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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-10-27 · 20 (27.10.1933) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
20 (27.10.1933)
Date
1933-10-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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genommen und selbst beschafft wurde um 3»» herabgesetzt werden kann. Der Kredit ist vom Darlehnsnehmer in bestimmten Zeiträumen zumeist im Verlaufe eines Jahres zurückzuzahlen. ' ' In den Gemeinden, in denen keine Darlehnskassen bestehen, können Darlelmsanträge an die örtlichen Stellen für Wirtschaftshilfe zur Bearbeitung, oder wenn auch diese nicht vorhanden sind, an die jüdischen Gemeinden zur Weiterleitung eingereicht werden. In der Hauptsache haben kleine Handwerker und Gewerbetreibende sowie Personen, die sich durch ein kleines Handelsgeschäft ernähren wollen, die Kassen in Anspruch .genommen. Wenn auch an die Darlehnsentnahme unter den heutigen Verhältnissen nur in den seltensten Fällen grolle Erwartungen geknüpft werden können, so wird durch sie doch ein Abgleiten der Darlehnsnehmer in die Wohlfahrtspflege verhindert und ihnen .zumindest eine Existenz auf schmaler Basis ermöglicht. Sie können mit den durch das Darlehen eröffneten Möglichkeiten ihren: Unterhalt verdienen. Damit ist zunächst der Zweck der Darlehn diingabe erreicht. " So bestehen wenigstens für kleine Existenzen und für solche, die sicli in bescheidenem Umfange eine Erwerbsquelle aufbauet: wollen, heute schon Möglichkeiten erleichterter Finanzierung ihrer Arbeit. Die kommende. Zeit wird aber eine ganz andere jüdische Wirtschaftsschicht,' die seither nur in schlimmster Not an die Darlehnskassen herantrat, m den Wirkungskreis dieser Institute hineinführen, nämlich den an sich noch lebensfähigen jüdischen Mittelstand. Der Wirtschaft«-' beauftragte des Herrn Reichskanzlers, Keppler, ha! soeben in programmatischen Äullerungen die Neugestaltung des Handels verkündet. Die aus der Kapitalkonzentration im letzten Jahrzehnt entstandenen auonvmen Riesengebilde in der deutschen Verteiluugswirtschaft, die insbesondere den jüdischen gewerblichen Mittelstand an seinem Lebensnerv schwer trafen, sollen ■ allmählich abgebaut und zur Auflösung gebracht werden. Die verantwortliche Persönlichkeit tritt in der Verteilung wieder die Herrschaft an. Das ist das Fernziel. Und cs bedeutet, daß hier der Weg frei wird für die zielbewullte Ausgestaltung von Kleinstbetrieben zu Unternehmungen, die einer größeren Zahl von Menschen Arbeit und Brot geben. Die Sperre gegen Errichtung von neuen Einzelhandelsbetrieben, die jetzt wieder bis zum 1. Januar 1034 verlängert worden ist, gestattet nur den Ausbau bestehender* Betriebe: Dadurch wird einem ungesunden Überhandnehmen des Dranges nach einem „Raschwiederselbständigwerden“ Einhalt geboten. Die bestehenden Betriebe benötigen dann aber größere . Darlehen, als sie jetzt von den Kassen gegeben werden und gegeben werden können. Ob die Darlehnskassen in ihrem, heutigen Charakter einer derartigen, ganz nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten und ohne Rücksicht auf das charitative Moment zu leistenden Finanzierung des mittelständischen Kapitalsuchers gewachsen - sein werden, das wird vom Aufbau der einzelnen Kassen selbst abhängen. Unter den jetzt noch gegebenen Umständen leisten sie zur wirtschaftlichen Erhaltung kleiner und kleinster Existenzen erspiießliche Arbeit. Für die mittelständischen. Kreditsuchenden aber, die bereits jetzt in reicher Zahl vorhanden sind oder in nicht allzu ferner Zeit auftauchen werden, dürfte eine große, vom Geist gemeinschaftlicher Arbeit getragene Organisation wirtschaftlicher Selbsthilfe notwendig werden. Der „Reichsverband des jüdischen Mittelstandes" plant hach Vollendung der ersten Aufbauarbeiten die Schaffung eines starken, konstruktiv wirkenden Kreditmstrumentes, das alle Berufe und Gewerbe des jüdischen Mittelstandes im ganzen Reich zu wirksamer Selbsthilfe für die Gesundung und Erstarkung der breiten Massen vereinigen soll und damit derjenigen Schicht ein" neues und ‘ gefestigtes Fundament geben wird, die der wirtschaftliche und kulturelle Träger der deutschen Jüdenheil auch in Zukunft sein wird. Gemeindebrief aus Chemnitz. Die erste Sitzung der Gemeindeverordneten seit einem I lalbjalir brachte mehrere wichtige Neuerungen. Zum ersten Male war die Öffentlichkeit zugelasscn, was früher aus Platzmangel unmöglich war, jetzt aber in den neuen Gemcindcräumen sogleich eingeführt wurde. Anstelle des nach Palästina verzogenen Verordneteil Herrn Dr. Sichel war Herr Rudolf Weißkopf (orthodoxer Zionist) eiiibernfen worden; er wurde in den Vorstand delegiert. Damit sind zwei langjährige Wünsche der jüdischen Volkspartei erfüllt; und es ist, wie der Vorsitzende der Verijrdneteu, Herr R.-Anw. Dr. Lappe, zum Ausdruck brachte,' zu hoffen, daß jetzt, eine friedlichere Periode in unsererGemeinde beginnt. — Der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Joseph Kah l, berichtete dann über die Gemeindegeschehnisse der letzten Zeit. Essind über 15;!» der Gemeinde ausgewandert; ein großer Teil mußte mit namhaften Beihilfen unterstützt werden. Die Steuern wurden hauptsächlich von etwa 2D“ä der Geineiiideinitglieder aufgebracht. ])jt. Wohlfahrtsvereine haben ihre Fonds der Wohlfahrtszentrale ir Verfügung gestellt, au deren Spitze der Vorsitzende seihst ld der Rabbiner stehen. Für Berufsumschichtung u. dgl. arbeitet der „Sozial-Aussehull". Die meisten Arbeiten werden ehienamilich erledigt. Doch mußte mit dem außerordentlichen Anwachsen der gesamten Wohlfahrtsarbeiten eine besondere Kraft neu eingestellt werden. Eine große Regsamkeit herrscht: junge Leute werden in den verschiedensten Fächern ausgebildet; Sprachkurse werden z. T. von licineindeheamtcn gehalten, eine Oärtnerei und ferner Kochkurse in Verbindung mit einer Gciueindekiiche wird vom Frauenbund jetzt geschaffen. Die Gemeinde wirkt überall mit, teils durch Bereitstellung .ihrer eu Räume und ihrer Beamten, teils durch Beihilfen aus den 1 Vorsitzenden verwalteten Geldern. Sie hat außerdem n Lesesaal neu geschaffen, die Bibliothek ne lind eröffnet und der Jugend neue Müglichke Räumen gegeben. - - Schließlich. wurde in de: „Jüdischer Kultur-Ausschuß" gegründet, 1 - Ausschüssen in Leipzi u eingerichtet- _ ml ähnlichen und Dresden Zusammenarbeiten soll. Auflösung des jüdischen Sportklubs „Hagibor“ in Hamburg. Auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat wurden im Gesamtgebict der eil Stadt Hamburg 5S Sportvereine, darunter der Jüdische Sportklub „Hagibor" behördlich aufgelöst. Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Sportvereine. Südwestdeutschlands. ln Frankfurt a. M. wurde vor kurzem eine „Arbeilsgemeiiischaft_dcr jüdischen Sportvereine Siidwrstdenlschlauds" is Leben gerufen, die den Zweck haben soll, eine Spiclrlliule für die Vereine durchzutiihrru. die gemeinsamen Interessen bei den Behörden zu vertreten und Ordnung und Disziplin hei den Spielern zu wahren und zu gewährleisten. Die Aiheits-' geuieinschaft versucht, Gegensätzlichkeiten zwischen den einzelner Vereinen, die früher den Sport- und Spielbetrieh ungemein erschwerten, zu beseitigen lind die Vereine einander aiizunähern. Durch Abhaltung«-von Schiedsrichtermul l.elirkurseu will sie den Vereinen Männer zuführen, die durch Vorbild und Verbreitung ihrer Kenntnisse die Jugend zu anständigen und fairen Sportlern heraubildeii. Unruhen an' der Warschauer Universität. . . An der Warschauer Universität ist es z'n antisemitischen Unruhen gekommen., tme Gruppe voll Studenten besetzte' das Eiugaugstor der Universität und attackierte jtrdische Studenten, die das llochschulgcbüude betreten wollten. Als Polizei hei aunahte, ergriffen die antisemitischen Studenten die Flucht. In einem Hiirsaal der philosophischen Fakultät wollten christliche Hörer die jüdischen Studenten zwingen, auf -abgesonderten. Bänken Platz zu nehmen. Es kaut zu einer Schlägerei, die sich bis. auf den Hof des Uuiversitätsgehüudcs fortselzte. Einer der antisemitischen Raufbolde wurde dabei betroffen, wie er mit einem Stuhlbein auf jüdische =Hörer cinschlug. Bei seiner Verhaftung stellte es sich heraus, daß er gar nicht Hörer der Universität, sondern Schüler einer - Handwerker schule war. Der Verhaftete wurde -dein Gericht übergehen. __ Kreditverein für Handel und Gewerbe. Am 20. Oktober J fand die ^iit besmhle General- Versammlung des Kreditvereins für Handel um) Gewerbe e. ( j. in. b.'l I., Berlin N 21, Oranienburger Stralle 2, mter dem Vorsitz des ilerru Willi,7m statt, ln der Ansspiaehe wurde vom Vorstand berichtet, dull das Geschäftsjahr 1'HT sich sehr i;ut aulabt um! dalt mit einer l imsat/stei}*ernn^ von mindestens 5<K, gerechnet werden kann. Verschiedene Mitglieder sprachen dem Vorstand und Aufsielitsrat ihren Hank tiir die erfolgreiche Mitarbeit an der I rhalhmg tim! am Aidluu des jüdischen Mittelstandes aus. Die ausscheidcndcn Mitglieder des Aufsichtsrats wurdcii einstimmig wieilergewiildt. I Vereins-Nachrichtwn. Verein neue Synagoge, B religiösen (iebriuthe Im jüdischen Hause“. Sportnachrichten Btulm SiMiitgfim’iMMlutl. '-‘‘«Hl ir.1!» Uhi li.iixlti.iil II, Umzüge - Spedition - Pakettahrtdienst- Massiver Lagerspeicher.' Beratung kostenlos 5. simonowitz, sctiönebem, Elsenactief SlP. 5.8 Telefon: 0 1 4401, ni IUI. Kramarski, Mitglied des jüdischen Handwerkervereins Berlin W S7, Winterfeldtstr. 24. 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