Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-10-10 · 15 (10.10.1933) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
15 (10.10.1933)
Date
1933-10-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2613366-2613479-2613496--4490-2616185
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

UMAH^ni i fc. < *y*n+*?'v selten gegen Atheisten, meist aber mit voller Wucht gegen Religiöse mit abweichender Anschauung richtete. Auf dem Gebiete, der politischen Weltanschauungen bieten die beiden marxistischen Parteien -das große Beispiel; kein Streit, den sie nach außen führten, war-in den letzten Jahrzehnten so heftig wie der zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten untereinander; keine noch so große Not-oder Gefahr, die . ihnen von außen her drohte, hat die oft versuchte Einigung zuwege gebracht. Das muß, ohne jede Parteinahme, festgestellt werden, will man die innerjüdische Situation verstehen und nicht in Illusionen fallen, die ' schließlich doch nur mit Enttäuschung und allergrößtem Unglück enden können. - Ejne derartige Illusion würde es sein, wenn man . glaubte, durch die formale Einsetzung einer Gesamtvertretung der deutschen Juden die innerjüdischen Gegensätze beschwichtigt und die allgemeine .Rettung gebracht zu haben. Einzelne Ertrinkende kann man ohne Ansehen von Partei und Weltanschauung retten, ist aber das ganze Schiff in Gefahr, so kann es nur durch Innehalten eines eindeutigen Kurses herausgesteuert werden; und der Mann auf der Kommandobrücke darf, sich nicht von Leuten mit anderer „Anschauung“ dreinreden lassen. Die deutschem Juden, zu Bürgern zweiten Grades und zu Angehörigen eines „Fremdvolkes“ gemacht, müssen mit allen Mitteln daraufhinarbeiten, als Deutsche, die sie sind, erkannt und wieder anerkannt zu werden. Da können sie es nicht 'zulassen, daß innerhalb ihrer eigenen leitenden Körperschaften Männer sitzen, die sich 'selber zur Theorie von .Wirtsvolk und Gastvolk bekennen und damit der deutschen Judenheit jede Aussicht auf Wiederherstellung nehmen. Gewiß, wir mußten endlich eine leitende Körperschaft haben, und als sie nach langwierigen Schwierigkeiten unter nicht immer erfreulichen Umständen zustandegebracht worden war, haben ihr' die Führer der großen jüdischen Organisationen das Vertrauen ausgesprochen. Was aber Sinn und Bedeutung dieser Vertrauenskundgebungen sind, das wird am besten klar aus einem grundsätzlichen Artikel, der in dem Organ des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten veröffentlicht wird, und in dem die Frage ob alle deutschen Juden wirklich nach dem gleichen Ziele streben,, mit einem -lauten und. vernehmlichen Nein beantwortet wird. „Wir sind für eine jüdische Einheitsfront im Helfen“, heißt es dort, „wir sind aber nicht für eine Selbstaufgabe im Geisti- - gen. Ohne den Juden, der sein Judentum anders leben will als wir, anzugreifen oder zu verdächtigen, wollen >vir die reinliche Scheidung im Geist. Das ist das .einzig Tragbare für beide Teile.“ Genau dies ist der Standpunkt; der auch in diesen Blättern stets vertreten wurde. - Wie wenig im Geistigen äußere Not die Gegensätze. Seilwinden macht, das zeigt gerade heute auch der Zionismus selbst. Es begeben sich in ihm Dinge, von denen allerdings in den in Deutschland erscheinenden zionistischen Blättern nichts zu lesen steht. Auf dem vergangenen Prager Zionistenkongreß haben die Linksparteien eine derartige Vorherrschaft etabliert und die Anträge der religiösen Gruppen, vor allem des Misrachi, mit derartiger Respektlosigkeit behandelt, daß der Misrachi sich nicht njir geweigert hat, in die zionistische Exekutive einzutr^ten, sondern jetzt auch seine Vertreter aus sämtlichen Kommissionen des Keren. Hajjessod zurückgezogen und eine Erklärung veröffentlicht hat,: die eine offene Kampfansage gegen die zionistische Exekutive ist, so daß vielfach bereits der Austritt des Misrachi aus der zionistischen Gesamtorganisation erwogen wird und einzelne Misrachisten bereits' in hellen- Haufen die zionistische Organisation verlassen. — Das alles sind gewiß innerzionistische Angelegenheiten, die uns wenig berühren, aber sie mögen zeigen, daß nicht nur wir es sind, die in Fragen der Weltanschauung Kompromisse ablehnen und wünschen, daß nach einem einheitlichen Gesichtspunkt gesteuert werde. Wir können nicht gleichzeitig deutsches und-jüdisches^Volk sein, können nicht glei¬ . Eine wahrhaft schöne Aufgabe. Von zwei Ausnahmen abgesehen, waren die jüdischen -Künstler der ganzen Welt mit ihren Leistungen in'das gesamte Kunstg’eschehen eingegliedert, ohne besondere Betonung auf ihr Judentum zu legen. Für die deutsch-jüdischen Künstler, hat sich dieser Zustand grundlegend verändert. Die jüngste Entwicklung führt sie auf einen ganz neuen Weg, der ihre Tätigkeit in Deutschland in einen bestimmten Rahmen verlegt. Die Gründung des jüdischen Kulturbundes in Berlin ist der erste praktische Lösungsversuch des deutsch-jüdischen Kulturproblems. Die behördliche Genehmigung des Bundes bringt eine Teillösung für die preußischen Juden, aber noch nicht für ganz Deutschland. Es ist aber mit Bestimmtheit anzuitehmen, daß die anderen Länderregierungen dem Beispiel Preußens auf Ansuchen folgen werden'. Also Kunst für Juden durch jüdische Künstler. . Diese Tatsache ergibt sich aus der Situation der jüdischen Künstler. Abgesehen von einzelnen Ausnahmen, die auf Grund des Beamtengesetzes in ihren Stellungen belassen wurden, ist die überwiegende Mehrzahl von ihnen beschäftigungslos geworden. Die Tätigkeit an staatlichen, städtischen Instituten oder am Radio war bisher auch das Fundament vieler unserer Künstler Und der notwendige finanzielle Rückhalt, um ihrem schönen, wenn auch schweren Beruf leben zu können. Vielfach ist von berufenen Stellen auf die Umschichtung von Künstlern verwiesen worden. Bei einer vollkommen einseitigen 'Begabung und Ausbildung und den besonders schwierigen Umständen hei der Berufsergreifung, die meistens erst gegen Widerstände besonderer Art durchgesetzt wird. Ist eine Berufsumschichtung viel schwerer und in den meisten Fällen aussichtslos. Sind erst die Hände durch handwerkliche Arbeit, und an diese ist doch bei der Berufsumschichtung zunächst gedacht, dem künstlerischen Mechanismus entwöhnt, so ist bei den auscherweise Deutschland und Palästina als Vaterland proklamieren,' und so fordern wir denn eine jüdische Gesamtvertretung, die eindeutig den Standpunkt all der Hunderttausende vertritt, die als Deutsche in Deutschland verbleiben müssen und wollen. Man wende nicht ein, in solcher Auffassung „stecke nichts Jüdisches“. Freilich leugnen wir nicht, daß das, was wir unter „jüdisch“ verstehen, etwasanderes ist als das, was auf der nationaljüdischen Gegenseite darunter verstanden wird. Wie Deutschland inmitten" von Europa liegt, so ist auch unser deutsches Kulturgefühl ein europäisches, und kein Zufall ist es, daß wir uns auf keine Weise in das ganz anders orientierte nationaljüdische Kulturgefühl einordneri lassen, zu Palästina keine anderen Beziehungen haben als auch der gläubige Christ zu dem Geburtslande seiner Religion. Es trifft durchaus nicht zu, daß wir, wie" neulich ein zionisierender Theologe schrieb, die Wanderung nach Palästina als „legitim“, alle anderen Wanderungen als „nichtlegitim“ empfinden. Unser Verbleiben in Deutschland gilt uns als legitim, und, würde man uns in der Tat das Verbleiben in Deutschland unmöglich machen, so stünden wohl den meisten von uns andere europäische Länder, wie geographisch so auch geistig, immer noch am nächsten. Das ist kein „Verrat“ am Judentum; im Gegenteil. Schon Anatole Leroy-Beaulieu hat in seinem 1893 erschienenen Werk „Israel unter den Nationen“ darauf hingewiesen, „daß alle großen Religionen weltbürgerlich sind. Das Vaterland ist notwendigerweise örtlich, die Religion soll international oder supernational sein. Ihre Sendung verlangt, daß sie ein Band zwischen den Völkern nicht minder als zwischen den Einzelnen sei, Dghtin ist „katholisch“ der schönste Name, den eine Kirche zu tragen vermag.“ Das Wort „katholisch“ bedeutet bekanntlich so viel wie „universell“, „allgemein“, was völlig mit der vom religiös-liberalen Judentum stets vertretenen Auffassung übereinkommt, und so ist in den Worten Leroy-Beaulieus in der Tat der geschichtliche und geistige Weg des Judentums aufgewiesen. Nicht durch Machtmittel^ sondern durch ihre geistige Sieghaftigkeit werden die ewigen Gedanken des Judentums sich durchsetzen, und dann werden auch die Juden wieder als aufrechte und freie Bürger leben.. Gerade weil wir an diese religiöse Idee glauben, gerade deshalb bleiben wir nationalpolitisch und kulturell das, was wir sind, und'mußten wir diesen Kampf-um Emanzipation und Messianismus von vorn beginnen, so ist uns das tiefster Schmerz und höchster Ansporn zugleich. Doch nur wer kein Jude ist nach dem Geiste, kann diesen Kampf für aussichtslos halten. Mag ein jeder für sich selbst die Entscheidung treffen; die bisher nicht verstanden, werden nun verstehen, warum ein Miteinandergehen so sich ausschließender Richtungen nicht möglich ist und warum wir fordern, daß die Männer, die an der Spitze der deutschen Judenheit stehen, einseitig den Weg beschreiten, an dessen Ende der Sieg der Idee und damit das Glückkünftiger Generationen liegt. Der östereichische Vizebundeskanzler gegen Antisemitismus und für Lösung der Judenfrage nach den Grundsätzen des Minderheitehrechts. In der Budapester Tageszeitung „Pesti Hirlap“ ist ein aufsehenerregendes Interview mit dem österreichischen Vizebundeskanzler Major Fey über die Judenfrage in Oesterreich und die Möglichkeiten ihrer Lösung erschienen. In diesem Interview erklärt der österreichische Vizekanzler, er sei weder theoretisch noch gefühlsmäßig Antisemit. Dennoch glaube er, daß auf Grund der allgemeinen Lage gewisse Maßnahmen gegen die Juden unvermeidlich sein würden. Indessen sei die Lösung des Judenproblems in Oesterreich nicht dringend, da viel wichtigere 'Fragen in diesem "Lande ihrer Lösung harren. Es werde jedoch später notwendig werden, an die Lösung der Judenfrage im Sinne der Anerkennung der Juden als nationale Minderheit heranzutreten, wobei die Regierung keinerlei Radauantisemitismus dulden werde. Daß die österreichische Heimwehr~eine gewaltsame Lösung der Judenfrage nicht wünsche, sei am besten daraus zu erselien, daß der 'Heimwehr angesehene -patriotisch gesinnte Juden angeboren. Die Wiener Zeitungen der verschiedensten Richtungen geübenden Musikern die, Laufbahn für immer beendet. Dabei ist noch gar nicht an die geistigen Voraussetzungen gedacht, die eine solche Umstellung erfordert. Von diesem Standpunkt könnten sich höchstens diejenigen ausnehmen, die ihren Beruf nicht aus innerem Müssen heraus, sondern ausschließlich als Erwerbsberuf ergriffen haben. Es gilt nun nicht, eine große Wohitätigkeitsaktion einzuleiten, um Unberufenen die Existenz zu erleichtern, sondern wirklichen Künstlern soll eine bescheidene Lebensbasis geschaffen werden. Es handelt sich bei der Schaffung dieser Basis .nicht nur um eine finanzielle Hilfe, sondern die Verurteilung zum Untätigseinmüssen ist unsagbare Not. Dieser seelischen Not soll und muß gesteuert werden. Es werden den jüdischen Künstlern nur wenig Gelegenheiten zu öffentlichem Wirken zur Verfügung stehen, und die für die Veranstaltungen verantwortlichen Stellen, mögen sie sich Kulturbund oder Kulturvereiri nennen, werden die Auswahl der Künstler und der Programme sehr streng treffen, wie es bereits aus den Ankündigungen des Kulturbundes ersichtlich ist. Deutsch-jüdische Künstler werden zum erstenmal quer durch Deutschland reisen und vor ihren Glaubensgenossen spielen. Wenn jetzt an die Juden der Ruf ergeht, unsere Veranstaltungen zu besuchen und der Besucherorganisation, die die Grundlage jeder künstlerischen Tätigkeit ist, beizutreten, so.wissen wir Künstler, daßdieser Ruf nicht umsonst ergehen wird. Bei verschiedenen Versuchen, in allen größeren Gemeinden. Kunstabende zu veranstalten, konnten trotz größter Not schöne Erfolge erzielt werden. Das gab uns die Ueberzeugung, daß unsere Tätigkeit dem Bedürfnis weiter Kreise des jüdischen kunstliebenden Publikums entsprang. Das Publikum war es, das spontan mit dieser vornehmen Künstlerhilfe an uns herantrat. Bald werden unsere Abende nicht mehr Künstlerhilfe-sein, sondern eine ständige Einrichtung im jüdischen Leben werden. Der jüdische Künstler ist Mittler einer jüdischen Kunstgemeinschaft. An dieser Idee mitarbeiten zu dürfen, das ist eine wahrhaft schöne Aufgabe. Walter Goldmann, Dresden. ben das Budapester Interview des Vizekanzlers Major Fey in sensationeller Aufmachung wieder-und stellen die Aeußerungen des Ministers als Bekenntnis zum Antisemitismus hin. Die vom Minister Fey angekündigte Regelung der Judenfrage wird dahin interpretiert, daß die Einführung des Numerus clausus für Juden auf allen Lebensgebieten geplant sei. Denn der Status der nationalen Minderheit bedeute praktisch nichts anderes als den Numerus clausus. Dieser Auslegung der Wiener Presse ist Bundesminisfer Fey sofort in einer Erklärung'entgegengetreten, in der eifeststellt, daß das Budapester Interview im „Pesti Hirlap“ unrichtig wiedergegeben war. Er habe in Budapest bloß erklärt, in Oesterreich gebe es keine Judenfrage; sollte sie jedoch auftauchen, dann würde sie nach den Grundsätzen des Minderheilenrcchtes durch Anerkennung der Juden als nationaler Minderheit mit allen einer solchen zukommenden Rechten gelöst werden. Alle übrigen ihm in den Mund gelegten Aeußerungen stellt der Minister entschieden in Abrede. Einwanderung, mittelloser Flüchtlinge nach Österreich gesperrt. Auf Grund einer Verfügung der österreichischen Behörde wurde in letzter Zfiit wiederholt jüdischen Personen aus Deutschland der Grenzübertritt nach Österreich verweigert. Das Bundeskanzleiamt hat auf eine Anfrage bestätigt, daß eine entsprechende Grenzverfügung erlassen wurde,- erklärt aber, daß sich diese Verfügung ausschließlich gegen Personen richte, dyen Dokumente nicht in Ordnung sind oder die mittellos sind. Der Zustrom existenzloser Elemente könnte für das arme Österreich eine schwere Belastung bedeuten. Gegenüber Emigranten, die eine gesicherte Existenzmöglichkeit naenweisen können, werde die Grenzsperre nicht gehandhäbt. „Der morgen.“ Durch die Presse ging kürzlich die Notiz, daß Frau Margarete Go 1 ds t ei n sich gezwungen gesehen habe, .die Redaktion des „Morgen“ niederzulegen, die sie seit dem Tode ihres Gatten, des Begründers der Zeitschrift, Prof. Dr. Julius Goldstein, innegehabt hat. In der Ankündigung des ersten ohne Mitwirkung von Frau Goldstein herausgegebenen Heftes heißt es, künftig „soll keine Richtung des Judentums ausgeschlossen sein“; . das heißt also, es tritt eine gründliche Kursänderung ein, denn bisher hatte der „Morgen“, der bekanntlich im „Philo-Verlag“ des Centrälvereins erscheint, eine eindeutig deutschjüdische Richtung, was ihm - im Verein mit seinem hohen Niveau überall in deutschjüdischen Kreisen Freunde eintrug. Es ist bemerkenswert, daß der Centralverein nun auch in dem ihm angegliederten Verlag die seit Jahrzehnten innegehaltene Linie verläßt. Verbot misdiblütiger Ehen auf dem Leipziger Juristentag gefordert. Auf dem Leipziger Juristentag hielt Oberregierungsrat Schraut am I. Oktober einen Vortrag über das Thema „Volk, Staat und Recht“ in dem er u. a. erklärte, das Verbot miscliblütiger Ehen sei eine dringliche Notwendigkeit. Solange ein Volk seine Rasse rein erhalte, werde die Grundeinstellung aller rechtlichen Betrachtungen unveränderlich sein. Regierungspräsident Dr. Nikolai behandelte das Thema „Rasse und Recht“, wobei er die richtige Abgrenzung der völkischen Einheit von anderen Völkern als eine der wichtigsten Aufgaben des Rassenschutzes bezeichnete. Aus diesem Grundgedanken heraus sei die Behandlung der Judenfrage in Deutschland zu verstehen. Verbot von Mischehen für-die im deutschen Arbeitsdienst Tätigen. Die Reichsleitung des Arbeitsdienstes hat in einem Rundschreiben zur Beachtung und Bekanntgabe darauf hingewiesen, daß nunmehr jeder Reichsbeamte, der eine Ehe eingehen will, nachzuweisen hat, daß die Person, mit der er die Ehe eingehen will, arischer Abstammung ist. Dieser Nachweis muß durch Vorlage von Urkunden geführt werden. Die Vorschrift, daß nur arische Ehen erlaubt sind, wird damit auf die im Arbeitsdienst Tätigen übernommen. Rektor der Frankfurter Universität beglückwünscht jüdischen Jubilar. Einer . der " größten Frankfurter Mäzene feierte dieser Tage seinen 70. Geburtstag. Otto Goldmann, der bei der Finanzierung aller großen Frankfurter Veranstaltungen in diesem Jahrhundert hervorragend beteiligt war, hat u. a. in uneigennütziger Sammeltätigkeit die Garantiefonds für das 11, Deutsche Turnfest und für die zu Anfang des Jahrhunderts in Frankfurt abgehaltene L Internationale Luftfährtsausstellurig (ILA) zusammengebracht; er ermöglichte die Gründung der Deutschen Luftschiffahrt-Aktiengesellschaft als erste Finanzierung der Zeppelin-Luftschiffahrt, war im Kriege bei der Herbeischaffung von Mitteln für die'Kriegsfürsorge und später für den wirtschaftlichen Wiederaufbau der Handwerksbetriebe, des Kleinhandels und des Kleingewerbes tätig. Seine Dokumentensammlung über die Frankfurter Veranstaltungen in den Jahren" 1906/1032 wurden als wertvoller Beitrag für die Stadtchronik dem Stadtarchiv überwiesen. Die Frankfurter Universität hat Goldmann vor Jahren wegen seiner großen Verdienste um die Gesellschaft für Krebsforschung, deren Förderer er heute noch ist, und um das Zustandekommen der Univeisitätsstiftung für gerichtliche Medizin zum Ehrenbürger ernannt. Unter den zahlreichen Glückwünschen, die bei dem Jubilar, der der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt a. M. als Mitglied angehört, eingingen, befand sich auch ein Telegramm des Rektors der Frankfurter Universität Professor Dr. Ernst Kriech- Das erste Auftauchen von Juden in Ungarn. 600 Jahre vor der Landnahme durch die Magyaren. ■ Bei Erdaushebungen im Garten des-Fürstprimäs in Gran wurde ein jüdischer Grabstein aus dem dritten- Jahrhundert n. Chr. gefunden. Fachgelehrte stellten fest, daß sich an der betreffenden Stelle des Gartens eine Beerdigungsstätte für jene Juden befand, die mit den Römern nach Pannonien, dem heutigen, Ungarn, gekommen waren. Es waren dies Nachkommen jener Juden, die Titus nach der Zerstörung Jerusalems als Gefangene nach Rom' brachte und die sich später auf die veischiedenen Kolonien des römischen Reiches verteilten. Wie die Ausgrabungen in Gran zeigen, gab es bereits 000 Jahre vor der Landnahme Ungarns durch die Magvaren in diesem Gebiete jüdische Niederlassungen. Der Arierparagraph im Patentanwaltsgesetz. Im Reichsgesetzblatt wird jetzt das Patentanwaltsgesetz vom 2S. September d. J. veröffentlicht. Das Gesetz enthält u. a. die Bestimmung, daß die Eintragung in die beim Reichspafentamt eingerichtete Liste der Patentanwälte Personen, die im Sinne der für Reichsbeamte geltenden entsprechenden Bestimmungen nichtarischer Abstammung sind, versagt werden kann. 'S

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.