „U n t e r h a 11 u n g sabend mit jüdischen Künstlern“ brachte Untertiteln Titel „Wort und Ton“ gesprochene und gesungene Vorträge. Zwei Erscheinungsformen unterschieden ihn vom Normalzustand: Das Publikum saß an Tischen bei Tee und Gebäck, und der Saal war so dicht besetzt, daß eine Wiederholung der Halbierungen angesetzt werden konnte. Gegen die Länge und.Breite mancher Einzelheiten muß der Wirkungsgrundsatz „Kürze ist des Witzes Würze“ als Heilmittel angeführt, werden, besonders gegen die Ausdehnung der nett gereimten Ansager- Strophen von G. Brienitzer, der „Stnndbcrgpartie“ mit Frau Schwarz-Rosen bau m als rhetorisch und mimisch sehr gut begabter Bergführerin und einiger Programm-Exkursionen, die der anspruchsvolle Beurteiler als Talpartien be. zeichnen könnte. Die reifste Leistung war der Vortrag der Jakob Wassermannschen „Matkowsky-Anekdote“, die Siegfried Bruck, der „Nestor der Breslauer Schauspieler“, mit ausgezeichneter Sprachgestaltung und Situations-Tragikomik wiedergab. Am Gelingen des behaglichen Abends waren ferner die Damen H e n n i g und A I b a c h und die Herren S a 1 z m a n n, W. Markus, Schönwald und G. Pulvermacher mit Wort und Ton beteiligt. — Dr. P. R.