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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-09-15 · 12 (15.9.1933) · page 9

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
12 (15.9.1933)
Date
1933-09-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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13. Jahrgang Nummer 12 JfiDiffHibetale deifung 2. Beilage 15. September 1933 Kongresse und Konferenzen. I. Prager Zionistenkongreß. Man wird zu unterscheiden haben zwischen einer generellen Kritik am Zionismus und einer speziellen Kritik am Zionistenkongreß. Es | ließe sich denken, daß 'ein prinzipieller Gegner des Zionismus den Kongreß als Einzelereignis zufriedenstellend und imposant findet; und es ließe sich umgekehrt denken, daß Anhänger des Zionismus mit dem Kongreß unzufrieden sind. Dieses letzte läßt sich nicht nur denken' sondern ist tatsächlich der Fall. Bekanntlich zerfällt die Zionistische Weltorganisation in eine größere Anzahl von Parteien, deren jede über Presseorgane verfügt, und es ist uns nicht . eine einzige zionistische Zeitung zu Gesicht gekommen, in der der Kongreß das findet, was man eine „gute Presse“ nennt Im Gegenteil: das Parteigezänk, vor allem die unerquickliche Auseinandersetzung mit Jabotinsky und seinen Revisionisten,, nicht weniger aber auch die Schwierigkeiten bei der Bildung der neuen zionistischen.Leitung, alles dies beherrschte'so sehr den Kongreß, daß auch die Zionisten selbst, nicht nur ihre Gegner, von dem Kongreß denkbar unbefriedigt blieben. Uns hier in Deutschland interessiert natürlich am meisten, was die in Deutschland erscheinende zionistische Presse zum Kongreß zu sagen hat. Es! muß der „Jüdischen Rundschau' nachgerühmt werden, daß Offenheit und Freimut nicht so weit, zu schreiben, „daß sie bei ihren Besprechungen mit : zurückgehalten hat Sie geht darin die wahren Kräfte der Bewegung nicht in diesen Sitzungszimmern und nicht in den mehr oder weniger guten Reden zu suchen sind, sondern dort im wirklichen Leben, wo der jüdische Bauer seinen Pflug über das Feld iührt und jüdische Jugend mit hebräischen Gesängen durch die Landschaft ihrer neugewonnenen Heimat zieht.“ Nun, wir glauben, Bauern und singende Jugendscharen kom-. .men überall auf der Erde | vor, und wir meinen daher, das wahre Wesen des Judentums müsse doch wohl in etwas anderem bestehen. Aber die Kritik am Kongreß und seinen überspitzten parlamentarischen Formen ist berechtigt; „die Gegner des Parlamentarismus.können sich kaum ein besseres Demonstrations-Objekt wünschen als den Zionistenkongreß“, schreibt das genannte Blatt, und wirj werden in einer unserer nächsten Nummern in 'einem gänzlich anderen Zusammenhänge noch einmal ausführlich auf alles! das zurückzukommen haben, was das zionistische Hauptorgän über die Prager Parlamentsspielerei zu sagen weiß. - ■ | '; Schon bei der letzten Besprechung des Kongresses (vgl. Nr. 12 der J.-l. Z. vom I. September) wurde die Frage aufgeworfen,^ welches denn nun aber die praktischen Aufgaben und Ergebnisse dieses Kongresses seien. Man kann erbitterter Gegner des Zionismus sein! und muß doch von der Tatsache ausgehen, daß in Palästina | lebendige Menschen, Juden, wohnen und immer noch weitere hinwandern, die leben wollen und sollen, Ihnen muß geholfen werden, und wenn wir auch der Ansicht sind, daß die | Palästinakolonisation weit besser dastehen und in den letzten dreißig Jahren weit mehr gefördert worden wäre, hätte man sie nicht mit der zionistischen Ideologie verknüpft und dadurch die Besten unter den Juden von der Mitarbeit abgestoßen — ein Gedanke, dem u. a. Eugen Fuchs oft genug Ausdruck.verliehen hat — wenn wir auch dieser Ansicht sind, so ist es doch heute unbestreitbar, daß vor allen anderen die zionistische Organisation das.. Mandat hat, den in Palästina lebenden und den nach Palästina wandernden Juden Existenzhilfe und Existenzsicherung zu schaffen. I ' Soweit es sich um dieses, und zwar, das sei mit allem Nachdruck gesagt, ausschließlich um dieses. Aufgabengebiet handelt, hätten wir von Herzen dem Zionistenkongreß Ergebnisse, und Erfolg gewünscht. Unser ehrliches Bemühen, dem Kongreß wenigstens auf dem Gebiete praktischer Hilfeleistung Anerkennung zollen zu können, ist aber getäuscht worden, und es scheint leider 'nichtj einmai möglich, aus dem Uebermaß der Referate, Diskussionsreden, Anträge und Resolutionen das herauszuschälen, worin!denn nun eigentlich die. Hauptaufgaben dieses Kongresses nach dem Willen seiner Einberufer liegen sollen. Immer wieder fühlt man sich zurückgeworfen in das unfruchtbare Gebiet der Politik oder des Parlamentarismus. Daß nach der Verfassung der zionistischen Weltorganisation alle zwei Jahre eine neue Leitung gewählt werden muß, ist-eine für Nichtzionisten und für Nichtjuden gleich uninteressante Angelegenheit. Ebenso alle mit dieser Leitungsbildung zusammenhängenden Schwierigkeiten. Aber schließlich: wie die neue Leitung, so wird auch die künftige Politik des Zionismus aussehen. Daraus erklären sich. die. Anklagen gegen die bisherige Leitung und gegen die englische Palästinaregierüng. Die Regierung sei zu araberfreundlich und sei ferner gegenüber dem neuen jüdischen Einwanderungsdrang zu wenig . entgegenkommend; die zionistische Leitung wiederum sei bisher England gegenüber zu nachgiebig und energielos gewesen. Dies ist der immer wiederkehrende Gleichklang aller Reden, die dann noch mehr oder weniger fundierte Vorschläge für die weitere Erschließung des Landes enthalten; aber praktische Ergebnisse sind das alles wahrlich nicht — leider nicht; das sagen wir trotz aller prinzipiellen Ablehnung des Zionismus. Erfreulich ist es, das schrieben wir bereits in den letzten Nummern, daß der Zionistenkongreß bei der Besprechung der deutschen Judenfrage sich jeder Einmischung in innerdeutsche Verhältnisse enthalten und sich größte Zurückhaltung auferlegt hat Weniger Verständnis | dagegen vermögen wir für diejenigen Resolutionen aufzubringen, die sich mit dem Kulturprogramm Und mit der sogenannten Frage der zionistischen Disziplin beschäftigen. Der Kulturreferent Lewinsohn verlangte u. a„ „daß die hebräische Sprache nicht nur in einzelnen Ländern und Bevölkerungsteilen in einem gewissen Prozentsatz herrsche, sondern daß die volle absolute Hebraisierung in Erez- Israel und in den Galuthländern (!) erzielt werde.“ In der vom.Kongreß beschlossenen Kulturresolution werden „alle zionistischen Institutionen verpflichtet, den Briefwechsel untereinander in hebräischer Sprache zu führen.“ In dem Beschluß betreffend Wahrung |der zionistischen Disziplin — ein Beschluß, der mit 152 gegen 13 Stimmen angenommen worden ist — heißt es u. a.: „Diel Zugehörigkeit von Personen und Bel EmstBoss W15, Meinekestr.25, Telefon J1 Bismarck 2850, kaufen Sie Ihr Geflügel täglich frisch md preiswert NeaerSffnungt 15* September Spezialgeschäft für feinstes Tafel« tu Mastgeflügel und Wild. Seit 1893 in der Zentral-Markth. Seit 50 Jahren! Das Kaufhaus für Ihren gesamten Bedarf! MAX GIESEN Moabit, Turmsfr. 42 Ecke Oldenburger Sfr. Körperschaften zur zionistischen Organisation selzt voraus, daß in allen zionistischen Fragen die Disziplinpfliclit gegenüber der Zionistischen Organisation vor der Disziplinpflicht gegenüber jeder anderen Organisation den Vorrang hat.“ f- Alle diese Beschlüsse deuten auf jeine zunehmende Radikalisierung, die nicht nur dem Zionismus, sondern dem Gesamtjudentum unabsehbaren Schaden zufügen muß; wir kommen auf diese Frage weiter unten -noch einmal zurück. — Dieser Radikalisierung gegenüber scheint es wenig bedeuten zu wollen, Üaß der maßvolle, vielen z u maßvolle bisherige Präsident Sokolow wieder-, gewählt und daß die i neue Exekutive ohne Vertreter der Revisionisten gebildet (worden ist. Weizmann, | der. obwohl zeitweilig in Prag anwesend, dem Kongreß ostentativ ferngeblieben ist, wurde zum Leiter der Aktion zur Ansiedlung deutscher Juden gewählt.' I II. Tagung der Jewlsb Agency. ( Anschließend an den Zionistenkougreß und teilweise noch während seiner Dauer! iand die Tagung der Jewislt Agency statt. Auch sie war im wesentlichen nur bedingt durch die formale. Notwendigkeit! einer Neuwahl der Exekutive. Die Unzufriedenheit mit der englischen Palästina-Politik hatte bereits auf. dem Zionistenkongreß dazu geführt, daß! die Zionisten eine mehr oder weniger scharfe. Zurückdrängung des nichtzionistischen Elements in der Agency verlangten, doch ist cs auf der Agency-Tagung gelungen, eine Spaltung *zu vermeiden und das Fifty-Fifty-Prinzip mit Hilfe gewisser! Kompromißlösungen aufrecht zu erhalten. Erwähnenswert ist die Erklärung des belgischen Agencymitgliedes Professor!Speyer, über die wir weiter unten berichten. Außerordentlich schwierig gestaltete sich die Aufstellung eines Etats für j die nächsten zwei Jahre. Das Budget wurde deshalb nur für] das jüdische Jahr 5694 aufgestellt und beläuft sicli im ganzen auf 175 000 Pfund Sterling. I III. „Jüdische Weltkonferenz“ In Genf. Am 5. September ist in Genf eine Jüdische Weltkonferenz von Rabbi Stephen S. Wise eröffnet worden. Es handelt sich um die gleichen Bemühungen, von denen schon im vorigen Jahre an dieser Stelle Idie Rede war; die Konferenz soll die Schaffung eines „Jüdischen Weltkongresses“ vorbereiten. Es scheint, daß diese Bemühungen nicht allzu viel {Aufmerksamkeit verdienen. Bei der Genfer Tagung waren ganze hundert Delegierte anwesend. Beweis genug, wie wenig man von einer jüdischen „Welt“-Konferenz sprechen darf. Rabbi Wise hatte sich bereits auf dem Prager Zionistenkongreß dadurch unmöglich gemacht, daß er für die palästinensische Wirtschaftspolitik Forderungen aufstellte, die in seinem Heimatlande Amerika zu vertreten, er sich schwer hüten würde. Rabbi Wise hat weder im amerikanischen Reformjudentum oder sonst innerhalb der religiös-liberalen Bewegung, noch auch unter den Zionisten aller Länder einen irgendwie nennenswerten Anhang, und es kann ohne jede persönliche Animosität gesagt j werden, daß von ihm inaugurierte jüdische Bewegungen vom vornherein zum Mißerfolg bestimmt sind, so daß auch der jetzigen Genfer Konferenz keinerlei Bedeutung zukommt. Bedauerlich ist nur, daß Rabbi Wise es versteht, sich glänzend in Szene zu-setzen und dadurch die nichtiüdische Allgemeinheit über die Bedeutung seiner Aktionen irrezuführen. Mit dieser Bemerkung aber schneiden wir eine Frage an, die von grundsätzlicher Bedeutung ist. | IV. Ein abschließendes und grundsätzliches Wort. Immer wieder meinen allzu weichherzige (Naturen, man solle den Zionismus gewähren lassen, weil er doch zweifellos für viele Juden praktische Hilfsarbeit leistet Die so meinen, übersehen seine großen Gefahren. Es ist nich( richtig, daß der Antisemitismus unabhängig von der jeweilige^ Haltung der Juden besteht sondern gerade die jetzt abgehaltenen Kongresse beweisen, wie ] sehr die zionistische Ideologie dazu führt, .daß man in Deutschland und aller Welt in den Juden ein „Volk“ sieht, was { dann weiter zur Folge hat. daß die Juden in ihren jetzigen! Wohnländern, die in 'Wirklichkeit ihre Heimatländer sind, als Fremde betrachtet und behandelt werden. Deshalb mußte in der vorigen und in dieser Nummer unseres Blattes der Erklärung Lord Melchetts mit!aller Energie entgegqngetreten werden, in der dieser — im Einklänge mit* den auf dem Kongreß gehaltenen Reden — gesägt hatte, die planmäßige Uebersiedlung der jüdischen Jugend | Deutschlands nach Palästina sei die „einzige“ Lösung der Judenfrage. Welches Unheil derartige Erklärungen und damit der Zionismus als solcher anrichtet, geht u. a. auch aus einem Artikel des ..Popolo d'Italia“ hervor, in dem es heißt: „Die Ablehnung des (deutschfeindlichen Boykotts kann die Frage -der freiwilligen Auswanderung der Juden aus Deutschland hach Palästina erleichtern. Die Reichsregiening sollte d esen Israeliten gestatten, wenigstens einen Teil ihres Kapitals mitzunefimcn. Für die Judciltrage gibt es nur eine Lösung: den jüdischen Staat in Palästina. In den Erklärungen vor] Prag ist klar verkündet worden: das Judentum ist keine Religion, sondern ein Volk. Diese Frage drängt immer mehr nach, einer vollständigen und endgültigen Lüsung." Es braucht nicht erst gesagt zu werden, was es bedeutet, einer derartigen Auffassung in dem offiziellen Organ Mussolinis zu begegnen, und es ist ihr alles das entgegenzuhalten, was je- Ife .FA^YILIEXS CHIITZ, Erste jüdische Familienversicherung auf gemeinnütziger Grundlage Empfohlen durch:; | - Den Rat des Preußischen. Landesverbandes Den Raf des Bayrischen Landesverbandes Den Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin j I ’ Den Jüdischen Frauenbund j Den Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten USW., ÜSW.r USW. träge, Leistungen, günstige Bedingungen Verlangen Sie unser Angebotl FAMILIENSCHUTZ GBffl«iimflfflMr Y«r«fn für HUttmrblMMMinfünorq* .idar ]--*■Ä-- dar Mitglieder Jüdfsdiar Gemeinden a. V. Berlin WI.Taubenstra^e 35 Telefon: A 2 Flora 4417/18 j mal» über das wahre Wesen des Judentums als einer Religion und über die geschichtliche Auigabc der Juden, das ist die Emanzipation, gesagt worden ist. Aber .man sieht, hier die verhängnisvollen Folgen des Zionismus und die Notwendigkeit, ihm um des Judentums willen mit allen Mitteln entgegenzutreten. damit die Welt das erfährt, worüber’ der „Popolo d'Italia** nicht im Klaren zu sein scheint, daß der Zionistenkongreß nur eine geringe Minderheit der Juden aller Länder vertritt und nicht berechtigt ist, sich als Repräsentant der jüdischen Gesamtheit aiiszugehen. lieber das, was das Judentum seine m Wesen nach ist. ist nicht in Prag entschieden worden, sondern aut dem Berge Sinai. Und was der praktische Wille der Juden isL davon hörte mau eine Andeutung in der Generaldebatte der Agency-Tagung. in der Professor Speyer, der belgische Vertreter, folgendes erklärte: . „In dem LtescliiuU des jCinnihtcnkoiiKresses über die deutsche Lage heißt cs, daß der Zionismus und der Aufbau der jüdischen Heimstätte die einzige Losung der Judcnfrnge sei. Ich will diese Resolution nicht kritisieren, aber meiner Meinung, nach ist die jüdische Heimstätte nicht die einzige Lösung -- sie ist nur eine Lösung.. Es gibt noch eine andere, gleichzeitige Lösung, die man vielleicht Assimilation nennt und die darin besteht, daü die Juden vollständige politische, soziale und wirtschaftliche Ereiheil ge* nicUeii in den Ländern, in dciieu die Juden de jure und de facto vollständige Gleichberechtigung haben. Cs gibt eben zwei gleichzeitige Lösungen der Judenfrage. Es wäre ein Kehler, ,7.1t. konstatieren, daü die Jüdische .nationale Heimstätte die einzige Lösung ist. Wir müssen daran denken, dall ja auch in der Halfonr-Dcklaration steht. daß die Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte die Stellung der Juden in den verschiedenen Ländern nicht tangieren darf.“ •* Unsere Leser wissen, daß wir die von Professor Speyer erwähnte Emanzipation der-Juden in allen ihren Heimatländern als die einzige Lösung der Judenfrage anseheu, aber es ist immerhin erfreulich, daß auf der Agency-Tagung selbst derjenigen Auiiussiuii; widersprochen wurde, die der Zionismus vertritt und die sich der „Popolo d'Italia" zu eigen gemacht hat, die aber nach unserer Ueberzeuguug und. nach den Erfahrungen der letzten Monate die^ Juden ins Unglück stürzt. Die jüdische Gemeinschaft wird nuc leben, wenn sie gemäß dem wahren Wesen des Judentums als eine Bekenntnisgetneinscliaft in die Völker der Erde eingeht — das ist ihre ewige 'Bestimmung, deren Erfüllung zwar aufgehalten und hiiiausgezögert. aber nicht verhindert werden kann. Der Reichsjugendführer über die deutschjüdische Jugend. Die lutcli der politischen Umwälzung erfolgte Gleichschaltung des Jugendvereinswesens in Deutschland hatte eine Zeitlang die Stellung und Existenz der IUdischen Jugendbewegung außerordentlich problematisch erscheinen lassen. Es scheint nun erfreulicherweise zu einer Klärung im positiven Sinne gekommen zu sein. Die Nummer 8. der Zeitschrift „Das Junge Deutschland“ — bekanntlich das amtliche Mitteilungsblatt des Jugendführcrs des Deutschen Reiches — bringt einen „E i n I gung — die Forderung d e s Ta ge.V tlberschriebenen Artikel von Walter F r i sz c w s k y . dem Sachbearbeiter der Abteilung „Verbände“; in diesem Aulsatz beißt es: „Den jüdischen Jugendverbäitdeti muß nachgesagt werden, daß sie sieb einer besonders genauen und sauberen Meldung befleißigt haben, und nmn geilt wohl nicht fehl in der Annahme, wenn man dieses Bemühen darauf zürUckführt. auf jeden Fall eine Unterlassungssünde auszuschalten, die vielleicht einen Ausfall hätte zur, Folge haben können. Noch weisen die jüdisohen Jugendverbände mit ihren verschiedenen Richtungen eine äußerste Zersplitterung auf, aber tu allernächster Zeit schon soll auch hier eine alle Verbände und Gruppen umfassende Dachorganisation geschaffen werden;“ Schafft Jugendunierkünfte! Ein zeitgemäßer -Aufruf. Deutsche Juden!" In dieser Notzeit braucht die jüdische Jugend dringender denn ie Erholungszeiten für den Körper und die Seele. Dreiviertel der deutschen Juden sind Großstädter. Drei von vier jüdischen Jugendlichen sind auf größere Wanderungen angewieseu. um in der Landschaft einen inneren Ausgleich für den zermürbenden Druck der Woche zu finden. Diese Möglichkeit ist durch den Ausschluß der jüdischen Jugend vom Jugcndherltergswerk schwer gefährdet. In der heutigen wirtschaftlichen Notlage verschwindet mit . dem Wegfall der Herbergsmöglichkeit auch die Möglichkeit zu größeren Wanderungen selbst. Die jüdische Jugend ruft alle deutschen Juden auf.. hier zu hellen! Diese Not kamt für das ganze deutsche Judentum fruchtbar gemacht werden. In jeder Stadt, jedem Dorf, in denen Juden wohnen, muß eine Uehernachtungsmöglichkeit für durchwandernde jüdische Jugend geschaffen werden! Pritschen und Stroh für ein paar Lager müssen überall zu finden sein! Leerstehende Häuser von Juden, nichtheuutzte Gemcinderüumc müssen zur Verfügung gestellt werden! Aus dieser Einrichtung kann viel Gutes für die.deutsche Judenheit entstehen. Wir ' haben uns auscinandergcleht, Berlin und Provinz, Groüstadt und Kleinstadt. Stadt und Land. Der äußere Druck muß uns auch innerlich, wieder zttsammenführen. Wanderungen und Herbergswerk können eine Quelle der Verbindung und Verständigung zwischen allen Teilen der deutschen Judenheit werden:' Der Rcicltsausschuß der jüdischen Jugendverbände ruft namens der organisierten jüdischen 'Jugend alle deutschen Juden, insbesondere die ganze jüdische Jugend zur Hilfe und Mitarbeit auf. Zuschriften sind an seine Adresse nach Berlin-Charlottenburg, Kanfstraße 158, zu richten. Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände (E. V.). Die „Reichsvertretung“ zur Frage einer jüdischen Arbeitnehmerorganisation. Wir erhalten folgende Zuichrift: „Die Reich-svertrctung der Jüdischen Landesverbände Deutschlands hat Anfang Juli unter Bezugnahme aul eilten Aufruf des Bundes der jüdischen Arbeitnehmer in einer Pressenotiz darauf Jtlngewiesen. daß der Augenblick zur Verwirklichung einer jüdischen Arbeitnelunerorganisation nicht geeignet erscheine. Zahlreiche Anfragen..veranlassen uns. auf folgendes hinzuweisetr. Die Schaffung einer . jüdischen Arbeitnelunerorgatfisatinn. {die den jüdischen Arbeitnehmern den notwendigen rechtlichen und wirtschaftlichen Halt gewährt, muß unbedingt angestreht werden. Alle jüdischen Stellen sind sich der Wichtigkeit der hier bestehenden Aufgabe voll bewußt und tun das Mögliche, um sie zu'fördern. Die Gründung einer großen und zu fruchtbarer Arbeit befähigten Organisation ist jedoch nur im Einverständnis mit der Regierung angebracht' und möglich. Im jetzigen Augenblick erscheint das Aufziehen einer derartigen Organisation nach wie vor nicht angängig, im besonderen kann eine Förderung des Bundes der jüdischen Arbeitnehmer -nicht empfohlen werden."

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