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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-10-24 · 19 (24.10.1933) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
19 (24.10.1933)
Date
1933-10-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Stadt Berlin und der jüdische Friedhof Weißensee.. Ein Schweigen, das beunruhigt. Am ersten Oktober brachten verschiedene Berliner Tageszeitungen eine Notiz des Städtischen Nachrichtendienstes, . durch die die jüdischen Zeitungsleser und überhaupt die jüdische Öffentlichkeit stark beunruhigt wurde, weil die betreffende Meldung schwere Vorwürfe gegen die Berliner Jüdische Gemeinde enthielt; diese Beunruhigung ist inzwischen dadurch gewachsen, dall die Gemeinde es unterlassen hat, den öffentlich erhobenen Vorwürfen auch öffentlich entgegenzu- Es handelt sich um eine alte Angelegenheit; um die seit dem Jahre 1928 schwebende Erweiterung des Friedhofes Weißensee. Die Vorwürfe selbst zerfallen in zwei Teile. Es geht einmal darum, daß die Anlage neuer und darum auch die Erweiterung schon, bestehender Friedhöfe im Weichbilde der Stadt Groß-Berlin nicht statthaft ist, daß aber die Jüdiche Gemeinde trotzdem eine Erweiterung ihres Weißenseer Friedhofes anstrebt. Die Widerstände hiergegen wurden, wie weiter, unten ■dargelegt wird, bereits seit Jahren geltend gemacht; neu da-;"t die vom Städtischen Nachrichtendienst verbreit*“ l^ ■83;egeu l: iptung. daß die Berliner Jüdische Gemeinde ihr Ziel _ Umgehung zuständiger Stellen und unter Verschweigung gewisser Tatbestände, das heißt also mit nicht lauteren Mitteln, zu erreichen versucht habe. Was die Erweiterung als solche anlangt, so hat die „Jüdisch-liberale Zeitung“ bereits im. Jahre 1928 und seitdem zu wiederholten Malen zum Ausdruck gebracht, daß sie die Politik des Gemeindevorstandes, bzw. des verantwortlichen Friedhofsdezernenten im Gemeindevorstand, in diesem Punkte nicht gutzuheißen vermag. Gewiß, auch uns ist Weißensee, wo nun seit sechzig Jahren unsere Verstorbenen zur ewigen Ruhe gebettet werden, ein heiliger Ort, und gern würden wir es sehen, wenn unsere künftigen Toten in der Nähe ihrer Eltern und Voreltern den ewigen Schlaf finden könnten. Aber das Leben ist stärker als solche Wünsche. Seit 1874, dem Jahre der Eröffnung des Weißenseer Friedhofs, hat Berlin einen ungeahnten Aufschwung genommen, Weißensee allein hat öO 000 Einwohner, und den Notwendigkeiten, die sich aus solcher Entwicklung ergeben, muß jedes noch so edle Pietätsgefühl weichen. Bereits im Jahre 1901 ist eine Vereinbarung zwischen dem Berliner Polizeipräsidenten und den Vertretern sämtlicher Berliner Kirchengemeinden getroffen worden, neue Friedhofsanlagen innerhalb des städtischen Weichbildes nicht mehr zu errichten. Sowohl hygienische als auch verkehrslechnische Gründe, waren hierbei maßgebend. Bei dem Streit um die Erweiterung des jüdischen Friedhofes in Weißensee fallen besonders die verkehrstechnischen Gründe ins Gewicht, weil die geplante Erweiterung den von der Stadt in Aussicht genommenen und sehr notwendigen Durchbruch einer Hauptverkehrsstraße nach dem benachbarten Hohenschönhausen verhindern und zugleich die Verlegung der großen Ausfallstiaße Berlin-Stettin, die durch das Erweiterungsgelände führen soll, unmöglich machen.würde. Haben sich nun die in Weißensee bestehenden sieben oder acht christlichen Kirchengemeinden diesen Bestimmungen gefügt und ihre Friedhöfe weit draußen in Stahnsdorf oder in Ahrensfelde angelegt, so durfte' die jüdische Gemeinde unter keinen Umständen für sich eine Ausnahme verlangen. Weit eher wären Ausnahmen für die, christlichen Friedhöfe berechtigt gewesen, da diese, nach dreißig Jahren wieder eingeebneU werden, .wohingegen ' - - " “-•— angelegt .......... ___„-s jüdischen -- o den Bau der für die Berliner Gesamtbevölkerung vorübergehend, 'jfamiCiett-TlacfitictfiteH Vertreter-(innen) gesucht für leistungsfähige Bremer' Kaffee - Großrösterei I Carl Max Josephs, Bremen . Ueterant von Pt.mch-Kaltcc d.Tcc verlangen Sie ausdrücklich sondern ebenfalls „für ewige Zeiten“ behindern. Ein der-, igei Plan durfte deshalb von der Jüdischen Gemeinde gar ht erst erwogen werden, weil das Interesse Berlins auch : Interesse der Berliner Juden ist, und weil eine Verkennung dieser Intet essengemeinSainkeit vonseiten einer jüdischen Gemeinde obendrein noch dem Antisemitismus neues Material Alle diese- Zusammenhänge sind von den in Weißensee selber ansässigen Juden in vorbildlicher Weise bekannt worden; es haben in den Jahren 1929 und 1930 jüdische Versammlungen stattgefunden, die den oben gekennzeichneten Standpunkt in einstimmig gefaßten Resolutionen zum Ausdruck brachten. Rühmlich hervorzuheben ist, daß sogar die dortigen Grabsteinfabrikanten, für die die Fortverlegung des Friedhofes einem fernen Vororte nahezu die Vernichtung ihrer -xl bedeutet hätte, einmütig ihre eigenen Interessen hinter diejenigen der Gesamtheit zurückstellten. Es hat cl.imnls in der Weißenseer Zeitung (Berliner Nord-Ost-Zeitunj Erörterungen gegeben; keine einzige der Jüdischen Gemeinde gerichteten Polemike tische Note; alle Artikel gingen rein sacnucn nur von uen städtischen Verkehrsnotwendigkeiteu aus — und doch war alles ■ 'rgeblich; der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde haf ... f seinem Schein bestanden und setzte alles daran, das ihm gehörige Erweiterungsgelände, vorläufig als Laubengelände benutzt, nun auch als Friedhof einzurichten, anstatt sich damit abzi.tinden, daß irgendwann einmal ja doch das der Gemeinde ebenfalls gehörige Gelände in Buckow als Friedhof benutzt werden müsse. Es konnte nicht ausbleiben, daß nach dem politischen Umschwung dieses Jahres die Widerstände sich erheblich verstärkten, so daß der Gemeinde, die es versäumt hat, in guten Jahren freiwillig einzulenken, jetzt eine schwere Niederlage droht. Doch wäre es, so will uns scheinen, auch heute noch Zeit und könnte seine gute Wirkung tun, wenn die Gemeinde einen begangenen Fehler öffentlich eingestehen und der Tagespresse sowie den Behörden eine dahingehende Erklälng abgeben würde. Die Gemeindeverwaltung würde mit „ilcher Verzichterklärung nicht nur im Sinne der Berliner Allgemeinheit, sondern ebenso sehr im Sinne ihrer eigenen Mitglieder, 4er Masse der Berliner Juden handeln, da diese bestimmt nicht wünschen, daß das Vorgehen der jüdischen Gemeindebürokratie uns, die Gesamtheit der Juden, in Gegensatz bringt zur Berliner Gesamtbevölkerung. Den Erforlcrnissen der Allgemeinheit muß sich auch 'die Jüdische Gemeinde unterordnen —: das ist der wahre Wille der Berliner Juden. Ist es aber immerhin noch aus der menschlichen Psycht heraus begreiflich, daß die verantwortlichen Persönlichkeiter. der Gemeindeverwaltung sich zur Verzichterklärung nicht freiwillig entschließen können, so ist es auf der anderen Seite unverzeihlich, daß dem vom Städtischen Nachrichtendienst in formaler Beziehung erhobenen Vorwurf nicht seitens der Gemeinde offiziell entgegen getreten wurde. Würde es sich un irgendeinen allgemeinen antisemitischen Artikel handeln —: di Gemeinde kann unmöglich auf alles antworten, was gegen Juden und Judentum geschrieben wird. Hier aber hat die Städtische Nachrichtendienststelle ganz konkrete Vorwürfe ganz konkret gegen die Berliner Jüdische Gemeinde erhoben. Alle Berliner Juden haben das felsenfeste Vertrauen zum Gemeinde- -‘and,, daß er nichts Unstatthaftes getan hat, aber keiner ms versteht, weshalb die sicherlich ohne weiteres mögliche Aufklärung nicht erfolgt ist. Sollte etwa die Befürchtung bestehen, daß die Tageszeitungen eine ihnen von der Jüdischen Gemeinde zugehende Richtigstellung, doch nicht gebracht hätten, so mußte wenigstens die jüdische Presse zur Aufklärung ihrer Leserschaft, die ja mit den Gemeindemitgliedern identisch ist, das notwendige Material von der Gemeinde erhalten. Die Gemeinde hatsich durch ihr Schwaigen hier schwer an it Mitgliedern. versündigt -4 ' . Ein allgemeines Wort sei hinzugefügt. Solange re mäßige öffentliche Repräsentantenversammlungen stattfam ... war die jüdische Presse über alle Vorgänge in der Gemeinde informiert. Seitdem aber die Gemeinde ihre Geschäftsführung geändert und ein zu weitgehender Selbständigkeit ermächtigtes Direktorium eingesetzt hat, ist dies nicht mehr der Fall. Di« Gemeinde beraubt sich damit selbst ihrer für ihre Arbeit notwendigen Popularität. Jedes einzelne Gemeindemitgli jeder Berliner Jude müßte von der ungeheuren sozialen l_ sonstigen Arbeit erfahren, die von der Gemeinde in allen ihren Abteilungen geleistet wird, dann nur kann auch das von allen so heiß gewünschte Gemeinschaftsgefühl auch wirklich entstehen. Wir müssen es mit Betrübnis feststellen: die von uns aus Gründen unserer Weltanschauung nicht gerade sehr freundlich begrüßte neue „Reichsvertretung der deutschen Juden“ hält regelmäßige Pressekonferenzen mit den Vertretern der jüdischen Blätter ab; die uns gesinnungsmäßig viel näherstehende Berliner Gemeindeverwaltung dagegen hat es bislang nicht verstanden, mit uns und den übrigen jüdischen Blättern so zu arbeiten, wie es heute jede Verwaltungsstelle tun muß. Wir wollen hoffen, daß es nur dieser Anregung bedarf, um auch bei dei' Berliner Jüdischen Gemeinde die Einrichtung ei; regelmäßig zusammentretenden jüdischen Pressekonferenz j^^^^Vereins-NacHriditen^^^J Jugendgemeinschaft der Jüdischen Reformgemeinde. Jüdische. Optiker in Berlin zur Belieferung der Krankenkassen zugelassen. Im Juni dieses Jahres wurde «len Berliner'Optikerfirihcn. n Inhaber jüdischen Glaubens sind, durch «len Reichsmissar für den Verband der Krankenkassen mitgeteilt, dall Firmen als Lieferanten für Sehhilfen fiir die' angeschlosn Krankenkassen mit sofortiger Wirkung gesperrt worden _ Nunmehr hat der Kcichskommissar, nachdem ilie jüdischen Optiker den zuständigen Behörden dargelegt hatten, wir schwer sie durch diese Verfügung betroffen wurden, die c.— wieder aufgehoben. Die jüdischen Optiker hoffen,. ur Belieferung der Freien und Ersatzkrankenkassen, ler Wohlfahrtsempfänger der Stadt Berlin wieder zugelasseu zu werden. ™ Aaslands-Ctironlh Brüssel. (Derbelgisch-jüdische Philanthrop Baron Lambert gestorben.) In Brüssel verstarb im Alter von 42 Jahren der bekannte jüdische Philanthrop Baron Henri de Lambert. Baron de Lambert, der für jüdische und allgemeine Wohlfährtszwecke bedeutende Stiftungen'gemacht hat, betätigte sich intensiv im jüdischen öffentlichen Leben. Jahre hindurch stand er als Vizepräsident mit an der Spitze des Konsistoriums der belgischen Juden. Während des Weltkrieges, an dem er als Freiwilliger der belgischen Armee feilnahm, hat er sich wiederholt auf dem Schlachtfelde ausgezeichnet. Eine außerordentlich große Trauergemeinde gab dem Verstorbener, das letzte Geleite. In Vertretung des belgischen Königs war General Jolly erschienen; der belgische Oberrabbiner Dr. Wiener leitete die religiöse Zeremonie; unter den Trauergästen befanden sich Baron und Baronin James de Rothschild aus Paris, Prinz und Prinzessin Dietrichstein aus Wien und zahlreiche Vertreter der hohen Finanz- und Militärkreise. Bukarest. (Geburtenrückgang unter der jüdischen Bevölkerung Rumäniens.) Das „Demographische Bulletin für Rumänien“ veröffentlicht eine Statistik der Geburten und Todesfälle im Monat Juni 1933. Dieser offiziellen Statistik zufolge entfallen von den Geburten auf die jüdische Bevölkerung bloß 1,9»/«,' obwohl die Juden in Rumänien 7°/o der Gesamtbevölkerung ausmachen. Zwar ist auch die Sterblichkeit unter der jüdischen Bevölkerung ge- Istanbul. (Niedergang d Wesens in der Türkei.) Das Schulwesen der jüdischen Gemeinden in der Türkei befindet sich in andauerndem Niedergang, da immer mehr jüdische Schüler in die Regierungsschulen Übergehen, wo sie in entgegenkommendster Weise behandelt werden und im Gegensatz zu den jüdischen Schulen kein Schulgeld zu entrichten brauchen. Johannesburg. (Die Juden Süd s aut di _ ___j__ ____te n.) Herr Ochberg, der an der vor kurzem in Genf abgehaltenen Konferenz zur Vorbereitung eines jüdischen Weltkongresses teilgenommen hat, ersucht die Jüdische Telegraphen-Agentur, mitzuteilen, daß die in südafrikanischen Zeitungen erschienene Nachricht, er habe auf der Genfer Konferenz die südafrikanische Judenheit vertreten, den Tatsachen nicht entspricht. Herr Ochberg hat an den Beratungen, wie er dies seinerzeit, dem Vorsitzenden der Konferenz Ur. Stephan- S. Wise und dem Leiter des Kongreßbüros Dr. Nahum Goldmann über ausdrücklich betont hatte, bloß als Einzelper genommen. Warschau. (Amtliche Untersuchung ü a gegen- Axierparägraph in den Verbänden der Ingenieure und Architekten. Das Mitteilungsblatt des Vereins deutscher Ingenieure a des deutschen Verbandes technisch-wissenschaftlicher Verle berichtet, «laß auf der in Eisenach abgehalteneu Hauptrsammlung des VD1 beschlossen wurde, nur noch Arier als ichsdeutsche Vereinsmitglieder aufztmehineu. . Auf der Münchener Bundestagung des Biiiides Deutscher Architekten wurde ebenfalls der Arierparagraph eingeführt und dir Löschung der bisherigen jüdischen Mitglieder verfügt. “ Bezeichnung ..Architek*—■ “ .. düffeu r führen. i B.D.A.“ weiterhin Karst Karstadt und seine Jüdischen ' Lieferanten. i Eingang der Offerteuabteilung des Warenhauses unerwünscht.“ Die betroffenen Firmen u_ __ Zentraldircktion des Hauses Karstadt nach Berlin mit dem Hinweis, daß die Ausschaltung jüdischer Firmen gegen die __ Richtlinien des Reichswirtschaftsministeriums verstößt. Die ' Zentraldircktion veranlaßte die Entfernung jenes. Schildes. Ausbildung für Textil- und Bekleidungsindustrie. rfahren, ist der Besuch der Höheren Fachschule für Textil- und Bekleidungsindustrie fiir jüdische KauflcUte nicht mehr gestattet/ Im Interesse der fachlichen Ausbildung, insbesondere des kaufmännischen Nachwuchses, ist die Schaffung einer Arbeitsgemeinschaft geplant, die als Ausgleichhierfür die notwendige theoretische und praktische Grundlage vermitteln will. Für den Aufbau diesCT Gemeinschaft hüben sich bereits einige Fachleute zur Verfügung gestellt. Interessenten werden gebeten, sich unter Angabe ihrer Adresse und unter dem Rubrum „Textil-Gemeinschaft“ an die Redaktion dieses Blattes zu wenden. Zwei Seelsorger. Zahl de Po lei ge.wänderten Juden.) Die polnische Regierung hat eine amtliche Untersuchung betreffend die Zahl der in letzter Zeit aus Deutschland nach Polen eingewanderten Juden eingeleitet. Die-Ergebnisse .der Untersuchung sollen der unter den Auspizien des Völkerbundes vor kurzem geschaffenen Kommission, für Flüehtlingsfragen zugestellt werden. Die Erhebungen werden auf Grund von Fragebogen vorgenommen, die die t hat. Als Sohn des früh verstorbenen Rabbiners Dr. Aron Bacrwald in Saaz und mütterlicherseits alsJänkaj^lgfe^m^BH lauer Seminarrabbiners Dr. L: Lazarus, 'dessen älterer Bruder der berühmte Völkerpsychologe Moritz Lazarus war, als Neffe des allzu früh heimgegangenen Frankfurter Rabbiners Arnold Lazarns, ist Dr. Baerwalu Träger einer alt-ehrwürdigen Rabbinertradition. Nach Besuch des Gymnasiums in München, des jüdisch-theologischen Seminars in Breslau, wurde er 1910 zuerst zweiter Rabbiner in München unter dem ihm väterlich nahestehenden Prof. ür.-.Cosman Werner s. A., dessen Nachfolger er im Jahre 1918 wurde. In den Kriegsjahren war er Feldrabbincr im Westen; in den schweren Nachkriegsjahren entfaltete er dann in München eine umfangreiche Tätigkeit als Rabbiner, Seelsorger und Lehrer; auf dem Gebiete lies Wohlfahrts- und jüdischen Bildungswesens wirkte eran führender Stelle. Trotz angestrengster beruflicher Tätigkeit fand er apch noch zu wissenschaftlichen Arheiten Zeit und-Muße. Sein —‘-■--'ites, einfaches, zurückhaltendes Wesen, gepaart mit feinem und Menschenkenntnis, - andererseits seine mannhafte _ng in schwerer Zeit hat ihm die Zuneigung seiner großen Gemeinde erworben, die er nach außen hin in wahrhaft würdiger Weise zu vertreten verstand. Sein gastliches Haus ist eine Pflegestätte edler Geselligkeit. Auch im Kreise seiner Berufskollegen genießt der Jubilar hohes Ansehen, und als eines der führenden Mitglieder, der bayerischen Rabbinerkonferenz ist er bemüht, «las Ansehen seines Standes und die Ehre des deutschen Judentums zu fördern. Sein Rat und seine Hilfe werden in den großen jüdischen Organisationen, in .denen er tatkräftig mitarbeitet, seit Jahrzehnten in hohem Maße geschätzt. Zwar -hat der Jubilar mit Rücksicht auf die Zeit jede Feier sich verbeten, aber doch sollen ihm auch hier die herzlichsten Wünsche, für eine weitere segensreiche Tätigkeit ausgesprochen werden. Fast zur gleichen Zeit, am 2. November d. J., begehtauch der Rabbiner der Israelitischen Rcligionsgemeinde Mainz, Herr D'r. Sali L e v i, seinen 50. Geburtstag. Geboren in Walldorf (Baden), wurde er schon früh,, noch als Hörer des jüdischtheologischen Seminars, zweiter Rabbiner in Breslau.. Im Kriege' war er Feldrabbiner im Osten, und was er dort geleistet, was er vor allem kraft seines grollen organisatorischen Geschickes neben der Sorge für die jüdischen Kameraden seiner Armee im damals von den deutschen Armeen besetzten Gebiet für die dort wohnenden Glaubcnsbrüdcr art Einrichtungen geschaffen hjit, ist von den deutschen Militärbehörden in ehrender Weise anerkannt und noch heute nicht vergessen, worden. Nach Beendigung des Krieges wurde Dr. Levi als Nachfolger von Professor Dr.' Salfeld s. A. nach Mainz, berufen, und hier erst entfaltet«: sich sein ganzes Schaffen. Ob im Gotteshaus als Prediger,, ob als Lehrer in der'Schule, als Seelsorger in den Familien, als feinsinniger Redner in den verschiedensten Vereinen, als führendes Mitglied in dem großen Organisationen — überall wurde sein Wirken gebührend anerkannt. Das auf seine Anregung hin in Hessen begründete „Kulturwerk", das besonders die kleinen Gemeinden vor Verfall zu schützen berufen war, ist beispielgebend geworden für ähnliche Einrichtungen in anderen Teilen Deutschlands. Auch ' wissenschaftlich hat sich Dr. Levi bekannt gemacht, vor allem durch' seine Schrift; „Beiträge zur Geschichte der ältesten jüdischen Grabsteine in Mainz“. Unter seiner Leitung wurde unte- Mitwirkung der hervorragendsten Gelehrten aller Konfessionei; „Magenza“, ein Sammelheft über das jüdische Mainz, hcrausgegeben, und auf seine Anregung hin ein einzigartiges Werk von hoher kultureller Bedeutung geschaffen, der uralte Judenfriedhof als Denkmalfriedhof aut-dem „Judensand" in Mainz angelegt, der zu den interessantesten Stätten der altehrwürdigen' Gemeinde Mainz gehört. Seine zahlreichen Freunde in Mainz und im Reich werden seiner an diesem Tage in Dankbarkeit gedenken und dem um dasdeutsche Judentum hochverdienten Manne noch ein langes, segensreiches Wirken wünschen. ]

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